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Autor: Dipl.-Sozialpäd. Stefan Dannheiser
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Details
Institution/Hochschule: Universität Lüneburg (Institut für Sozialpädagogik)
Tags: Alice, Salomon, Leben, Lebenswerk, Leitideen, Konzepte, Sozialer, Arbeit, Klassikerdiskussion, Geschichte, Sozialpädagogik
Jahr: 2005
Seiten: 28
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 6 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 241 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-37637-2
Textauszug (computergeneriert)
Universität Lüneburg
Fachbereich Sozialpädagogik
Modul: 1.1.2 Historische und systematische Grundlagen
sozialpädagogischer / pädagogischer Theoriebildung
Seminar: „Geschichte der Sozialpädagogik II“
5. Semester
Alice Salomon Leben und Lebenswerk Leitideen und
Konzepte Sozialer Arbeit Klassikerdiskussion
von: Stefan Dannheiser
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Biografischer Teil (chronologisch) 3
2.1 Kindheit und Jugend 3
2.2 Erste soziale Hilfsarbeit / erste Kontakte zur Frauenbewegung 4
2.3 Studium und Promotion 6
2.4 Soziale Frauenschule in Berlin Schöneberg 7
2.5 Internationales Engagement im „International Council Of Women“ 10
2.6 Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit 12
2.7 Die Jahre unter dem Regime der Nationalsozialisten 13
2.8 Lebensende im Exil 15
3. Leitideen und Konzepte Sozialer Arbeit (systematisch) 16
3.1 Theoretische Grundlagen bezüglich Salomons Begriff von Sozialer Arbeit 16
3.1.1 Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft / Der Bildungsbegriff 16
3.1.2 Anthropologie 17
3.1.3 Salomons Begriff von Sozialer Arbeit 18
3.2 Soziale Arbeit und Frauen 20
3.3 Soziale Arbeit als Beruf/Profession 22
4. Ist Alice Salomon ein Klassiker? 23
4.1 Was sind KlassikerInnen? 24
4.2 Was macht Alice Salomon zum Klassiker? 24
5. Kritische Würdigung und Fazit 25
6. Literaturverzeichnis 27
1. Einleitung
Ein wesentliches Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Werk von Alice Salomon chronologisch sowie systematisch zu erschließen, so dies im Rahmen einer stark begrenzten Abhandlung wie dieser überhaupt möglich ist. Die, dieser Arbeit eigene, ausführliche Darstellung der Biografie Alice Salomons dient in erster Linie dem Verständnis der von ihr vertretenen Positionen. Erwähnenswert wäre diesbezüglich u.a. der unmündige Status der Frau in der damaligen Zeit und Salomons Engagement in der Frauenbewegung. Ich bin der Auffassung, dass es für ein tieferes Verständnis ihres Werkes unerlässlich ist, sich in aller Ausführlichkeit mit der Biografie, wie auch mit der historischen Epoche auseinanderzusetzen.
Die vorliegende Arbeit bezieht sich jedoch nicht ausschließlich auf die Darstellung der Biografie Alice Salomons. Daher folgt dem chronologisch aufgebauten biografieorientiertem Teil der systematische Abschnitt dieser Arbeit, der sich auf ihren theoretischen Beitrag zur Entwicklung Sozialer Arbeit konzentriert. Hier werden zunächst theoretische Grundlagen, wie Salomons Anthropologie, ihr Arbeits- und Bildungsbegriff erörtert. Dem folgt eine Darstellung von Salomons Ideenkonstrukten und Theorien zu den Themen Soziale Arbeit und Frauen und Soziale Arbeit als Profession.
Anschließend wird die Frage behandelt, ob Alice Salomon zu den sog. KlassikerInnen der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik zu zählen ist.
Den Abschluss der vorliegenden Arbeit bildet das Fazit, indem dem Salomons Frauenbild sowie dessen Einfluss auf die sozialpädagogische Ausbildung und Praxis unter kritischen Gesichtspunkten diskutiert werden soll.
2. Biografischer Teil (chronologisch)
2.1 Kindheit und Jugend
Alice Salomon erblickte am 19. April 1872 als Tochter von Albert Salomon und Anna Salomon (geb. Potocky-Nelken) in Berlin das Licht der Welt. Sie kam aus gutbürgerlichem Hause und hatte fünf Geschwister. Ihr Vater betrieb in dritter Generation ein florierendes Lederwarengeschäft in Berlin (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 48). Er war Anhänger des Wirtschaftsliberalismus, jedoch wenig an sozialen Fragen interessiert (vgl. ebd. S. 49). Aufgrund des elterlichen Familienhintergrundes (wirtschaftliches Unternehmertum) war der alltägliche Umgang mit ökonomischen Prinzipien sowie Denkweisen Alice Salomon bereits in ihrer Kinderstube vertraut (vgl. ebd.). Peyser (1958) beschreibt Alice Salomon als sehr lebhaftes, empfindsames, furchtsames und sogar hochbegabtes Kind (vgl. ebd., S. 15).
Im Jahre 1886 verstarb plötzlich Salomons Vater an einer verschleppten Brustfellentzündung (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 51). Zwei Jahre später starb Salomons jüngere Schwester Edith-Elfriede im Alter von 14 Jahren ebenfalls an Diphtherie wie ihr Bruder zwei Jahre zuvor (vgl. ebd.). Salomons Mutter war nicht mehr in der Lage ihr sterbendes Kind zu pflegen, und so wechselten sich Alice Salomon, ihre Schwester Käthe und eine Krankenschwester hinsichtlich der Pflege ab (vgl. ebd.). Nach dem Tode Ediths hatten die beiden großen Schwestern die schwere Aufgabe sich um ihre Mutter zu kümmern (vgl. ebd.). Des Weiteren herrschten große Spannungen zwischen Alice Salomon und ihrem älteren Bruder Ernst, der von ihr Unterordnung erwartete, welche sie ihm allerdings strikt verweigerte (vgl. ebd.).
„Die Feministin in mir war schon geboren...“ (Salomon zit. n. Kuhlmann, 2000, S.51).
Nach ihrem Schulabschluss hatte Salomon weder die Möglichkeit ein Gymnasium zu besuchen, noch sonst eine für sie angemessene Beschäftigung auszuüben (vgl. ebd.). Nach Kuhlmann (2000) besuchte sie nicht zuletzt wegen des gesellschaftlichen Druckes eine Kunstschule für Nadelarbeit, belegte jedoch nebenbei Vorlesungen sowie Sprachkurse am Victoria-Lyceum, einer Art „weiblichen Volkshochschule“ (vgl. ebd., S. 51). Da ihr Berufswunsch schon seit ihrer Schulzeit Lehrerin gewesen war, ihre Familie dieses jedoch aufs Schärfste ablehnte, bereitete sie heimlich ihr Lehrerexamen vor, was ihr allerdings misslang (vgl. ebd.). Schließlich musste sie es auf Drängen ihrer Familie aufgeben (vgl. ebd.). Alice Salomon bezeichnete die Zeit zwischen ihrem 15. und 20. Lebensjahr selber als „unfruchtbare Wartezeit“ bzw. „leere Erwartungen und blinde Hoffnungen“ (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 52). Sie empfand die Ziellosigkeit und das Verbot zu arbeiten als „Fluch“ und hielt das Leben eines einfachen Arbeiters für wertvoller als das derer, die „nichts schaffen und nach nichts streben“ (vgl. ebd.). Rechtlich, finanziell und emotional war sie von ihrer Verwandtschaft, insbesondere von ihrem Onkel, der nach dem Tod ihres Vaters als ihr Vormund eingesetzt wurde, und ihrer Mutter abhängig (vgl. ebd.). Preyser (1958) umschreibt die Stimmung, in der Alice Salomon gelebt haben muss mit folgendem Gedicht:
„Die Nebel hängen tief ins Tal hinein.
