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Termpaper, 2003, 34 Pages
Author: Frank Keilhack
Subject: History - Empire, Imperialism
Details
Institution/College: http://www.uni-jena.de/ (Historisches Institut)
Tags: Volk, Waffen, Militarismus, Deutschland, Frankreich, Totenkulte, Weltkrieg
Year: 2003
Pages: 34
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37485-9
File size: 1470 KB
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Excerpt (computer-generated)
Friedrich - Schiller - Universität
Historisches Institut
Proseminar: „Tod und Totenkulte im 1. Weltkrieg“
4. Fachsemester
"Volk in Waffen" und "nation en armes". Militarismus in
Deutschland und Frankreich 1871 bis 1914
von: Frank Keilhack
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Militarismus, Armee, Rüstung
2.1 Deutschland
2.2 Frankreich
3. Der Folkloremilitarismus: Militärparaden
3.1 Deutschland
3.2 Frankreich
4. Die Kriegervereine
4.1 Deutschland
4.2 Frankreich
5. Die Jugenderziehung
5.1 Deutschland
5.2 Frankreich
6. Vergleich
7. Resümee
8. Literatur- und Quellenverzeichnis
Anhang
1. Einleitung
Militarismus:
„Gemeint ist damit jene Politik, die darauf abzielt, den Streitkräften über ihren eigentlichen Auftrag, [...], der Landesverteidigung, hinausgehende Zusatzfunktionen zuzuweisen. Diese können sowohl in der Zweckentfremdung der Streitkräfte für die notfalls gewaltsame Systemerhaltung nach innen wie auch in dem Mißbrauch der Streitkräfte für eine aggressive Expansionspolitik nach außen bestehen. In der Praxis bedeutet dies, daß eine militaristisch bestimmte Militärpolitik sachfremde, d.h., von den Zwecken und Notwendigkeiten der Landesverteidigung abweichende Formen annimmt [...].“1
In einem anderen Aufsatz fügt Förster dieser Definition noch hinzu, dass „damit eng zusammenhängend die Überbetonung der Militärpolitik gegenüber anderen Bereichen der Politik“2 zu beobachten sei. Um den Begriff jedoch umfassend zu charakterisieren, muss auch der hohe Grad an Einbeziehung der Zivilbevölkerung in das Militärische berücksichtigt werden. Denn im Wesen des Militarismus der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg lag nicht zuletzt auch die Militarisierung der Gesellschaft. Mit der vorliegenden Arbeit sollen die Art und Weise des Militarismus sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede an den Beispielen Deutschland und Frankreich aufgezeigt werden. Dies geschieht anhand von vier Gesichtspunkten: dem Militarismus - in Form von Strömungen, Armee und Rüstung - , des sogenannten Folkloremilitarismus3, der Kriegervereine und der Jugenderziehung. Der im Anschluss zu ziehende Vergleich wird zeigen, dass es zum einen den Militarismus der Definition nach in Deutschland und Frankreich gab und zum anderen, dass der Unterschied sowohl im Grad der Militarisierung als auch in der Art und Weise bei weitem nicht so groß war, wie man glauben mag. Hierfür bieten vor allem Jakob Vogel, Stig Förster und Markus Ingenlath mit ihren hier verwendeten Schriften ausreichend Argumente. Aufgrund der ausschließlichen Verwendung deutschsprachiger Literatur und Quellen muss das Vorstellen der französischen Seite oftmals nur überblicksartig bleiben.
2. Militarismus, Armee, Rüstung
2.1 Deutschland
Im Deutschen Reich muss man vor dem Ersten Weltkrieg zwischen zwei militaristischen Strömungen unterscheiden: dem konservativen und dem bürgerlichen Militarismus.4 Erstgenannter war preußisch traditionell und antikonstitutionell ausgerichtet. Vertreter waren u.a. im Kriegsministerium, unter traditionalistischen Offizieren, im Militäradel und in konservativen Parteien zu finden.5 Man war vollkommen auf das Landheer fixiert, welches für die Wahrung der Monarchie und des Status quo eingesetzt werden sollte – also auch im Inneren des Reiches.6 Bei der Verstärkung der Armee war man der Ansicht, es müsse darauf geachtet werden, dass sie ein „corps royal“ bleibe.7 Dem gegenüber stand der bürgerliche Militarismus mit seinen vom Sozialdarwinismus8 geprägten Ansichten. Die Armee sollte im Sinne des Imperialismus gebraucht werden.9 Moderne Kriegstechnik und der Aufbau der Flotten wurden begrüßt. Die soziale Herkunft der rekrutierten Soldaten war den bürgerlichen Militaristen egal. Es kam ihnen nur auf eine ausreichende Verstärkung der Armee an.10 Vertreter waren u.a. im Generalstab, bei der nationalliberalen Partei und im Bürgertum zu finden.11 Nach der Reichsgründung 1871 wurde in Deutschland die allgemeine Wehrpflicht eingeführt.12 Auch hier waren Vertreter der beiden Militarismen unterschiedlicher Auffassung: Während die Konservativen aufgrund ideologischer Ansichten gegen die Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht waren, sprachen sich die Bürgerlichen natürlich dafür aus. Die deutsche Armee war keine einheitliche Armee: „Die deutsche Landmacht gliedert sich vielmehr in vier administrativ voneinander getrennte, in mehr oder minder hohem Grade selbständige Körper: die preußische Armee mit den ihr eng verbundenen Kontingenten, die sächsische, die württembergische und die bayerische Armee.“13
Sie unterstanden dem jeweiligen Landesherren.14 Der Kaiser hatte jedoch ein Inspektionsrecht. Nur im Kriegsfalle ging der Oberbefehl über alle Truppen auf den Kaiser über.15 Von einer parlamentarischen Kontrolle der Armee kann im Kaiserreich keine Rede sein, zumal selbst Abgeordnete im Reichstag gegen solch eine Aufsicht waren. Elard von Oldenburg-Januschau, ein Reichstagsabgeordneter, der dem konservativen Militaristen zuzuordnen ist, sagte während der Beratungen über den Militäretat am 29. Januar 1910 im Reichstag:
„[...] Der König von Preußen und der Deutsche Kaiser muß jeden Moment imstande sein, zu einem Leutnant zu sagen: nehmen Sie zehn Mann und schließen Sie den Reichstag!“16 Auch Kaiser Wilhelm II. machte keinen Hehl daraus, dass er der Ansicht war, die Armee sei auch im Inneren einzusetzen. 1891 sprach er vor jungen Rekruten und meinte, dass er von ihnen verlangen könne, auf Befehl auch auf eigene Familienangehörige zu schießen.17 Die Armee wurde als Erziehungsschule der Nation angesehen, die Gesellschaft sollte ihr untergeordnet sein.18
[...]
1 Zit. Förster, Stig, Alter und neuer Militarismus im Kaiserreich. Heeresrüstungspolitik und Dispositionen zum Kriege zwischen Status-quo-Sicherung und imperialistischer Expansion, 1890-1913, in: Dülffer, Jost / Holl, Karl (Hrsg.), Bereit zum Krieg. Kriegsmentalität im wilhelminischen Deutschland 1890-1914, Göttingen 1986, S.122- 145, hier S. 122f.
2 Zit. Förster, Stig, Militär und Militarismus im Deutschen Kaiserreich. Versuch einer differenzierten Betrachtung, in: Wette, Wolfram (Hrsg.), Militarismus in Deutschland 1871 bis 1945. Zeitgenössische Analysen und Kritik, Münster 1999, S. 63-80, hier S. 64.
3 Dieser Begriff ist von Jakob Vogel übernommen. Vgl. Vogel, Jakob, Der „Folkloremilitarismus“ und seine zeitgenössische Kritik. Deutschland und Frankreich 1871-1914, in: Wette, Wolfram (Hrsg.), Militarismus in Deutschland 1871 bis 1945. Zeitgenössische Analysen und Kritik, Münster 1999, S. 277-292.
4 Vgl. u.a. Förster, Militär und Militarismus im Deutschen Kaiserreich (Anm. 2), S. 66f; Ulrich, Bernd / Vogel, Jakob (Hrsg.), Untertan in Uniform. Militär und Militarismus im Kaiserreich 1871-1914, Quellen und Dokumente, Frankfurt am Main 2001, S. 181ff; Förster, Alter und neuer Militarismus im Kaiserreich (Anm. 1), S. 128ff.
5 Vgl. Förster, Militär und Militarismus im Deutschen Kaiserreich (Anm. 2), S. 66.
6 Vgl. Förster, Alter und neuer Militarismus im Kaiserreich (Anm. 1), S. 128.
7 Vgl. ebd.
8 Eine für diese Thematik ausreichende Klärung dieses Begriffes ebd., S. 79.
9 Vgl. Ulrich / Vogel (Hrsg.), Untertan in Uniform (Anm. 4), S. 185.
10 Vgl. Förster, Alter und neuer Militarismus im Kaiserreich (Anm. 1), S. 135.
11 Förster spricht von einer Janusköpfigkeit des deutschen Militarismus. Eines hatten die beiden Seiten allerdings gemeinsam: Die Ablehnung der Sozialdemokratie. Vgl. ebd., S.124 u. 135f.
12 Vgl. Vogel, Jakob, Nationen im Gleichschritt. Der Kult der Nation in Waffen in Deutschland und Frankreich 1871-1914, Göttingen 1997, S. 290.
13 Zit. nach dem Militärschriftsteller Hermann Vogt (1866), in: Ulrich / Vogel (Hrsg.), Untertan in Uniform (Anm. 4), S. 49.
14 Vgl. dazu die Eidesformel der Bayerischen Armee im Anhang, Anlage 1.
15 Vgl. Ulrich / Vogel (Hrsg.), Untertan in Uniform (Anm. 4), S. 49.
16 Zit. nach ebd., S. 185. Vgl. auch die vollständige Quelle im Anhang, Anlage 2.
17 Vgl. Förster, Alter und neuer Militarismus im Kaiserreich (Anm. 1), S. 130.
18 Vgl. Ingenlath, Markus, Mentale Aufrüstung. Militarisierungstendenzen in Frankreich und Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg, Frankfurt am Main / New York 1998, S. 318 u. 391.
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