Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholary Paper (Seminar), 2004, 28 Pages
Author: Anett Stemmer
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Technical University of Berlin (Deutsche Philologie)
Tags: Franz, Kafka, Theater, Film, Proseminar, Franz, Kafka, Erzählungen
Year: 2004
Pages: 28
Bibliography: ~ 31 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37471-2
File size: 344 KB
Other users also were interested in the following titles:
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Berlin
Institut für Literaturwissenschaft
Proseminar: Franz Kafka – Die frühen Erzählungen
3. Semester
Franz Kafka und Theater und Film um 1910
von: Anett Stemmer
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 02
2. SCHAUSPIEL UND MUSIKTHEATER 02
2.1 Allgemeine Europäische Strömungen 02
2.2 Theater in Prag – Kafka als Zuschauer 03
2.2.1 a) Deutschsprachiges und Tschechisches Theater 03
b) Kafka und das Prager Theater 07
2.2.2 Variété, Kabarett und Jiddisches Theater 09
3. FILM UM 1910 12
3.1 Filmgeschichtlicher Hintergrund – Anfangsjahre von Film und Kino 12
3.2 Erlebnis Stummfilm 16
3.3 Kino-Debatte 18
3.4 Kafka als Kinogänger 20
4. RÉSUMÉ 23
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN 25
LITERATURVERZEICHNIS 26
1 . E I N L E I T U N G
„Kafka war ein mäßiger Besucher von Theateraufführungen und Vorträgen, ein zu Zeiten begeisterter Kinogänger, [...] trieb sich als Student nächtelang in Weinstuben herum, besuchte auch später gelegentlich Cafés und machte [...] gerne Ausflüge“1 – so fasst Kafkas Biograph Klaus Wagenbach dessen Freizeitvergnügungen zusammen. Bei der folgenden Ausarbeitung soll es darum gehen, ein Bild von der Theater- und Filmkultur um 1910 zu zeichnen und auf das Verhältnis Franz Kafkas zu beiden Unterhaltungsformen einzugehen. Im ersten Teil, der sich mit dem Theater beschäftigt, habe ich den Schwerpunkt auf den Standort Prag gelegt, also Kafkas unmittelbares Lebensumfeld, und habe dabei neben dem gehobenen Theater auch das Variété mit in die Betrachtung einbezogen. Der Text soll darlegen, in welcher besonderen Situation sich das Theater in dieser Stadt zu jener Zeit befand, aber auch Kafkas generelles Verhältnis zum Theater beleuchten. Im zweiten Teil der Arbeit, der das Thema Film zum Inhalt hat, werde ich zunächst einen Eindruck vermitteln, wie man sich das Kino des beginnenden 20. Jahrhunderts vorstellen kann und welche Debatten um diese neue Unterhaltungsform entstanden, um Kafkas Position besser einordnen zu können. Die Arbeit kann selbstverständlich kein vollständiges Bild von Kafkas Beziehung zu Film und Theater zeichnen, soll aber einen Einblick in das Thema vermitteln und einige wichtige Hintergründe erläutern.
2 . S C H A U S P I E L U N D M U S I K T H E A T E R
2.1 Allgemeine Europäische Strömungen
Das Theater des frühen 20. Jahrhunderts zeichnete sich durch eine Vielzahl von Stilrichtungen aus, denen vor allem die Abkehr vom Naturalismus gemeinsam war. Eine einfache Einteilung in Stil-Epochen ist nur schwer möglich, da viele Entwicklungen parallel stattfanden und die unterschiedlichen Stile sich teilweise miteinander vermischten. Der Naturalismus (als Weiterentwicklung des Realismus) hatte eine Abkehr vom Theatralischen bedeutet, hin zum Prinzip der Echtheit. Nicht mehr die Handlung als Prozess stand im Vordergrund des Interesses, sondern die Zustandsbeschreibung als Versuch das Milieu und die Psyche der Figuren möglichst genau wiederzugeben, dabei konzentrierte man sich meist auf das proletarische Milieu und auf Außenseiterfiguren. Einen Höhepunkt erreichte der Naturalismus mit Stanislawskis2 Inszenierungen des psychologisch-naturalistischen Illusionstheaters, das sich durch besondere Detailtreue auszeichnete. Das naturalistische Theater stellte eine Ablehnung des Künstlichen dar, das nur eine Verfremdung der Wirklichkeit wäre, sondern legte Wert auf eine möglichst präzise Darstellung der Charaktere. Dies war auch der Ansatzpunkt für die Kritik am Naturalismus. Theater sollte wieder Kunst werden – nicht bloß ein Spiegel der Realität, sondern die Schaffung von etwas Neuem. Ein Erlebnis, das den Zuschauer mit einbezog, der im naturalistischen Theater eher auf Distanz blieb. Dabei bildeten sich so verschiedene Stilrichtungen wie Impressionismus, Symbolismus, Neuromantik, Jugendstil und Expressionismus heraus. Das Ambiente – Bühnenbild, Lichttechnik und Musik – gewann eine neue Bedeutung, jede Inszenierung sollte etwas Einmaliges werden. Dabei wurden auch Ausdrucksmittel aus anderen Unterhaltungsformen wie Zirkus, Variété und Kabarett sowie neuen Medien wie Film und Rundfunk mit einbezogen. Eine entscheidende Rolle bei der Überwindung des naturalistischen Theaters spielte Max Reinhardt. Zunächst selbst als Schauspieler unter dem „Naturalismus- Papst“ Otto Brahm am Deutschen Theater in Berlin tätig, etablierte er die „Inszenierung, die schöpferische Tätigkeit des Regisseurs als eigenständige[n] künstlerische[n] Prozess“ 3 und erreichte somit eine Emanzipierung der Theaterinszenierung von ihrer literarischen Vorlage.
2.2 Theater in Prag – Kafka als Zuschauer
2.2.1 a) Deutschsprachiges und Tschechisches Theater
In der Prager Theaterszene um 1910 spiegelte sich die kulturelle und politische Spaltung zwischen Tschechen und Deutschen wider. War das kulturelle Leben der Stadt noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts vorwiegend deutsch dominiert, verlangte das zunehmende Nationalbewusstsein der Tschechen die Herausbildung eigenständiger tschechischer Kultureinrichtungen, was auch die Forderung nach einem Nationaltheater mit sich brachte. So war es im Herbst 1862 zunächst zur Gründung des ersten eigenständigen tschechischen Theaters in Prag gekommen (das „Interimstheater“). Das eigentliche Nationaltheater (Národní Divadlo) eröffnete im Juni 1881 mit der Uraufführung von Bedøich Smetanas Oper „Libu(?)e“, wurde aber im August desselben Jahres durch einen Brand stark zerstört. Großzügige Spenden der tschechischen Bevölkerung gewährleisteten jedoch eine Wiedereröffnung des – bis heute existierenden – Theaters im November 1883.4 Die Idee hinter dem Nationaltheater war, im Unterschied zu vergleichbaren Einrichtungen anderer Nationen, nicht nur die Kultur des eigenen Volkes zu repräsentieren, sondern es stand v.a. der politische Aspekt im Vordergrund – „der Kampf um das Theater war eine Demonstration des Kampfes um nationale Unabhängigkeit.“5
Das Národní Divadlo entwickelte sich binnen kürzester Zeit zur wichtigsten Adresse tschechischen Theaterlebens – nicht nur in Prag, sondern in ganz Böhmen und Mähren. Jitka Ludvová betrachtet die Eröffnung des tschechischen Nationaltheaters „als Bestandteil der letzten Phase eines langwährenden Prozesses, in dem Tschechen und Deutsche in den Böhmischen Ländern die Positionen einer kulturellen Mehrheit und Minderheit tauschten.“ Das Národní Divadlo erhielt den offiziellen Titel „Königliches Tschechisches Landestheater“ und konnte unter Karel Kovaøovic (bis 1920 Leiter der Oper) und Jaroslav Kvapil (bis 1950 Leiter des Schauspiels) Anschluss an die aktuellen Strömungen des europäischen Theaters finden und sie an die tschechischen Möglichkeiten und Bedürfnisse anpassen. In der Schauspieldramaturgie dominierte zunächst der psychologische Naturalismus, später das impressionistische Drama. Hier fanden auch Gastspiele des Moskauer Künstlertheaters statt, dessen Mitbegründer Stanislawski war. Das tschechische Theater ließ sich jedoch auch durch den Einfluss Max Reinhardts anregen. Kvapil zeigte zudem eine große Vorliebe für Werke von Henrik Ibsen, für Dramen des tschechischen Realisten Alois Jirásek und v.a. für William Shakespeare, dem sogar ein großangelegter Zyklus gewidmet wurde. Neben der Aufführung klassischer und moderner Stücke, stand das Nationaltheater auch der romantischen Dramatik nahe. Es widmete sich in besonderem Maße der Förderung zeitgenössischer tschechischer Autoren, mit dem Ziel eine eigene nationale Theaterkultur zu schaffen.
[...]
1 Wagenbach, Klaus: Kafkas Prag. Berlin 1995. S. 109.
2 Die von ihm entwickelte Stanislawski-Methode sollte den Schauspieler, durch das Nachvollziehen äußerer (physischer) Handlungen und Kenntnis der Lebensumstände und Psyche seiner Figur, zu einem intensiven Einfühlen in die Rolle führen und somit eine besondere Glaubwürdigkeit gewährleisten.
3 Fiedler, Leonhard M.: Die Überwindung des Naturalismus auf der Bühne: Das Theater Max Reinhardts. In: Kafitz, Dieter (Hrsg.): Drama und Theater der Jahrhundertwende. Tübingen 1991. S. 69.
4 Das Neurenais sancegebäude des Národní Divadlo wurde auf dem Gelände des Interimstheaters errichtet und integrierte dessen Gebäude mit in den Neubau. Nach der Wiedereröffnung verfügte das Theater über elektrische Beleuchtung, was zu dieser Zeit noch keine Selbstverständlichkeit war.
5 Ludvová, Jitka: Nationaltheater und Minderheitentheater. In: Ludvová, Jitka / Jakubcová, Alena / Maidl, Václav: Deutschsprachiges Theater in Prag (im weiteren zitiert als DtiP). Prag 2001. S. 43
6 Ebd.
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Die Übersetzungsproblematik nach Walter Benjamin anhand der Interpretation des Aufsatzes "Die Aufgabe des Übersetzers"
Author: M.A. Baghira KarlosGerman Studies - Linguistics, 2003 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Die Dreigroschenoper - Brecht und das epische Theater
Author: Suzana DulabicGerman Studies - Modern German Literature, 2004 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Die Reise in den Orient - Eine Untersuchung des West-östlichen Divans Goethes vor dem Hintergrund von Edward W. Saids Orientalismus
Author: Heike PollmannGerman Studies - Comparative Literature, 2005 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Goethes Islambeziehung in seinen literarischen Projekten
Author: Petra SayasGerman Studies - Modern German Literature, 2002 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Goethes Islambeziehung im Kontext seiner Beziehung zur Religion
Author: Petra SayasGerman Studies - Modern German Literature, 2002 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Zwischen Orient und Antike. Goethes Liebe zur Verkleidung
Author: Beate KunzeGerman Studies - Modern German Literature, 2001 Download as PDF-file for 6,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: