Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Termpaper, 2005, 10 Pages
Author: Christine Porath
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Potsdam (Germanistik)
Tags: Franz, Kafka, Gesetz, Zugang, Grundkurs
Year: 2005
Pages: 10
Grade: 1
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37586-3
File size: 189 KB
Im ersten Semester geschrieben.
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Wie so viele Texte Kafkas, bereitet auch „Vor dem Gesetz“ enorme interpretatorische Schwierigkeiten, woraus im hohen Maße unterschiedliche, zum Teil sich widersprechende Interpretationsergebnisse resultieren. Das liegt zum einen an Kafkas, sich jeglicher Interpretation und jeglichem Sinn entziehende Art des Schreibens, aber auch an der Vielfalt der literaturwissenschaftlichen Analysemethoden. Diese Arbeit stellt hauptsächlich eine hermeneutische Interpretation dar und weist im Vergleich auf die Nachteile anderer Analyseverfahren hin.
Excerpt (computer-generated)
Universität Potsdam
Institut für Germanistik
GK A Einführung in die Literaturtheorie
1. Semester
Franz Kafka - Vor dem Gesetz - Ein hermeneutischer Zugang
von: Christine Porath
Wie so viele Texte Kafkas, bereitet auch „Vor dem Gesetz“1 enorme interpretatorische Schwierigkeiten, woraus im hohen Maße unterschiedliche, zum Teil sich widersprechende Interpretationsergebnisse resultieren. Das liegt zum einen an Kafkas, sich jeglicher Interpretation und jeglichem Sinn entziehende Art des Schreibens, aber auch an der Vielfalt der literaturwissenschaftlichen Analysemethoden. So charakterisieren O. Jahraus und S. Neuhaus sehr treffend: „Sein Werk inszeniert wie kaum ein anderes diese Dialektik von Interpretationsprovokation und Interpretationsverweigerung. Daher ist die Interpretation seines Werks und seiner Texte nicht nur paradigmatische, sondern auch symptomatisch für die Geschichte der Literaturwissenschaft als Interpretationstheorie“2
„Vor dem Gesetz“ scheint es jedoch diesbezüglich besonders in sich zu haben, da sich schon bei der gattungsspezifischen Einordnung die Meinungen der Gelehrten scheiden. So wollen einige Interpreten den Text als Parabel verstanden wissen, andere wiederum als Anti-Parabel, Anti-Märchen oder als Legende. Wobei der Begriff Legende jedoch am treffendsten ist, da „[...] Kafka referred to it as such in his diary entry of 13. December 1914 [...]“3 Aber eben so uneins ist man sich in Bezug auf den Kontext, in dem die Legende gesehen und gedeutet werden muss. Viele Literaturwissenschaftler betrachten und analysieren den Text im Kontext des Prozeß Romans, doch da Kafka den Text mehrfach als Einzeltext veröffentlicht hat und „[...] so beträchtliche Unterschiede zum Romankontext [bestehen]“4, ist es naheliegend die Betrachtung des Textes isoliert und ohne kontextuelle Bezüge, von einem textinternen Sinnzusammenhang ausgehend, vorzunehmen. Hierbei werde ich mich im Wesentlichen auf die hermeneutische Analyse von Bernd Witte5 stützen.
Die Handlung der Legende lässt sich zunächst stark verkürzt wie folgt darstellen. Ein „Mann vom Lande“ kommt zum Gesetz, vor dem ein Türhüter steht und bittet diesen um Eintritt, der ihm jedoch verwehrt wird. Da ihn ein späterer Einlass in Aussicht gestellt wird, wartet er „Tage und Jahre“ (Z.20)6 auf die Erlaubnis zum Eintritt. Bis schließlich am Ende seines Lebens der Türhüter die Tür schließt und dem Mann, auf die Frage hin, weshalb er als Einziger die ganzen Jahre über nach Einlass verlangt hat, zu verstehen gibt, dass nur er Einlass in diese Tür erhalten konnte.
Zunächst ist erkennbar, dass das Gesetz anscheinend mit einem Haus oder vielleicht auch einer Stadt verglichen wird, in das eine Tür führt, welche bewacht wird. Es wird jedoch nie ausdrücklich gesagt, welches Gesetz tatsächlich damit gemeint ist, ob es nun ein Gebäude, das Gesetzeswerk als Summe aller positiven Gesetze, ein extrajuristisches oder moralisches Gesetz oder gar der wahre Weg zu einem erfüllten Leben ist, der für jedes Individuum anders definiert ist.7 Ebenfalls wird mit keinem Wort erwähnt, mit welchem Anliegen der „Mann vom Lande“ zum Gesetz kommt (welches ja zumindest gegeben sein muss, wenn es sich um ein juristisches Gesetz handelt), dennoch muss der Einlass in das Gesetz für den Mann eine sehr große Bedeutung haben, denn sonst würde er nicht seine ganze Lebzeit darauf verwenden um den Zutritt gewährt zu bekommen.
