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Abriss einer kurzen Geschichte des Gesundheitssports

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 27 Pages
Author: Sebastian Knobbe
Subject: Sport - Sport History

Details

Event: Körper, Sport und Gesundheit in Vergangenheit und Gegenwart
Institution/College: Otto-von-Guericke-University Magdeburg (Institut für Sportwissenschaft)
Tags: Abriss, Geschichte, Gesundheitssports, Körper, Sport, Gesundheit, Vergangenheit, Gegenwart
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 27
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V38959
ISBN (E-book): 978-3-638-37874-1
ISBN (Book): 978-3-638-65471-5
File size: 340 KB
Notes :
Die Arbeit bietet einen Überblick darüber, auf welche Weise "sportliche" Übungen in der Geschichte für die Gesundheit genutzt wurden. Es wird gezeigt, dass Gesundheitssport keineswegs ein Novum des 20.Jahrhunderts darstellt. Anhand konkreter Beispiele wird der Zusammenhang zwischen "Sport" und Gesundheit im antiken Griechenland, im alten Rom, im europäischen Mittelater, in Zeitalter der Renaissance und der Aufklärung und schließlich im 19.Jahrhundert untersucht.


Abstract

In den vergangenen Jahren ist angesichts steigender Lebenserwartung und damit verbundener Kostensteigerungen im Gesundheitssystem das Problem der Gesundheit vermehrt in das Zentrum der sozialpolitischen Diskussion gerückt. Gesundheitserhaltung und Krankheitsvorbeugung werden nicht nur zu einer individuellen, sondern immer mehr auch zu einer gesellschaftspolitischen Aufgabe, die aus der sozialen Verpflichtung resultiert, eine für alle Menschen optimale Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. In diesem Kontext kommt dem Begriff „Gesundheitssport“ in den letzten Jahren eine immer größere Bedeutung zu. Obwohl eine eindeutige Definition schwierig erscheint, mitunter sogar abgelehnt wird , so hat sich der Terminus dennoch im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert. Diese Entwicklung zeigt, so der Deutsche Sportbund, dass es im öffentlichen Bewusstsein zu einer weitgehenden Identifizierung der Begriffe „Gesundheit“ und „Sport“ gekommen ist (vgl. DSB, 1993, S. 197). Laut DSB wird der Begriff Gesundheitssport dabei wie folgt definiert: Gesundheitssport ist eine aktive, regelmäßige und systematische körperliche Belastung mit der Absicht, Gesundheit in all ihren Aspekten, d.h. somatisch wie psychosozial, zu fördern, zu erhalten oder wiederherzustellen. Gesundheitssport umfaßt den Präventivsport, die Bewegungs- und Sporttherapie sowie den Rehabilitationssport. Da Sport auch mit gesundheitsbezogenen Risiken verbunden sein kann, müssen die Inhalte dosiert und in Anlehnung an die individuellen Voraussetzungen ausgewählt werden (DSB, 1993, S.198). Ausgehend von dieser Definition stellt sich dem Verfasser jedoch eine scheinbar berechtigte Frage: Trat der Sport unter dem Aspekt der Gesundheit tatsächlich erst in den letzten 20-30 Jahren in das Bewusstsein der Menschheit oder ist es nicht vielmehr so, dass Gesundheitsförderung schon seit jeher zu den wichtigsten Zielsetzungen des „Sports“ zählte? Genau diese Fragen nach dem Zusammenhang von Sport und Gesundheit sollen im Verlauf dieser Arbeit beantwortet werden. Wesentliches Ziel des Verfassers ist es folglich, eine „Kurze Geschichte des Gesundheitssports“ zu verfassen.


Excerpt (computer-generated)

OTTO-VON-GUERICKE-UNIVERSITÄT MAGDEBURG
INSTITUT FÜR SPORTWISSENSCHAFT
Lehrbereich: Sportgeschichte
Hauptseminar: Körper, Sport und Gesundheit
in Vergangenheit und Gegenwart
9. Semester

Abriss einer kurzen Geschichte des Gesundheitssports

von: Sebastian Knobbe

 


INHALTSVERZEICHNIS

Problemstellung 1

1. Gesundheit und Gymnastik im antiken Griechenland 2

1.1. Körperübungen und deren gesundheitlicher Wert in der griechischen Frühzeit 2
1.2. Sport und Gesundheit bei Hippokrates 3
1.3. Gesundheit und Gymnastik bei Platon und Aristoteles 4

2. Gesundheitsfördernde Übungen im antiken Rom 6

2.1. Die Inanspruchnahme von Körperübungen zum Wohle Gesundheit 6
2.2. Gesundheitssport bei Galen 7

3. Gesunde Lebensführung und Sport im Mittelalter 8

3.1.Vorbemerkungen 8
3.2. Leibesübungen im Früh- und Hochmittelalter 9
3.3. Der Einfluss der Regimenliteratur auf die Leibesübungen im ausgehenden Hochmittelalter sowie im Spätmittelalter 10

4. Die Bedeutung der Leibesübungen im Zeitalter der Renaissance 11

4.1. Neues Denken in praktischen Bahnen 11
4.2. Nutzen und Funktion der Leibesübungen 12
4.3. Die Stellung der Leibesübungen unter den Aspekten von Prophylaxe und Therapie 14

5. Gesundheit und Leibesübungen im Zeitalter der Aufklärung 15

5.1. Vorbemerkungen 15
5.2. Die Bedeutung der Leibesübungen für die Gesundheit im Erziehungskonzept Rousseaus 16
5.3. Die Bedeutung der Leibesübungen in Johann Peter Franks „System einer vollständigen medicinischen Polizey“ (1779-1817) 17

6. Leibesübungen und Gesunderhaltung im 19.Jahrhundert 19

6.1. Deutsches Turnen und Schwedische Gymnastik 19
6.2. Gesundheit im Kontext des Mädchen- und Frauenturnens 21

Schlussbemerkungen 22

Literaturverzeichnis 23


 

Problemstellung

In den vergangenen Jahren ist angesichts steigender Lebenserwartung und damit verbundener Kostensteigerungen im Gesundheitssystem das Problem der Gesundheit vermehrt in das Zentrum der sozialpolitischen Diskussion gerückt. Gesundheitserhaltung und Krankheitsvorbeugung werden nicht nur zu einer individuellen, sondern immer mehr auch zu einer gesellschaftspolitischen Aufgabe, die aus der sozialen Verpflichtung resultiert, eine für alle Menschen optimale Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. In diesem Kontext kommt dem Begriff „Gesundheitssport“ in den letzten Jahren eine immer größere Bedeutung zu. Obwohl eine eindeutige Definition schwierig erscheint, mitunter sogar abgelehnt wird1, so hat sich der Terminus dennoch im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert. Diese Entwicklung zeigt, so der Deutsche Sportbund, dass es im öffentlichen Bewusstsein zu einer weitgehenden Identifizierung der Begriffe „Gesundheit“ und „Sport“ gekommen ist (vgl. DSB, 1993, S. 197). Laut DSB wird der Begriff Gesundheitssport dabei wie folgt definiert: Gesundheitssport ist eine aktive, regelmäßige und systematische körperliche Belastung mit der Absicht, Gesundheit in all ihren Aspekten, d.h. somatisch wie psychosozial, zu fördern, zu erhalten oder wiederherzustellen. Gesundheitssport umfaßt den Präventivsport, die Bewegungs- und Sporttherapie sowie den Rehabilitationssport. Da Sport auch mit gesundheitsbezogenen Risiken verbunden sein kann, müssen die Inhalte dosiert und in Anlehnung an die individuellen Voraussetzungen ausgewählt werden (DSB, 1993, S.198).

