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Zur Gestalt Ferdinands in Friedrich Schillers Kabale und Liebe

Autor: Philipp Zechner
Fach: Deutsch - Literatur, Werke

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Details

Veranstaltung: Entwicklung des buergerlichen Trauerspiels in Deutschland
Institut: Universite de Paris IV Sorbonne (Etudes Germaniques)
Tags: Schiller, Kabale und Liebe, Klassik, Theater
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 24
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 199 KB
Archivnummer: V3898
ISBN (E-Book): 978-3-638-12417-1

Textauszug (computergeneriert)

 

Zur Gestalt Ferdinands in Friedrich Schillers "Kabale und Liebe"






Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung 2-3

1 Der jugendliche Idealist 4-7

2 Der Liebhaber 8-13

3 Der Racheengel 14-18

4 Schlussbemerkung 19-20

5 Bibliographie 20-22



0. Einleitung

Wenige Werke Schillers sind in der Wissenschaft so kontrovers behandelt worden wie "Kabale und Liebe". In seiner ungewöhnlichen Mischung aus Ständedrama, Sozialkritik und Liebesgeschichte bietet es Angriffsfläche für viele Deutungsversuche. Vor allem die Frage, inwiefern es revolutionär ist, einen Fortschritt zu Lessings "Emilia Galotti" in seiner Adelskritik darstellt und zu gesellschaftlichen Änderungen aufruft, hat viele Interpreten beschäftigt. Ich möchte mich in meiner Arbeit der Figur Ferdinand von Walters widmen, einer widersprüchlichen und interessanten Figur, die in der Sekundärliteratur nicht immer genügend gewürdigt wird. Es scheint mir wichtig, die Komponenten seines Charakters im Einzelnen zu untersuchen, um dadurch sein Handeln als Liebender und enttäuschter Liebhaber besser zu verstehen.
In Emil Staigers Buch über Schiller heißt es zur Rolle Ferdinands:
Er [Schiller] legt es darauf an, ein Maximum von Mitleid zu erregen. Daraus erklärt sich Luisens Charakter mit all seinen Widersprüchen […] Ebenso erklärt sich einzig daraus das Verhalten der anderen, Ferdinands herrische Leidenschaft und unverzeihliche Leichtgläubigkeit.
In diesem Ansatz wird die genauere Untersuchung der Natur Ferdinands dramentheoretischen Erwägungen geopfert. Dies ist durchaus zulässig und in Bezug auf die Fragestellung ergiebig, doch ich denke, dass man in dieser Figur einiges mehr entdecken kann. Vergleicht man Ferdinand mit dem Grafen Appiani aus Lessings "Emilia Galotti", so fällt zuerst die Ambiguität und Zerrissenheit des ersteren auf, was darauf schließen lässt, dass Schiller ihm große Bedeutung beigemessen hat. Dieser Liebende ist nicht weniger zweideutig gestaltet als die Lady Milford, und ich denke, dass sich mit ihm zentrale Kritikpunkte Schillers verbinden. Ferdinand ist Liebender, doch zugleich dem Adel zugehörig, er ist ein idealistischer Schwärmer und gleichzeitig Sohn, gottesfürchtig und zweifelnd zugleich. Tritt er in seinen Äußerungen als Verfechter einer jugendlich reinen Tugend auf, wird er sich im Laufe des Stückes doch zum zynischen Racheengel wandeln. Um diese Spannungen zu verdeutlichen und das Verhalten Ferdinands, das meiner Ansicht nach nicht alleine durch die Erforderungen des bürgerlichen Trauerspiels bestimmt ist, zu erklären, werde ich in den folgenden Abschnitten seine verschiedenen Identitäten als jugendlicher Idealist, als Liebhaber, Sohn und Rächer untersuchen. Von welchen Prämissen geht er aus? Wie schafft er es, diese in Handlungen zu verwirklichen? Wie gestaltet sich seine Liebe zu Luise? Welche Rolle spielt sie für ihn, inwiefern ist seine Liebe zu ihr mit seinen Überzeugungen verknüpft? Was sind die inneren Motivationen seiner jähen Wandlung vom Idealisten zum Mörder? Auf diese Fragen hoffe ich in den folgenden Kapiteln Antworten zu finden.
Ich werde versuchen, in meiner Analyse möglichst textnah zu arbeiten und mich anderer Interpretationsmethoden nach Erfordernis zu bedienen. Zum Zitieren bediene ich mich der Reclam-Ausgabe des Stückes, die dem Unterricht zugrunde lag. In dieser Arbeit verwende ich die neue deutsche Rechtschreibung; in Zitaten wird allerdings die alte Schreibweise gewahrt.

1. Der jugendliche Idealist

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