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Autor: Juliane Gerstberger
Fach: Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Psychologisches Institut)
Tags: Empowerment, Partizipation, Psychiatrie, Diplomprüfungsvorbereitung
Jahr: 2001
Seiten: 35
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 24 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 276 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-10272-8
ISBN (Buch): 978-3-638-63682-7
Zusammenfassung / Abstract
Empowerment bedeutet Selbstermächtigung bzw. Selbstbefähigung und entstammt ursprünglich der Emanzipationsbewegung der Frauen und der Befreiungsbewegung der Schwarzen in den USA. Es ging/geht um die Zurückgewinnung der eigenen Stärke und der Selbstbestimmung und Selbstgestaltung des eigenen Lebens. In der Psychiatrie geht es vornehmlich um die Zurückgewinnung von Einflussmöglichkeiten auf das eigene Leben. Die Psychiatriepatienten haben die Rolle des unmündigen hilfsbedürftigen Opfers hinter sich gelassen und werden zu mündigen Behandlungspartnern. (Knuf, 2000). Im Hinblick auf die Behandler/Therapeuten geht es in dieser Beziehung um einen Perspektivenwechsel und eine Veränderung in der Beziehung zu ihren KlientInnen. „Aus ohnmächtigen Hilfeempfängern werden Menschen mit eigener Meinung, die nicht länger nur auf die Hilfe von außen vertrauen. Aus (omni) potenten Helfern werden Berater und Förderer eines zunehmenden Emanzipations- und Partizipationsprozesses.“ (Knuf, 2000, S. 6).
Textauszug (computergeneriert)
Diplomstudiengang Psychologie an der Freien Universität Berlin
Diplomprüfung
Prüfungsfach: Gemeindepsychologie
Prüfender: Univ. Prof. Dr. Manfred Zaumseil
Kandidatin: Juliane Gerstberger
Datum: 05. 10. 2001
Thesenpapier
Thema: Empowerment und Partizipation im Umgang mit psychischen Störungen
Inhaltsverzeichnis:
Thesenpapier 1
Begriffsklärung: Was bedeutet Empowerment? Was bedeutet Partizipation? 1
Allgemeine Themen: 1
Die Soteria als Beispiel einer Begleitung von Menschen in akuten psychotischen Krisen als Alternative zum Ansatz der Psychiatrie 1
Literaturliste: 2
Bücher: 2
Web-Sites: 2
Inhaltsverzeichnis: 4
Empowerment in der Psychiatrie 6
Definition für Empowerment von Betroffenen formuliert: 7
Nutzer-Orientierung in der Psychiatrie 7
Erlernte Hilflosigkeit (Seligmann, 1995) 9
Traumata 9
Psychoedukative Gruppen und Psychoseseminare 12
Selbstbefähigende Psychotherapie der Psychosen nach Andreas Knuf 12
Vier - Stufen - Modell der selbstbefähigenden Psychosetherapie: 13
Psychoseverständnis: 14
Selbsthilfeorientierte Krisenvorsorge: 14
Förderung von Bewältigungsstrategien 15
Über Psychoseinhalte sprechen und sie verstehen 16
Krankheitsbewusstsein als Schlüssel zu Selbstbestimmung 17
Selbstdefinition, Fremddefinition & Compiance 17
Zwang und Empowerment 19
Gutachten: 20
Systemischer Ansatz: 20
Problemfall Gewaltspirale: 21
Konfliktsituation von Gegenübertragungsärger des Professionellen auf den Klienten. 22
Soteria - Prinzip als Lösungsmöglichkeit: 22
Partizipation 22
Trialog - Psychoseseminare; Einbeziehung des sozialen Umfeldes; Mediation 22
Mediation: 22
Medikamente: 23
Ansatzpunkte für das Schaffen von Spielräumen in der Neuroleptikatherapie: 25
Voraussetzung für kooperative Medikationsstrategien: 26
Medikamente und Partizipation (Zaumseil) 27
Nutzermitbestimmung in der psychiatrischen Arbeit - Patientenstärkung durch Teilhabe (Patizipation) 29
Institutionelle Ebene in Bielfeld: 30
Trialog 30
Patientenfragebogen: 30
Die Beschwerdestelle für Psychiatrie 30
Soteria 32
Soteria - Geschichte: 32
Forschung über Soteria: 32
Soteria - Projekt (1971 - 1983) (Mosher et al.) 33
Andere alternative sozialpsychiatrische Projekte 34
Wichtige therapeutische Gegebenheiten: 35
Charakteristika die ein heilendes soziales Umfeld kennzeichnen 36
Empowerment in der Psychiatrie
Empowerment bedeutet Selbstermächtigung bzw. Selbstbefähigung und entstammt ursprünglich der Emanzipationsbewegung der Frauen und der Befreiungsbewegung der Schwarzen in den USA. Es ging/geht um die Zurückgewinnung der eigenen Stärke und der Selbstbestimmung und Selbstgestaltung des eigenen Lebens.