Ich weiß nicht, woher ich bin und was ich soll,
Ich bin so jungen drängenden Leben voll.
O Leben, komm, ich will dein eigen sein!
O Leben, Leben, laß mich nicht allein,
Dies Herz hier ist bereit zu jeder Last:
Gib mir das Schicksal, das du für mich hast!“
(zit. n. Preyser, 1958, S. 19).
2.2 Erste soziale Hilfsarbeit / erste Kontakte zur Frauenbewegung
Im Alter von 21 Jahren erhielt Alice Salomon eine schriftliche Einladung zur Gründerversammlung der „Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit“, die am 5. Dezember 1893 im Bürgersaal des Berliner Rathauses stattfinden sollte (vgl. Preyser, 1958, S. 19). Nach Preyser (1958) hatte Alice Salomon immer gesagt, dass mit diesem „Stück Papier“ ihr Leben endlich begann (vgl. ebd., S. 19). Diese Gruppe stellte sich an, freiwillige Dienste in wohltätigen Einrichtungen zu organisieren. Auch Alice Salomon trat ihr auf besagter Gründerversammlung bei (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 55). Trotz der immer wieder manifestierten Ablehnung von Emanzipationsbestrebungen seitens der Gruppe (vgl. Preyser, 1958, S. 20), war nach Kuhlmann (2000) der Einfluss der Frauenbewegung deutlich (vgl. ebd., S. 56). Ebenfalls die sog. „Kathedersozialisten“, welche sich für ein neues Verständnis für Nationalökonomie einsetzten, übten Einfluss auf die Gruppe aus (vgl. ebd.). Die Gruppe entstand folglich im Schnittpunkt der sozialreformerischen und feministischen Bewegung. Auch Preyser (1958) schreibt, dass die Gruppe mehr eine Bewegung war, als ein Verein (vgl. ebd., S. 21). Neu war die Idee der praktischen und theoretischen Schulung für eine ehrenamtliche Tätigkeit (vgl. ebd.). Durch die Tätigkeit in der Gruppe entstand bei den Frauen und Mädchen, unter ihnen war auch Alice Salomon, eine euphorische Aufbruchstimmung. Sie glaubten durch ihre Mithilfe womöglich die Welt zu verändern (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 57). Weiter entwickelten sich durch die Tätigkeit staatsbürgerliche Interessen. Die Frauen erwarben notwendiges Wissen und Fähigkeiten, die sie zur aktiven Teilnahme am öffentlichen Leben befähigten (vgl. ebd.).
Alice Salomon begann ihre ehrenamtliche soziale Arbeit indem sie die Schülerinnen eines Mädchenhortes betreute (vgl. ebd., S. 58; Preyser, 1958, S. 23).
1896 schrieb Salomon ihren ersten von unzähligen Artikeln, welcher in der 1893 gegründeten Zeitschrift „Die Frau“ erschien (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 58).
Neben ihrer regelmäßigen Tätigkeit im Hort begann Salomon nun auch für die „Auskunftsstelle für Wohlfahrten“ (später „Zentrale für private Fürsorge“) zu arbeiten. In diesem Rahmen besuchte sie regelmäßig Familien, die bei den Gruppen oder anderen privaten Wohltätigkeitsorganisationen um Hilfe gebeten hatten (vgl. ebd.). Salomon überprüfte die Bedürftigkeit und verteilte Geld bzw. Lebensmittel. Diese Art der Sozialen Arbeit, dem sog. „friendly visiting“, war zur damaligen Zeit vor allem in England und den USA verbreitet (vgl. ebd.).
Durch diese ersten Kontakte mit armen Menschen veränderte sich Salomons Leben radikal. Sie erkannte den Gegensatz zwischen ihren eigenen Lebensumständen und den derer, de-nen sie half, was nach Kuhlmann (2000) in ihr einen Stein zum Rollen brachte (vgl. ebd., S. 59).
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