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Autor: Jonathan Lock
Fach: Kulturwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Universität Lüneburg
Tags: Filmanalyse, Mathieu, Kassovitz, Film, Hass, Rückkehr, Sozialen, Film
Jahr: 2003
Seiten: 28
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 18 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 262 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-37160-5
Die vorliegende Arbeit hat den Film Hass zum Gegenstand. Im Jahre 1995 gedreht, behandelt er die problematische Lebenssituation Jugendlicher in Pariser Vorstädten. Das Werk wurde weit über Frankreichs Grenzen hinweg diskutiert und verschaffte dem Regisseur Kassovitz die Anerkennung der internationalen Filmszene. Ob seiner brisanten Thematik und der stilistischen Umsetzung gilt der Film heute als einer der wichtigen sozialkritischen Filme des
Textauszug (computergeneriert)
Universität Lüneburg
Kulturwissenschaften
Hauptseminararbeit zur Veranstaltung:
Die Rückkehr des Sozialen im Film
2003
Filmanalyse zu Mathieu Kassovitz′ Film "Hass"
von: Jonathan Lock
Einleitung 3
Soziale und politische Hintergründe... 3
Statistische Daten ...3
Assimilation statt Integration ...4
Entstehung der „Banlieues“ ...5
Arbeitslosigkeit in den Banlieues ...7
Bandenbildung und Familie ...8
Rassismus ...9
Einordnung in den französischen Film ...10
Zum „Jeune Cinema“...11
„Cinéma beur“ ...12
Filmanalyse ...14
Ästhetische Gestaltung ...14
Handlungsaufbau ...17
Charaktere ...18
Soziale Kategorien ...21
FAMILIE ...21
GESCHLECHTERROLLEN ...22
ARBEIT ...23
„Message“ ...23
Literaturverzeichnis 27
Einleitung
Die vorliegende Arbeit hat den Film „Hass“ des französischen Regisseurs Mathieu Kassovitz zum Gegenstand. Im Jahre 1995 gedreht, behandelt er die problematische Lebenssituation Jugendlicher in Pariser Vorstädten. Das Werk wurde weit über Frankreichs Grenzen hinweg intensiv diskutiert und verschaffte dem jungen Regisseur die Anerkennung der internationalen Filmszene. Ob seiner brisanten Thematik und der stilistischen Umsetzung gilt der Film heute als einer der wichtigen sozialkritischen Filme des europäischen Kinos der Neunziger Jahre. Im Folgenden wird zunächst die gegenwärtige Situation in den Vororten unter politischen und soziologischen Gesichtspunkten in ihrer Entwicklung beschrieben. Dabei spielt die Geschichte der Einwanderung eine entscheidende Rolle, um die Ursachen für die Integrationsprobleme und die Entstehung der Problemsiedlungen zu erläutern. Ein Überblick über den aktuellen sozialen Zustand dient als Hintergrund für die später folgende Analyse. Der zweite Teil dieser Arbeit befasst sich mit dem französischen Film der Neunziger Jahre und gibt einen Überblick über die künstlerische Tradition des „Cinema Beur“, an die Kassovitz mit seinem Werk anknüpft. Es folgt eine ausführliche Filmanalyse, die ästhetische, stilistische wie inhaltliche Merkmale berücksichtigt. Im Hinblick auf das Seminarthema gilt dabei den sozialen Kategorien im Film ein besonderes Augenmerk. Abschließend erfolgt eine Untersuchung der „Message“ des Films, in der Motive und Intention des Regisseurs Kassovitz erläutert werden sollen.
Soziale und politische Hintergründe
Statistische Daten
Bevor die Hintergründe der Einwanderungsproblematik in Frankreich beleuchtet werden, zunächst einige statistische Daten: Die Population der Immigranten in Frankreich wird aufgrund der beiden Kriterien Nationalität und Geburtsort definiert: Immigrant ist jede im Ausland als Ausländer geborene und in Frankreich lebende Person. Diese Population besteht zum größten Teil aus Ausländern, aber auch aus Personen, die die französische Staatsangehörigkeit erworben haben. In diesem Kontext ist nicht jeder Ausländer zwangsläufig auch Immigrant (z. B. in Frankreich geborene Ausländer), und jeder Immigrant ist nicht unbedingt Ausländer (naturalisierte Franzosen). 1990 wurde eine Volkszählung durchgeführt, die eine Zahl von 4,166 Mio. Immigranten hervorbrachte, was 7,4 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht; darunter 1,308 Mio. Personen, die durch einen nachträglichen Erwerb der Staatsangehörigkeit Franzosen wurden. Diese Zahl umfasst 50,4 % Europäer, 35,9 % Afrikaner und 11,4 % Asiaten. Die Zahl der Nachkommen von Immigranten, d. h. die in Frankreich geborenen Kinder eingewanderter Eltern, wird je nach Quelle auf 1,5 Mio. (Institut national des études démographiques INED, demografisches Institut) bzw. 3 Mio. (Institut national de la statistique et des études economiques INSEE, Volkszählung) geschätzt. Inzwischen hat jeder vierte Franzose einen nicht- französischen Eltern- oder Großelternteil. 1 Assimilation statt Integration