Nachdem der Mann vom Lande nun zu Beginn mit einem, uns unbekanntem, Anliegen um Eintritt in das Gesetz bittet, wird ihm der Zugang für „jetzt“ (Z.3) verwehrt, aber für „später“ (Z.5) als möglich in Aussicht gestellt. Von dieser Ausgangssituation ausgehend entwickelt sich im Weiteren die Auseinandersetzung zwischen dem Mann vom Lande und dem Türhüter, die die Lebenszeit des Mannes andauert. Es wird zugleich am Anfang auch ein Paradox deutlich, denn der Türhüter verwehrt dem Mann zwar den Eintritt, aber obwohl das Tor offen ist („Da das Tor zum Gesetz offensteht wie immer [...]“ (Z.6)) und der Türhüter zur Seite tritt („[...] der Türhüter zur Seite tritt [...] (Z.7)), geht der Mann nicht hinein. Stattdessen bückt er sich, um in das Innere zu sehen. Die Geste des Bückens deutet an, dass sich der Mann dem Türhüter gegenüber erniedrigt und somit der Kampf mit dem Türhüter schon verloren ist, der eigentlich erst gar nicht aufgenommen wurde. Anscheinend durch diese demütige Geste motiviert, schüchtert der Türhüter den Mann ein, indem er von den noch folgenden Türhütern erzählt, denen der Mann begegnen würde, wenn er durch die erste Tür hinein gehen würde, die noch mächtiger sind als er. „Merke aber: Ich bin mächtig.
[...]
1 Franz Kafka:
2 O. Jahraus und S. Neuhaus (Hrsg.): Kafkas „Urteil“ und die Literaturtheorie. Zehn Modellanalysen. Stuttgart 2002. S.28/29
3 Richard Sheppard: Kafka´s Vor dem Ge setz: Hermeneutic Pluralism or the Significance of Uninterpretability In: Manfred Voigts (Hrsg.): “Vor dem Gesetz”: Aufsätze und Materialien. Würzburg 1994. Sheppard diskutiert kurz die einzelnen Positionen bzgl. der gattungsspezifischen Einordnung.
4 Hartmut Binder: „Vor dem Gesetz“ – Einführung in Kafkas Welt. Stuttgart/Weimar 1993. S. 3
5 Bernd Witte: Das Gericht, das Gesetz, die Schrift: Über die Grenzen der Hermeneutik am Beispiel von Kafkas Türhüterlegende. In: K.-M. Bogdal (Hrsg.): Neue Literaturtheorien in der Praxis – Textanalyse von Kafkas „Vor dem Gesetz“. Opladen 1993
6 Die Zeilenangaben beziehen sich im folgenden immer auf den Text im Anhang
7 Hans H. Hiebel: „Später“ – Poststrukturalistische Lektüre der „Legende“ Vor dem Gesetz. In: K.-M. Bogdal (Hrsg.): Neue Literaturtheorien in der Praxis – Textanalyse von Kafkas „Vor dem Gesetz“. Opladen 1993
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Wittgensteins Begriff der Regel in den Philosophischen Untersuchungen
Author: M.A. Jens-Philipp GründlerPhilosophy - Philosophy of the Present, 2001 Download as PDF-file for 3,49 EUR
Was heißt 'einer Regel folgen'?
Author: Jan FrerichsPhilosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language), 1998 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Who is an Intellectual and what should the Role of Intellectuals be in Society
Author: Christiane LandsiedelSociology - Political Sociology, Majorities, Minorities, 2004 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Die Geschichte und die sozialen Auswirkungen der Privatschulen in Deutschland
Author: Eleni RigakiPedagogy - School System, Educational and School Politics, 2005 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Carl Schmitt und der Leviathan des Thomas Hobbes
Author: Mathias StrüwingPolitics - Political Theory and the History of Ideas Journal, 2004 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Projektmanagement
Author: Stefan SeilerEconomics / Business: Business Management, Corporate Governance, 2004 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Thomas Hobbes "Leviathan " als Gefangenendilemma
Author: Linda Claudia KohlPolitics - Political Theory and the History of Ideas Journal, 2006 Download as PDF-file for 2,99 EUR
Hedda Gabler - Die moderne Tragödienheldin. Analyse einer Tragödie von Henrik Ibsen
Author: Claudia ZundelGerman Studies - Modern German Literature, 1993 Download as PDF-file for 7,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: