Madame Bovary - Emmas Traum von der Flucht mit Rodolphe als ein Beispiel ihrer Realitätsferne und Naivität

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Details

Titel: Madame Bovary - Emmas Traum von der Flucht mit Rodolphe als ein Beispiel ihrer Realitätsferne und Naivität
Autor: Vanessa Schweppe
Fach: Romanistik - Französisch - Literatur
Veranstaltung: Proseminar: Mme Bovarys Lehrjahre des Herzens
Institution/Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Philologische Fakultät)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 14
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 5  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 160 KB
Archivnummer: V3808
ISBN (E-Book): 978-3-638-12354-9
ISBN (Buch): 978-3-638-75631-0

Zusammenfassung / Abstract

Emma Bovary - das Opfer einer von Männern dominierten Gesellschaft oder das Opfer ihrer realitätsfernen Träume? Zwei sehr unterschiedliche Theorien, die sich meiner Ansicht nach jedoch nicht ausschließen müssen. Emmas Traum von der Flucht mit Rodolphe in eine in ihrer Vorstellung sorgenfreie und unbeschwerte Welt liefert Interpretationsmöglichkeiten für beide Theorien. Er ist nur ein Beispiel ihrer unzähligen Illusionen und doch verdeutlicht er die Verwechslung von Realität und Traum und zeigt ebenfalls Emmas Naivität auf, mit der sie zum wiederholten Mal auf einen Mann hereinfällt, weil sie diesen nicht einschätzen kann. Weiterhin steht dieser Fluchtplan für Emmas Wunsch, aus ihrer Situation zu flüchten. Im engeren Sinn, vor Charles zu flüchten, im weiteren Sinn aus ihrer Situation als Frau mit einer in der damaligen Zeit eingeschränkten Freiheit zu entkommen. Man kann also sagen, dass Emma versucht, auf ihre eigene Weise gegen die von Männern dominierte Gesellschaft zu kämpfen. Kann man sie deshalb als Feministin betrachten? Als Emma mit der Realität konfrontiert wir und erfährt, dass sie von Rodolphe ausgenutzt wurde, bricht ihre Illusion wieder einmal zusammen und erste konkrete Anzeichen eines Selbstmordes deuten sich an. Im Zusammenhang mit der Flucht und der daraus resultierenden Enttäuschung Emmas stehen auch andere Personen, wie zum Beispiel Lheureux oder Felicité. Welche Rolle spielen sie für das unabwendbare Schicksal der Mme Bovary? Beide profitieren ebenfalls wie Charles und auch Rodolphe auf ihre Weise von Emma, ohne dass sie sich dessen bewusst ist. Also wird Emma zwar hauptsächlich, aber nicht ausschließlich von Männern ausgenutzt. Welche Bedeutung hat diese erneute Desillusionierung für den weiteren Verlauf des Romangeschehens und wäre Emma mit Rodolphe letztendlich glücklich geworden? Kann eine Frau wie Emma Bovary, die ihre ganze Jugend in romantischen Illusionen verbracht hat überhaupt glücklich und zufrieden werden? Solche und andere Fragen sollen in dieser Arbeit beantwortet werden. Hauptsächlich habe ich für die Interpretation folgende Stellen aus Mme Bovary – Textes et Contextes ausgewählt: S. 472, Z. 8 – S. 494, Z. 15 S. 502, Z. 20 – S. 508, Z. 34 (Flaubert, Gustave. 1992 Mme Bovary – Mœurs de provence. Textes et Contextes. Magnard 1992) Allerdings ist es für das vollständige Verständnis notwendig, sich auch auf andere Stellen zu beziehen, um bestimmte Thesen belegen zu können.

Textauszug (computergeneriert)

Emmas Traum von der Flucht mit Rodolphe als ein Beispiel ihrer Realitätsferne und Naivität

von Vanessa Schweppe

 

Inhaltsverzeichnis

01. Einleitung S. 3

02. Traum von der Flucht mit Rodolphe S. 4 - 6

03. Der "style indirect libre" - die erlebte Rede S. 5

04. Reisevorbereitungen und die Bedeutung Lheureuxs S. 7 - 9

05. Die Abwesenheit des Erzählers S. 8

06. Der Abschiedsbrief und Emmas Reaktion S. 10 - 11

07. Emma - eine Feministin? S. 12

08. Schlussbetrachtung S. 13

09. Bibliographie S. 14

 

