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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 33 Pages
Author: Kirsten Garbade
Subject: Sociology - Media, Art, Music
Details
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg
Tags: Mein, Kampf, Inszenierung, Holocausts, Film, Erwin, Leisers, Inszenierung, Vergangenheit, Musik, Film, Medien, Erinnerung, Beispiel, Holocaust
Year: 2005
Pages: 33
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 30 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37944-1
File size: 338 KB
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Excerpt (computer-generated)
„Mein Kampf“. Die Inszenierung des Holocausts
im Film Erwin Leisers.
von: Kirsten Garbade
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Mediale Darstellung des Holocausts und kulturelles Gedächtnis 6
3. Analyse des Films „Mein Kampf“ 8
3.1 Filmographische Angaben 8
3.2 Entstehung von Leisers Dokumentation des Naziterrors 9
3.3 Was geschieht im Film? 10
3.4 Inszenierung des Holocausts 14
4. Wirkung 21
5. Authentizität 23
6. Kritik und Resonanz 25
7. Schlussbetrachtung 27
8. Quellenverzeichnis 30
1. Einleitung
Wir leben heute in einer so genannten Mediengesellschaft. Massenmedien nehmen im gesellschaftlichen Leben ebenso wie im Leben des Individuums eine immer größere Rolle ein. Auf der Makroebene sind die verschiedenen Staatsformen heute ohne die mediale Präsenz nicht mehr denkbar. Auf der Mikroebene ist das Alltagsleben nicht mehr ohne Fernsehen und Radio, Zeitungen und Zeitschriften sowie in jüngster Zeit auch nicht mehr ohne das Internet vorstellbar.1 In der demokratischen Staatsordnung werden den Massenmedien verschiedene Funktionen zugeschrieben: für gesellschaftliche und politische Akteure bilden sie in zunehmendem Maße die Voraussetzung für die Informations- und Kommunikationspraxis. Darüber hinaus wirken diese an der Meinungsbildung mit und üben eine Kontroll- und Kritikfunktion aus.2 Hinsichtlich der Funktion von Massenmedien als Informationsübermittler ist die Vorstellung, dass Informationen auf objektive Weise an die Mediennutzer weitergegeben werden, eine idealistische. Einem mehr realistischen Ansatz entspricht es hingegen, von Massenmedien als nicht werturteilsfreie und somit meinungsbildende Institution zu sprechen, wobei in diesem Zusammenhang auch der persönliche Erwartungs- und lebensweltliche Erfahrungshorizont des Rezipienten für dessen Verständnis und Wahrnehmung der Informationen eine bedeutende Rolle spielt.3
Über die tatsächliche Wirkungsmacht der Massenmedien kann auch in der gegenwärtigen Mediengesellschaft nur spekuliert werden. Seit den 1960er Jahren sind die Entwicklungen auf diesem Gebiet immer weiter fortgeschritten und gegenwärtig wird von einer starken Medienwirkung auf die öffentliche Meinung ausgegangen. Von einer vollkommen werturteilsfreien und somit nicht meinungsbildenden Art der Informationsübermittlung kann im Falle von Massenmedien keine Rede sein. Um diese Macht wussten auch die Nationalsozialisten und hier insbesondere der Propagandaminister Joseph Goebbels, der von der indirekten und direkten Wirkung der Medien in vollem Umfang Gebrauch machte oder besser: Missbrauch damit trieb.4 Durch Massenmedien soll uns nicht zuletzt auch die Wirklichkeit der politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen der Welt suggeriert werden. Doch kann es sich hierbei allenfalls um eine Darstellung der Wirklichkeit, und nicht um die Wirklichkeit selbst handeln, denn kein Medium – welcher Art auch immer – kann zeigen, wie Wirklichkeit tatsächlich aussieht. Tatsachenwirklichkeit kann durch Medien allenfalls konstruiert werden. Ebenso kann kein Bericht, kein Film oder Buch und auch keine Reportage oder Dokumentation ein Thema erschöpfend behandeln. Diese eröffnen bestenfalls eine Sicht auf ein bestimmtes Thema, abhängig vom Schwerpunkt des Interesses, der Herangehensweise sowie der Art der Darstellung. Mit den Worten Marshall McLuhan gesprochen: In der (nicht-objektiven) Vermittlung zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist das Medium selbst die Botschaft.5 Schließlich ist immer auch eine kritische Auseinandersetzung des Rezipienten mit dem Gesehenen, Gehörten und Gelesenen notwendig. Beispielsweise gilt es in Hinblick auf die mediale Darstellung historischer Ereignisse, die sich uns gegenwärtig vor allem in audiovisueller Form präsentieren, zu hinterfragen, um welche Art von Genre es sich handelt, welche Intention der Filmschaffende hat und welches Ziel derjenige verfolgt, der den visuellen Text interpretiert und analysiert.6 Aus dem Umgang mit Massenmedien ergibt sich also eine Reihe von Schwierigkeiten.
