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Seminararbeit, 2000, 13 Seiten
Autor: Christiane Perdacher
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: University of Sheffield (Germanistik)
Tags: Käthchen, Heilbronn, Berücksichtigung, Produktion, Sexualität, Werk, Literatur, Romantik
Jahr: 2000
Seiten: 13
Note: Sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 5 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-36867-4
Dateigröße: 233 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Das Käthchen von Heilbronn - Mit besonderer
Berücksichtigung der "diskursiven Produktion
moderner Sexualität" in diesem Werk
von: Christiane Perdacher
Inhaltsverzeichnis
1. Kurzbiographie des Autors
2. Das Gattungsproblem
3. Stoffgeschichtliche Hintergründe
4. Der Inhalt
5. Die Motive
5.1. Der Doppeltraum
5.2. Der Somnambulismus
6. Die diskursive Produktion moderner Sexualität in Kleists „Käthchen von Heilbronn“
6.1. Die Bestimmung Käthchens als privilegiertes Lustobjekt der Männerphantasien
Literaturverzeichnis
1. Kurzbiographie des Autors
Bernd Wilhelm Heinrich von Kleist wurde 1777 als fünftes Kind eines preußischen Majors in Frankfurt geboren. Militärisch durch den Vater vorbelastet, trat er mit 14 Jahren in das Potsdamer Gardekorps ein, schied aber schon 1799 freiwillig aus dem Dienst aus und widmete sich verschiedenen Studien an der Universität Frankfurt. Kleist verlobte sich mit einer Nachbarstochter namens Wilhelmine von Zenge und unternahm viele Reisen. Er löste sein Verlöbnis aber 1802, da Wilhelmine nicht seinem Frauenideal entsprach. 1805 erhielt er nach vielen Bemühungen eine Anstellung bei der Domänenkammer in Königsberg, die er 1807 aufgab. Im gleichen Jahr wurde er von den Franzosen als vermeintlicher Spion verhaftet und bis Juli desselben Jahres im französischen Jura gefangengehalten. Danach verbrachte er längere Zeit in Dresden, wo er engsten Kontakt mit führenden Romantikern pflegte. Er war hier auch als Herausgeber der Zeitschrift „Phöbus“ tätig. Kleist reiste danach weiter und kehrte 1810 nach Berlin zurück, wo er mit Adam Müller die Berliner Abendblätter herausgab. Diese Zeitschrift mußte aber nach erfolgreiche m Beginn aufgegeben werden, da sich Schwierigkeiten mit der Zensur ergaben.1
Dies traf Kleist hart, denn er scheiterte sowohl als Journalist als auch als Dichter. Diese Tatsache und wahrscheinlich auch die politische Situation veranlassten ihn, gemeinsam mit der unheilbar kranken Henriette Adolfine Vogel den Freitod zu wählen. Kleist veröffentlichte das „Kätchen von Heilbronn“ 1810. Es ist das genaue Gegenteil zum Drama „Penthesilea“, welches 1808 uraufgeführt wurde. Beide Dramen handeln im eigentlichen Sinne von der Liebe, wobei aber Penthesileas Liebe zu Achilles tragisch endet.3
Im „Käthchen“ äußert sich Kleists gesamtes Glücks- und Liebesverlangen, das er aber in der Realität nie befriedigen konnte. In das Drama „Penthesilea“ hingegen legte der Autor den Schmerz seiner zerrütteten Seele.4
2. Das Gattungsproblem
Der Untertitel „Ein großes historisches Ritterschauspiel“ scheint das Drama in die Tradition des Ritterdramas einzuordnen, welches sich Ende des 18. Jahrhunderts nach dem „Götz von Berlichingen“ von Goethe schnell verbreitete. In diesen speziellen Dramen sind gewisse Elemente immer wieder aufzufinden. Die typischen Elemente sind auch im „Käthchen“ enthalten. Diese sind u. a.: Die Köhlerszenen, die Wirtshauszenen, das Femgericht, der Burgbrand, die Giftmischerei, die Briefverwechslung usw. Dennoch hat dieses Drama nichts gemeinsam mit den historischpatriotischen Ritterdramen, die damals üblich waren, denn im „Käthchen“ wird keine historische Thematik oder Problematik behandelt. Ein Kennzeichen für Kleists besondere Form des Ritterdramas ist auch, daß das Femegericht 5 bei Kleist nicht jene furchterregende Funktion hat, die sonst bei Ritterdramen üblich gewesen ist. – Auch wirken einige Szenen dieses Spektakels eher wie eine Parodie auf diese Gattung. Der Untertitel „Historisches Ritterschauspiel“ ist also nicht gattungsmäßig kennzeichnend. Es stellt sich nun die Frage, warum Kleist auf diese Art des Dramas zurückgriff, obwohl er sich gegen diese in einem Brief an Wilhelmine noch kritisch äußerte. – So bemängelte er des Öfteren das kulturelle Niveau dieser Spektakel. Man kann zusammenfassend sagen, dass Kleist das äußerliche Szenarium des Ritterdramas übernommen hat, um mit seinem Schauspiel eine spezielle Bühnenwirksamkeit zu erlangen. 7 - Was ihm mehr oder weniger auch gelang, war das „Käthchen“ doch das einzige Stück, das sogar noch zu seinen Lebzeiten mit großem Erfolg aufgeführt wurde.8
3. Stoffgeschichtliche Hintergründe
In stoffgeschichtlicher Hinsicht verweist die Handlung (Strahl muß sich zwischen zwei Frauen entscheiden, von denen er die richtige wählt) auf bestimmte Traditionen des Märchens. Es konnte aber kein bestimmtes Märchen als direkte Vorlage fürs Käthchen nachgewiesen werden. Man vermutet deshalb, dass Kleist aus mündlichen Überlieferungen schöpfte. Weiters nimmt die Handlung zwischen dem Grafen und Käthchen (Standesunterschied) Bezug zu volkstümlichen Dichtungen (vor allem zu Volksballaden.)9
[...]
1 Vgl. Heinrich von Kleist. In: A. Salzer u. E. Tunk (Hrsg.): Illustrierte Geschichte der Deutschen Literatur. Sonderausgabe. neu bearb. v. C. Heinrich u. J. Münster-Holzlar. 6 Bde., Frechen, Bd. 3, S 281 f.
2 Vgl. ebd. S 282
3 Vgl. ebd. S 289
4 Vgl. ebd. S 289
5 Die Funktion des Femegerichts wird im Punkt sechs näher erläutert
6 Vgl. Dirk Grathoff: Erläuterungen und Dokumente. Heinrich von Kleist. Das Käthchen von Heilbronn., Stuttgart 1994, S. 73 - 77.
7 Auf die „spezielle“ Bühnenwirksamkeit wird im sechsten Punkt noch näher eingegangen-
8 Vgl. ebd. S. 78. f.
9 Vgl. ebd. S. 80. f.
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