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Methoden der Erstlesedidaktik - Eine Suche nach Alternativen zur Fibellehre

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 22 Pages
Author: Dorothee Ahlrichs
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Event: Individuelle Förderung von Anfang an
Institution/College: University of Münster (Erziehungswissenschaften)
Tags: Methoden, Erstlesedidaktik, Eine, Suche, Alternativen, Fibellehre, Individuelle, Förderung, Anfang
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 22
Grade: keine Benotung
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V38859
ISBN (E-book): 978-3-638-37809-3
ISBN (Book): 978-3-638-65406-7
File size: 305 KB

Abstract

An der Universität Münster wird den Studenten des Lehramts für Primarstufe sowohl in den Seminaren zur Didaktik des Anfangsunterrichts in der Erziehungswissenschaft als auch in den Seminaren zum Schriftspracherwerb im Fach Deutsch vermittelt, dass die „gute alte Fibel“ längst überholt und ist. Und das nicht erst seit gestern! Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigen sich Pädagogen mit Konzepten, die dem kindlichen Lernen mehr entsprechen und sowohl das Potential sehr leistungsstarker Schüler besser auszuschöpfen wissen, als auch den leistungsschwachen Schülern die Möglichkeit geben, versäumte Erfahrungen mit der Schriftsprache nachzuholen. Dennoch begegnet man an deutschen Grundschulen nur sehr selten Lehrenden, die mit alternativen Konzepten arbeiten, was für mich schwer nachvollziehbar ist, da die Argumente gegen die kleinschrittige Fibellehre kaum von der Hand zu weisen sind und die Vorzüge anderer Methoden so verlockend klingen. Haben die Lehrenden an der Grundschule denn wirklich so viel Angst vor neuen Wegen? Ist es reine Bequemlichkeit, die sie dazu bewegt nach wie vor mit der Fibel zu arbeiten? Oder gibt es wirklich gute Gründe, weiterhin nach der „alten Methode“ zu unterrichten? Vielleicht aber haben die modernen Fibeln auch die notwendigen didaktisch-methodischen Neuerungen der letzten Jahrzehnte in ihr Konzept aufgenommen und sind möglicherweise gar nicht mehr so antiquiert? All diesen Fragen werde ich im Folgenden nachgehen, auch mit dem Gedanken daran, dass ich als zukünftige Lehrerin irgendwann selbst die Entscheidung über eine Lehrmethode zu fällen habe und damit auch die Verantwortung für den Lernerfolg der mir anvertrauten Kinder trage.


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Erziehungswissenschaft
4.Semester

Methoden der Erstlesedidaktik

von: Dorothee Ahlrichs

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  2

2. Fibel ja oder nein?  3

2.1 Argumente für den Einsatz von Fibeln 3
2.2 Argumente gegen den Einsatz von Fibeln 4
2.3. Abwägung der Argumente für und gegen die Fibel 7

3. Alternative Methoden zum Fibellehrgang  9

3.1 Lesen durch Schreiben (J. Reichen)  9
3.2 Spracherfahrungsansatz (H. Brügelmann)  12

4. Vergleich der Vorgaben des Lehrplans mit den vorgestellten Methoden 16

5. Schlussbemerkungen 18

6. Literaturverzeichnis  21



 

1. Einleitung

An der Universität Münster wird den Studenten des Lehramts für Primarstufe sowohl in den Seminaren zur Didaktik des Anfangsunterrichts in der Erziehungswissenschaft als auch in den Seminaren zum Schriftspracherwerb im Fach Deutsch vermittelt, dass die „gute alte Fibel“ längst überholt und total antiquiert ist. Und das nicht erst seit gestern! Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigen sich Pädagogen mit Konzepten, die dem kindlichen Lernen mehr entsprechen und sowohl das Potential sehr leistungsstarker Schüler besser auszuschöpfen wissen, als auch den leistungsschwachen Schülern die Möglichkeit geben, versäumte Erfahrungen mit der Schriftsprache nachzuholen. Dennoch begegnet man an deutschen Grundschulen nur sehr selten Lehrenden, die mit alternativen Konzepten arbeiten, was für mich schwer nachvollziehbar ist, da die Argumente gegen die kleinschrittige Fibellehre kaum von der Hand zu weisen sind und die Vorzüge anderer Methoden so verlockend klingen.

Haben die Lehrenden an der Grundschule denn wirklich so viel Angst vor neuen Wegen? Ist es reine Bequemlichkeit, die sie dazu bewegt nach wie vor mit der Fibel zu arbeiten? Oder gibt es wirklich gute Gründe, weiterhin nach der „alten Methode“ zu unterrichten? Vielleicht aber haben die modernen Fibeln auch die notwendigen didaktisch-methodischen Neuerungen der letzten Jahrzehnte in ihr Konzept aufgenommen und sind möglicherweise gar nicht mehr so antiquiert? All diesen Fragen werde ich im Folgenden nachgehen, auch mit dem Gedanken daran, dass ich als zukünftige Lehrerin irgendwann selbst die Entscheidung über eine Lehrmethode zu fällen habe und damit auch die Verantwortung für den Lernerfolg der mir anvertrauten Kinder trage.

