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Autor: Nicole Giese
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Institution/Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen (Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie)
Tags: Problem, Sammlungstrategien, Kulturtechnik, Sammeln
Jahr: 2005
Seiten: 16
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 22 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 162 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-36935-0
ISBN (Buch): 978-3-638-77513-7
Zusammenfassung / Abstract
Was ist eine museale Sammlung? Wodurch unterscheidet sie sich von einer privaten Sammlung? Wie gelangt ein Museum zu einer Sammlung und wie geht es mit dieser um? Diese Fragen gehören alle in das Gebiet der so genannten Sammlungsstrategie eines Museums. Das Thema der Sammlungsstrategien kam in der Mitte der 1970er Jahren in Deutschland auf und hat sich zu einem Diskurs entwickelt, in dem sehr konträre Positionen vertreten werden. Um diesen weitläufigen Gegenstand ein wenig einzugrenzen, befasst sich diese Arbeit ausschließlich mit Sammlungsstrategien von volkskundlichen Museen in Deutschland, da insbesondere diesen Museen auf Grund der Dokumentation der Gegenwart in den letzten Jahren ein sehr großes Wachstum widerfahren ist, was sowohl die Zahl der Institute als auch deren Sammelaktivitäten angeht. Daraus resultiert das Problem, wie Museen in Zeiten von Raum-, Geld- und Personalnot mit den vorhandenen und immer größer werdenden Sammlungen umgehen sollen. Ob es dabei überhaupt möglich ist, sich als Museum an ein vorgegebenes Konzept zu halten oder ob die Sammeltätigkeit ganz anderen Faktoren unterliegt, wird im Folgen-den zu klären sein. Ziel dieser Arbeit ist es, die gegensätzlichen Positionen des Diskurses aufzuzeigen, die oben angeführten Fragen zu beantworten und Lösungsansätze aus der Museumspraxis zu präsentieren und zu analysieren.
Textauszug (computergeneriert)
Georg-August-Universität Göttingen
Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie
Proseminar: Kulturtechnik Sammeln
Überlegungen zum Problem der Sammlungstrategien
von: Nicole Giese
Inhaltsangabe
1. Vorwort 2
2. Theoretische Überlegungen zur Sammlungsstrategie 3
3. Probleme bei der Umsetzung in die Praxis 5
4. Lösungsansätze 8
4.1 Das Projekt „Bodenstanduhren in Westfalen“ 8
4.2 Das schwedische Museumsnetzwerk SAMDOK 9
4.3 Das Schaumagazin des Focke Museums 11
5. Fazit 13
6. Literatur 14
1. Vorwort
Was ist eine museale Sammlung? Wodurch unterscheidet sie sich von einer privaten Sammlung? Wie gelangt ein Museum zu einer Sammlung und wie geht es mit dieser um? Diese Fragen gehören alle in das Gebiet der so genannten Sammlungsstrategie eines Museums. Das Thema der Sammlungsstrategien kam in der Mitte der 1970er Jahren in Deutschland auf und hat sich zu einem Diskurs entwickelt, in dem sehr konträre Positionen vertreten werden.
Um diesen weitläufigen Gegenstand ein wenig einzugrenzen, befasst sich diese Arbeit mit Sammlungsstrategien einiger ausgewählter volkskundlicher Museen in Deutschland, da insbesondere diesen Museen auf Grund der Dokumentation der Gegenwart in den letzten Jahren ein sehr großes Wachstum widerfahren ist, was sowohl die Zahl der Institute als auch deren Sammelaktivitäten angeht. Daraus resultiert das Problem, wie Museen in Zeiten von Raum-, Geld- und Personalnot mit den vorhandenen und immer größer werdenden Sammlungen umgehen sollen.
Ob es dabei überhaupt möglich ist, sich als Museum an ein vorgegebenes Konzept zu halten oder ob die Sammeltätigkeit ganz anderen Faktoren unterliegt, wird im Folgenden zu klären sein. Ziel dieser Arbeit ist es, die gegensätzlichen Positionen des Diskurses aufzuzeigen, die oben angeführten Fragen zu beantworten und Lösungsansätze aus der Museumspraxis zu präsentieren und zu analysieren.
