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Die Bedeutung der lateinischen Sprache in der heutigen Zeit

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 21 Pages
Author: Jana Silvia Lippmann
Subject: Romance Languages - Other Languages

Details

Event: Alte und neue Romania
Institution/College: Technical University of Chemnitz
Tags: Bedeutung, Sprache, Zeit, Alte, Romania
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 21
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V37806
ISBN (E-book): 978-3-638-37056-1
ISBN (Book): 978-3-638-86628-6
File size: 209 KB

Abstract

Im heutigen Sprachgebrauch wird Latein oft als tot bezeichnet. Man sieht es als eine Sprache, die einmal von großer Bedeutung war, heute aber vollkommen unnütz ist und deshalb aus den Lehrplänen gestrichen werden kann. Doch ist das Latein tatsächlich eine tote, unnütze, längst überholte Sprache, die im modernen Europa keinen Platz mehr hat und der keine Bedeutung mehr zukommt? Diesen Fragen soll diese Seminararbeit nachgehen. Nach einem kurzen Überblick über Entwicklung und Werdegang des Lateins wird sie sich einzelnen Werten des lateinischen Kulturerbes sowie ausgewählten modernen Sprachen zuwenden, um zu untersuchen, wie stark die Rolle der lateinischen Sprache und Tradition heute noch ist.


Excerpt (computer-generated)

TU Chemnitz

Philosophische Fakultät Fachgebiet Romanistik
Romanische Sprachwissenschaft

„Alte und Neue Romania”

Die Bedeutung der lateinischen Sprache

Verfasserin: Jana Lippmann

WS 2004/2005
01.02.2005

 

 

Gliederung

0. Fragestellung

1. Früheste Entwicklung und Ausbreitung des Lateins bis zum Ende des Weströmischen Reiches

2. Die lateinische Schrift

3. Latein als Träger abendländischer Werte
3.1 Sprache der Kirche
3.2 Sprache der Bildung
3.3 Sprache der Wissenschaft
3.4 Rechtstradition
3.5 Diplomatensprache

4. Latein in den modernen Sprachen
4.1 Die romanischen Sprachen
4.2 Latein im Deutschen
4.3 Latein im Englischen

5. Reaktivierungsversuche
5.1 Universalsprache
5.2 Europäische Gemeinschaftssprache

6. Ist das Latein wirklich tot?

 

 

0. Fragestellung

Im heutigen Sprachgebrauch wird Latein oft als tot bezeichnet. Man sieht es als eine Sprache, die einmal von großer Bedeutung war, heute aber vollkommen unnütz ist und deshalb aus den Lehrplänen gestrichen werden kann. Doch ist das Latein tatsächlich eine tote, unnütze, längst überholte Sprache, die im modernen Europa keinen Platz mehr hat und der keine Bedeutung mehr zukommt? Diesen Fragen soll diese Seminararbeit nachgehen. Nach einem kurzen Überblick über Entwicklung und Werdegang des Lateins wird sie sich einzelnen Werten des lateinischen Kulturerbes sowie ausgewählten modernen Sprachen zuwenden, um zu untersuchen, wie stark die Rolle der lateinischen Sprache und Tradition heute noch ist.

1. Früheste Entwicklung und Ausbreitung des Lateins bis zum Ende des Weströmischen Reiches

Zu dem Zeitpunkt, als das Latein erstmals historisch greifbar wird, war sein Gebrauch noch auf eine kleine Region auf der Apenninenhalbinsel beschränkt. Es war umgeben von vielen konkurrierenden Dialekten, wie dem Oskischen südlich und dem Umbrischen nördlich von Rom, die einander sehr ähnlich waren und alle zur westlichen Gruppe der indogermanischen Sprachen gehörten.

