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Das Argument des familialen Erziehungsdefizits in der Ganztagsschuldebatte

Termpaper, 2004, 14 Pages
Author: Cornelia Tietzsch
Subject: Pedagogy - School System, Educational and School Politics

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 14
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 22  Entries
Language: German
Archive No.: V37729
ISBN (E-book): 978-3-638-36994-7

File size: 151 KB
Notes :
In der heutigen Gesellschaft wird häufig behauptet, dass Kinder und Jugendliche nicht „richtig“ erzogen sind. Soll daher jetzt die Institution Ganztagsschule dieses Erziehungsdefizit ausgleichen und ist sie überhaupt dazu in der Lage oder muss die Familie auf ihre Erziehungspflichten aufmerksam gemacht werden? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich diese Hausarbeit



Excerpt (computer-generated)

Ruhr Universität Bochum
Institut für Pädagogik
Seminar: Proseminar „Kindheit und Jugend in der BRD“

Das Argument des familialen Erziehungsdefizits in der
Ganztagsschuldebatte

von: Cornelia Tietzsch

 


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort 1

2. Entstehung der Ganztagsschuldebatte 2

2.1. Hintergründe „fehlender“ Erziehung 3
2.2. Mögliche Ursachen für mangelnde familiale Erziehung 4

3. Die Ganztagsschule als Kompensierung familialer Erziehungsdefizite 6

4. Gründe für eine Ablehnung der Ganztagsschule 8

5. Fazit 10

6. Literaturverzeichnis 11


 

1. Vorwort

In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit der Fragestellung beschäftigen, ob familiale Erziehung durch Erziehung innerhalb der Ganztagsschule ersetzt werden kann.

In der heutigen Gesellschaft wird häufig behauptet, dass Kinder und Jugendliche nicht „richtig“ erzogen sind. Ohne mich damit beschäftigen zu können, ob die Vorwürfe wirklich zutreffend sind, möchte ich mögliche Gründe für die Vernachlässigung der Erziehung anführen. An diesen Punkten kann ich dann im weiteren Verlauf meiner Arbeit erläutern, welche Gründe für und gegen die Erziehung in der Ganztagsschule bzw. der Erziehung außerhalb der Familie sprechen. Ich habe diese Hausarbeit auf viele Zitate gestützt, um die unterschiedlichen Meinungen zu verdeutlichen und auch die andauernde Beschäftigung mit diesem Thema aufzuzeigen. Denn wie und wo Erziehung stattfinden sollte ist eine ständige Debatte.

Die Ganztagsschuldiskussion ist momentan sehr aktuell. Die meisten Begründungen laufen jedoch alle auf die PISA-Studie hinaus, die als Anlass für den Umbau des deutschen Schulsystems gesehen wird. Gründe, wie die Vernachlässigung der Kinder durch ihre Eltern, die schon länger existieren, werden leider nur sehr selten angesprochen. Aus diesem Grund habe ich versucht diese Debatte schwerpunktmäßig auf sozial-gesellschaftliche Veränderungen im Laufe der Zeit, im Besonderen innerhalb der Familie zu untersuchen und Faktoren aus dem Bereich der Politik und der PISA-Studie möglichst auszugrenzen.

2. Entstehung der Ganztagsschuldebatte

Die Halbtagsschule in Deutschland hat eine lange Tradition. Im 19. Jahrhundert gehörte die ganztägige Schule zwar noch zum Alltag der Kinder, aber seit der Jahrhundertwende, hat sich die Vormittagsschule durchgesetzt. Deswegen wurde nur in geringem Maße auf Forderungen nach Ganztagsschulsystemen, die es schon seit Beginn des 20 Jahrhunderts („Landerziehungsheime“, siehe auch Kap 2.1.) gegeben hat, eingegangen.1 Das erste gezielte Gründungsvorhaben für Ganztagsschulen entstand in der Nachkriegszeit als Reaktion auf sozialpolitische Probleme. Die hohe Anzahl an unvollständigen Familien, die häufige Erwerbstätigkeit der Mutter und daraus resultierende Belastungen für die Kinder, sollten durch die Ganztagsschule aufgefangen werden. Die Ganztagsschule sollte also vor allem zur Betreuung von unversorgten Kindern dienen.2

Anfang der neunziger Jahre kam mit der Wiedervereinigung eine gewisse Bewegung in die Diskussion, zeigten doch die Probleme bei der Transformation des Erziehungssystems der DDR, dass die Ganztagserziehung Ost möglicherweise nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile gehabt hatte. Vor allem aber lässt die Ende 2001 veröffentlichte internationale Schulstudie PISA die deutsche Halbtagsschule in einem anderen Licht erscheinen – und zwar nicht etwa in zukunftsweisendem hellem Glanz, sondern eher in rückständigem Schein.3

Die jetzige Debatte ist also auch wieder eine Reaktion auf gesellschaftliche Probleme. Der Auslöser ist die PISA-Studie und das Erschrecken der Deutschen, dass ihre Schulkinder ungebildeter sind als der Durchschnitt aller teilnehmenden Länder. Abgesehen von der Bildung scheint es aber auch immer schlechter auszusehen mit der Erziehung. Es werden „Kopfnoten“ verlangt und überall wird von „Werteverfall“ gesprochen. Nun soll die Ganztagsschule diese Probleme aufgreifen und lösen, denn viele denken, dass die deutsche Halbtagsschule (ein Ausnahmefall in Europa) Schuld an der ganzen Misere ist. Denn „Länder mit Ganztagsschulsystemen, […] [schneiden] deutlich besser ab als diejenigen, die wie Deutschland Schule auf wenige Stunden Unterricht am Vormittag konzentrieren.“4 Da ich in meiner Hausarbeit nur auf Argumente der Erziehung in Bezug auf die Ganztagsschule eingehen kann, möchte ich im Folgenden mögliche Gründe für die vorgeworfenen Erziehungsdefizite von Kindern anführen.

2.1. Hintergründe „fehlender“ Erziehung

[...]


1 Vgl. Gottschall, Karin / Hagemann, Karen: Die Halbtagsschule in Deutschland: Ein Sonderfall in Europa? In: Aus Politik und Zeitgeschiche. B 43 / 2003. S. 13.

2 Vgl. Holtappels, Heinz Günter: Ganztagsschule und Schulöffnung. Perspektiven für die Schulentwicklung. Weinheim / München, 1994. S. 14 f.

3 Die Halbtagsschule…ebd. S.12.

4 Die Halbtagsschule…ebd. S.12.


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