Ausgehend von dieser Definition stellt sich dem Verfasser jedoch eine scheinbar berechtigte Frage: Trat der Sport unter dem Aspekt der Gesundheit tatsächlich erst in den letzten 20-30 Jahren in das Bewusstsein der Menschheit oder ist es nicht vielmehr so, dass Gesundheitsförderung schon seit jeher zu den wichtigsten Zielsetzungen des „Sports“2 zählte? Genau diese Fragen nach dem Zusammenhang von Sport und Gesundheit sollen im Verlauf dieser Arbeit beantwortet werden. Wesentliches Ziel des Verfassers ist es folglich, eine „Kurze Geschichte des Gesundheitssports“ zu verfassen. Allerdings erweist es sich im Rahmen einer Hauptseminararbeit als unmöglich, einen adäquaten, allumfassenden Überblick über die Geschichte des Gesundheitssports zu liefern. Vielmehr muss sich sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht auf wenige, ausgewählte Schwerpunkt konzentriert werden. Neben den klassischen Epochen der Geschichtswissenschaft stehen ferner kulturhistorische Perioden der Geschichte im Focus der Untersuchung: Zu Beginn der Arbeit wird die Beziehung zwischen Körperübungen und Gesundheit im antiken Griechenland aufgezeigt. Anschließend wird sukzessive der Einfluss von Leibesübungen auf die Gesundheit im antiken Rom, im europäischen Mittelalter, im Zeitalter der Renaissance und der Aufklärung verfolgt. Abschließend wird das Verhältnis von Sport und Gesundheit im Deutschland des 19.Jahrhunderts betrachtet.

Methodisch wird in der Arbeit wie folgt verfahren: Jeweils einführend werden für die verschiedenen Zeitabschnitte die herrschenden Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit vorgestellt. In diesem Kontext wird die jeweilige dem Sport zugewiesene Bedeutung besprochen werden. In einem zweiten, umfangreicheren Teil wird sich dann – sofern es sich anbietet – den Gesundheitsvorstellungen und -konzepten bestimmter historischer Personen zugewendet werden. Dabei wird hinterfragt, welche Rolle die Leibesübungen in diesen Konzepten einnahmen. Hierbei gilt es gleichwohl zu beachten, dass es sich bei vielen dieser Gesundheitskonzepte zumeist um überwiegend theoretische Skizzen handelte, die in der Praxis nur bedingt Verwendung fanden. Außerdem soll daran erinnert sein, dass die vorgestellten Gesundheitskonzepte nicht für die gesamte Bevölkerung realistisch waren. Zumeist waren sie nur für die oberen Schichten gedacht und auch nur für diese umsetzbar.

1. Gesundheit und Gymnastik im antiken Griechenland

1.1. Körperübungen und deren gesundheitlicher Wert in der griechischen Frühzeit

Grundsätzlich waren die Vorstellungen von dem was Gesundheit und was Krankheit ist in der vorklassischen Epoche eng mit religiösen Überlieferungen verbunden. Der Zustand des Menschen war in erster Linie vom Willen der Götter und Dämonen abhängig. Demnach wurde Krankheit als Strafe und Gesundheit als Geschenk der Götter interpretiert. Neben der Gesundheit als solche, zählte aber auch die körperliche Fitness zu den göttlichen Geschenken. Dies war insbesondere bei den panhellischen Spielen der Fall. Für die Genesung bevorzugte man – in Analogie zu den Krankheitsursachen – in erster Linie magische Praktiken oder Gebete. Formen der Gymnastik bzw. andere körperliche Übungen wurden für den Heilungsprozess noch nicht thematisiert (vgl. Bergdolt, 1999, S. 24-25).

