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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 26 Pages
Author: Patrick Schweitzer
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Details
Institution/College: University of Potsdam (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Tags: Geistige, Blüte, Niedergang, Stadt, Spätmittelalter, Frühen, Neuzeit, Stadtgeschichte, Theorie
Year: 2005
Pages: 26
Grade: 2
Bibliography: ~ 30 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37064-6
ISBN (Book): 978-3-638-65418-0
File size: 256 KB
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Abstract
„So unscheinbar die Vaterstadt auch sein mag, so begrenzt sie doch nicht den Horizont, sondern macht den Weg frei zu den größeren Horizonten unserer Zeit, zu Europa, vielleicht zu einer Weltgemeinschaft, und hilft so die nationalstaatlichen Grenzen, die erst in jüngster Zeit errichtet wurden, zu überwinden“, schrieb der Historiker Leonardo Benevolo in seiner Arbeit über "Die Stadt in der europäischen Geschichte". Gerade zu Beginn des 21. Jahrhunderts, da in Europa immer mehr die Grenzen des Nationalstaates zu Gunsten einer europäischen Einigung in den Hintergrund treten, rückt die Frage nach den gemeinsamen, identitätsstiftenden Wurzeln immer mehr in den Mittelpunkt. Eine dieser Wurzeln ist ganz klar in der europäischen Stadt und ihrer Geschichte zu sehen. In ihr entstand der Kern dessen, was wir heute im Wesentlichen unter europäischer Kultur und Zivilisation verstehen, die bürgerliche Gesellschaft. Ihre Charakteristika, wie Freiheit, eigene Rechtsprechung, Erziehung, Liberalität, Wahrung der Intimsphäre, Kunst des Zusammenlebens auf engem Raum und vor allem Toleranz entstanden in der Übergangszeit vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit. Die damals in den urbanen Zentren des Kontinentes erreichte Symbiose aus lokaler Identität und paneuropäischer Geisteshaltung mag auch in unserer heutigen Zeit des Umbruchs ein probates Mittel für die Zukunft der europäischen Einigung darstellen. Daher soll diese Sattelzeit mit ihrer Blüte der urbanen Kultur und dem sich gleichzeitig abzeichnenden Abstieg der Städte im Zuge der Machtausbreitung der Territorialherrschaften im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Dabei sollen folgende Fragen geklärt werden: 1. Wodurch wurde der Aufstieg der Städte ermöglicht und wie gestaltete sich dieser? 2. Welche innovatorische Rolle spielte die europäische Stadt dieser Zeit? 3. Wie gestaltete sich die Auseinandersetzung zwischen den Städten und dem entstehendem Territorialstaat? Dabei soll die dritte Frage anhand der drei Beispiele Deutschland, Italien und Schweiz untersucht werden, wobei zur Erklärung der Schweizer Unabhängigkeit die Kommunalimustheorie des Peter Blickle erläutert werden soll.
Excerpt (computer-generated)
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam
Hauptseminar: Stadtgeschichte und politische Stadttheorie
Hausarbeit:
„Geistige Blüte und politischer Niedergang.
Die mitteleuropäische Stadt im
Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit“
Patrick Schweitzer
MA Geschichte/Politik/Humangeographie
Brandenburg, 11.03.2005
SS 2004
Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung 3
II. Die urbane Revolution 4
III. Höhepunkt der urbanen Kultur und Beginn der Auseinandersetzung mit dem entstehenden Territorialstaat 8
IV. Beispiele für den Verlauf der Auseinandersetzung
1. Die deutsche Stadt 11
2. Italien 13
3. Schweizer Eidgenossenschaft 15
a) Die Kommunalismustheorie 16
b) Historische Entwicklung 18
V. Zusammenfassung 23
VI. Literaturverzeichnis 24
I. Einleitung:
„So unscheinbar die Vaterstadt auch sein mag, so begrenzt sie doch nicht den Horizont, sondern macht den Weg frei zu den größeren Horizonten unserer Zeit, zu Europa, vielleicht zu einer Weltgemeinschaft, und hilft so die nationalstaatlichen Grenzen, die erst in jüngster Zeit errichtet wurden, zu überwinden.“1
Gerade zu Beginn des 21. Jahrhunderts, da in Europa immer mehr die Grenzen des Nationalstaates zu Gunsten einer europäischen Einigung in den Hintergrund treten, rückt die Frage nach den gemeinsamen, identitätsstiftenden Wurzeln immer mehr in den Mittelpunkt. Eine dieser Wurzeln ist ganz klar in der europäischen Stadt und ihrer Geschichte zu sehen. In ihr entstand der Kern dessen, was wir heute im wesentlichen unter europäischer Kultur und Zivilisation verstehen, die bürgerliche Gesellschaft. Ihre Charakteristika, wie Freiheit, eigene Rechtsprechung, Erziehung, Liberalität, Wahrung der Intimsphäre, Kunst des Zusammenlebens auf engem Raum und vor allem Toleranz entstanden in der Übergangszeit vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit. Die damals in den urbanen Zentren des Kontinentes erreichte Symbiose aus lokaler Identität und paneuropäischer Geisteshaltung mag auch in unserer heutigen Zeit des Umbruchs ein probates Mittel für die Zukunft der europäischen Einigung darstellen. Daher soll diese Sattelzeit mit ihrer Blüte der urbanen Kultur und dem sich gleichzeitig abzeichnenden Abstieg der Städte im Zuge der Machtausbreitung der Territorialherrschaften im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen.
