Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1997, 27 Pages
Author: Barbora Sramkova
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Technical University of Berlin (Institut für Deutsche Philologie)
Tags: Janusgesicht, Mutter, Untersuchung, Grimmschen, Märchensammlung, Grimms, Märchen, Archetyp, Jorinde, Joringel, Grosse
Year: 1997
Pages: 27
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-36938-1
File size: 230 KB
Other users also were interested in the following titles:
Excerpt (computer-generated)
Das Janusgesicht der Grossen Mutter. Eine Untersuchung
der Grimmschen Märchensammlung
von: Barbora Sramkova
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Die Archetypenlehre C.G.Jungs 4
3. Das doppelte Gesicht der Großen Mutter 5
4. Die Große Mutter als Schicksalsmacht 8
5. Die bedrohliche Muter 13
5.1 Die Todesmutter 13
5.2 Die Mutter, die es gut meint 19
6. Die hegende Mutter 21
6.1 Die lebens fördernden Tiergestalten 22
6.2 Die allmächtige Herrin der Unterwelt 23
7. Zwischen Gut und Böse: Die Teufelin 24
8. Zusammenfassung 25
9. Literaturverzeichnis 27
1. Einleitung
Ausschlaggebend für die folgenden Untersuchungen, die sich mit dem Prinzip des Weiblichen in den Grimmschen Märchen beschäftigen, wie es sich in den mannigfaltigen Erscheinungs formen der Großen Mutter niederschlägt, war die Archetypenlehre von C.G.Jung. Dabei soll es sich weniger um eine tiefenpsychologische Märcheninterpretation handeln, wie sie z.B. Eugen Drewermann geliefert hat1, als um eine vergleichende Untersuchung der archetypischen Motiven, die mit dem weiblichen Prinzip zusammenhängen. Jung hat darauf hingewiesen, dass die Märchenmotive, die in zahlreichen Abwandlungen parallel bei verschiedenen Völkern auftauchen, eine Manifestation des kollektiven Unbewussten sind. Als solche sind dann die Märchenmotive nicht isoliert zu betrachten, sondern in breiteren Zusammenhängen der Mythologie der griechisch-römischen Antike, aber auch der östlichen Kulturen, um nur die wichtigsten Bezugspunkte zu nennen, auf die sich die Archetypenanalyse stützt. In der Grimmschen Märchensammlung begegnen wir einer Schar Gestalten, die dem Archetyp der Großen Mutter zuzuordnen sind. Da der Begriff des weiblichen Prinzips sehr umfangreich ist, soll er hier nicht in seinem ganzen Spektrum dargestellt werden. Weitgehend unberücksichtigt bleiben z.B. die Jungfrauen und Prinzessinnen, die als Verkörperungen der Anima in den Märchen eine durchaus wichtige Bedeutung haben. Unser Augenmerk wird sich vorwiegend auf die weiblichen Figuren richten, die das personifizierte Prinzip des Mütterlichen vertreten. Die zentrale Gestalt dieses Umfeldes ist die Große Mutter. Diese Bezeichnung scheint, unter allen verwandten Begriffen, wie z.B. Mutter Erde, Mutter Natur, die gute oder schlechte Mutter, am ehesten das auszudrücken, was das eigentliche Faszinosum dieses Archetyps ausmacht, nämlich den merkwürdigen Doppelcharakter dieser Gestalt. Natürlich ist die Große Mutter ein Abstraktum, das an sich nicht untersucht werden kann. In den Märchen kommen meistens Figuren vor, die einige positive oder negative Aspekte des Weiblichen darstellen.
Die Archetypenlehre Jungs wird uns in diese Problematik einführen; ein zweiter Grundstein sei mit den Erforschungen von Erich Neumann gelegt, die sich mit dem Archetyp des Großen Weiblichen in allen seinen Erscheinungsformen auseinandersetzen. Im folgendem werde ich mich dann bemühen, die weiblichen Figuren der Grimmschen Märchensammlung als Trägerinnen von elementaren archetypischen Vorstellungen zu zeigen - als Figuren, die mit den großen mythologischen Gestalten in einer Reihe stehen.
2. Die Archetypenlehre C.G.Jungs
Der Untersuchung der mütterlichen Gestalten in den Märchen der Brüder Grimm sei noch eine kurze Exkursion in die Jungsche Archetypenlehre vorausgeschickt2. Die Erkenntnisse, zu denen C.G. Jung auf dem Gebiet der Tiefenpsychologie gekommen ist, erleichtern uns wesentlich das Verständnis solcher urtümlichen literarischen Formen, zu welchen natürlich auch die Märchen gehören. Zwei Begriffe, die sich eng aufeinander beziehen, sind in diesem Zusammenhang von besonders großer Bedeutung, nämlich das kollektive Unbewusste und der Archetyp.
