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Netzwerkgesellschaft - der Stand der soziologischen Netzwerkforschung

Scholary Paper (Seminar), 2004, 12 Pages
Author: Markus Wolf
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation

Details

Event: Kontextstudium Reflexionskompetenz
Institution/College: University of St. Gallen
Tags: Netzwerkgesellschaft, Stand, Netzwerkforschung, Kontextstudium, Reflexionskompetenz
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 12
Grade: 2.0
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V38795
ISBN (E-book): 978-3-638-37760-7
ISBN (Book): 978-3-638-76242-7
File size: 131 KB

Abstract

Neben Begriffen wie „Globalisierung“, „Multioptionsgesellschaft “, „Wissensgesellschaft“ und „Cyber-Community“ sind die Termini „(soziale) Netzwerke“ und „Netzwerkgesellschaft“ in den letzten Jahren zu Modewörtern avanciert. Dabei erfreut sich der Netzwerkgedanke bereits seit etlichen Jahren einer ungebrochenen Popularität in der Wirtschaftspraxis, in der ökonomischen und sozialwissenschaftlichen Forschung wie auch in der Industriepolitik (vgl. Weyer, 2000, S.1). In der postmodernen Organisationssoziologie wird der Begriff des Netzwerkes nicht selten als paradigmatische Metapher für einen neuen Typus von Gesellschaft gebraucht, der sich durch netzwerkartige Verflechtungen sowohl auf der direkten Handlungsebene (Interaktionsnetzwerke), wie auch im intermediären Bereich (interorganisationale Netzwerke) und auf der Makroebene (Netzwerkgesellschaft, internationale Netzwerke) auszeichnet (vgl. Raab 2004). Die vorliegende Seminararbeit fasst den Stand der soziologischen Netzwerkforschung kurz zusammen und rekonstruiert die geistesgeschichtlichen Ursprünge der Thematik, um vor diesem Hintergrund die Nützlichkeit des Netzwerkgedankens für die gegenwärtige Organisationstheorie darzulegen. Sie schreckt nicht davor zurück, eine Prognose für die Bedeutung des Netzwerkes in einer zukünftigen Gesellschaft abzugeben.


Excerpt (computer-generated)

Netzwerkgesellschaft

von: Markus Wolf

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung  2

2 Zum Stand der soziologischen Netzwerkforschung 3

2.1 Netzwerkbegriff  3
2.2 Soziale Netzwerke und soziologische Theorie  3
2.3 Vom Netzwerk zur Netzwerkgesellschaft  5

3 Geistesgeschichtliche Ursprünge des Netzwerk-Gedankens 6

3.1 Die archaische Gesellschaft als organisationale Urform  6
3.2 Gesellschaftliche Ausdifferenzierung und Übergang zur organischen Solidarität moderner Gesellschaftsformen  7
3.3 Von der bürokratisch-fordistischen Gesellschaft der Moderne  zur post -fordistischen Netzwerkgesellschaft 8

4 Fazit  10

5 Literaturverzeichnis  11
 


 

1 Einleitung

Neben Begriffen wie „Globalisierung“, „Multioptionsgesellschaft “, „Wissensgesellschaft“ und „Cyber-Community“ sind die Termini „(soziale) Netzwerke“ und „Netzwerkgesellschaft“ in den letzten Jahren zu absoluten Modewörtern avanciert. Dabei erfreut sich der Netzwerkgedanke bereits seit etlichen Jahren einer ungebrochenen Popularität in der Wirtschaftspraxis, in der ökonomischen und sozialwissenschaftlichen Forschung wie auch in der Industriepolitik (vgl. Weyer, 2000, S.1). In der postmodernen Organisationssoziologie wird der Begriff des Netzwerkes nicht selten als paradigmatische Metapher für einen neuen Typus von Gesellschaft gebraucht, der sich durch netzwerkartige Verflechtungen sowohl auf der direkten Handlungsebene (Interaktionsnetzwerke), wie auch im intermediären Bereich (interorganisationale Netzwerke) und auf der Makroebene (Netzwerkgesellschaft, internationale Netzwerke) auszeichnet (vgl. Raab 2004).

