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Untertitel: Günter Grass’ Novelle „Katz und Maus“ als Charakterstudie und Gesellschaftskritik
Autor: Stephan Rott
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Deutsches Seminar)
Tags: Mahlke, Weder, Hitler, Heiliger, Erzähltexte, Zeit, Fünfziger, Sechziger, Jahre
Jahr: 2002
Seiten: 22
Note: 1.0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 249 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-12376-1
ISBN (Buch): 978-3-638-63834-0
Zusammenfassung / Abstract
Die folgende Arbeit soll sich mit der Figur Joachim Mahlke beschäftigen, dem Protagonisten der 1961 erschienenen Novelle "Katz und Maus" von Günter Grass. Im ersten Teil, der den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet, wird versucht, die Figur Mahlke anhand einer Analyse des Textes greifbarer und nachvollziehbarer zu machen, als sie dem Leser auf den ersten Blick erscheint. Mahlke entbehrt auch heutzutage nicht einer gewissen Faszination, was wohl einerseits an der zeitlosen Thematik der Jugend- und Initiationsgeschichte liegt, andererseits aber auch auf die treffende Gestaltung des Stoffes durch den Autor zurückzuführen ist. Allerdings soll auf eine genauere Untersuchung der Struktur und sprachlichen Ausgestaltung der Novelle durch Günter Grass verzichtet werden. Des weiteren wird im ersten Teil die Besonderheit der Erzählsituation außer Acht gelassen, da der Schwerpunkt auf der Figur Mahlke und ihren Eigenarten liegen soll. Der zweite Teil soll kurz darauf eingehen, inwiefern Mahlke nicht als Einzelfall, sondern als symptomatisch für Staat, Gesellschaft und Kirche gesehen werden kann.
Textauszug (computergeneriert)
Mahlke - Weder Hitler noch Heiliger. Günter Grass′ Novelle "Katz und Maus" als Charakterstudie und Gesellschaftskritik
von Stephan Rott
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 2
2. Die Figur Mahlke 3
2.1. Der respektierte Außenseiter 3
2.2. Der "Große Mahlke" 5
2.3. Mahlkes Makel: Das Adamsapfel-Motiv 6
2.4. Der Clown ohne Publikum 8
2.5. Mahlkes Leistungssucht 9
2.6. Zusammenfassung 13
3. Das Symptom Mahlke 14
3.1. "Katz und Maus" als Gesellschaftskritik 14
3.2. Religionskritik in der Novelle 14
3.3. Führertum und Mitschuld 17
4. Schlussbemerkungen 19
5. Bibliographie 20
1. Einführung
"Und aufgewachsen bin ich zwischen
dem Heilgen Geist und Hitlers Bild." (Günter Grass)
Die folgende Arbeit soll sich mit der Figur Joachim Mahlke beschäftigen, dem Protagonisten der 1961 erschienenen Novelle "Katz und Maus" von Günter Grass.
Im ersten Teil, der den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet, wird versucht, die Figur Mahlke anhand einer Analyse des Textes greifbarer und nachvollziehbarer zu machen, als sie dem Leser auf den ersten Blick erscheint. Mahlke entbehrt auch heutzutage nicht einer gewissen Faszination, was wohl einerseits an der zeitlosen Thematik der Jugend- und Initiationsgeschichte liegt, andererseits aber auch auf die treffende Gestaltung des Stoffes durch den Autor zurückzuführen ist. Allerdings soll auf eine genauere Untersuchung der Struktur und sprachlichen Ausgestaltung der Novelle durch Günter Grass verzichtet werden. Des weiteren wird im ersten Teil die Besonderheit der Erzählsituation außer Acht gelassen, da der Schwerpunkt auf der Figur Mahlke und ihren Eigenarten liegen soll.
Der zweite Teil soll kurz darauf eingehen, inwiefern Mahlke nicht als Einzelfall, sondern als symptomatisch für Staat, Gesellschaft und Kirche gesehen werden kann.
2. Die Figur Mahlke
2.1. Der respektierte Außenseiter
Im Umschlagtext zur Taschenbuchausgabe von "Katz und Maus" schreibt Walter Jens:
"Ich halte die Figur des ‚Großen Mahlke′ für eine der ergreifendsten und glaubhaftesten Jungen-Gestalten der modernen Dichtung."
Mahlke ist ein Sonderling, ein Einzelgänger, der aus der Gruppe der Gleichaltrigen heraustritt. Zunächst ist Mahlke ein unbeachteter Junge, der vollkommen unauffällig ist, sich nicht an den Freizeitaktivitäten seiner Altersgenossen beteiligt und nicht in die Gruppe integriert ist:
Als Joachim Mahlke kurz nach Kriegsbeginn vierzehn Jahre alt wurde, konnte er weder schwimmen noch Rad fahren, fiel überhaupt nicht auf und ließ jenen Adamsapfel vermissen, der später die Katze anlockte. Vom Turnen und Schwimmen war er suspendiert, weil er sich als kränklich ausweisen konnte, indem er Atteste vorzeigte. Noch bevor Mahlke das Radfahren lernte und steif verbissen, mit hochrot abstehenden Ohren und seitlich verbogenen, auf-und-untertauchenden Knien eine komische Figur abgab, meldete er sich während der Wintersaison im Hallenbad Niederstadt zum Schwimmen, wurde aber vorerst nur zum Trockenschwimmen mit Acht- bis Zehnjährigen zugelassen. Auch im folgenden Sommer war er noch nicht soweit. Der Bademeister der Anstalt Brösen, eine typische Bademeisterfigur mit Bojenleib und dünnen haarlosen Beinen unter dem stoffbespannten Seezeichen, musste Mahlke zuerst im Sand drillen und dann an die Angel nehmen. Doch als wir ihm Nachmittag um Nachmittag davonschwammen und Wunderdinge von dem abgesoffenen Minensuchboot erzählten, bekam er mächtigen Auftrieb, schaffte es innerhalb von zwei Wochen - und schwamm sich frei.
Mit der Pubertät - und der Herausbildung seines überproportionalen Adamsapfels - beginnt Mahlke, ein Individuum zu werden und auch damit erst eine Figur, die dem Erzähler schilderungswürdig erscheint. Indem Mahlke aus seiner Bedeutungslosigkeit heraustritt, gewinnt er aus der Sicht von Pilenz erst eine gewisse Signifikanz. Um noch einen Schritt weiter zu gehen, könnte man auch sagen, dass erst sein Heraustreten aus der Masse ihn zu einer literarischen Figur macht, welche sowohl für die Figur als auch für den Erzähler Pilenz zu einer wichtigen Person wird, über deren Schicksal es sich lohnt zu schreiben.
Bevor Du schwimmen konntest, warst Du ein Nichts, das ab und zu aufgerufen wurde, zumeist richtige Antworten gab und Joachim Mahlke hieß.
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