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Details

Veranstaltung: US-Kultur
Institution/Hochschule: Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar
Tags: Meinungsfreiheit, Kunst, McCarthy, US-Kultur
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 23
Note: 2.0
Literaturverzeichnis: ~ 21  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 224 KB
Archivnummer: V39063
ISBN (E-Book): 978-3-638-37951-9
Anmerkungen :
3 Fallbeispiele: Hanns Eisler, Charlie Chaplin, Arthur Miller

Textauszug (computergeneriert)

Die Meinungsfreiheit in der Kunst unter McCarthy

von: Nicole Rösch

 


INHALT

1. Einleitung

2. Abhandlung der kulturellen Strömungen in den USA von ca. 1920-1960

3. Die Freiheit in der Kunst unter Senator Joseph McCarthy

a. Zur Person Joseph McCarthy
b. Phänomen McCarthyismus. Wie kam es dazu?
c. „House Committee on Unamerican Activities“ (HUAC), der „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“
d. Ausgewähltes Beispiel in der Literatur: Arthur Miller
e. Ausgewähltes Beispiel in der Musik: Hanns Eisler
f. Ausgewähltes Beispiel beim Film: Charlie Chaplin

4. Parallelen zur heutigen Situation in den USA

5. Literaturangabe


 

1. Einleitung

Wenn man sich dem Thema Meinungsfreiheit in der Kunst in der McCarthy-Ära nähert, sollte man sich zunächst mit dem Kulturbegriff in den USA auseinandersetzen, auch im Vergleich mit dem Kulturbegriff Deutschlands, um zu verstehen, dass die Funktion von Kunst bzw. Kultur in den USA eine völlig andere ist. Dieses Verständnis spielt eine wichtige Rolle, um zu begreifen, warum die „Hexenjagd“ unter Senator Joseph McCarthy im Besonderen die Kunstschaffenden und Intellektuellen traf. Kultur im allgemeinen ist ein recht dehnbarer Begriff, im speziellen sollte hier ein Definitionsversuch ausreichen.

Der Begriff Kultur meint im Singular alles was uns als Menschheit verbindet, im integrativen Sinne gedacht. Im Plural, d.h. unter Kulturen versteht man eher eine Differenzierung der feinen, oder auch größeren Unterschiede zwischen den Menschen hinsichtlich einer politischen, religiösen, wirtschaftlichen, philosophischen, geschlechtlichen oder ethnischen Ebene. Im Sinne des Menschenverbindenden bedeutet Kultur auch die Utopie einer fortschreitenden Gattungsgeschichte hinaus aus der Unmündigkeit.1 Obwohl in Europa über Jahrhunderte gewachsene kulturelle Bremsen, nämlich Feudalstrukturen, Handwerk, Kirche und Bauerntum, die Durchsetzung einer rein instrumentellen Vernunft behinderten, existiert ein zweiter Faktor für die Geschichte des Kulturverständnisses in Deutschland. Eine erfolgreiche bürgerliche Revolution im Sinne der amerikanischen gab es in Deutschland nicht. Im 18. Jahrhundert war das deutsche Bürgertum von einer Teilnahme am öffentlichen, feudalen Leben komplett ausgeschlossen. Laut Norbert Elias in seinem Buch Der Prozess der Zivilisation entwickelte das Volk aufgrund des Ausschlusses von der feudalen Ordnung und damit jeder Möglichkeit beraubt, politisch irgendwie einzugreifen, eine Art bürgerlicher Kultur, die ihre politische Untätigkeit mit Vergeistigung und Spiritualisierung kompensierte. Das Bürgertum erklärte den Feudalismus, Technik und Politik für minderwertig und wandte die Energien der Intelligenz nach innen. Die Sphäre des Geistigen war vorrangig und man war bestrebt die reine Idee nicht durch Realität zu beschmutzen. Man hat demnach in Deutschland eine Vorstellung von Kultur als Verinnerlichung, die aus der Besinnung des Menschen auf seine innere Natur entsteht.2 Dies hat wie fast alles zwei Seiten. Einerseits birgt dieser Gedanke eine übersteigerte Selbstgefälligkeit, deren Gefährlichkeit im dritten Reich einen an Entsetzlichkeit kaum zu übertreffenden Gipfel erreichte. Auf der anderen Seite ist die Kultur des Theoretischen und Geistigen mittlerweile autark geworden und hat sich durch eine transzendierende kritische Dimension zu einer Art philosophischer Gegenkultur entwickelt. In den USA jedoch, einem Land mit einer erfolgreichen bürgerlichen Revolution, vereinen sich Motive der Aufklärung mit Realpolitik. Denn im Gegensatz zur Französischen Revolution war die Ausgangslage für einen Neubeginn in den Vereinigten Staaten die Bearbeitung der – ihrer Ansicht nach – frei verfügbaren Natur und nicht die Beseitigung von ungeliebten feudalen Rückständen oder dergleichen. Das Ziel dieser gesellschaftlichen und staatlichen Neudefinition war eine asketische „einfache Republik“.3 Gerade weil die Nation nicht mit Rückständen zu kämpfen hatte, setzte man große Hoffnungen in den Neubeginn. Das Ideal des Gründungsmythos wurde freilich nie erreicht, die Wirklichkeit ließ demgegenüber immer zu wünschen übrig. Diese Differenz zwischen dem idealisierten Gründungsmythos und der Realität schuf natürlich Raum für den kritischen Geist, der sich allerdings – nicht sehr progressiv – am Ideal orientierte und daher das kritisierte, was sich vom Ideal entfernt hatte. Das heißt also, dass Kritik – auch wenn sie Kultur und Staat trifft – systemimmanent bleibt, weil sie sich auf den Ursprungsplan beruft. Würde sie sich der politischen Öffentlichkeit entziehen, oder sich gar als Opposition formulieren, könnte leicht das Etikett „unamerikanisch“ darauf haften. Kritische Energien in Amerika beschäftigen sich weniger mit Radikalismus als mit Reform, d.h. einer Korrektur im Rahmen des Gesamtkonzeptes. Alles was aus diesem Gesamtkonzept heraustritt wird „unamerikanisch“. Spätestens seit dem Haymarket Riot von 18864 gehen in den USA z.b. der Kommunismus oder der Sozialismus diesen Gang, welcher im McCarthyismus und im kalten Krieg gipfelt.

2. Abhandlung der kulturellen Strömungen in den USA von ca. 1920-1960

Von 1870 an bis heute formte sich die amerikanische Gesellschaft radikal um, und zwar auf vielschichtigste Art und Weise. Die Entwicklung vom vorindustriellen Agrarstaat zur industriellen Massengesellschaft, vom puritanischen Kapitalismus zu einem egozentrierten Genuss-Kapitalismus, dessen Konsumgedanke sich auf den meisten Ebenen abzeichnet, von einer weißen, angelsächsischen und ländlichen Kultur zu einer pluralistischen, multiethnischen, eher städtischen Gesellschaft mit Hang zum Spektakel, löste einige gesellschaftliche Bewegungen aus, die bis in die Gegenwart ihre Spuren hinterlassen haben. Der Reformgeist um die Jahrhundertwende, die Radikalität in den dreißiger Jahren, der konsensorientierte Liberalismus zur Zeit des kalten Krieges, die neue Linke der sechziger Jahre mit anschließender Postmoderne sind Strömungen, die hier zu nennen sind. Im folgenden will ich mich aber auf die Zeit zwischen ca. 1920-1960 beschränken. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen steht für einen rasch einsetzenden Wechsel zwischen zwei Extremen. Beginnend mit rasanten technischen Fortschritten und Modernisierung in allen Bereichen des amerikanischen Lebens kennzeichnet sich die Epoche des Jazz Age in den roaring twenties, den „wilden zwanziger Jahren“, durch einen kulturellen Aufbruch in die Moderne. Inhaltlich ging es um die individuelle Befreiung des Menschen von der Konvention. Der Grund dafür war ein verändertes Wirklichkeitsverständnis, welches aus der Erkenntnis nach dem ersten Weltkrieg hervorging, dass der Gedanke einer sich entwickelnden, aus der Unmündigkeit heraustretenden Menschheit utopisch ist. Das Jazz Age war auch eine Periode des künstlerischen Experiments, in der gerne geistig offene, individuelle Figuren aus der Großstadt den Repräsentanten einer engstirnigen Moral aus der Kleinstadt gegenüber gestellt wurden.

[...]


1 Ostendorf, Bernd/Levine, Paul: Die amerikanische Definition von Kultur und die Definition der amerikanischen Kultur. In: Adams, Wilhelm Paul/Czempiel, Ernst-Otto/Ostendorf, Berns/Shell, Kurt/Spahn, P. Bernd/Zöller, Michael (Hg.): Länderbericht USA 2. Gesellschaft, Außenpolitik, Kultur-Religion-Erziehung. Bonn (Bundeszentrale für politische Bildung) 1990, S. 450.

2 Ostendorf /Levine: Die amerikanische Definition von Kultur und die Definition der amerikanischen Kultur. 1990, S. 452-453.

3 Ostendorf /Levine: Die amerikanische Definition von Kultur und die Definition der amerikanischen Kultur. 1990, S. 454.

4 Ebda, S. 454

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