Sprachtheorie in Barock und Aufklärung am Beispiel der Kunstwörter

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Details

Titel: Sprachtheorie in Barock und Aufklärung am Beispiel der Kunstwörter
Autor: Thordis Seiffert-Hansen
Fach: Germanistik - Linguistik
Veranstaltung: Hauptseminar
Institution/Hochschule: Universität Kassel
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 39
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 39  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 631 KB
Archivnummer: V38576
ISBN (E-Book): 978-3-638-37593-1
ISBN (Buch): 978-3-640-15723-5
Anmerkungen :
Umfangreiches Quellenverzeichnis! Eine Fundgrube für das Thema!

Zusammenfassung / Abstract

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation nicht mehr als ein föderativer Verband von ca. 300 souveränen Staaten, die lediglich das absolutistische Prinzip gemeinsam hatten, sich aber sonst sowohl sprachlich als auch politisch zum Teil stark voneinander unterschieden. Man war um ein (kultur-)patriotisches Klima im Land bemüht, um einen größeren Zusammenhalt als Nation zu erreichen. Es waren die Mitglieder der Fruchtbringenden Gesellschaft, die eine Diskussion über ein zu erstellendes Wörterbuch anfingen. Diese Diskussion knüpfte an eine Debatte an, die bereits im 15. Jahrhundert über die Beschaffenheit, die eine normative Grammatik haben sollte, geführt worden war. Bei der Diskussion um die deutsche Sprache wurde bewusst zwischen der poetischen Sprache der Literatur und der zweckmäßigen Alltagssprache unterschieden. Die Vorstellung über eine solche Hochsprache beinhaltete den Anspruch an deren Reinheit und Ausdruck von Patriotismus, da die Muttersprache als Ausdrucksmöglichkeit kultureller und politischer Identität gesehen wurde. Im darauffolgenden 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, verlor die höfische Literatur an Bedeutung als sich mit Herausbildung der neuen sozialen Klasse des kapitalbesitzenden Bürgertums eine ebenso neue Leserschaft formiert hatte. Auch wenn das Bürgertum, das dem Bankgewerbe, dem Handel und dem Manufakturwesen angehörte, noch einen schwindend geringen Anteil des Volkes ausmachte, so bewirkte es doch gravierende Veränderungen in dem hierarchischen Ständegefüge der Zeit.

Textauszug (computergeneriert)

Sprachtheorie in Barock und Aufklärung am Beispiel der Kunstwörter

von: Thordis Seiffert-Hansen

 


INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung 1

2. Die Begriffe „Fachwort und Kunstwort 3

2.1.Allgemeinsprache, Teilsprachen und Fachsprachen 3

3. Die historische Entstehung und Entwicklung der Fachsprachen und Kunstwörter 5

3.1. Die Entstehung und Entwicklung im praktisch-technischen Bereich 5
3.2. Die Entstehung und Entwicklung im geisteswissenschaftlichen Bereich 7

4. Die Diskussion um Fachsprachen und Kunstwörter 9

4.1. Hinwendung zu den Volkssprachen 9
4.2. Die Kritik an Kunstwörtern vor dem Hintergrund des Sprachpatriotismus´und dem Sprachpurismus 11
4.3. Neutrale und positive Bewertung von Kunstwörtern 13

5. Die „Ausdruck-Gegenstand-Relation“ 14

5.1.Begriffsklärung 14
5.2. Kunstwörter im Zusammenhang mit der Ausdruck-Gegenstand-Relation 14

6. Die Forderung nach Fachwörterbüchern 16

6.1. Der Ordo-Gedanke 16
6.2. Zur Notwendigkeit von Fachwörterbüchern 17
6.3. Lexikographische Programme in Deutschland 19

7. Umsetzungen der programmatischen Forderungen 23

8. Resümee 27

Literaturverzeichnis 28

Quellenverzeichnis 31


 

1. Einleitung

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation nicht mehr als ein föderativer Verband von ca. 300 souveränen Staaten, die lediglich das absolutistische Prinzip gemeinsam hatten, sich aber sonst sowohl sprachlich als auch politisch zum Teil stark voneinander unterschieden. In Frankreich war der Absolutismus die Basis für eine zentralistische Entwicklung zum Einheitsstaat gewesen. Im Deutschen Reich gab es diese Entwicklung allenfalls innerhalb einzelner Territorien und auch die Reichseinheit war nur fiktiv. (Vgl. Schlosser, 1994, S.109)

Man war um ein (kultur-)patriotisches Klima im Land bemüht, um einen größeren Zusammenhalt als Nation zu erreichen. „Die Intention der Grammatiker und Literaten im 17. Jahrhundert war nun, über Sprache der Literatur eine einheitliche deutsche Hochsprache zu entwickeln, die Gesamtbesitz zumindest des gebildeten Teils der deutschen Nation werden sollte.“ (Henne, 2001, S. 7) Einen großen Beitrag hierzu leistete die 1617 in Weimar gegründete „Fruchtbringende Gesellschaft“. Sie sah unter anderem die Pflege der deutschen Sprache als ihre Aufgabe an. (Vgl. Meid, 1994, S.91ff.) Durch ihre Arbeit und durch die der ihr folgenden Sprachgesellschaften konnte sich schließlich eine deutsche „Hochsprache“ sowohl gegen regionale Dialekte als auch gegen ausländische Spracheinflüsse durchsetzen. Letztere waren durch die im deutschen Reich kämpfenden ausländischen Streitkräfte (Franzosen, Spanier, Schweden, etc.) zustande gekommen.

Es waren die Mitglieder der Fruchtbringenden Gesellschaft, die eine Diskussion über ein zu erstellendes Wörterbuch anfingen. Diese Diskussion knüpfte an eine Debatte an, die bereits im 15. Jahrhundert über die Beschaffenheit, die eine normative Grammatik haben sollte, geführt worden war. Bei der Diskussion um die deutsche Sprache wurde bewusst zwischen der poetischen Sprache der Literatur und der zweckmäßigen Alltagssprache unterschieden. Desweiteren galt es herauszufinden, welche Mundart das beste (=reinste) Deutsch war und somit die „vorbildliche Literatursprache“ (Henne, 2001, S. 8) sei. Es sollte also „aus dem sozial differenzierten Wortschatz und den geographischen Varianten der deutschen Sprache, den Raum- und Sozialdialekten, eine einheitliche Hochsprache geformt werden“. (Henne, 2001, S.9-10) Die Vorstellung über eine solche Hochsprache beinhaltete den Anspruch an deren Reinheit und Ausdruck von Patriotismus, da die Muttersprache als Ausdrucksmöglichkeit kultureller und politischer Identität gesehen wurde. Im darauffolgenden 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, verlor die höfische Literatur an Bedeutung als sich mit Herausbildung der neuen sozialen Klasse des kapitalbesitzenden Bürgertums eine ebenso neue Leserschaft formiert hatte. Auch wenn das Bürgertum, das dem Bankgewerbe, dem Handel und dem Manufakturwesen angehörte, noch einen schwindend geringen Anteil des Volkes ausmachte, so bewirkte es doch gravierende Veränderungen in dem hierarchischen Ständegefüge der Zeit.

Mit wachsender Leserschaft (und sinkender Zahl von Analphabeten) wurde der Ruf nach einer gemeinsamen Hochsprache auf Seiten der Literaten immer lauter. Ein Aspekt der Diskussion über die ideale Hochsprache ist der Aspekt der Fachsprachen. Die Hintergründe, der Verlauf und die unterschiedlichen Ansichten zu diesem Bereich sollen im Folgenden am Beispiel der Kunstwörter näher beleuchtet werden. Nach einer kurzen Begriffserläuterung und einem historischen Überblick über die Entstehung und Entwicklung von Kunstwörtern wird anhand dieses Beispiels die Vielfältigkeit der Perspektiven und Standpunkte bei den Diskussionen deutlich werden, die für die Sprachreflexion in Barock und Aufklärung so typisch ist. Dabei werden zur Klärung der einzelnen Blickwinkel jeweils Originalquellen herangezogen werden, um ein möglichst authentisches Bild der damaligen Diskussion um Kunstwörter zeichnen zu können. Diese Quellen lagen der Verfasserin dieser Arbeit in Form von Wörterbuchzetteln1 vor, von denen im Text einige als Kopien zu sehen sind. Andere wurden (zum Teil auszugsweise) zitiert, da sie sich aus verschiedenen Gründen (Anstreichungen, Qualität der Kopien, Größe, usw.) nicht zum Einfügen in den Text eigneten.