1. Wodurch wurde der Aufstieg der Städte ermöglicht und wie gestaltete sich dieser?
2. Welche innovatorische Rolle spielte die europäische Stadt dieser Zeit?
3. Wie gestaltete sich die Auseinandersetzung zwischen den Städten und dem entstehendem Territorialstaat?
Dabei soll die dritte Frage anhand der drei Beispiele Deutschland, Italien und Schweiz untersucht werden, wobei zur Erklärung der Schweizer Unabhängigkeit die Kommunalimustheorie des Peter Blickle erläutert werden soll.
Bei der Bearbeitung des Themas habe ich mich vor allem auf die Arbeiten von Wilhelm Ribhegge „Stadt und Nation in Deutschland vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ und „Europa – Nation – Region“ gestützt. Abschließend möchte ich noch anmerken, daß die Arbeit nach den Regeln der alten Rechtschreibung verfaßt wurde.
II. Die urbane Revolution:
Seit dem Niedergang des Römischen Reiches lag das Städtesystem in Europa lange Jahrhunderte danieder. Nur wenige, meist von der Geistlichkeit beherrschte Städte prägten das Bild des Kontinents. Die Kirche war die Institution, die „[...] die Reste der Urbanität aus der Antik e über die Völkerwanderung hinweg in Europa und Deutschland rettete und zumindest rudimentär bewahrte und tradierte.“2
Erst zu Beginn des 11. Jahrhundert setzte der wirtschaftliche und demographische Aufstieg in Europa einen Transformationsprozeß in Gang, der zu einem solchen Stadtwachstum führte, daß er als „urbane Revolution“ bezeichnet wurde.3 (Vgl. Abb. 1) Innerhalb von 300 Jahren wuchs die Zahl der Städte allein auf dem Gebiet des heutigen Deutschland von wenigen Dutzend auf nahezu 3.000 an.
Ausgehend von effizienteren Techniken in der Landwirtschaft, wie z.B. der Dreifelderwirtschaft, dem Einspannen von Zugtieren beim Pflügen und der Kombination von Ackerbau und Viehzucht, die eine stabilere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ermöglichten, entwickelte sich ein rasanter Bevölkerungsanstieg.4 Nach Schätzungen wuchs die Bevölkerung in Europa von 38,5 Millionen im Jahre 1000 auf rund 73,5 Millionen im Jahr 1340. Der Aufschwung von Handel und Handwerk garantierte zunehmend ein nichtagrarisches Leben in verstreuten Städten, was letztlich im 12. Jahrhundert zur Basis für größere Städte wurde.5 Antriebskräfte dieser Konzentration wirtschaftlicher und politischer Kräfte, die in England, Frankreich und Oberitalien begann, waren die fortschreitende Arbeitsteilung, der Ausbau gewerblicher Funktionen, der zunehmende Fernhandel und der Bedeutungsgewinn der Marktversorgung für das Umland.
„Die Städte verbanden die lokalen Märkte mit dem überörtlichen Handel. In diesen Städten mit ihren Burgen, Klöstern und Stiften entwickelte sich ein differenzierter und gehobener Bedarf, wodurch Kaufleute und schließlich auch Handwerker angezogen wurden.“6
Langsam erkannten auch die Feudalherren die Macht und Bedeutung von Städten und begannen damit, Stadtgründung und Stadtplanung als ein bewußtes Machtinstrument zu nutzen. So wird gemeinhin die Gründung der Stadt Freiburg durch die Herzöge von Zähringen im Jahre 1120 als die älteste fürstliche Stadtgründung im Reichsgebiet angesehen.7 Mit den Städten entstanden aber auch neue gesellschaftliche und soziale Gebilde, die zunehmend nach Unabhängigkeit von ihren meist adligen Stadtherren strebten.
[...]
1 Benevolo, Leonardo: Die Stadt in der europäischen Geschichte, München 1993, S. 95.
2 Ribhegge, Wilhelm: Stadt und Nation in Deutschland vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Die Entstehung der Zivilgesellschaft aus der Tradition der Städte, Münster 2002, S. 12.
3 Vgl. Moore, Robert I.: Die erste europäische Revolution. Gesellschaft und Kultur im Hochmittelalter, München 2001, passim.
4 Vgl. Benevolo, Leonardo: Stadt, a.a.O., S. 45.
5 Vgl. Böhme, Helmut: Thesen zur „europäischen Stadt“ aus historischer Sicht, in: Dieter Hassenpflug (Hg.): Die europäische Stadt – Mythos und Wirklichkeit (= Region – Nation – Europa, Bd. 4), Münster 2000, S. 49 – 101, hier S.58.
6 Ribhegge, Wilhelm: Stadt und Nation, a.a.O., S. 13.
7 Vgl. Keller, Hagen: Die Zähringer und die Entwicklung Freiburgs zur Stadt, in: Karl Schmid (Hg.): Die Zähringer, Eine Tradition und ihre Erforschung (= Veröffentlichungen zur Zähringer Ausstellung I), Sigmaringen 1986, S. 17 – 29, hier S. 19.
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