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Scholary Paper (Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Frank Lachmann
Subject: Theology - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Cologne (Martin-Buber-Institut für Judaistik)
Tags: Religiöse, Polemik, Beispiel, Maimonides, Jüdische, Polemik, Mittelalter
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 1,7 (gut)
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37036-3
File size: 266 KB
In dieser Arbeit werden Inhalt und Funktion interreligiöser Polemik im Mittelalter anhand des Beispiels von Maimonides´ "Iggeret Teiman" dargestellt. Dabei geht es einerseits um den tatsächlichen Gehalt der Polemik - des Beweises, daß die eigene Religion die überlegenere ist -, andererseits wird ein genauer Blick auf die faktische Rezeption und Wirkmächtigkeit solcher Schriften geworfen und gezeigt, daß die soziale Funktion der Polemik wesentlich wichtiger als ihr theologischer Gehalt war.
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Excerpt (computer-generated)
Universität zu Köln
Martin-Buber-Institut für Judaistik
Proseminar: Jüdische und islamische Polemik im Mittelalter
Religiöse Polemik am Beispiel Maimonides
von: Frank Lachmann
Inhalt
Einleitung 1
1. Rabbi Moshe ben Maimon – Leben und Werk 2
2. Religiöse Polemik – Das Beispiel „Iggeret Teiman“ 5
2a) Zum Begriff der religiösen Polemik 5
2b) Religiöse Polemik im „Iggeret Teiman“ – Entstehungsgeschichte 5
2c) Der Aufbau des „Iggeret Teiman“ – Widerlegung der polemischen Argumente und negative Bestimmung des Judentums 6
2d) Positive Bestimmung des Judentums – Überlegenheit durch innere Kohärenz 9
2e) Selbstvergewisserung durch Kritik – Die Notwendigkeit der Untersuchung der sozialen Dimension religiöser Polemik 11
3. Die soziale Funktion der religiösen Polemik
3a) Die Stellung der religiösen Polemik innerhalb mittelalterlicher machtpolitischer Konstellationen 12
3b) Der „Iggeret Teiman“ als Beispiel für religiöse Inklusion durch Exklusion 14
4. Abschließende Überlegungen 16
Literaturverzeichnis 18
Einleitung
Diese Arbeit verfolgt mehrere Zielsetzungen. Erstens soll das am deutlichsten in polemischer Absicht verfasste Werk Maimonides´, der „Iggeret Teiman“, vorgestellt und die Rahmenbedingungen seiner Entstehung beleuchtet werden. Im folgenden soll dann der Begriff der religiösen Polemik generell bestimmt werden und die polemischen Aspekte des „Iggeret Teiman“ hinsichtlich dieses Begriffs eingeordnet werden. Dabei werden sich zwei Dimensionen des religiös-polemischen Schrifttums zeigen, die beide aufeinander bezogen sind und dennoch ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen: zum einen die inhaltliche, in der es um die Abwägung, Aufstellung und Widerlegung von Argumenten und Glaubenssätzen der jeweiligen Verfasser geht; zum anderen die soziale Dimension, die aufgrund des erstaunlichen Missverhältnisses zwischen der Anzahl und Intensität polemischer Schriften und deren fast gänzlich fehlender Außenwirkung (etwa in bezug auf Konversionsbestrebungen) in den Mittelpunkt des Interesses dieser Arbeit rückt. In diesem Zuge wird die These zu erläutern und zu begründen sein, daß die religiöse Polemik des Mittelalters, u.a. aufgrund der asymmetrischen Machtverhältnisse zwischen den Religionen in der christlichen und islamischen Welt, vielmehr eine innerkonfessionelle denn eine interkonfessionelle Rolle spielte, Kritik der jeweils fremden religiösen Auffassungen also vorwiegend der Bestätigung der eigenen Legitimation auf diesem Feld als dem Versuch, die ´Ungläubigen` von einer Konversion zu überzeugen, diente und auch der „Iggeret Teiman“ von dieser Regel keine Ausnahme darstellte.