01. Einleitung

Emma Bovary - das Opfer einer von Männern dominierten Gesellschaft oder das Opfer ihrer realitätsfernen Träume? Zwei sehr unterschiedliche Theorien, die sich meiner Ansicht nach jedoch nicht ausschließen müssen. Emmas Traum von der Flucht mit Rodolphe in eine in ihrer Vorstellung sorgenfreie und unbeschwerte Welt liefert Interpretationsmöglichkeiten für beide Theorien.
Er ist nur ein Beispiel ihrer unzähligen Illusionen und doch verdeutlicht er die Verwechslung von Realität und Traum und zeigt ebenfalls Emmas Naivität auf, mit der sie zum wiederholten Mal auf einen Mann hereinfällt, weil sie diesen nicht einschätzen kann.
Weiterhin steht dieser Fluchtplan für Emmas Wunsch, aus ihrer Situation zu flüchten. Im engeren Sinn, vor Charles zu flüchten, im weiteren Sinn aus ihrer Situation als Frau mit einer in der damaligen Zeit eingeschränkten Freiheit zu entkommen. Man kann also sagen, dass Emma versucht, auf ihre eigene Weise gegen die von Männern dominierte Gesellschaft zu kämpfen. Kann man sie deshalb als Feministin betrachten?
Als Emma mit der Realität konfrontiert wir und erfährt, dass sie von Rodolphe ausgenutzt wurde, bricht ihre Illusion wieder einmal zusammen und erste konkrete Anzeichen eines Selbstmordes deuten sich an.
Im Zusammenhang mit der Flucht und der daraus resultierenden Enttäuschung Emmas stehen auch andere Personen, wie zum Beispiel Lheureux oder Felicité. Welche Rolle spielen sie für das unabwendbare Schicksal der Mme Bovary? Beide profitieren ebenfalls wie Charles und auch Rodolphe auf ihre Weise von Emma, ohne dass sie sich dessen bewusst ist. Also wird Emma zwar hauptsächlich, aber nicht ausschließlich von Männern ausgenutzt.
Welche Bedeutung hat diese erneute Desillusionierung für den weiteren Verlauf des Romangeschehens und wäre Emma mit Rodolphe letztendlich glücklich geworden? Kann eine Frau wie Emma Bovary, die ihre ganze Jugend in romantischen Illusionen verbracht hat überhaupt glücklich und zufrieden werden?
Solche und andere Fragen sollen in dieser Hausarbeit beantwortet werden. Hauptsächlich habe ich für die Interpretation folgende Stellen aus Mme Bovary - Textes et Contextes ausgewählt: S. 472, Z. 8 - S. 494, Z. 15
S. 502, Z. 20 - S. 508, Z. 34
Allerdings ist es für das vollständige Verständnis notwendig, sich auch auf andere Stellen zu beziehen, um bestimmte Thesen belegen zu können.
02. Traum von der Flucht
Emma glaubt, in Rodolphe endlich jemanden gefunden zu haben, der sie aus ihrer Situation befreien kann und sie setzt so alle ihrer Hoffnungen in ihn. Sie fleht ihn an, sie zu retten. Sie so in Leidenschaft zu sehen, ist anziehend für Rodolphe, so dass er sie fragt, wie er ihr denn helfen kann. "Enlèvemoi!..." (p.472, l.16) antwortet sie ihm. Die Bitte, sie zu "entführen" beruht mit Sicherheit auf ihrer Lektüre, die sie im Kloster gelesen hat, und ist Teil ihrer romantischen Ideen geworden. Rodolphe reagiert irritiert, er hat ganz und gar nicht die Absicht, sich an eine Frau und ein Kind zu binden. Doch Emma erwartet gar nicht erst seine Antwort, da sie bereits so vertieft in ihren Traum ist, dass sie nicht einmal in Erwägung zieht, Rodolphe könnte ihren Wunsch nicht teilen. Emma versteift sich dermaßen in diesen Fluchtplan, dass sie kein anderes Gesprächsthema mehr finden kann und drängt Rodolphe so in eine Ecke. Er geht den Weg des geringsten Widerstandes und sagt Emma immer genau das, was sie hören möchte.
Es ist geschickt von Flaubert, einen kühlen, skrupellosen Rodolphe jene gefühlvolle Worte heucheln zu lassen, die sich Emma von ihrem idealen Liebhaber erträumt hat und damit gleichzeitig ihre Verblendung und Einfältigkeit aufzudecken.

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