Richten wir unser Augenmerk nun von den Massenmedien im Allgemeinen weg und zu film-dokumentarischen Geschichtsdarstellungen im Speziellen hin, die sich sowohl authentischen wie nachgestellten Bildern bedienen. Diesbezüglich liegt uns in ein breites Genre vor, welches sich vom klassischen Unterrichtsfilm mit seinem strukturierten didaktischen Verlauf über aktuelle Geschichtsdokumentationen bis hin zu Klassikern des Dokumentarfilms erstreckt. Zum letztgenannten gehört unter anderem Erwin Leisers „Den blodiga tiden“ (Schweden, 1959), der in Deutschland unter dem Titel „Mein Kampf“ veröffentlicht wurde und in dieser Arbeit zum Gegenstand der Analyse gemacht werden soll. Der Regisseur zeigt in seinem Film die blutige Zeit des Nazi-Terrors auf und hat die Intention, „die Wahrheit gegen Hitlers Floskeln in seinem Buch „Mein Kampf““7 zu stellen. Das zentrale Motiv Leisers stellt der Kampf gegen das Vergessen dar.8 Wenngleich Leisers Dokumentation vor allem den Lebensweg, genauer noch: den Lebenskampf Hitlers aufzeigen soll, trifft man im Film auch auf den Aspekt der Vernichtung der europäischen Juden, der das zentrale Thema dieser Arbeit darstellen soll. Am Beispiel des Films „Mein Kampf“, der in der inzwischen langen Tradition von audiovisuellen Dokumenten über den Zweiten Weltkrieg als einer der ersten in Deutschland gezeigt wurde, möchte ich im Folgenden der Frage nachgehen, wie Holocaust im Film inszeniert wird.
Hierfür soll zunächst im Allgemeinen auf die mediale Darstellung des Holocausts unter besonderer Berücksichtigung des gedächtnistheoretischen Ansatzes von Assmann/Assmann eingegangen werden (Kapitel 2). Daran schließt sich die Analyse von Leisers Film „Mein Kampf“ an (Kapitel 3), für die zunächst Hintergrundinformationen von großer Bedeutung sind. Aus dem Grunde soll an dieser Stelle nicht auf die Angabe allgemeiner filmographischer Daten sowie einen kurzen geschichtlichen Abriss der Entstehung von „Mein Kampf“ verzichtet werden. Hieran schließt sich eine formal-inhaltliche Beschreibung des Films „Mein Kampf“, an. Im weiteren Verlauf soll der zentralen Frage nachgegangen werden, wie Leiser den Holocaust in seiner Dokumentation inszeniert. Zur Beantwortung dieser Frage sollen auch verschiedene filmische Gestaltungsmittel näher untersucht sowie der Aspekt der Ästhetik im Film betrachtet werden, bevor ich mich der Frage nach der Wirkung des Films (Kapitel 4) sowie der Authentizität (Kapitel 5) hinwenden möchte. Abschließend soll auch auf die Kritik zum Film sowie seine Resonanz (Kapitel 6) eingegangen werden, wie sie im Jahr der deutschen Erstausführung in den Printmedien geäußert wurde.
2. Mediale Darstellung des Holocausts und kulturelles Gedächtnis
[...]
1 Vgl.: Knigge/Frei (2002), S. 7;
Lange (1999), S. 57;
Schorr (2000), S. 4, 11, 13.
2 Vgl.: Jarren (2001), S. 12;
Bundeszentrale für politische Bildung (1998), S. 3-6.
3 Vgl.: Zahlmann (2001), S. 64.
4 Vgl.: Bundeszentrale für politische Bildung (1998), S. 21, 44;
Kulturarchiv an der FH Hannover (oD, d), Abs. 1;
Lange (1999), S. 57, 69;
Schorr (2000), S. 5, 15;
Wende (2002), S. 10.
5 Vgl.: Kulturarchiv an der FH Hannover (oD, b), Abs. 2-3;
Wende, Waltraud (2002), S. 10, 14.
6 Vgl.: mediamanual.at (oD), Abs. 14-15.
7 Leiser (1979), S. 3.
8 Vgl.: Kulturarchiv an der FH Hannover (oD, b), Abs. 1;
Leiser (1979), S. 299;
Wende (2002), S. 20.
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