2. Die Begriffe „Fachwort und Kunstwort

2.1.Allgemeinsprache, Teilsprachen und Fachsprachen

Jede Allgemeinsprache setzt sich aus dem Kernbereich und vielen Teilsprachen zusammen, die nicht allen Angehörigen dieser Sprachgemeinschaft geläufig sind. Bei diesen Teilsprachen unterscheidet man wiederum zwischen den Sondersprachen und den Fachsprachen. Während eine Sondersprache eigene Benennungen für in der Allgemeinsprache bereits vorhandene Begriffe liefert, ergänzt eine Fachsprache die Allgemeinsprache durch zusätzliche Begriffe. Allgemeinsprache und Fachsprachen stehen in einer immer stärker werdenden Korrelation zu einander. So muss eine Fachsprache natürlich auch allgemeinsprachliche Begriffe und Ausdrücke mit einschließen, um verständlich zu sein. (Vgl. Wüster, 1973, S. IX)

Unter dem Begriff „Kunst“ verstand man im 17. Und 18. Jahrhundert sowohl Wissen und Kenntnisse als auch Geschicklichkeit und Fertigkeiten. Der Begriff „Kunstwort“ wird bereits von Schottel in seiner „Teutschen Sprachkunst“ (1641) und auch in späteren Werken verwendet. Das Kunstwort als „terminus technnologicus“, dem Fachwort im handwerklichen und spezielle Fertigkeiten betreffenden Bereich, so wie auch als „terminus artis“, dem wissenschaftlichen Fachwort, bezieht sich auf „bestimmte Weisen menschlichen Erkennens und Hervorbringens und in sie gehörende Wörter“ (Schrader, 1990, S. 31). Schorer definiert den Begriff „Kunstwort“ in seinem Werk „Newe außgeputzte Sprachposaun“ von 1648 wie folgt:

Jakob Hemmer definiert Kunstwörter 1775 in seinem Werk „Deutsche Sprachlehre“ so: „Gemeine Wörter sind diejenigen, wodurch Dinge ausgedrücket werden, die den Menschen überhaupt bekannt sind. Kunstwörter hingegen heißen diejenigen, welche Sachen bedeuten, die den Menschen blos in Ansehung ihrer Kunst oder Handirung bekannt sind.“ Auch Mertians Beschreibung des Begriffes „Kunstwort“ bezeugt, wie es im 18. Jahrhundert definiert wurde:

„Die Kunstwörter einer Wissenschaft sind die Zeichen jener Hauptbegriffe, von Welchen alle Lehrsätze ausgehen; in der Sprachkunde sind Sie zudem eine Art von Probierstein, (Prüfstein) woran man den Werth eines jeden grammatischen Wesens prüfen kann: oder vielmehr, Sie sind gewisse Klassenzeichen, nach welchen man alle Wörter ordnen soll.“ In dem Werk „Deutsche Sprachlehre“ von Johann Friedrich Heynatz aus dem Jahr 1770 wird zudem der Begriff des „termini technici“ genau erklärt: Die oben zitierten Definitionen erlauben bereits eine Einsicht, in welchen Bereichen Kunstwörter Verwendung fanden. Ungeklärt lassen die Beschreibungen, wie es zur Entstehung und Entwicklung von Fachsprachen und Kunstwörtern gekommen ist. Im folgenden Abschnitt sollen die historischen Zusammenhänge beleuchtet werden, die zur Entstehung von Kunstwörtern geführt und zu deren Weiterentwicklung beigetragen haben.

3. Die historische Entstehung und Entwicklung der Fachsprachen und Kunstwörter

3.1. Die Entstehung und Entwicklung im praktisch-technischen Bereich

[...]


1 Siehe hierzu: Gardt, 1996, S. 97

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