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Die extreme Linke in Italien

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 28 Pages
Author: Franziska Moschke
Subject: Politics - Political Systems - General

Details

Event: Hauptseminar: Das politische System Italiens
Institution/College: University of Bamberg
Tags: Linke, Italien, Hauptseminar, System, Italiens
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 28
Grade: 2,5
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V37790
ISBN (E-book): 978-3-638-37043-1

File size: 164 KB


Excerpt (computer-generated)

Die extreme Linke in Italien

von: Franziska Moschke

 


INHALT

1 EINLEITUNG 2

2 AUSGANGSSITUATION 3

2.1 Historische Wurzeln  3
2.2 Die Schwäche der Regierung und der Linken  4

3 DIE AUTONOME ARBEITERBEWEGUNG 5

3.1 Die Gründe des Protests  5
3.2 Die Situation der Arbeiter am Beispiel der Turiner Fiat  6

4 DIE STUDENTENBEWEGUNG 7

4.1 Gründe 7
4.2 Auswirkungen  8
4.3 Operaismo 9

5 LINKSEXTREME GRUPPIERUNGEN 9

5.1 Die größeren außerparlamentarischen Gruppen  10
5.2 Kleinere linksradikale Gruppen  10
5.3 Der gescheiterte Versuch eines Bündnisses  12

6 ESKALATION DER GEWALT 13

6.1 Die Strategie der Spannung  13
6.2 Die GAP und Feltrinelli  14

7 DIE ROTEN BRIGADEN 15

7.1 Entstehung 15
7.2 Woher kommen die Gründer?  15
7.3 Ideologie und Motive  16
7.4 Organisationsaufbau 17
7.5 Die ersten Aktionen  18
7.6 Die Nachfolgegeneration und der Fall Aldo Moro 18
7.7 Das vorläufige Ende 20
7.8 Neue Mordanschläge 20

8 REAKTIONEN 21

8.1 Reaktionen der regierenden Partei Democrazia Cristiana 22
8.2 Polizei und Justiz 23
8.3 Die Linken  24

9 VERGLEICH ZU DEUTSCHLAND  24

10 LINKER TERROR – EINE GEFAHR FÜR DAS SYSTEM?  25

11 ZUSAMMENFASSUNG 26

12 LITERATUR 28


 

1 EINLEITUNG

In dieser Arbeit soll die Entwicklung der äußersten linkspolitischen Kräfte Italiens dargestellt werden. Ausgehend von der Situation nach dem Zweiten Weltkrieg, über die Protestbewegungen gegen das herrschende politische System, die Reaktion auf sie bis hin zur Eskalation der Gewalt und zu linksradikalen Gruppen wird auch das Phänomen des linken Terrors mit besonderem Schwerpunkt auf der Organisation der so genannten Roten Brigaden behandelt. Das spezifisch Italienische soll in einer kurzen Gegenüberstellung zur Situation in Deutschland verdeutlicht werden. In den 70er Jahren wurde der linke Terror in der politischen Auseinandersetzung zum Thema gemacht. Auch in der Literatur lässt sich das festmachen, da die meisten Erscheinungen aus dieser Zeit stammen. Allgemein gibt es zwei Kritikpunkte an der Auseinandersetzung mit dem Thema. Wenn die Autoren nur am „mediengerechten Oberflächenphänomen“1 ansetzen, ohne die Hintergründe zu erfragen und den Zugang über nur eine wissenschaftliche Disziplin finden, ist dies oft unzureichend. Beispielsweise reduziert der psychologische Zugang das Problem auf eine einzelne Person, aber auch Mehr-Faktoren-Ansätze ergeben ein Stückwerk. Ein Vorschlag ist die Vermittlung zwischen Extremen im Rahmen von Konzepten, die Prozesse darstellen. Denn Terrorismus ist keine statische Gegebenheit, es handelt sich vielmehr um Abläufe mit Randbedingungen und Zufallselementen.2 Die zugrunde liegende Literatur verunsicherte oft, durch ihre starke politische Färbung. Besonders beim Thema der Schuldzuweisung und Rechtfertigung wurden in der italienischen Geschichte Unklarheiten geschaffen, die sich auch in den gegensätzlichen Darstellungen verdeutlichen. So sind manche Zitate stark pro-links gefärbt, andere vertreten eher eine objektive bis konservative Sichtweise. Der Versuch der Vermittlung zwischen den Extremen soll deshalb auch in diesem Sinne angestrebt werden.

