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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 33 Pages
Author: Frank Lachmann
Subject: Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Details
Institution/College: University of Cologne (Philosophisches Seminar)
Tags: Frage, Absoluten, Kontingenten, Hintergrund, Logik, Hegels, Absolute, Kontingente, Brüder, Köln
Year: 2003
Pages: 33
Grade: 1,0 (sehr gut)
Bibliography: ~ 4 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37035-6
File size: 265 KB
Diese Arbeit setzt sich mit dem Status der Fundamentalkategorien Absolut(es) und Kontingent(es) unter Hegelscher Perspektive auseinander. Dabei wird detailliert nachgewiesen, daß beide nicht selbständigen, voneinander unabhängigen Seinssphären angehören, sondern unmittelbar aufeinander verweisen und bezogen sind.
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Excerpt (computer-generated)
Die Frage nach dem Absoluten und dem Kontingenten
vor dem Hintergrund der Logik Hegels
von: Frank Lachmann
Inhalt
0. Abstract 3
1. Die Frage nach dem Absoluten und dem Kontingenten und ihre Aporien
1a) Notwendige Bedingungen für Absolutes und Kontingentes
A) Absolutes 4
B) Kontingentes 5
1b) Aporien der Ausgangsfrage und die Selbstwidersprüchlichkeit ihrer Implikationen 6
1c) Der Primat des Absoluten und seine begrifflichen Widersprüche am Beispiel der platonischen Lehre von den Ideen 7
2. Die Frage nach dem Endlichen und Unendlichen bei Hegel
2a) Vorklärungen und Reformulierung der Fragestellung 9
2b) Die Entwicklung der Kategorie der Endlichkeit – Etwas und Anderes 14
2c) Überlegungen zur dialektischen Methode – Widerspruch und indirekter Beweis 17
2d) Die Endlichkeit 19
2e) „Schlechte Unendlichkeit“ 21
2f) Affirmative Unendlichkeit: Die Wahrheit der „schlechten Unendlichkeit“ als symmetrische Implikation von Endlichkeit und Unendlichkeit 24
2g) Zwischenergebnis 27
3) Die absolute Idee 27
Bibliographie 33
0. Abstract
Diese Arbeit verfolgt hinsichtlich der Problematik des Verhältnisses von Absolutem und Kontingentem zwei miteinander korrelierende Ziele. Zum einen soll gezeigt werden, daß in Anbetracht der Logik Hegels die für die Philosophie seit der Antike so grundlegende Frage nach der Seinsweise und der Art des Zusammenhangs von Absolutem und Kontingentem wesentlich falsch gestellt ist, weil nach ihrer klassischen Lesart beide als prinzipiell verschieden voneinander präsupponiert werden. 1 Die Begründung für diese These wird in der Darstellung eben jener Hegelschen Position in diese Zusammenhang bestehen, ja es wird sich ergeben, daß, wenn eine stichhaltige Kritik der Frage und ihrer möglichen Lösungsvorschläge überhaupt noch eine Alternative zuließen, es dann notwendig wäre, der Problematik gegenüber von vornherein einen völlig anderen Standpunkt einzunehmen – den der dialektischen Vernunft statt den des (endlichen) Verstandes.2 Der erste Teil der Arbeit wird begriffsanalytisch verfahren; die Darstellung konkreter historischer Positionen wird vermieden, um deren Detailproblemen aus dem Wege zu gehen. Statt dessen wird versucht, allein auf Grundlage der möglichst allgemein gehaltenen und auf ihren Wortsinn (hier: auf notwendige Bedingungen) reduzierten Begriffe von Absolutem, Kontingentem und dem einer etwaigen Vermittlung beider prinzipielle und aus bestimmten Gründen notwendige Divergenzen zwischen der beanspruchten und der wirklichen Bedeutung (zwischen Pragmatik und Semantik oder, wenn man so will: zwischen Form und Inhalt) dieser Begriffe aufzuzeigen.
Die zweite Aufgabe besteht dann in einer konkreten Erläuterung des Verfahrens jener oben erwähnten dialektischen Vernunft bzw. ihrer Methode, die eine Überwindung der vorgeblich unüberwindlichen Widersprüchlichkeit der in Frage stehenden Kategorien zu leisten in der Lage sein will. Verdeutlicht werden soll dies am in Bezug auf die Ausgangsfrage naheliege nden Beispiel der Kategorien von Endlichkeit und Unendlichkeit im Daseinskapitel der Logik bzw. der Enzyklopädie. Dabei wird sich ergeben, daß letztere als Kandidatin für das Absolute im gewöhnlichen Sinne ausscheidet. Deshalb soll anschließend Hegels Fassung des Absoluten in Form der Darstellung der Funktionsweise und der Verortung der absoluten Idee vorgestellt werden. Die absolute Idee soll als eine epistemologische wie auch ontologische Instanz, die sich in ihrem Verfahren nicht in den bekannten Aporien verwickelt, ausgewiesen werden, womit die Arbeit beschlossen werden soll.
1. Die Frage nach dem Absoluten und dem Kontingenten und ihre Aporien
1a) Notwendige Bedingungen für Absolutes und Kontingentes
Die Lesarten der Ausdrücke „Absolutes“ und „Kontingentes“ in der Geschichte der Philosophie sind zahlreich. 3 Dennoch dür fte eine tragfähige begriffsanalytische Interpretation beider möglich sein, bei der Spezifika z.B. der jeweiligen Schulposition oder auch gewisse Implikationen in Hinsicht auf deren historische Verfasstheit zwar vernachlässigt, dafür aber die notwendigen, irreduziblen Bedingungen für eine Rede von Absolutem und Kontingentem als Resultat herausgearbeitet werden. Dies soll im folgenden in aller Kürze geschehen.
A) Absolutes
Das Absolute im erkenntnistheoretischen Sinne ist, formal betrachtet, diejenige Begründungsinstanz, mit der ein infiniter Regress zugunsten einer befriedigenden Letztbegründung ve rmieden werden kann. Da diese Instanz selbst aber nicht mehr in einem etwaigen weiteren Schritt begründungsbedürftig sein darf und es sich darüber hinaus auch noch um diejenige handeln soll, deren epistemisches Gewicht so groß ist, daß sie in der Lage ist, Letztbegründung für alle denkbaren Rechtfertigungsvorgänge zu leisten, bleibt als Antwort auf die Frage nach ihrer Rechtfertigung nur ein Verweis auf ihre Selbstbegründung als unhintergehbares Prinzip. Das Absolute hat in diesem Sinne also zwei notwendige Bedingungen: erstens darf es weder möglich noch notwendig sein, es unter Rekurs auf etwas außerhalb seiner selbst Liegendes zu begründen, und zweitens muß es selbst als Letztbegründung in jedem Falle fungieren können. 4
Auch im ontologischen Sinne spielt für den Begriff des Absoluten die Selbstbegründung die wichtigste Rolle. Hier ist diese so zu verstehen, daß das Absolute unvermittelt ist, nicht hervorgebracht wurde und nie Wirkung sein kann, sondern nur Ursache, und zwar für sich selbst und anderes. Sein Begriff widerspricht einer Ein- oder Unterteilung seiner, denn weil es mit sich selbst stets identisch ist, ist es selbst erst die Grundlage für Verschiedenheit, die als solches nur vermittels eines Identischen denkbar ist. Alles ihm logisch Nachgeordnete muß letztlich genetisch auf es angewiesen sein, und zwar sowohl im Sinne seiner konkreten Erzeugung als auch seiner Bedeutung: Wirkungen müssen auf ihre Ursachen zurückführbar sein, Akzidenzien können ohne eine Substanz nicht wirklich sein, der Begriff des Teils ist sinnlos bzw. widerspricht sich selbst ohne den des Ganzen, die wesentliche Ununterschiedenheit von augenscheinlich