Zunächst werde ich mich mit den Argumenten für und gegen den Einsatz von Fibeln im Erstleseunterricht beschäftigen und sie gegeneinander abwägen. Im Folgenden werde ich einige Alternativen zum Fibellehrgang aufzeigen und auf Umsetzbarkeit überprüfen. Insbesondere werde ich dabei der Frage nachgehen, wie man mit Hilfe dieser Methoden Kindern mit unzureichenden Vorerfahrungen mit Schriftsprache besondere Förderung zukommen lassen kann und ob die Möglichkeit der Forderung besonders begabter Kinder besteht. Abschließend werde ich die Vorgaben des Lehrplans für das Fach Deutsch in Nordrhein-Westfalen mit den zuvor angestellten Ausführungen vergleichen und werde versuchen, zu beurteilen, welches Vorgehen diesen Vorgaben am ehesten entspricht.

2. Fibel ja oder nein?

2.1 Argumente für den Einsatz von Fibeln

Laut Siegfried Buck liegen empirische Vergleichsuntersuchungen vor, die deutlich für die Fibel sprechen. Er weist darauf hin, dass es heutzutage viele methodisch abgesicherte und das Lesen motivierende Werke gibt, die allerdings sicherlich nicht vor einem fehlerhaften Umgang schützen. Der Aufbau eines Fibelwerkes sei von einer Arbeitsgruppe in der Regel gut durchdacht und in der Praxis erprobt und evaluiert worden. Buck warnt ausdrücklich vor eigenen Lehrgängen, da diese nur schwer gegen fatale Methodenfehler abzusichern seien und sich für den Lernerfolg einiger Kinder sehr negativ auswirken könnten. Darüber hinaus sieht Buck eine starke Entlastung des Lehrers durch die Fibel auf Grund vielfältiger Zusatzmaterialien, die oft auch fächerübergreifende Angebote aufweisen. Andererseits erfordere die Arbeit mit eigenen Texten, eigenen Arbeitsblättern und anderen Zusatzmaterialien eine hohe Eigenarbeit der Lehrkraft, worin er die Gefahr sieht, dass andere schulische Aktivitäten vernachlässigt werden könnten. Auch ist er der Meinung, dass die Qualität eigener Texte der Kinder oft nicht ausreicht um grundlegende Erfahrungen des Lesens möglich zu machen. Des Weiteren betont Buck, dass die Fibel sowohl Kindern als auch Eltern einen Überblick gewähre und somit einsichtig sei, was im Schuljahr verlangt wird, wo man im Augenblick steht und was zu wiederholen ist. Müssten sich die Eltern von jedem neuen Blatt überraschen lassen, würde man sie für unmündig erklären und sie dadurch in Abhängigkeit zum Lehrer bringen.

Buck ist der Meinung, dass Fibel unabhängige Lehrgänge zwar durchaus möglich sind, doch er zweifelt am methodischen Können der meisten Lehrkräfte. Die große Anzahl lese- und rechtschreibschwacher Schüler führt er auf Methodenfehler in der Schule zurück. Er weist die „ Volksweisheit“: „Irgendwie lernen doch alle lesen, gleich mit welcher Fibel und gleich mit oder ohne Fibel!“ nachdrücklich zurück, da dies nur für die leistungsstarken Kinder gelte und die würden das Lesen auch ohne Schule lernen. 1 Oftmals betonen Lehrende, die mit der Fibel arbeiten, die psychologisch wichtigen Funktionen der Fibel: Die Fibel ist für viele Kinder das erste richtige Buch, dass sie selber lesen und das sie zu Hause stolz vorführen können. Die meisten Fibeln sind sehr ansprechend gestaltet und bieten den Kindern anregende Bilder, auf denen sie viel entdecken können. Die jeweiligen Hauptfiguren, die sie durch den Lehrgang führen, können den Kindern Identifikationsmöglichkeiten bieten und motivieren dazu, mehr über sie zu erfahren und somit zu erlesen.

Vielen Lehrkräften ist auch wichtig, dass die Fibel Klassenunterricht ermöglicht und Vereinzelung vermeidet. Sie ist durch ihre didaktische Zuverlässigkeit auch für junge und unerfahrene Lehrer praktikabel. Brügelmann bezeichnet Fibellehrgänge als „Krücken“, da sie unsere pädagogischen Behinderungen kompensieren. 2 Auch mit Krücken kann man laufen lernen, doch verlässt man sich nur noch auf die Krücken, verliert man allmählich auch die Reste der eigenen verbliebenen Fähigkeiten. Warum es also sinnvoll sein könnte, auf seine Krücken zu verzichten, soll im Folgenden erläutert werden.

2.2 Argumente gegen den Einsatz von Fibeln

[...]


1 Conrady, Peter/ Hinze, Gabriele/ Buck, Siegfried/ Andersen, Ute: Pro und contra Fibel – ein Streitgespräch. www.vds-bildungsmedien.de/pdf/forum/f_20/seite131.pdf, S.136 ff.

2 Brügelmann, Hans/ Brinkmann, Erika: Die Schrift erfinden, Lengwil 1998, S.11f.


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