2 AUSGANGSSITUATION

Um die Grundlage für die Entwicklung hin zur extremen Linken in Italien zu verstehen, ist die Kenntnis der Basis wichtig, auf der sich Linksradikalismus entwickelt. Neben der sozial-ökonomischen Dimension, die sich in den verschiedenen Protestbewegungen verdeutlicht, soll die historische Dimension die Wurzeln und Traditionen aufzeigen.

2.1 Historische Wurzeln

Die italienische Einigung 1861 wurde nicht nur geographisch von oben, aus dem norditalienischen Piemont, sondern auch von den oberen Gesellschaftsschichten, dem Großbürgertum und den Großagrariern des Südens herbeigeführt. 3 Der Widerstand der Bauern und Arbeiter gegen Repressionen dieses Obrigkeitsstaates hat in Italien daher eine lange Tradition. Zudem ist Italien bis heute das europäische Land, mit den meisten Linksparteien und weist daher eine starke kommunistisch und sozialistisch geprägte Tradition auf. Als Mussolini 1943 nach der Landung der Amerikaner im Süden Italiens in Norditalien die Republik von Salò errichtet, entwickelt sich dort mit Unterstützung der Amerikaner ein breite antifaschistische Streik- und Partisanenbewegung. So streikten im März über eine Million Arbeiter, nach dem Krieg wurden 358 000 Widerstandskämpfer anerkannt. Die Sozialisten und Kommunisten hatten daran einen entscheidenden Anteil. 4 Nach 1947 führen der Kalte Krieg und der Wiederaufbau der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zum Zerfall der antifaschistischen Einheit. Um in den Marshall-Plan aufgenommen zu werden, entlässt Ministerpräsident de Gasperi von den Christdemokraten nach einer USA-Reise seine kommunistischen und sozialistischen Minister. Dies ist der Beginn der Krise der Linken in Italien und der langen Herrschaft des konservativen historischen Blocks.5

„All das, was in den zwei Nachkriegsjahren an Altem nicht hatte beiseite geschafft werden können, all das, was man um des lieben Friedens willen unangetastet gelassen hatte, trug nun seine schlechten Früchte.“6 So galt das faschistische Strafrecht noch, viele faschistische Richter waren im Amt geblieben und mit einer von 30 000 auf 50 000 Mann aufgestockten Polizei machte der Staat „Jagd auf ehemalige Partisanen, auf Sozialisten und Kommunisten.“7

2.2 Die Schwäche der Regierung und der Linken

Die im Rahmen der nationalen Einigung Italiens stattfindende Anschließung des agrarisch orientierten rückständigen Südens an den fortschrittlichen industrialisierten Norden stellte für linke Gruppierungen ein „brennendes internes Problem“8 dar und zwar in Form einer „kolonialen Überlagerung des Südens.“9 Man warf den Unternehmern Imperialismus gegenüber den eigenen unterentwickelten Gebieten und der in den Norden gewanderten Bevölkerung vor.10

Anstatt sich dieses Problems anzunehmen, waren die großen linken Parteien Italiens, PCI (Kommunisten) und PSI (Sozialisten), auf einem Kurs in Richtung Regierungsbeteiligung. Auch die sozialen Missstände der Gruppen, die diese Parteien traditionell vertreten, interessierten angesichts des Kurses in Richtung Mitte unter dem Stichwort Historischer Kompromiss zunächst wenig. So kam es auf Seiten alter und neuer äußerster linker Gruppen nicht nur zu Protesten gegen Unternehmer und die staatliche Wirtschaftsverwaltung, sondern auch gegen die „systemkonformen Entwicklungen in den großen Arbeiterparteien und in den Gewerkschaften.“11

[...]


1 (Autor unbekannt) Vorbemerkung: Terrorismus-Diskurs und Wissenschaft. In: Angriff auf das Herz des Staates. Soziale Entwicklung und Terrorismus. Erster Bd. 490. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1988, S. 9.

2 Vgl. ebd., S. 11 ff.

3 Vgl DRÜKE, Helmut: Italien. Wirtschaft, Gesellschaft, Politik. 2. Aufl. Opladen: Leske+Budrich, 2000, S. 206.

4 Vgl. HESS, Henner: Italien: Die ambivalente Revolte In: Angriff auf das Herz des Staates. Soziale Entwicklung und Terrorismus. Zweiter Bd. 491. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1988, S. 15.

5 Vgl. ebd., S. 16 f.

6 HAUSMANN, Friederike: Kleine Geschichte Italiens seit 1943. Berlin: Wagenbach 1989, S. 27.

7 HAUSMANN, S. 28.

8 HESS, S. 12

9 Ebd.

10 Vgl. ebd.

11 Ebd., S. 13.


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