Die vorliegende Seminararbeit fasst den Stand der soziologischen Netzwerkforschung kurz zusammen und rekonstruiert die geistesgeschichtlichen Ursprünge der Thematik, um vor diesem Hintergrund die Nützlichkeit des Netzwerk-Gedankens für die gegenwärtige Organisationstheorie darzulegen. Sie schreckt nicht davor zurück, eine Prognose für die Bedeutung des Netzwerkes in einer zukünftigen Gesellschaft abzugeben. Auch wenn in dieser Arbeit, aus Gründen der Lesefreundlichkeit, bewusst auf die zusätzliche, explizite Ausformulierung weiblicher Formen verzichtet wird, ist die feminine Bezeichnung stets mitgemeint.

2 Zum Stand der soziologischen Netzwerkforschung

2.1 Netzwerkbegriff

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter einem Netz ein Maschenwerk, oder ganz trivial, eine Reihe verknüpfter Knoten verstanden. Dies lässt bereits den gesellschaftstheoretischen Sinn dieser Metapher erahnen. So versteht Weyer (2000, S.11) unter einem sozialen Netzwerk „eine eigenständige Form der Koordination von Interaktionen, deren Kern die vertrauensvolle1 Kooperation autonomer, aber interdependenter (wechselseitig voneinander abhängiger) Akteure ist, die für einen begrenzten Zeitraum zusammenarbeiten und dabei auf die Interessen des jeweiligen Partners Rücksicht nehmen, weil sie auf diese Weise ihre partikularen Ziele besser realisieren können als durch nicht-koordiniertes Handeln.“ Dinter (2001, S.25) definiert Netzwerke als dauerhafter, informell organisierter Typus von Sozialstruktur, in dem wechselseitige Abhängigkeiten, gemeinsame Verhaltenserwartungen und Orientierung im Rahmen von Kommunikationsstrukturen zwischen Individuen oder Organisationen bestehen. Diese Netzwerke dienten dem Informationsaustausch, der kooperativen Produktion oder der gemeinsamen Interessenformulierung. Was jedoch alle Definitionen gemeinsam haben, ist das Verständnis des Netzwerkes als offen und flexibel integrierte Vergesellschaftungsform.

2.2 Soziale Netzwerke und soziologische Theorie

Das theoretische Gerüst, auf das viele Netzwerkanalysen rekurrieren, stammt aus der Transaktionskostenökonomie, einem Denkansatz in den Wirtschaftswissenschaften, dessen zentrale Aussage ist, dass Transaktionskosten die Effizienz von Koordinationsformen erklären. Als fundamental unterschiedliche Koordinationsmodelle werden sich dabei hauptsächlich der Markt und die Organisation (die Unternehmung) gegenübergestellt. Kauft ein Unternehmen ein Produkt auf dem Markt, so sprechen gemäss der Transaktionskostenökonomie gewichtige Gründe dafür, dass dies der beste Weg zur Beschaffung desselben ist. Existiert am Markt jedoch kein Anbieter, der dieses Produkt zu akzeptablen Konditionen vertreibt, ist es sinnvoller, dieses selbst herzustellen. Eine plausible Alternative zu den institutionellen Formen „Markt“ und „Organisation“ bietet lediglich die Möglichkeit, mit dem Zulieferer ein netzwerkförmiges Arrangement (ein Interorganisationsnetzwerk) einzugehen. So kann die Lieferung des gewünschten Produktes in der gewünschten Qualität langfristig abgesichert werden, was auch dem produzierenden Transaktionspartner nützt, da Erwartungssicherheit generiert und damit Kosten und Risiken verringert werden. Netzwerke erfüllen demnach zwei Funktionen, die kein anderes Modell der Koordination von Handlungen in dieser Form zur Verfügung stellen kann (vgl. Weyer, 2000, S. 5-10):

[...]


1 Die Anerkennung des Vertrauens als Integrationsmedium sozialer Netzwerke ist in der Lehre umstritten (vgl. Raab, 2004).


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