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Autor: Tobias Jantz
Fach: Geschichte - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Details
Tags: Entstehung, Naturwissenschaft
Jahr: 2004
Seiten: 25
Note: gut
Literaturverzeichnis: ~ 23 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 270 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-37787-4
Textauszug (computergeneriert)
OTTO-VON-GUERICKE-UNIVERSITÄT MAGDEBURG
INSTITUT FÜR GESCHICHTE
HAUPTSEMINAR: Mensch und Natur.
Eine konfliktreiche Beziehung (16.-19.Jh.)
7. Semester
Die Entstehung der neuzeitlichen Naturwissenschaft
von: Tobias Jantz
INHALTSVERZEICHNIS
1 PROBLEMSTELLUNG 1
2 DIE WISSENSCHAFT BIS ZUM BEGINN DER NEUZEIT 2
3 DIE NATURWISSENSCHAFTLICHE REVOLUTION 4
3.1 VORBEMERKUNG 4
3.2 DIE REVOLUTION DER ASTRONOMIE 5
3.3 DIE WISSENSCHAFTLICHE REVOLUTION IN DER MECHANIK 12
3.4 DIE WISSENSCHAFTLICHE REVOLUTION IN DER MATHEMATIK 15
4 DIE GENESE DER MODERNEN CHEMIE 17
5 DIE AUSWIRKUNGEN UND FOLGEN DER WISSENSCHAFTLICHEN NEUERUNGEN 19
6 SCHLUSSBETRACHTUNG 20
QUELLENVERZEICHNIS 22
LITERATURVERZEICHNIS 23
1 PROBLEMSTELLUNG
Aus wissenschaftshistorischer Sicht hat das 17. Jahrhundert durch die fundamentalen Umbrüche, in deren Ergebnis die Naturwissenschaft im modernen Sinn entstand, zweifellos einen prägenden Charakter. Die heute sogenannte klassische Naturwissenschaft entwickelte sich jedoch keineswegs an den Universitäten. Ihre Genese führte über die Ausbildung von Wissenschaften über neue Gegenstände – wie der Navigationslehre, der Lehre der Pneumatik etc. – zum Entstehen neuer Wissenschaften über alte Gegenstände1. Bei den Lehren Kopernikus’, Galileis, Newtons etc. ging es nicht um bloße Erweiterungen, sondern um die Umgestaltung der Wissenschaft. Die spekulative Methode der Scholastik musste bei der Erkenntnisgewinnung der experimentellen Methode weichen.
Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über diese Umwälzung der Erkenntnisse geben. Den Schwerpunkt bildet dabei die Astronomie, da deren neue Erkenntnisse eine ideologische Veränderung zur Folge hatten und das über Jahrhunderte gefestigte Bild der Welt zusammenstürzen ließen. Aus den Bereichen der Physik, der Mathematik und der Chemie kann der Verfasser nur auf punktuelle Beispiele von Neuerungen in bestimmten Teilgebieten der jeweiligen Naturwissenschaften eingehen. In der Physik wird das die Mechanik, insbesondere die Dynamik sein, da hier das Verständnis der Zeitgenossen am gravierendsten berührt wurde und da die Erkenntnisse der Mechanik mit denen der Astronomie einhergingen. Daher kann und soll dieser Überblick nicht den Anspruch auf Komplexität stellen. Es soll lediglich an einigen Beispielen gezeigt werden, in welche Richtung sich die Wissenschaft bewegte. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf das 17. Jahrhundert gelegt, in dem mit der sogenannten Naturwissenschaftlichen Revolution eine große Zeit für die Entwicklung der Naturwissenschaften anbrach. Wohlwissend, dass v.a. im ostasiatischen Raum, in den islamischen Reichen und im vorkolumbianischen Amerika die Naturwissenschaft weit entwickelt war, wird in dieser Arbeit nur der mitteleuropäische Raum betrachtet.
2 DIE WISSENSCHAFT BIS ZUM BEGINN DER NEUZEIT
Die zu Beginn der Neuzeit herrschenden Ansichten der Naturlehre gingen im Wesentlichen auf Aristoteles zurück. Die Evidenz des Offensichtlichen fußte aber nicht nur auf die Denktraditionen, die auf die Antike zurückgehen, sondern auch auf deren große Nähe zum Menschenverstand.
