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Autor: Tilman Scheipers
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Details
Tags: Rational, Choice, Eine, Betrachtung
Jahr: 2005
Seiten: 14
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 222 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-37173-5
Textauszug (computergeneriert)
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Politikwissenschaft
Seminar im Grundstudium: „Moderne politische Theorie“
3. Fachsemester
Rational Choice - Eine kritische Betrachtung
von: Tilman Scheipers
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 2
2. DER RATIONAL-CHOICE-ANSATZ 3
a. Grundannahmen 3
b. Entscheidungsmethodik 4
3. DIE KRITIK AM RATIONAL-CHOICE-ANSATZ 6
a. En Gros 7
i. Der Vorwurf der Unmoral 7
ii. Der Vorwurf der Nutzlosigkeit 7
b. En Detail 8
i. Angefallene Kosten 8
ii. Die Präferenz der Sicherheit 8
iii. Vermeidung von Verlusten 9
iv. Umkehrung der Präferenzen 9
v. Entscheidungen in Low-Cost-Situationen 9
vi. Entscheidungen aus Gewohnheit 10
4. FAZIT 10
5. LITERATURVERZEICHNIS 12
1. EINLEITUNG
In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wurde Bundeskanzler Gerhard Schröder die Frage gestellt, ob er glaube, dass die sich USamerikanische Regierung bei ihren Entscheidungen zu sehr nach religiösen Wertvorstellungen richte. Worauf der Bundeskanzler antwortete, dass er sich sicher sei, dass auch die Bush-Administration ihre Entscheidungen rein rational treffe.1 Er wird es nicht so gemeint haben, trotzdem könnte man ihm unterstellen, er gehe davon aus, dass alle politischen Entscheidungen rationale sind – rationale im Sinne des Rational-Choice-Ansatzes. Dieser Rational-Choice-Ansatz beschreibt einen theoretischen Vorgang, nach welchem der dazu gehörig typologisierte Mensch, der sogenannte Homo Oeconomicus, Entscheidungen fällt. Bei diesem Ansatz handelt es sich um den im Allgemeinen und in der Politikwissenschaft im Besonderen am meisten und heftigsten diskutierten. Wie es in der Natur viel diskutierter Themen liegt, haben diese nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker, die ihre Richtigkeit bezweifeln.
So verhält es sich auch mit dem Rational-Choice-Ansatz: Wie von Beyme erläutert, wird dem Ansatz vor allem vorgeworfen, sich empirisch schlecht belegen zu lassen und nur in Situationen mit sehr beschränkter Anzahl von Handlungsoptionen zufrieden stellende Aussagen liefern zu können. In Bezug auf Cox führt er an, dass sich die Kritik des Ansatzes vor allem gegen seine rigorosesten Verfechter wende und außerdem kein anderer Ansatz so scharfen Tests unterworfen werde wie der des Rational Choice.2
Doch es wird auch oft darauf hingewiesen wird, dass sich diese Auseinandersetzungen nicht durch Meinungsverschiedenheiten begründen, sondern vielmehr auf Missverständnissen beruhen. 3 Aus diesem Grund möchte diese Hausarbeit einen objektiven Blick auf den Rational- Choice-Ansatz werfen; das heißt zunächst ohne jegliche Wertung und anschließend sowohl Gründe für seine Befürwortung als auch für seine Ablehnung. So sollen im ersten Teil zunächst die Grundannahmen und die Methodik des Rational-Choice- Ansatzes vorgestellt und anschließend im zweiten Teil dann die Hauptbefürwortungs- und -kritikpunkte angesprochen werden. Obwohl es verschiedene Theoriezweige dieses Ansatzes gibt, wird im Rahmen der Arbeit der Rational-Choice-Ansatz dennoch als ein allgemeiner Überbegriff für die verschiedenen Teilbereiche verwendet, und der Auffächerung durch eine kurze Vorstellung dieser genüge getan sein.
2. DER RATIONAL-CHOICE-ANSATZ
Bevor die positiven als auch negativen Kritikpunkte des Ansatzes diskutiert werden können, muss der Stein des Anstoßes zunächst objektiv und ohne jegliche Wertung vorgestellt werden. Außerdem ist festzuhalten, dass im Folgenden immer davon ausgegangen wird, dass ein Akteur eine Handlungsalternative hat, also mindestens zwei Möglichkeiten, sich zu entscheiden, die Handlung des Nichthandelns mit eingeschlossen.
a. Die Grundannahmen
Es sind vor allem drei Grundannahmen, auf die in den Sozialwissenschaften der Rational-Choice-Ansatz fußt: Das ist a) der methodologische Individualismus: Soziale Situationen begründen sich durch individuelle Handlungen. Das ist b) die Entscheidung nach rationaler Wahl: Die oben genannte individuelle Handlung beruht auf einer Entscheidung, die rational getroffen wurde. Und das ist c) die nutzenmaximierende Handlung: Die individuelle rational getroffene Entscheidung ist dann rational, wenn alle Handlungsalternativen unter Berücksichtigung aller dadurch auftretenden Vor- und Nachteilen mit den Präferenzen des Akteurs abgewogen wurden und sich der Akteur für diejenige Handlungsalternative entscheidet, die seinen Nutzen maximiert. Es wird angenommen, dass es mehrere grundlegende Präferenzen gibt, die die meisten Akteure aufweisen und die dadurch mehr oder weniger stabil sind.4 Nach diesen Grundannahmen handelt der sogenannte Homo Oeconomicus; Esser beschreibt diesen in einem Satz: Er maximiert „seinen individuellen Nutzen auf der Grundlage vollkommener Information und stabiler Präferenzen im Rahmen gegebener Restriktionen“5. Im Allgemeinen wird jedoch nicht mit dem Homo Oeconomicus in Reinform argumentiert, sondern mit dem differenzierteren Modell des sogenannten RREEMM6, mit einem „zwar über gewisse Ressourcen verfügenden, gleichwohl in seinen Handlungsmöglichkeiten beschränkten, aber immerhin zur Bildung von Erwartungen hinsichtlich künftiger Ereignisse sowie zur Bewertung alternativer Situationen fähigen und auf die Maximierung seines Nutzens bedachter“7 Akteur.
[...]
1 vgl. Schröder, Gerhard 2005: „Schöder-Interview: Fischer bleibt Außenminister“, 18.03.2005: http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EFDAF54C8F26C4E66874 5D2336E6ABAB8~ATpl~Ecommon~Scontent.html (18.03.2005)
2 vgl. Beyme, Klaus von: „Die politischen Theorien der Gegenwart“, 8. überarb. Auflage, Wiesbaden 2000, S. 144 ff.
3 vgl. Schmitt, Annette: „Ist es rational, den Rational Choice-Ansatz zur Analyse politischen Handelns heranzuziehen?“, in: Druwe, Ulrich / Kunz, Volker (Hrsg): „Handlungs- und Entscheidungstheorien in der Politikwissenschaft“, Opladen 1996, S. 102-126
4 vgl. Zimmerling, Ruth: „’Rational Choice’-Theorien: Fluch oder Segen für die Politikwissenschaft?“, in Druwe, Ulrich / Kunz, Volker (Hrsg): „Rational Choice in der Politikwissenschaft. Grundlagen und Anwendungen“, Opladen 1994, S. 15ff.
5 Esser, Hartmut: „Soziologie. Allgemeine Grundlagen“, Frankfurt - New York 1993, S. 236
6 Abkürzung für: resourceful, restricted, expecting, evaluating, maximizing man.
7 Zimmerling, Ruth: a.a.O., S. 16
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