Das kollektive Unbewusste stellt die geistige Erbmasse der Menschenentwicklung dar, es ist „in allen Menschen sich selbst identisch und bildet damit eine in jedermann vorhandene allgemeine seelische Grundlage überpersönlicher Natur“. Es liegt in der Beschaffenheit dieser kollektiven Schicht der menschlichen Psyche, dass ihre Inhalte kaum bewusst gemacht werden können, was aber noch nicht bedeutet, dass sie sich auf die eine oder andere Weise nicht manifestieren können, sonst wäre ja das ganze Konzept nur eine hypothetische Vermutung. Die Existenz des kollektiven Unbewussten wird aber nicht bestritten, und es sind die Archetypen, bzw. archetypische Vorstellungen, die uns davon ein Zeugnis ablegen können. Die Archetypen, oder Urbilder, wie sie Jung anfangs nannte, stellen die Inhalte des kollektiven Unbewussten dar. Sie sind die vorbewußt vorhandenen, vererbbaren Strukturdominanten der Psyche, deren Ursprung zwar dunkel ist, die aber als Mythologeme, Sagen- und Märchenmotive, Motive der Religionsgeschichte, der Kunst und der Dichtung, der Träume, Visionen und Phantasien die ganze Menschheitsentwicklung begleiten. Es sollte noch hinzugefügt werden, dass es sich dabei nicht nur um statische Vorstellungen in der Form von Bildern und Gestalten handelt, sondern auch um dynamische Prozesse und Naturvorgänge wie Geburt und Tod, Sonnenauf- und unterging, den Reifungsprozess des Menschen usw.
Um dem Konzept des Archetyps gerecht zu werden, müssen wir noch zwei wichtige Aspekte festhalten. Die Archetypen an sich sind unanschaulich, und, ähnlich wie die Platonischen Ideen, nur in ihren Erscheinungsformen erfahrbar. Die Tatsache, dass es sich trotz der Vielfältigkeit und Wandelbarkeit der archetypischen Bilder immer um das gleiche Urbild handelt, ist dadurch bedingt, dass die Archetypen nämlich formal und nicht inhaltlich bestimmt sind, wobei die Form nicht als die äußere Gestalt, sondern eher als eine Funktion zu verstehen ist. So stehen dann solch unterschiedliche Märchengestalten wie z.B. ein Fisch, eine Wassernixe, eine Teufelin oder ein Kräutermütterchen alle für das hilfeleistende Prinzip (auch wenn manche Figuren Hilfe und Unheil zugleich bringen können). Die Unwesentlichkeit des Erscheinungsbilds ist dann besonders ersichtlich, wenn sich das Äußere nur als eine vorübergehende Form erweist.
Die Archetypen unterliegen in ihrer fast unendlich variablen Vielfalt einer bestimmten Hierarchie, so dass man von primären und sekundären Archetypen sprechen kann. Die Anzahl der primären Archetypen ist begrenzt, als typische Beispiele seien die Große Mutter, der Weise Alte oder das göttliche Kind angeführt. Sekundäre Archetypen der Großen Mutter wären dann z.B. die Königin, die Stiefmutter, die Hexe im Wald, oder auch die Kröte oder der Fisch. Da sich die Archetypen nicht nur auf anthropo- und theriomorphe Gestalten beschränken, kann man als Darstellung des Weiblichen auch Elemente und Gegenstände wie z.B. das Meer, der Brunnen, der Baum, der Kessel usw. betrachten. Wenn dieser Reduktionsvorgang konsequent durchgeführt wird, stehen am Ende dieser Kette (oder vielmehr an deren Anfang, da es hier um die Verfolgung des Ursprungs geht) Begriffe wie Chaos, Dunkelheit, das Empfangende schlechthin. Und hier liegt auch der wunde Punkt dieser Problematik, weil die Analyse der archetypischen Motive unter dem tiefenpsychologischen Gesichtspunkt die Gefahr läuft, alle Phänomene auf die urtümliche Auseinandersetzung zwischen Licht und Dunkel, bzw. Gut und Böse zurückzuführen. Es ist offensichtlich, dass bei der Beschäftigung mit den archetypischen Gestalten in Märchen dieses Muster nur beschränkt von Nutzen sein kann, es ist aber keineswegs abwegig, es dabei im Hinterkopf zu behalten.
3. Das doppelte Gesicht der Großen Mutter
[...]
1 Eugen Drewermann: Rapunzel, Rapunzel, laß dein Haar herunter. Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet. Deutscher Taschenbuch Verlag München, 1992.
2 In dem folgenden Überblick beziehe ich mich auf die Darstellung Jungscher Lehre von Jolande Jacobi: Komplex, Archetyp, Symbol. Zürich, 1945.
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Kommunikation in der Verhandlung - Das Harvard-Konzept als Mediationsstrategie
Author: David SteinLaw - Miscellaneous, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Die Entwicklung von Bindungsverhalten und Bindungsstörungen aus der Sicht der Bindungstheorie
Author: Stefan MaschackPsychology - Developmental Psychology, 2003 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Wie die Schlange zum Teufel und die Frau zur Schlange wurden
Author: Sandy PennerGerman Studies - Modern German Literature, 2005 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Das Symbol Tür
Author: Bernd WegenerTheology - Didactics, Religion Pedagogy, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Das Selbstkonzept
Author: Claudia BeckerPsychology - Developmental Psychology, 2002 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Mediation im Kontext der Transaktionsanalyse
Author: M.A. Mag.rer.publ. B.A. Dipl.-Verwaltungswirt (FH) Andreas StollerPsychology - Work, Business, Organisational and Economic Psychology, 2006 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Die Farbsymbolik in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
Author: M.A. Melitta TöllerGerman Studies - Modern German Literature, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Die Traumdeutung nach Sigmund Freud - Einführung in die Psychoanalyse
Author: Christian LübkePsychology - Personality Psychology, 2005 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Mediation - Eine Methode der Konfliktlösung?
Author: Valerie BernerPedagogy: Common Didactics, Educational Objectives, 2005 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Konfliktdiagnose und Dynamik der Eskalation
Author: Dipl. Inf. Sabine AugustinPsychology - Consulting, Therapy, 2004 Download as PDF-file for 8,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: