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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 22 Pages
Author: Simone Prühl
Subject: Politics - International Politics - Topic: International Organisations
Details
Institution/College: University of Bamberg
Tags: Scheitern, Bretton, Woods, Regieren, Internationale, Institutionen
Year: 2004
Pages: 22
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37562-7
ISBN (Book): 978-3-638-65445-6
File size: 736 KB
Untersucht die Frage, inwiefern das Scheitern des Systems von Bretton Woods durch die Bedingungen des Zustandekommens und die spezielle Gestaltung bereits institutionell angelegt und daher vorhersehbar war
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Abstract
"R.I.P. We regretfully announce the not unexpected passing away after a long illness of Bretton Woods … Bretton Woods was born in New Hampshire in 1944 and died a few days after his 27th birthday. Although abandoned by some of his parents in infancy, he was a sturdy lad and was expected to survive. …" Mit diesen Worten nahm am 22. September 1971 die New York Times Abschied von Bretton Woods, “the most successful international monetary regime the world has ever seen” . Fast drei Jahrzehnte arbeitete das internationale Wirtschafts- und Währungssystem erfolgreich und mit beeindruckenden Wachstumsraten , bevor 1971 mit den festen Wechselkursen der Grundpfeiler aufgegeben wurde und das „System von Bretton Woods“ als gescheitert gelten musste. Doch wie kam es zu diesem Scheitern? Liest man zwischen den Zeilen der Anzeige, war Bretton Woods offenbar ein System, das seine bekannten Schwächen hatte, aber eigentlich funktionieren sollte, und dessen Niedergang dennoch nicht überraschend kam – eine auf den ersten Blick merkwürdige Mischung der Erwartungen. Warum war es offenbar gleichzeitig 'expected to survive', sein Scheitern aber dennoch absehbar? Die vorliegende Arbeit soll zeigen, dass das System von Bretton Woods aufgrund seiner Entstehungsbedingungen und seiner Regeln von Beginn an auf tönernen Füßen stand. Bereits bei der Konstruktion wurden Fehler gemacht, die früher oder später zum Scheitern führen mussten, das Scheitern war also konstitutionell angelegt. Um diese These zu bestätigen, wird zunächst kurz gezeigt, weshalb es überhaupt zur Schaffung eines internationalen Systems gekommen ist. Im zweiten Teil soll geklärt werden, welche spezifische Ausgestaltung es erfuhr und wie diese aufgrund von Interessen und Machtverteilung zwischen den Verhandlungspartnern zu erklären ist. Im Anschluss daran sollen die drei wichtigsten Schwächen dieser Ausgestaltung genauer vorgestellt werden, bevor im fünften Abschnitt das Scheitern des Systems analysiert wird.
Excerpt (computer-generated)
Das Scheitern von Bretton Woods
von: Simone Prühl
5. Fachsemester
1 Einleitung 3
2 Entstehungshintergründe des Systems von Bretton Woods 4
2.1 Historische Erfahrungen 4
2.2 Beteiligte und deren gemeinsame Interessen 5
3 Die Schaffung des Systems von Bretton Woods 7
3.1 Ausgestaltung des Systems von Bretton Woods 7
3.1.1 Ziele des Systems 7
3.1.2 Feste Wechselkurse als tragende Säule 8
3.2 Erklärungsansätze für spezifische Ausgestaltung 9
3.2.1 Machtverhältnisse im internationalen System 9
3.2.2 Verhalten während der Konferenz 10
3.2.3 Tagespolitische Umstände und Rücksichtnahmen 11
4 Schwächen des Systems von Bretton Woods 12
4.1 Dollar-Stärke statt systemeigene Währung 12
4.2 Mangelnde Autorität des IWF 13
4.3 Zielkonflikte – Triffin-Dilemma 14
5 Das Scheitern des Systems von Bretton Woods 15
5.1 Chronologie des Scheiterns 15
5.2 Gründe für das Scheitern 16
5.2.1 Inflation des Dollar 16
5.2.2 Rigide Wechselkursbreiten 18
5.2.3 Verhalten der Bündnispartner 19
6 Das Scheitern des Systems von Bretton Woods war konstitutionell angelegt und deshalb bedingt vorhersehbar 20
7 Literaturverzeichnis 22
1 Einleitung
R.I.P. We regretfully announce the not unexpected passing away after a long illness of Bretton Woods … Bretton Woods was born in New Hampshire in 1944 and died a few days after his 27th birthday. Although abandoned by some of his parents in infancy, he was a sturdy lad and was expected to survive. …1 Mit diesen Worten nahm am 22. September 1971 die New York Times Abschied von Bretton Woods, “the most successful international monetary regime the world has ever seen”2. Fast drei Jahrzehnte arbeitete das internationale Wirtschafts- und Währungssystem erfolgreich und mit beeindruckenden Wachstumsraten3 unter den auf der Konferenz in New Hampshire beschlossenen Regeln, bevor 1971 mit den festen Wechselkursen der Grundpfeiler aufgegeben wurde und das „System von Bretton Woods“ als gescheitert gelten musste. Doch wie kam es zu diesem Scheitern? Liest man zwischen den Zeilen der Anzeige, war Bretton Woods offenbar ein System, das seine bekannten Schwächen hatte, aber eigentlich funktionieren sollte, und dessen Niedergang dennoch nicht überraschend kam – eine auf den ersten Blick merkwürdige Mischung der Erwartungen. Warum war es offenbar gleichzeitig ′expected to survive′, sein Scheitern aber dennoch absehbar? Die vorliegende Arbeit soll zeigen, dass das System von Bretton Woods aufgrund seiner Entstehungsbedingungen und seiner Regeln von Beginn an auf tönernen Füßen stand. Bereits bei der Konstruktion wurden Fehler gemacht, die früher oder später zum Scheitern führen mussten, das Scheitern war also konstitutionell angelegt.
Um diese These zu bestätigen, wird zunächst kurz gezeigt, weshalb es überhaupt zur Schaffung eines internationalen Systems gekommen ist. Im zweiten Teil soll geklärt werden, welche spezifische Ausgestaltung es erfuhr und wie diese aufgrund von Interessen und Machtverteilung zwischen den Verhandlungspartnern zu erklären ist. Im Anschluss daran sollen die drei wichtigsten Schwächen dieser Ausgestaltung genauer vorgestellt werden, bevor im fünften Abschnitt das Scheitern des Systems analysiert wird. Dies beginnt mit einer kurzen Chronologie des Scheiterns, bevor anschließend die Gründe für den Niedergang dargestellt werden und damit die Frage beantwortet wird, ob das System wirklich an seinen bekannten Schwächen scheiterte und das Ende des Systems fester Wechselkurse also vorhersehbar war.
2 Entstehungshintergründe des Systems von Bretton Woods
Dass überhaupt ein System zustandekam, wurde oft charakterisiert als „political miracle“4, da noch wenige Jahre zuvor ein gemeinsamer Ansatz keine Chance hatte. Weshalb dies 1944 anders war, lässt sich nur mit einem kurzen Abriss über die zeitgeschichtlichen Hintergründe und die daraus erwachsenden gemeinsamen Interessen der Beteiligten an einer institutionalisierten Regelung erklären.
2.1 Historische Erfahrungen
Die Verträge von Bretton Woods wurden 1944 geschlossen unter den Eindrücken der jüngeren Geschichte. Der Völkerbund und mit ihm das System der kollektiven Sicherheit war gescheitert. Ebenso scheiterte in der Zwischenkriegszeit das internationale Finanzsystem, die Weltwirtschaftskrisen brachen aus und stürzten die Welt für mehrere Jahre in eine tiefe Depression. Doch wie kam es dazu? Seit den 1920er Jahren hatten Massenarbeitslosigkeit und politischer Druck der erstarkten Arbeiterbewegung in vielen Ländern Beschäftigungs- und Konjunkturpolitik immer nötiger gemacht. Einige Regierungen versuchten die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen mit der Abwertung ihrer Währung zu erreichen: Dank billigerer Währung könne – knapp formuliert – mehr exportiert und weniger importiert werden, so dass die Produktion im Inland ausgeweitet werden könne und damit Ar beit geschaffen werde, was wiederum zu höherem Volkseinkommen, mehr Konsum und damit wiederum erhöhter Produktion und mehr Arbeitsplätzen führe. Dies geht jedoch meist auf Kosten der Nachbarländer, deren Währungen automatisch teurer werden und die unter den negativen Folgen leiden müssen, weshalb diese Art der Währungsabwertung den bezeichnenden Namen „beggarthe- neighbour-policy“ erhielt. Dies kann theoretisch funktionieren, wenn nur ein Land abwertet und die anderen Länder verharren. In der Realität der Zwischenkriegszeit jedoch wertete ein Land seine Währung ab, was andere Länder um ihrer Konkurrenzfähigkeit willen dazu brachte, ebenfalls abzuwerten, so dass Land A weiter abwertete, usw. Statt positive Effekte hervorzubringen, wurde eine Abwertungsspirale in Gang gesetzt, die die weltweiten Probleme verschärfte, statt sie zu lösen. Die Welt steckte in einem Kooperationsproblem, und die Wirtschaft kollabierte – mit dramatischen politischen Konsequenzen.5 Alle an den Verhandlungen von Bretton Woods Beteiligten standen noch unter den Eindrücken dieses doppelten Scheiterns und erkannten die Ursachen: “Economic crisis produced political instability; and the failure of international cooperation made more likely a breakdown of peace."6 Statt zu erkennen, dass sozusagen alle im gleichen Boot saßen, versuchte sich jeder Staat nur um seine Belange zu kümmern. Die währungs- und wirtschaftspolitische Koordination war mangelhaft. Man hatte versäumt, nach dem ersten Weltkrieg ein tragfähiges internationales Wirtschafts- und Währungssystem zu institutionalisieren, das gleichzeitig für Frieden unter den Völkern sorgen konnte.
Abb. 1 7 [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
2.2 Beteiligte und deren gemeinsame Interessen
[...]
1 Siehe New York Times, September 22, 1971, zitiert nach Eckes, Alfred E. (1975), S. 266.
2 Siehe de Bordo, Michael (1993), S. 27.
3 Vgl. James, Harold (1996), S. 148.
4 Siehe Gardner, Richard N. (1986), S. 21.
5 Vgl. Herz, Dietmar (1998), S. 145.
6 Siehe James, Harold (1996), S. 26.
7 Vgl. James, Harold (1996), S. 2.
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