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Der Ausbruch aus der klassischen Struktur des Kriminalromans in Friedrich Glausers "Schlumpf Erwin Mord"

Termpaper, 1999, 20 Pages
Author: M.A. Anke Grundmann
Subject: German Studies - Genres

Details

Category: Termpaper
Year: 1999
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V38798
ISBN (E-book): 978-3-638-37763-8
ISBN (Book): 978-3-638-84308-9
File size: 228 KB

Abstract

Der Gegenstand dieser Arbeit soll der Kriminalroman Schlumpf Erwin Mord des in Deutschland wenig bekannten Schweizers Friedrich Glauser sein. Zuallererst sei darauf hingewiesen, daß für den Roman sowohl dieser Titel als auch die Alternative Wachtmeister Studer existiert. Glauser selbst wählte den erstgenannten Titel für sein Werk, während die für die Veröffentlichung des Textes in der Zürcher Illustrierten verantwortliche Redaktion den Titel Wachtmeister Studer auswählte. Da diese Änderung bei Glauser auf Kritik gestoßen ist, soll in der vorliegenden Arbeit der vom Autor favorisierte Titel verwendet werden. Im Falle von Glausers Werk bieten sich zwei Aspekte an, unter denen sich seine Texte untersuchen lassen. Der eine ist der Einfluß von Glausers Biographie auf seine Kriminalromane, der andere die Elemente und die Struktur seiner Kriminalromane. Der erstgenannte Aspekt wurde vor allem in der neueren Literatur zu Friedrich Glauser behandelt. Nicht zuletzt die 1981 von Gerhard Saner veröffentlichte Arbeit über das Leben und Werk des Schweizers hat dazu beigetragen, die Parallelen zwischen der Biographie und den Romanen Glausers aufzudecken. Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll aber auf dem Vergleich von Schlumpf Erwin Mord mit den für den Kriminalroman typischen Schemata liegen. In Glausers Fall ist es jedoch nicht möglich, sein Konzept des Kriminalromans von seinem Leben zu trennen, so daß man von einem „Zusammengehen von Autobiographie und Kriminalschema“ sprechen kann. Zu Beginn soll ein kurzer Abriß von Glausers Biographie als Grundlage dafür dienen, die anschließend untersuchten Elemente in seinem Kriminalroman als Ergebnis seiner Erfahrungen zu verstehen. In Kapitel 3 möchte ich untersuchen, inwiefern sich Glausers Kriminalromane von anderen unterscheiden. Glauser hatte ein eigenes Verständnis von dieser Gattung. Anhand eines Vergleichs mit den klassischen Elementen und Strukturen des Krimis soll dargestellt werden, welche Unterschiede, aber auch welche Übereinstimmungen in Schlumpf Erwin Mord vorliegen. Im Anschluß daran möchte ich mich dem Roman selbst zuwenden. Die Figur des Wachtmeisters Studer als Handlungsträger wird hierbei im Mittelpunkt stehen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Bielefeld
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Seminar: Wozu das Böse gut ist: Kriminalroman, Thriller, etc.
7. Semester

Der Ausbruch aus der klassischen Struktur des
Kriminalromans in Friedrich Glausers Schlumpf Erwin Mord

von: Anke Grundmann

 


INHALTSVERZEICHNIS

0. Einleitung 1

1. Biographie Friedrich Glausers 2

2. Einfluß von Glausers Biographie auf Schlumpf Erwin Mord 3

3. Besonderheiten in Glausers Kriminalromanen 7

3.1 Glausers Verständnis vom Kriminalroman 7
3.2 Vergleich von Schlumpf Erwin Mord mit den klassischen Strukturelementen des Kriminalromans 9

4. Wachtmeister Studer 12

4.1 Charakterisierung 12
4.2 Studers kriminalistische Methode 13

5. Schluß 17

6. Literaturverzeichnis 19


 

0. Einleitung

Der Gegenstand dieser Arbeit soll der Kriminalroman Schlumpf Erwin Mord des in Deutschland wenig bekannten Schweizers Friedrich Glauser sein. Zuallererst sei darauf hingewiesen, daß für den Roman sowohl dieser Titel als auch die Alternative Wachtmeister Studer existiert. Glauser selbst wählte den erstgenannten Titel für sein Werk, während die für die Veröffentlichung des Textes in der Zürcher Illustrierten verantwortliche Redaktion den Titel Wachtmeister Studer auswählte. Da diese Änderung bei Glauser auf Kritik gestoßen ist,1 soll in der vorliegenden Arbeit der vom Autor favorisierte Titel verwendet werden.