Die Römer gründeten ihre Stadt in der Nähe der Tibermündung, im Süden der Landschaft Latium. Schon früh waren sie in eine größere Einheit, dem Latinerbund, einbezogen, weshalb ihr Dialekt nicht römisch, sondern latein genannt wurde. (vgl. Szemerényi 1978:28) Doch es war die Mundart dieser kleinen Siedlung am Tiber, die sich wegen der Aktivität der Bewohner und der beherrschenden Lage durchsetzte. Alle anderen Dialekte dieser Region starben relativ schnell aus. (vgl. Vossen 1981:10)

Zwischen 600 und 250 vor Christus handelte es sich bei dem Dialekt der Siedlung Rom noch um ein archaisches Latein mit einer linksläufigen Schrift in Großbuchstaben. (vgl. Störig 1991:118) Beamte, Lehrer und Schriftsteller bemühten sich im 3. Jahrhundert vor Christus darum, Ordnung in die bis dahin noch willkürliche Sprache zu bringen, so daß sich das Altlatein (250-100 vor Christus) entwickeln konnte. In dieser Zeit nahm durch die Ausweitung der römischen Macht auf Italien, Sizilien, Korsika, Sardinien und die iberische Halbinsel die Bedeutung des Lateins stetig zu. (vgl. Vossen 1981:12f.) Durch die Sprachen der besiegten Völker wurde der lateinische Wortschatz entscheidend beeinflußt und bereichert. Prägend war dabei das Etruskische, aus dem unter anderem fenestra und populus stammen. (vgl. Haarmann 2002:120) Die Römer übernahmen auch das etruskische nunth (ankündigen), bildeten es zu nuntius um und gaben es später an verschiedene Sprachen weiter. Im Französischen existiert es als annoncer, im Italienischen als annunciare. (vgl. Haarmann 1993:125)

Doch zum Lehrmeister der lateinischen Sprache wurde das Griechische. Die Römer unterwarfen die Griechen zwar militärisch, erkannten die griechische Kultur aber als voll- und gleichwertig an. Mithilfe etruskischer Vermittlung übernahmen sie viele Begriffe, die durch das Latein an die europäischen Sprachen weitergegeben wurden. So sind beispielsweise stilus (Schreibgriffel) und littera (Buchstabe) aus dem Griechischen entlehnt worden. (vgl. Haarmann 1993:124f.)

Vor allem Cicero und Cäsar prägten schließlich die klassische Form des Lateins, das im 1. Jahrhundert vor und nach Christi Geburt genutzt wurde. Dabei verwendeten sie je doch keine neuen Sprachmittel, sondern beschränkten sich auf Auslese und Ausbau des Vorhandenen. (vgl. Vossen 1981:13) Die Römer errichteten in ihrem Weltreich ein Fernstraßennetz von 86.000 Kilometern Länge. Durch die römische Armee, Kaufleute und Kolonisten hielt das Latein auf diesen Wegen Einzug in weite Teile Europas, Afrikas und Asiens und stieg so zur Sprache der westlichen Welt auf.

Die meisten unterlegenen Völker nahmen die lateinische Sprache schnell als das Instrument einer weltumfassenden, überlegenen Kultur an, obwohl sie ihnen von den Römern nie aufgezwungen wurde. Doch vereinzelt traf das Latein auch auf kulturell stärkere Sprachen, wie dem Griechischen, gegen das es sich nicht durchsetzen konnte.

Auch an der Peripherie des Reiches war dem Latein kein dauerhafter Erfolg beschieden. So gelang es neben den Griechen auch den Basken, den Kelten in Britannien, den Albanesen und den Berbern, ihre Sprache zu retten. (vgl. Vossen 1981:15) Dennoch zeugt der auffällig große Anteil an lateinischem Wortgut von dem Einfluß, den das Latein auch auf diese Sprachen hatte. Unter den zahlreichen Entlehnungen finden sich unter anderem im Griechischen kalantari (Kalender), im Baskischen arima (Seele), im Bretonischen sec’h (trocken), im Kymrischen llyfr (Buch), im Albanischen fill (Faden), im Berberischen angelus (Engel). (vgl. Haarmann 2002:121)

2. Die lateinische Schrift

Im 9. Jahrhundert vor Christus übernahmen die Griechen von den Phöniziern eine Buchstabenschrift, die nur aus Konsonanten bestand. Sie ließen einige Zeichen, die sie nicht brauchten, weg und ergänzten das Alphabet stattdessen durch Vokale. (vgl. Störig 1991:94) Die so entstandene griechische Schrift ist die älteste, die noch heute verwendet wird. Sie wurde von den Etruskern adaptiert und um 600 vor Christus durch die Latiner mit einigen Veränderungen übernommen.

[...]


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