Durch das für die griechische Geistesgeschichte folgenreiche philosophisch-pädagogische Prinzip der kalokagathia, erlangte die Gymnastik dennoch eine besondere Bedeutung. Dieses Prinzip beinhaltete, dass Gesundheit nach Schönheit verlangt und seelisch-moralische Überlegenheit sich ebenso in körperlicher Vollkommenheit offenbart. Das Ziel der aristokratischen Erziehung bestand aufgrund dessen in einer optimalen seelischen und körperlichen Reifung. Körperübungen und geistige Betätigung wurden daher von den griechischen Intellektuellen insofern als ebenbürtig angesehen, als dass sie gleichermaßen zur Persönlichkeitsbildung beitrugen. Problematisch hingegen war, dass die Gleichsetzung körperlicher Vollkommenheit mit moralischer Rechtschaffenheit zur Ächtung hässlicher oder kranker Menschen führen konnte. Das aristokratische Gesundheitsideal beinhaltete aus diesen Gründen sogar Formen der Euthanasie3. Um dem herrschenden Gesundheitsideal zu entsprechen, wurden körperliche Tätigkeiten, zu den auch die Formen der Gymnastik zählten, explizit von Rednern und Erziehern propagiert. Körperliche Übungen zählten aber auch zu den üblichen Ritualen, welche die für die Gesunderhaltung unabdingbare Harmonie im Menschen (z.B. nach einer Schlacht) wiederherstellen konnte. Bei der Ausführung solcher Übungen spielte der Gedanke an das rechte Maß eine wesentliche Rolle. Nur dessen Einhaltung in allen Lebenssituationen ermöglichte den goldenen Weg zu seelischer und körperlicher Gesundheit (vgl. Bergdolt, 1999, S.26-29).

1.2. Sport und Gesundheit bei Hippokrates

Der entscheidende Unterschied zur griechischen Vorzeit lag beim hippokratischen Gesundheitsverständnis darin, dass die Gesundheit jetzt nach der Natur erklärt wurde (vgl. Labisch, 1992, S.26). Von großem Gewicht war im zwischen 430 und 322 v.Chr. verfassten hippokratischen Schrifttum die Diätetik, die sich mit der gesunden Lebensführung beschäftigte. Eine entscheidende Grundlage der Diätetik bildete das Mischungsverhältnis der menschlichen Körpersäfte. Dem Mischungsoptimum der Körpersäfte, der Eukrasie, standen bestimmte Dyskrasien gegenüber, welche zu Krankheiten führten. Um diese Krankheiten zu überwinden, wurde dem sogenannten kairós, d.h. dem richtigen Zeitpunkt für Aktion und Therapie, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Der kairos besagte, dass der Zustand der Gesundheit nicht zu jedem Zeitpunkt wiederhergestellt werden kann, sondern ausschließlich im individuell geeigneten Moment (vgl. Bergdolt, 1999, S.35). Befanden sich die vier Kardinalflüssigkeiten (Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle) in einem optimalen Verhältnis, garantierte dies ein Höchstmaß an Gesundheit 4.

[...]


1 Auf die Unzulänglichkeit einer etwaigen Definition dieses Begriffes verweisen insbesondere: Beckers & Brux, 1993, S. 312-314.

2 Der Terminus Sport ist hier in Anführungszeichen gesetzt, da es sich hierbei um einen Begriff der Neuzeit handelt, der unmöglich auf frühere Zeiten und Regionen übertragen werden kann. Trotz dieser terminologischen Schwierigkeiten wird der Begriff Sport in dieser Arbeit sowohl aus Verständnis - als auch aus Gründen der besseren Lesbarkeit wegen für all jene körperlichen Übungen und Bewegungsformen der Vergangenheit und Gegenwart verwendet, die im heutigen Verständnis als Sport bezeichnet werden.

3 Als Verfechter dieses Gesundheitsideals muss insbesondere Platon angesehen werden (vgl. Abschnitt 2.3.).

4 Ausführliche Informationen zu den vier Kardinalflüssigkeiten sowie den ihnen zugesprochenen Qualitäten finden sich u.a. bei Westendorf, 1992, S.21-31.


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