In der Psychiatrie geht es vornehmlich um die Zurückgewinnung von Einflussmöglichkeiten auf das eigene Leben.
Die Psychiatriepatienten haben die Rolle des unmündigen hilfsbedürftigen Opfers hinter sich gelassen und werden zu mündigen Behandlungspartnern. (Knuf, 2000).
Im Hinblick auf die Behandler/Therapeuten geht es in dieser Beziehung um einen Perspektivenwechsel und eine Veränderung in der Beziehung zu ihren KlientInnen. ,,Aus ohnmächtigen Hilfeempfängern werden Menschen mit eigener Meinung, die nicht länger nur auf die Hilfe von außen vertrauen. Aus (omni) potenten Helfern werden Berater und Förderer eines zunehmenden Emanzipations- und Partizipationsprozesses." (Knuf, 2000, S. 6).
Für viele Betroffene ist der Erstaufenthalt in einer psychiatrischen Klinik vergleichbar mit der Bedrohung durch eine psychische Querschnittslähmung. Es geht um die Frage, ob es eine Zukunft geben wird, nach der Entlassung aus der Klinik, oder ob sich die Zukunft als ein Überlebenskampf als Schwerbeschädigter mit konstanter Zwangsbereuung und Zwangsmedikation gestalten wird, ohne Selbstbestimmungsrechte, ohne die Möglichkeit, einen Beruf auszuüben.
Wörrishofer (2000) stellt heraus, dass der finanzielle und personelle Aufwand, der zur Unterstützung körperlich verunglückter Patienten angeboten wird, ungleich höher ist, als die Unterstützung, die psychiatrischen Patienten zukommt.
Er fordert, dass die z.T. Jugendlichen Patienten gesehen werden in ihrer verzweifelten Situation:
· Mit einem Schmerz, der nicht schreit gehört werden
· Mit einer Wunde, die nicht blutet gesehen
· Und mit einer Lähmung, die nicht im Rollstuhl sitzt wahrgenommen werden.
Es geht nicht um die Diagnostizierung von Symptomen, sondern um das Wahrnehmen und Anerkennen des Klienten als Mensch. Und vor allem geht es um die Einräumung der Möglichkeit von Selbstgewinnung - von Selbstbestimmung und damit die Ermöglichung einer Zukunft.
Die ausschließlich biologisch - chemische Konzeption von Psychose bzw. von Heilung einer Psychose - Reduzierung der Behandlung auf Symptomerkennung mittels Fragebogen und Symptomreduktion mittels Medikation - ist ein weiterer Faktor, der Empowerment untergräbt.
Hierbei soll den Medikamenten nicht grundsätzlich die therapieunterstützende Wirkung abgesprochen werden. Sie können durchaus zu einem erfolgreichen Selbstmanagement beitragen. Aber sie sollten therapieunterstützend und nicht ausschließlich angewendet werden.
Wenn der Psychiater sich auf die Verabreichung von Medikamenten beschränkt, kann das dazu führen, dass der Klient die Behandlung gar nicht als solche wahrnimmt.
Dies kann zu einer Non-Compliance führen, besonders dann, wenn die Arzt -Patient- Begegnung sich auf eine Einwirkung auf den Patienten im Sinne von Motivation zur Medikamenteneinnahme beschränkt.
Wörrishofer verweist energisch darauf, dass eine solche Behandlung, die das Problem des Patienten auf eine Stoffwechselstörung reduziert, dazu führt, dass der Patient im Wortsinne als Erleidender, als Passiver gesehen wird - und letztendlich kann dies dazu führen, dass er diese Sichtweise übernimmt. Dabei ist es für einen positiv verlaufenden Genesungsprozess unerlässlich, dass der Patient sich als prinzipiell lernfähig definiert und die psychotische Architektur eines Umbaus für fähig oder wenigstens für bewohnbar hält. (Knuf, 2000, S. 15).
Die wesentlichste Aufgabe der Psychiatrie und ihrer Therapie sollte darin bestehen, neben der Medikation, den Patienten dazu zu verhelfen mit sich selber in Kontakt zu kommen und Mut zu schöpfen. Sie sollte Lernfähigkeit im Umgang mit sich und der Welt lehren.
Der Therapeut sollte einen Raum eröffnen - ,,space geben" - und den Patienten einladen. (Klientzentrierte Therapie nach Rogers....)
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