2. Theoretische Überlegungen zur Sammlungsstrategie
Eine private Sammlung besteht meistens aus Objekten, für die der Sammler im Laufe seines Lebens ein besonderes Faible entwickelt hat oder die für ihn eine besondere Bedeutung haben. Was er sammelt und wie er dabei vorgeht, bleibt ganz dem Sammler überlassen. Wahrscheinlich entwickelt er dabei im Laufe der Zeit eine eigene Strategie. Diese wird aber in den seltensten Fällen schriftlich festgehalten und kann sich mit den Lebensumständen verändern. Dabei ist der Sammler in erster Linie nur sich selber verpflichtet. Das unterscheidet einen privaten Sammler vom Museum, welches den öffentlichen Auftrag hat zu sammeln. Was gesammelt wird, hängt mit der Ausrichtung des Instituts ab. Wie ein Museum sammeln sollte, wird in den „Ethischen Richtlinien für Museen“ festgehalten. Das sind moralische Richtlinien, die am 4. November 1986 in Buenos Aires bei der Generalkonferenz des Internationalen Museumsrates (ICOM) verabschiedet und am 6. Juli 2001 in Barcelona ergänzt worden sind. Darin heißt es unter Punkt 3.1 zum Thema „Sammlungen“: 1
Jeder Museumsträger sollte seine eigene Sammlungspolitik festlegen und sie in schriftlicher Form zugänglich machen. Dabei werden Fragen behandelt, die für Pflege und Nutzung der bestehenden öffentlichen Sammlungen des Museums von Bedeutung sind. Das Regelwerk nennt klar die Sammlungsbereiche und enthält Richtlinien für deren Bewahrung. Es umfasst auch Anweisungen über Bedingungen und Einschränkungen beim Neuerwerb […] Die Anschaffung von Objekten oder Exemplaren außerhalb der festgelegten Richtlinien sollte nur in Ausnahmefällen und nur nach gründlicher Prüfung durch den Träger des Museums erfolgen. Das bedeutet, dass jedes Museum Strategien für das eigene Sammeln entwerfen und in einem Sammlungskonzept festhalten sollte. Allerdings sind seit der Entstehung des ICOM-Kodex kaum Entwicklungen von Sammlungsstrategien in Deutschland zu finden. In der Praxis und im Diskurs über dieses Thema wird sogar bezweifelt, ob Sammeln nach einer festgelegten Strategie überhaupt sinnvoll und möglich sei. Die Hauptaufgabe eines Museums ist der Umgang mit seiner Sammlung. Dabei stehen nach der klassischen Vorstellung der Aufbau und die Vervollständigung der Sammlung an vorderster Stelle. Erst danach rangieren die Aufgaben Forschen, Bewahren und Vermitteln. Außerdem ist „die jeweilige Sammlung ein entscheidender Faktor in der Herausbildung einer unverwechselbaren Identität eines Museums […].“2 Wenn nun aber benachbarte und themenverwandte Museen ohne ein festgelegtes Konzept Objekte an- häufen, „verwischt nicht nur das Sammlungsprofil des eigenen Hauses, sondern führt häufig zu unnötiger Konkurrenz […].“3 Thomas Overdick schlägt deshalb folgende Fragen vor, mit Hilfe derer ein Sammlungskonzept entwickelt werden kann:4
· Was sammeln wir?
· Wie entscheiden wir, ob ein Objekt angenommen wird?
· Was passiert mit einem Objekt, das in die Sammlung aufgenommen wird (Inventarisation, Dokumentation)?
· Wie pflegen und lagern wir unsere Sammlung (Konservierung, Restaurierung, Magazinierung etc.)?
· Wie machen wir unsere Sammlung zugänglich (Ausstellung, Leihverkehr, Schaudepot, Studiensammlung etc.)?
· Dürfen Sammlungsgüter ausgesondert werden? Wenn ja, wie?
[...]
1 ICOM – Ethische Richtlinien für Museen (Code of Ethics for Museums), S. 8.
2 Thomas Overdick: Sammlung statt Sammelsurium – Zur Entwicklung des Sammelkonzepts für das Freilichtmuseum am Kiekberg. In: Mitteilungsblatt Museumsverband Niedersachsen Bremen, Nr. 62, Hannover 2002, S. 45. (Overdick, 2002.)
3 Overdick, 2002, S. 46.
4 Ebd.
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