Verschiedenen ist nur mittels eines Dritten, Allgemeineren festzustellen etc. – Hieraus ergeben sich mehrere Konsequenzen für das Sein des Absoluten: aufgrund seiner Omnipotenz kann es nichts Empirisches und damit nichts Endliches sein, sondern muß, im Gegenteil, außerhalb der Kategorien von Raum und Zeit angesiedelt sein; daraus ergibt sich, daß eine Erkenntnis seiner, so sie denn möglich ist, nur auf geistigem Wege stattfinden kann. Die bedeutendste Schlussfolgerung allerdings, in der alles eben Angeführte aufgehoben ist, ist die, daß das Absolute notwendig und unendlich ist; sein Begriff ist unverträglich mit jeglicher Zufälligkeit, Begrenztheit und Unvollständigkeit, sowohl in epistemischer als auch in ontologischer Hinsicht, da es nie im Modus einer bloßen Möglichkeit sein kann: „Das Absolute ist nicht notwendig“ bedeutete demnach „Das Absolute könnte auch nicht sein“ und damit „Das Absolute ist (bloß) möglich“. Da es aber nicht hervorgebracht wurde, ist es selbst die Bedingung von Möglichkeit überhaupt, ist unbedingt, weil unvermittelt und kann es in keinerlei Relation zu bloß möglichen anderen Faktoren stehen, die anderenfalls für sein Sein oder Nichtsein verantwortlich sein könnten. Unbedingtheit bedeutet unbedingtes, nicht-relatives Sein ohne Begrenzung oder Beschränkung. Für Sätze der Form „Das Absolute ist begrenzt“ ergäben sich nämlich analoge Konsequenzen wie die oben in Bezug auf die Notwendigkeit festgestellten.
B) Kontingentes
[...]
1 Besonders deutlich wird dies bei Hegels Betrachtung der „verständigen“ Frage nach der Verendlichung des Unendlichen. (Hegel, G.W.F.: Wissenschaft der Logik I. Frankfurt/Main 2000, S. 170f. – im folgenden „L“)
2 „Wenn vom Denken die Rede ist, so muß man das endliche, bloß verständige Denken vom unendlichen, vernünftigen unterscheiden. Die Denkbestimmungen, so wie sie sich unmittelbar, vereinzelt vorfinden, sind endliche Bestimmu ngen. Das Wahre aber ist das in sich Unendliche, welches durch Endliches sich nicht ausdrücken und zum Bewusstsein bringen läßt.“ (ders.: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften I. Frankfurt/Main 1999, S. 94f. – im folgenden „EZ“)
3 Es sei hinsichtlich des Absoluten nur erinnert an den Weg von Platons Idee des Guten über die Gottesvorstellungen in der Scholastik bis hin zu Fichtes Supremat des subjektiven Geistes. – Auf die einzelnen Vorstellungen en detail einzugehen wird dennoch unnötig sein, denn ihre Gemeinsamkeiten sind freilich hinsichtlich der notwendigen Bedingungen für den Begriff vom Absoluten selbst wesentlich stärker ausgeprägt als ihre Differenzen – wäre dies nicht so, so wäre nicht klar, daß es in allen um denselben Begriff geht.
4 Dies gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, daß man von einem Begründungsregreß ausgeht; denkbar wäre auch, die Letztbegründung als „Erstes Wissen“ zu klassifizieren und zu verlangen, daß alle weiteren Propositionen aus diesem heraus deduzierbar sein müssen. Allerdings wäre dann erstens der Rahmen des prinzipiell Wißbaren sehr eingeengt, da es sich hierbei nur um Wissen a priori handeln könnte, und zweitens beginnt ein Begründungsvorgang, in welche Richtung auch immer, natürlich immer in konkreten Situationen, in denen mit einer Begründung die Voraussetzungen bestimmter Sachverhalte geliefert werden sollen. Deshalb scheint das Verständnis von Begründungsvorgang im regressiven Sinne gerechtfertigt.
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