Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Erotische Unschuld und unschuldige Erotik; Begehren, Verführung, Gewalt und Miss... close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Erotische Unschuld und unschuldige Erotik; Begehren, Verführung, Gewalt und Missbrauch in Lessings "Emilia Galotti"

Scholary Paper (Seminar), 2000, 21 Pages
Author: Franziska Moschke
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Einführungsseminar: Das Motiv der verfolgten Unschuld
Institution/College: University of Bamberg
Tags: Erotische, Unschuld, Erotik, Begehren, Verführung, Gewalt, Missbrauch, Lessings, Emilia, Galotti, Einführungsseminar, Motiv, Unschuld
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 21
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V37781
ISBN (E-book): 978-3-638-37037-0

File size: 336 KB
Notes :
Dankbares Thema auch für Abschlussprüfungen, in meinem Fall ein Aspekt meiner mündlichen Prüfungen



Excerpt (computer-generated)

Erotische Unschuld und unschuldige Erotik; Begehren,
Verführung, Gewalt und Missbrauch in Lessings
"Emilia Galotti"

von: Franziska Moschke

 


Inhalt

1. Einleitung 1

2. Ausgangspunkte 1

2.1. Die Welt des Hettore Gonzaga 2
2.2. Emilia im Schutzraum der Familie Galotti 4
2.3. Das Haus des Kanzlers Grimaldi – Ort der verhängnisvollen Begegnung  6

3. Verführung und Begehren – Frauenbilder und erotische Männerphantasien 9

3.1. Das Idealbild der erotischen Unschuld der „virgo intacta“ 10
3.2. Die Angst vor selbstbewusster weiblicher Sinnlichkeit 12
3.3. Emilia: Tochterrolle und die „aimable ignorante“  14

4. Gewalt und Missbrauch 16

4.1. Emilia als Opfer eines „unterbewussten inzestuösen Verlangens“  16
4.2. Sexuelle Nötigung: Vergewaltigung durch den Prinzen 17

5. Zusammenfassung 19

Literaturverzeichnis


 

1. Einleitung

„Das politische System, das Lessing kritisierte, war damals, als das Werk entstand, noch gang und gäbe, der Konflikt zwischen Mann und Frau überdauert jedes politische System, obgleich [..] der dramatische Knoten schon längst nicht mehr mit dem Jungfernhäutchen geknüpft wird: Auch jenseits der sexuellen Tabus stehen sich Mann und Frau als Todfeinde gegenüber.“ 1

Ganz so extrem wie Dürrenmatt würde ich die heutige Situation nicht charakterisieren. Dennoch finden sich in diesem Zitat die Aspekte, die ich unter dem Thema „erotische Unschuld und unschuldige Erotik“ in Lessings Trauerspiel „Emilia Galotti“ ansprechen werde. Traditionelle Interpretationen sind meist politisch geprägt und bleiben dabei auf der Oberfläche des Stückes, das doch von der Interaktion der durch Lessing psychologisch tiefgründig konzipierten Figuren lebt. Dem Bereich der Erotik, der Rolle von Mann und Frau und dem begrifflichen Verständnis von Sexualität, Sinnlichkeit und Körperlichkeit zur Zeit der Aufklärung, wird in moderneren Interpretationen der Vorzug gegeben. Anhand dieser Themen, die ich entlang der Entwicklung der Hauptcharaktere behandle, möchte ich meinen bei der Lektüre der „Emilia“ aufgetauchten Gedanken hinterfragen: Kann Unschuld erotisch wirken, und ist Emilia, die diese Erotik dann ausstrahlen würde, Opfer eines wie auch immer gearteten Missbrauchs und daran gänzlich unschuldig?