Diese Arbeit ist im einzelnen folgendermaßen aufgebaut: nach einer kurzen Übersicht über Maimonides´ Leben und Werk soll zunächst der „Iggeret Teiman“ vorgestellt werden. An diesem Beispiel werden die wesentlichen, gegen die jüdische Religion gerichteten Argumente der islamischen Gelehrten und im Anschluß daran Maimonides´ Replik auf diese dargestellt. Im nächsten Abschnitt wird die eigentümliche soziale Funktion thematisiert, die religiöse Polemik, entgegen der ihr für gewöhnlich unterstellten, vor allem für ihre Verfasser selbst übernahm. Unter dieser Perspektive schließen sich grundsätzliche Überlegungen zur Ursache des asymmetrischen Verhältnis des (semantischen) Gehalts von religiöser Kritik und deren (pragmatischen) Resultaten an. Abschließend soll ein Ausblick auf mögliche Bedingungen des Gelingens von religiöser Polemik gegeben werden.
1. Rabbi Moshe ben Maimon – Leben und Werk
Maimonides (eigentlich: Rabbi Moshe ben Maimon, auch ´Rambam` genannt) gilt als größter jüdischer Philosoph des Mittelalters. Er wurde am 30. März 1138 in Córdoba als Sohn eines in der Gemeinde sehr angesehenen Vaters geboren, der seinen Sohn schon früh in den durch die islamischen Besatzer Spaniens verbreiteten Disziplinen der islamischen Philosophie und Theologie unterrichtete. Der Einmarsch der Almohaden 1148 in Córdoba markierte jedoch das Ende der relativen religiösen und geistigen Freiheit, der sich die Angehörigen der „Buchreligionen“ unter dem Regime der bis dahin gemäßigten Besatzer erfreuten. Maimonides´ Familie geriet unter Druck: sie wurde vor die Wahl gestellt, entweder zu konvertieren oder die Stadt zu verlassen. Daraufhin floh sie aus Córdoba und zog mehrere Jahre über die iberische Halbinsel.
In dieser für philosophische bzw. theologische Beschäftigung wohl eigentlich eher ungeeigneten Zeit verfasste und veröffentlichte Maimonides bereits seine ersten Werke: 1158/59 entstand eine Einführung in die Grundlagen der Kalenderberechnung und 1159 eine Einführung in die Logik des Aristoteles, dessen Philosophie das Denken des gesamten Mittelalters entscheidend prägte und vor allem im arabisch-islamischen Raum eine bedeutende Rezeptionsgeschichte aufweist.
1159 siedelte sich die Familie in Féz im heutigen Marokko an. Möglicherweise kam es dort zu einer Scheinkonversion des Vaters, allerdings liegen hierüber keine gesicherten Erkenntnisse vor. Ein Ende der religiösen Verfolgung scheint jedoch trotz allem auch in Féz nicht stattgefunden zu haben. 1165, Maimondes ist 27 Jahre alt, bricht die Familie zu einer Seereise zu den heiligen Stätten nach Eretz Israel auf. Eine offenbar dort geplante Ansiedlung scheitert allerdings aufgrund der ökonomischen Zustände in Israel; die Familie sieht dort für sich kein Auskommen. Daher zieht sie über Alexandrien nach Fustad weiter und lässt sich dort endgültig nieder. Unklar ist, warum sich die Familie gerade für Kairo entschieden hat; möglicherweise wählte man die Stadt wegen der Nähe der dortigen Sammlung der Schriften des Aristoteles, die in der Bibliothek von Alexandria untergebracht waren und deren Verfügbarkeit für Maimonides´ Fortsetzung seines Studiums unerlässlich war. Zudem war diese Bibliothek das intellektuelle Zentrum der Zeit schlechthin.
Maimonides´ Vater stirbt bald nach der Ansiedlung in Ägypten. Sein Bruder übernimmt daher die finanzielle Versorgung der Familie, kommt aber bald während einer Handelsreise nach Indien ums Leben. Maimonides erleidet einen finanziellen und auch gesundheitlichen Abstieg, was ihn aber keineswegs daran gehindert zu haben scheint, sich neben seiner theologisch-philosophischen auch noch einer medizinischen Ausbildung zu unterziehen und sogar zum Hofarzt des Wesirs berufen zu werden. Ab 1177 übernimmt Maimonides sogar zeitweise die Rolle des offiziellen Repräsentanten des ägyptischen Judentums und macht sich rasch einen Namen als Gelehrter und Berater in halachischen Fragen. Eines seiner bekanntesten und wichtigsten Werke, auf das später noch genauer eingegangen wird, der „Igerret Teiman“, ein Trostbrief an die jemenitische Gemeinde, legt davon Zeugnis ab.
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