In Frankreich geborene Nachkommen von Einwanderern bekommen automatisch - falls sie dem nicht widersprechen - mit Vollendung des 13., 16. bzw. 18. Lebensjahres (die Altersgrenze wurde sukzessive angehoben) die französische Staatsbürgerschaft; Kinder algerischer Herkunft bereits von Geburt an, erfolgte diese auf französischem Boden. All diese Kinder gelten also statistisch nicht mehr als Ausländer, im Alltagsdiskurs jedoch führt der reine Besitz der gleichen Staatsbürgerschaft nicht gleichzeitig zu einer Anerkennung als vollwertiges Mitglied der französischen Gesellschaft durch die Franko-Franzosen. Die Annahme, dass die Vergabe der französischen Staatsbürgerschaft über sämtlich kulturelle Unterschiede hinwegführe, entspringt der idealtypischen Vorstellung französischer Einwanderungspolitik: eine bis heute auf Assimilation ausgerichtete Politik der kulturellen Integration. Dieses Konzept steht in einem klaren Gegensatz zu angelsächsischen Modellen, die die Zugehörigkeit zu ethischen Gemeinschaften nicht außer Acht lassen und in denen kulturelle Differenzen durchaus ein Thema in der politischen Öffentlichkeit darstellen. 2 Einwanderer in Frankreich sowie ihre nachgezogenen Familien haben sich einzufügen in das vereinheitlichende französische Nationalmodell, dem die Einheit der Sprache, Kultur und Nation zugrunde liegt. Diese traditionell national geprägte Kultur – und Geschichtsauffassung negiert Fremdes im öffentlichen Raum. Mit der Gründung eines Nationalen Einwanderungsbüros 1945 verlieh der Staat unter anderem seinem Wunsch Ausdruck, nur Ausländer aufzunehmen, die ein vermeintlich hohes Maß an Assimilierbarkeit mitbrachten. So schreibt Pierre Bideberry, ehemaliger Leiter des Einwanderungsbüros:
„ Es ging darum, ,den unlauteren Wettbewerb mit der einheimischen Arbeiterschaft in bezug auf Arbeit und Löhne zu vermeiden; die nationale Gemeinschaft durch eine wirksame Auswahl zu schützen, die auf Kriterien der Gesundheit, des Arbeitsmarkte und des moralischen Verhaltens beruhte; [...]’ “3
Eine neue Arbeiterschaft, deren Aufbau vor allem auf die Kriterien von ethnischer und kultureller Ausgewogenheit sowie nationalem Zusammenhalt ausgerichtet war, sollte erschaffen werden. Das schloss theoretisch Nicht-Europäer aus, der Markt verlangte jedoch nach billigen Arbeitskräften und diese waren in Europa nicht zu finden. So gehorchte die Einwanderung mehr ökonomischen Notwendigkeiten, denn theoretischen Einwanderungs-Regularien und es fanden viele Menschen aus dem Maghreb ihren Weg nach Frankreich. Eine Integration in das Wirtschaftssystem und insbesondere in die Arbeiterklasse konnte zunächst erfolgen, denn gezielt angeworbene Arbeiter fanden zu dieser Zeit noch ihren Platz – ökonomisch betrachtet. Eine kulturelle und soziale Distanz existierte von Anbeginn. Denn: Die kulturellen Eigenschaften der ausländischen Gemeinden soll auf die Privatsphäre beschränkt bleiben. Dietmar Loch fasst diese Widersprüchlichkeit folgendermaßen zusammen: „[...] besteht das Paradox im Einwanderungsland Frankreich darin, dass ethnisch-kulturelle Vielfalt alltägliches Faktum ist, die Anerkennung von kultureller oder religiöser Differenz aber an politische Grenzen, d.h. an Staats- und Nationalverständnis stößt.“4
Entstehung der „Banlieues“
Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts wandern Menschen aus ökonomischen Gründen in Frankreich ein, für die hier zu bearbeitende Problematik der Einwanderer-Nachkommen ist jedoch die Situation nach 1945 relevant. Wie überall in Europa bestand auch in Frankreich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ein hoher Bedarf an Arbeitskräften für den wirtschaftlichen Wiederaufbau, der nicht aus eigenen Ressourcen gedeckt werden konnte. Dies brachte ausländischer Arbeiter nach Frankreich. Sowohl aus europäischen Ländern – Portugiesen, Italiener, Spanier, Türken und Polen – und auch massiv aus Nordafrika (Maghreb): Allen voran Algerier, Marokkaner und Tunesier. Frankreich wurde so das europäische Land mit den meisten muslimischen und arabischen Migranten. 1945 wurde das staatliche Einwanderungsbüro gegründet, das sich - rein theoretisch - um eine geordnete Anwerbung der benötigten Arbeitskräfte kümmern sollte. In der Praxis jedoch sah es so aus, dass viele Firmen weiterhin jegliche Formalitäten umgangen, nicht zuletzt, um Kosten zu sparen.
[...]
1 http://www.eu-employment-observatory.net/ersep/trd32d/00300068.asp, 6.Juni 2003, 15:30 Uhr
2Vgl. Loch, Dietmar: Vorstädte und Einwanderung. In: Christadler, M. und Uterwedde, H. (Hrsg.): Länderbericht Frankreich: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Opladen 1999, S. 118-135.
3 Bideberry, Paul: Immigration et technique de recrutement. In : Economie et Humanisme. 189, S. 19-28. Zitiert nach : Silverman, Maxim: Rassismus und Nation: Einwanderung und Krise des Nationalstaates in Frankreich. Hamburg 1994, S. 49.
4 Christadler, Uterwedde, S. 120
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