2. Ausgangspunkte

Als Theaterexperte 2 lässt Lessing die Exposition seines bürgerlichen Trauerspiels unmittelbar im Kabinett des Prinzen Hettore Gonzaga beginnen. Er weiß, dass ein solcher szenischer Einstieg die Aufmerksamkeit der Zuschauer fesselt und sie auf das Wesentliche lenkt. Hätte Lessing einen Roman schreiben wollen, hätte seine Geschichte um die bürgerliche Tochter Emilia Galotti früher eingesetzt. So lässt er den Leser oder Zuschauer über die Vorgeschichten der einzelnen Figuren und besonders die alles auslösende Situation im Haus des Kanzlers Grimaldi bis auf ein paar bruchstückhafte Erinnerungsberichte und Andeutungen im unklaren. Natürlich ist hier die Imagination gefragt und es ist vielleicht ganz hilfreich, sich aus diesen Bruchstücken ein Bild von der eigentlichen Ausgangssituation zu machen.

2.1. Die Welt des Hettore Gonzaga

Dem Prinzen Hettore Gonzaga begegnet der Zuschauer das erste Mal in einer sehr privaten Situation. „Ich habe zu früh Tag gemacht.“3 Diese Äußerung lässt nicht einen seriösen Fürsten in angemessener Kleidung bei seinen Staatsgeschäften vermuten. Der Prinz sitzt schlaftrunken und zerzaust vor seinem Schreibtisch. Lessing zeigt ihn bei seinen Staatsgeschäften, was er im Laufe des Stückes nur noch einmal in der Szene mit Camillo Rota macht. Diese Einschränkung des Prinzen auf seine Person, dieser Fokus auf den Menschen Hettore Gonzaga ist ein erstes Indiz dafür, dass in Lessings Trauerspiel nicht nur der Konflikt zwischen machtmissbrauchendem Adel und ausgeliefertem Bürgertum im Mittelpunkt steht.

„Daß Fürsten Menschen sind, ist ein Grundsatz, der auch in ´Emilia Galotti´ und zwar vom Prinzen selbst in den letzten Worten des Stückes verkündet wird. Die Gestalt des Prinzen ist denn auch in dem Sinne von Lessing humanisiert worden, dass wir ihn fast ausschließlich mit privaten Fragen beschäftigt finden, die seine Gefühle und Leidenschaften angehen.“ 4

Recht menschlich und human klingt der Prinz dann auch, als er über seine Funktion sinniert und bedauert, dass er nicht alle Anliegen erfüllen kann: „[..]Die traurigen Geschäfte; und man beneidet uns noch! - Das glaub ich; wenn wir allen helfen könnten: dann wären wir zu beneiden[..].“ 5 Bevor Lessing das Geschehen ins Rollen bringt und den Prinzen durch die Entdeckung einer Bittschrift mit dem Namen Emilia als Liebesinfizie rten entlarvt, stellt er in diesen ersten Sätzen in einer Art Mini- Exposition den Prinzen in seinem höfischen Umfeld dar. Genervt von den täglichen Amtsgeschäften, eingezwängt in seine politische Rolle, ständig unter Entscheidungsdruck und dazu noch umgeben von Neidern: Das ist die eine Kehrseite der Medaille, Begleiterscheinungen von politischer Macht, deren der Prinz überdrüssig geworden ist. Nicht ohne Grund setzt Lessing an das Ende des ersten Aufzugs die Szene mit Camillo Rota. Zeigte er den Prinzen anfangs als humanen Landesvater, kehrt er hier Menschlichkeit in Unmenschlichkeit. Das zweite Gesicht der fürstlichen Macht tritt wie in einem Spiegel zutage. Als ihm Rota ein Todesurteil zur Unterzeichnung vorlegt, antwortet Hettore:

„Recht gern. – Nur her! geschwind.[..]Es könnte schon geschehen sein. Ich bin eilig.“ 6 Willkür, grausame Leichtfertigkeit und Egozentrik zeichnen sich hier aufs Schärfste ab. Der Prinz hat es eilig, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Willkürlich und skrupe llos wählt er dabei die Mittel, die Steine, die ihm im Weg liegen, aus der Welt zu schaffen. Ist es hier vordergründig zwar nur eine zeitliche Verzögerung, so handelt es sich doch immerhin um die Entscheidung über Leben und Tod eines Menschen. Dürrenmatt zeichnet in seiner Interpretation entgegen der Tradition, die im Prinzen „den durch Geburt mächtigen Schwächling“ 7 sieht, einen unberechenbaren Fürsten. Für ihn ist nicht Marinelli der Verführer, sondern der Prinz selbst, indem er etwas suggeriert, was Marinelli berechnet und ausführt. Marinelli, der „beinahe schon biologisch stets auf indirekten Befehl handelt“ 8, nimmt dem Prinzen damit jegliche Schuld und Verantwortung ab.

„Die Macht ist an sich unberechenbar. Was sie zu ihrer Rechtfertigung von sich gibt, ist Ideologie, Ausrede, noch scharfsinniger gesehen: Phrase. (Eine Phrase, die der einzige ehrliche Mensch des Stückes durchschaut, Camillo Rota, allein, vereinzelt, sein Protest verhallt darum auch im leeren.)“ 9

Parallel zur politischen Ebene lässt sich die Zwiespältigkeit des Charakters des Prinzen auch auf der Ebene des Privaten und der erotischen Beziehungen beobachten. Hettore Gonzaga ist bereits der Prinzessin von Massa versprochen. Eine Konvenienzehe, die der Prinz als sein hartes Schicksal empfindet: „[..]Mein Herz wird das Opfer eines elenden Staatsinteresse[..].“ 10 Es klingt, als finde Hettore Gefallen daran, einen Grund zu haben, sich selbst zu bemitleiden. Außerdem kommt ihm diese Ehe als Vorwand ganz recht, seine Mätresse Gräfin Orsina abzulegen. Er will „dergleichen Händel fürs erste abbreche[n].“11 Marinelli widerspricht ihm und zeigt mit seinen Aussagen die in der höfischen Welt gängige Art, Frauen als Instrumente politischer oder sexueller Interessen zu missbrauchen.

[...]


1 Friedrich Dürrenmatt: Macht und Verführung – oder Die Macht der Verführung. Zu Lessings „Emilia Galotti“. In: Theater. Essays, Gedichte und Reden. Zürich 1980 (S. 223-230), S. 224. Im Folgenden zitiert als DÜRRENMATT: Macht und Verführung (1980), mit Seitenangabe.

2 Der 1729 in Kamenz geborene Pfarrerssohn begeisterte sich schon in jungen Jahren für das Theater. Als Dramaturg am neu gegründeten Hamburger Nationaltheater (1767-69) hebt er das bürgerliche Trauerspiel auf ein neues Niveau. Vgl. Rainer Baasner und Georg Reichard: Epochen der deutschen Literatur. Aufklärung und Empfindsamkeit. Ein Hypertext - Informationssystem (auf CD-ROM). Reclam, 1998.

3 Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. In: Ders.: Sämtliche Schriften. Hg. v. Karl Lachmann. Dritte, aufs neue durchgesehne und verm. Aufl., besorgt durch Franz Muncker. Berlin 1968. Vormals Göschen`sche Verlagsbuchsammlung 1886, (S. 377- 450), S. 379. Im Folgenden zitiert als „EMILIA GALOTTI“ mit Seitenangabe.

4 Bengt Algot Soerensen: Herrschaft und Zärtlichkeit. Der Patriarchalismus und das Drama im 18. Jahrhundert. München 1984, S. 87. Im Folgenden zitiert als SOERENSEN: Herrschaft und Zärtlichkeit (1984), mit Seitenangabe.

5 „EMILIA GALOTTI“, S. 379.

6 „EMILIA GALOTTI“, S. 392.

7 DÜRRENMATT: Macht und Verführung (1980), S. 226.

8 Ebd., S. 226.

9 Ebd., S. 226f.

10 „EMILIA GALOTTI“, S. 386.

11 Ebd.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:


This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/37781/erotische-unschuld-und-unschuldige-erotik-begehren-verfuehrung-gewalt
please wait Please wait