..Glauser hat im Jahre 1937 über den Kriminalroman gesagt:
....Die Handlung eines Kriminalromans läßt sich in anderthalb Seiten gut und gerne erzählen.
....Der Rest - die übrigen hundertachtundneunzig Schreibmaschinenseiten - sind Füllsel. Es ....kommt nun darauf an, was man mit diesem Füllsel anstellt.2

Das, was Glauser als „Füllsel“ bezeichnet, ist im literaturwissenschaftlichen Sinn der Text an sich. Im Falle von Glausers Werk bieten sich zwei Aspekte an, unter denen sich seine Texte untersuchen lassen. Der eine ist der Einfluß von Glausers Biographie auf seine Kriminalromane, der andere die Elemente und die Struktur seiner Kriminalromane. Der erstgenannte Aspekt wurde vor allem in der neueren Literatur zu Friedrich Glauser behandelt. Nicht zuletzt die 1981 von Gerhard Saner veröffentlichte Arbeit über das Leben und Werk des Schweizers hat dazu beigetragen, die Parallelen zwischen der Biographie und den Romanen Glausers aufzudecken. Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll aber auf dem Vergleich von Schlumpf Erwin Mord mit den für den Kriminalroman typischen Schemata liegen. In Glausers Fall ist es jedoch nicht möglich, sein Konzept des Kriminalromans von seinem Leben zu trennen, so daß man von einem „Zusammengehen von Autobiographie und Kriminalschema“3 sprechen kann. ..Zu Beginn soll ein kurzer Abriß von Glausers Biographie als Grundlage dafür dienen, die anschließend untersuchten Elemente in seinem Kriminalroman als Ergebnis seiner Erfahrungen zu verstehen. In Kapitel 3 möchte ich untersuchen, inwiefern sich Glausers Kriminalromane von anderen unterscheiden. Glauser hatte ein eigenes Verständnis von dieser Gattung. Anhand eines Vergleichs mit den klassischen Elementen und Strukturen des Krimis soll dargestellt werden, welche Unterschiede, aber auch welche Übereinstimmungen in Schlumpf Erwin Mord vorliegen. Im Anschluß daran möchte ich mich dem Roman selbst zuwenden. Die Figur des Wachtmeisters Studer als Handlungsträger wird hierbei im Mittelpunkt stehen.

..Auf eine genauere Untersuchung der Bedeutung der Nebenfiguren, z. B. der Rolle des Mörders Aeschbacher innerhalb des Dorfes Gerzenstein und seinem Verhältnis zu Studer muß nicht zuletzt wegen des begrenzten Rahmens der Arbeit verzichtet werden. Der Schwerpunkt soll weniger auf einer Charakterisierung der Figuren liegen, als auf einer Analyse der für den Kriminalroman typischen Elemente und deren Variation.

1. Biographie Friedrich Glausers

Eveline Jacksch hat ihrem Buch über Friedrich Glauser den Untertitel Anwalt der Außenseiter4 gegeben. Es ist jedoch nicht nur Sympathie, die den Schweizer mit den aus der Gesellschaft herausgefallenen bzw. ausgestoßenen Individuen seiner Romane, wie z.B. dem jugendlichen Kriminellen Erwin Schlumpf verbindet. Der Autor war in der Lage, sich für Außenseiter einzusetzen, da er selbst einer war, dessen Lebenslauf sich nicht in gutbürgerliche Schablonen pressen läßt. Im folgenden soll ein grober Abriß seines Lebens dazu beitragen, zu verstehen, warum Glauser in seinen Kriminalromanen kleinbürgerliche Figuren und deren soziale Probleme in den Mittelpunkt stellt. ..Friedrich Glauser wurde am 4. Februar 1896 als Sohn einer Österreicherin und eines Schweizers in Wien geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in geordneten Verhältnissen in seiner Geburtsstadt. Seine Mutter starb 1900. In den Jahren 1910 bis 1916 folgten ein dreijähriger Aufenthalt im Landerziehungsheim Glarisegg in der Schweiz sowie drei Jahre Unterricht am Collège de Genève. Kurz vor dem Abitur mußte er die Schule verlassen, konnte jedoch die Abiturprüfung in Zürich nachholen. Er begann ein Chemie-Studium, wurde kurz darauf drogenabhängig und verbrachte 1919 einige Zeit in der Heilanstalt Münsingen. Auch in den folgenden Jahren ging Glauser keiner geregelten Arbeit nach. Aufenthalte in verschiedenen Anstalten und Aushilfstätigkeiten u.a. als Tellerwäscher, Krankenpfleger und Gärtnergehilfe wechselten sich ab. 1926 schloß er schließlich eine Gärtnerlehre ab, um als Handlanger in einer Baumschule zu arbeiten. Während eines Aufenthalts in Paris arbeitete er als freier Schriftsteller. Doch auch diese Tätigkeit war nicht von Dauer. In den Jahren 1932 bis 1936 folgte ein weiterer Aufenthalt in einer Anstalt in der Schweiz. In diesem Zeitraum entstanden seine ersten Kriminalromane. Friedrich Glauser starb am 8. Dezember 1938 in Nervi in der Nähe von Genua.5

2. Einfluß von Glausers Biographie auf Schlumpf Erwin Mord

[...]


1 Vgl. Walter Obschlager. Editorischer Bericht. In: Friedrich Glauser. Schlumpf Erwin Mord (Wachtmeister Studer). Herausgegeben und mit einem Nachwort von Walter Obschlager. Zürich: Unionsverlag, 1998. S. 245.

2 Glauser, zit. in: Gerhard Saner. Friedrich Glauser. Band 2. Zürich: Suhrkamp, 1981. S. 314.

3 Hans Dieter Zimmermann. „Die schwierige Kunst des Kriminalromans. Zum Werk des Schweizers Friedrich Glauser“. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift 28 (1978). S. 340.

4 Eveline Jacksch. Friedrich Glauser. Anwalt der Außenseiter. Bonn: Bouvier, 1976.

5 Vgl. Saner. Friedrich Glauser. Band 1. S. 530-534.


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