Danach bestand die irdische Welt, das heißt die Erde und der Bereich zwischen Erde und Mond, aus einer Mischung der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. Die Schwere eines Körpers hing von der Zusammensetzung der Elemente ab: Erde und Wasser haben eine Tendenz nach unten, Luft und Feuer eine Tendenz nach oben. Ein Körper fällt, weil er schwer ist – je schwerer er ist, desto schneller sollte er fallen. Ein nach oben geworfener Stein (oder eine nach unten geblasene Flamme) galten als gewaltsame Bewegungen. Sobald die von außen wirkende Kraft nachlässt, würde der Körper danach streben, den ihm von Natur aus zukommenden Platz wieder einzunehmen. Man nahm an, dass sich die Geschwindigkeit eines fallenden Körpers direkt proportional zu seiner Schwere und indirekt proportional zur Dichte des Mediums, durch das er sich bewegt, verhält. Demnach müsste sich ein Körper im leeren Raum mit unendlicher Geschwindigkeit bewegen und gleichzeitig an verschiedenen Orten befinden. Diese Theorie lieferte somit ein Argument gegen die Existenz des Vakuums2. Der Zustand der Ruhe galt als natürlich, die Bewegung hingegen als vorübergehend und unnatürlich. Folglich galt die Bewegung nicht als Zustand eines Körpers, sondern als ein Prozess. Man war auch der festen Überzeugung, dass sich die Physik der Erde, die der Veränderung und des Zerfalls ausgesetzt war, von der des Himmels wesentlich unterscheidet.
Die Himmelskörper bestanden nicht aus den irdischen Elementen, sondern aus einem anderen, dem fünften Element, der Quintessenz oder dem Äther. Außerdem bewegten sie sich, wenn überhaupt, kontinuierlich auf Kreisbahnen, da die gleichförmige Kreisbewegung als die denkbar vollkommenste Form der Bewegung galt3. Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Weltbild sah die Erde als ruhende Kugel im Mittelpunkt der Welt. Um sie herum sollten sich auf festen, unveränderlichen, kristallinen, konzentrisch kreisenden Hohlkugeln (Sphären) die Himmelskörper in der Reihenfolge Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn befinden. Die achte Sphäre war die der Fixsterne und die neunte, göttliche Sphäre, das primum mobile, sollte die Bewegung der inneren Sphären bewirken – in 24 Stunden drehte sich der Himmel ein Mal4. Somit war das gesamte Universum endlich. Die kreisförmige, regelmäßige und immerwährende Bewegung der Himmelskörper und Sphären stand der typischen geradlinigen, diskontinuierlichen und zeitlich begrenzten Bewegung auf der Erde gegenüber. Dieses recht einfache Arrangement von konzentrischen, gleichförmig rotierenden Kugelschalen war für die Erfassung der komplizierten Erscheinungen am Himmel jedoch nicht hinreichend. Es bedurfte einiger Hilfskonstruktionen, derer sich Claudius Ptolemäus (ca. 170-100 v. Chr.) bei seiner auf Aristoteles stützenden Astronomie bediente5.
In seinem großen Werk, dem „Almagest“ (um 150 v. Chr.), griff er auf theoretische Hilfsmittel zurück, die um 200 v. Chr. von Apollonios von Perge (ca. 262/240-190/170 v. Chr.) eingeführt worden waren. Demnach bewegt sich ein Planet auf einem kleinen Kreis, dem Epizykel, dessen Mittelpunkt auf einem großen Kreis, dem Deferenten, die Erde umkreist. Damit sollten der scheinbare Vor- und Rücklauf sowie die unterschiedlichen Geschwindigkeiten eines Planeten am Himmel erklärt werden, die tatsächlich durch die elliptische Bahn des Selben um die Sonne zustande kommen6. Auf diese Weise wurden etwa 80 Kreise benötigt, um die Bewegungen am Himmel erklären zu können.
Bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts spielte auch die Astrologie eine bedeutende Rolle. Sie galt lange Zeit als eigene Wissenschaft neben der Astronomie. In der Alchimie brachte der Einfluss der Islamischen Welt im 13. Jahrhundert enorme Fortschritte. V.a. das sich entwickelnde Handwerk und die Entfaltung des Hüttenwesens ließen den Erfahrungsschatz im ausgehenden Mittelalter nicht unbeträchtlich anwachsen. Die Destillation und die damit verbundene Herstellung von Alkohol waren ebenso bekannt wie einige chemische Technologien im Bereich der Metallgewinnung, wie die Herstellung von Mineralsäuren.
3 DIE NATURWISSENSCHAFTLICHE REVOLUTION
3.1 Vorbemerkung
[...]
1 Vgl. Harig, Gerhard: Schriften zur Geschichte der Naturwissenschaften, Berlin 1983, S. 291.
2 Vgl. Rossi, Paolo: Die Geburt der modernen Wissenschaft in Europa, München 1997, S. 27-29.
3 Vgl. Shapin, Steven: Die wissenschaftliche Revolution, Frankfurt a.M. 1996, S. 27 sowie Chmelka, Fritz: Die vier großes Gestalter unseres Weltsystems, Innsbruck 1975, S. 6-7.
4 Vgl. Wußing, Hans: Geschichte der Naturwissenschaften, Köln2 1987, S. 166; Rossi (wie Anm. 2), S. 31 sowie Shapin (wie Anm. 3), S. 36-38.
5 Das weitaus kompliziertere Schema soll hier nur kurz und überschaubar umrissen werden.
6 Vgl. Carrier, Martin: Nikolaus Kopernikus, München 2001, S. 42, Chmelka (wie Anm. 3), S. 2.
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