Die Parabase in Aristophanes' Frieden, Verse 729-817

Flash Player und JavaScript werden für eine verbesserte Ansicht des Dokuments benötigt. Bitte installieren Sie den Flash Player und aktivieren Sie Javascript.
Install Flash Player
Details
Autor: Martin Albrecht
Fach: Griechisch / Altgriechisch
Veranstaltung: Hauptseminar
Institution/Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Seminar für Klasssische Philologie)
Jahr: 2004
Seiten: 32
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 18 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 341 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-37429-3
Kommentar zur Parabase in Aristophanes' Frieden. Mit Text (Unicode) und Übersetzung!
Textauszug (computergeneriert)
Hausarbeit
Die Parabase in Aristophanes′ Frieden, Verse 729-817
Hauptseminar: Aristophanes Friede
Seminar für Klassische Philologie
Johannes Gutenberg Universität, SS 2004
vorgelegt von:
Martin Albrecht
Inhalt
Prolog ... 2
Text (nach Olson) ... 3
Übersetzung ... 6
Kommentar ... 8
Schlussbemerkungen ... 30
Bibliographie ... 32
Die Parabasis in Aristophanes Frieden, Verse 729-817
Prolog
„Nun, ich habe von einigen der Choreuten gehört, dass er ziemlich über das Soldatenleben herziehen wird, Dieitrephes... Sieh’, da sind zwei Plätze frei, lass uns hinübergehen.“ - „ Frieden heißt das Stück, was? Jetzt hat er ihn ja. Allerdings: auch mir ging das ständige Kriegführen langsam auf den Geist, und auch ich bin froh, dass es vorbei zu sein scheint!“ - „Der ‚Ledergerber’, wie ihn Aristophanes immer nennt, und der unkontrollierbare Verrückte haben sich ja schicksalsträchtig in derselben Schlacht gegenseitig ausgeschaltet.“ - „Bin gespannt, Demophron, was der Glatzkopf diesmal über ihn sagen wird, jetzt wo der im Hades sitzt“ - „Eupolis will uns ja mit Kolakes erfreuen; wer wohl gewinnt? Letztes Jahr warf Aristophanes uns seine Niederlage mit den Wolken vor, nannte uns ungebildet; muss ihn ja mächtig gewurmt haben! Doch was habe ich mit Sokrates zu tun?! Hast Du an die Kissen gedacht?“ „Sieh, der Dionysospriester ist auch schon da. - Was machen die denn da? Was hat dieser eine Sklave gesagt? Kuchen aus Lustknabenkacke? Soll das wieder gegen Kleon gehen...?“
* * * *
Die Zuschauer Dieitrephes und Demophron, beides Soldaten aus Parion1, haben im Frühling des Jahre 421 im Theater des Dionysos Platz genommen, das Stück hat unterdessen schon angefangen, und Aristophanes versucht die Aufmerksamkeit auf die beiden Sklaven des Trygaios, Held seines Stückes Frieden zu lenken. Es geht um den erst vor kurzem geschlossenen Frieden zwischen den Kriegsparteien Sparta und Athen, ein Frieden, der erst nach dem Tod der hauptsächlichen Kriegstreiber, des Atheners Kleon - als Politiker ständig Zielscheibe aristophanischen Spotts und Invektive - und des spartanischen Generals Brasidas, möglich war. Die beiden Soldaten aus Parion, eine Stadt im Delisch-Attischen Seebund, die zu den Dionysien angereist sind, finden sich hier mit vielen anderen Vertretern von den Inseln und Städten des Seebundes versammelt. Hier zeigt sich Athen als stolzer Mittelpunkt dieses Bundes und diesmal, nach langen Kriegsjahren, in Friedenszeiten. Wir wissen wie alles ausgeht, kennen das Stück, wissen um die Kurzlebigkeit des ausgehandelten Friedens. Doch als Aristophanes seine Komödie an den Dionysien im Jahre 421 aufführt, ist der Friede noch ganz frisch, vielleicht so frisch, dass er sogar noch im letzten Moment Veränderungen an seinem Stück vornehmen musste. Und in diesem Stück feiert er den neu erworbenen Frieden, für den er in seinen Komödien immer wieder eingetreten ist. Die Komödie Frieden ist daher ein einziges Fest: es gibt keinen epirrhematischen Agon zwischen einem Helden und seinem Gegner wie in Acharnern, oder Rittern oder in dem im Jahr zuvor aufgeführten Wespen. Der Held, wie schon in Acharnern oder später in den Vögeln ein älterer Athener aus dem unteren Stratum der Bürgerschaft mit einer völlig fantastischen Idee, wie der Friede im Land wiederherzustellen sei, führt seinen Plan ohne weitere Hindernisse aus. Sein einziger Gegner, Hermes, wird rasch zunächst mit einem Stück Schinken und dann mit einer goldene Schale von der Ausübung seiner Wachfunktion abgebracht, und wird schließlich sogar zum Verbündeten. Damit gleicht er dem gefräßigen Herakles in den Vögeln, der dem zwielichtigen Peisistratos ohne große Bedenken im Austausch für ein gebratenes Huhn die Königsherrschaft im Himmel überlässt. Doch Trygaios will ja nur das Beste: er ist entgegen den meisten anderen Helden der Komödien des Aristophanes (Dikaiopolis, der Wursthändler2, Strepsiades oder der eben erwähnte Peisistratos) eine durchweg positive Gestalt und wird im zweiten Teil des Friedens auch entsprechend enthusiastisch vom Chor und allen friedenswilligen Elementen der Stadt gefeiert. Die Identität des Chores wirft einige Fragen auf. Während der schweren Bergungsarbeiten, scheint seine Identität zu oszillieren: es sind wohl zunächst alle Hellenen; dann werden mehrere nationale Untergruppen angesprochen: Megarer, Spartaner, Boioter und auch Athener. Zum Schluss besteht der Chor jedenfalls aus attischen Bauern, zu deren Wohl endlich Frieden einkehrt, und die den fröhlichen Festchor im zweiten Teil der Komödie bilden3.
[....]
1 Wir kennen Dieitrephes und Demophron aus der Inschrift CEG 94, wo beide stolz als [...] verewigt sind. Der Stein ist wohl aus Athen: vgl. Wilamowitz, Hermes 64 (1930), 253f. Seiner Meinung nach fielen die beiden Soldaten im Dekeleischen Krieg
2 Zu dem Doppel der negativen Charaktere Wursthändler und Paphlagon/Kleon in Ritter siehe A. Bierl, „Viel Spott, viel Ehr“ in Ercolani, 175-176.
3 Die Identität des Chores bereitet vielen Kommentatoren des Aristophanes Probleme. Die Meinungen reichen von Sifakis, der dem Chor in keinem der Stücke des Aristophanes eine festgelegte Rolle zuteilen möchte bis Norwood, der Kontamination zweier Versionen des Stücks annimmt. Mit Zimmermann 1985, Sommerstein 1985 und Sifakis 1971 denke ich, dass Aristophanes die Rolle nicht festlegt, d.h. der ganze Chor im zweiten Teil sind Bauern, in der Parabase sind sie einfach der Chor der Aristophanes und in der Befreiungsszene sind sie Panhellenen. Hubbard sieht dabei aber ein „problem of costume“ (241). Er sieht daher keine Brüche in der Identität des Chores sondern erklärt ihn als Gruppe von Panhellenen aus allen sozialen Schichten und professionellen Bereichen.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: