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Die Ideologie des islamischen Fundamentalismus und ihre gesellschaftlichen und politischen Implikationen

Autor: Diplom-Politologe Florian Wanke
Fach: Politik - Int. Politik - Thema: Sonstiges

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Details

Veranstaltung: Der islamische Fundamentalismus als Faktor der internationalen Politik
Institution/Hochschule: Philipps-Universität Marburg (Institut für Politikwissenschaft)
Tags: Ideologie, Fundamentalismus, Implikationen, Fundamentalismus, Faktor, Politik
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 24
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 18  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 247 KB
Archivnummer: V39069
ISBN (E-Book): 978-3-638-37954-0
ISBN (Buch): 978-3-638-65480-7
Anmerkungen :
Die Arbeit skizziert zunächst die Entwicklung des islamischen Fundamentalismus, um seine Relevanz für die internationale Politik aufzuzeigen. Der Hauptteil widmet sich dann der Analyse der Ideologie. Dazu werden grundlegende Schriften der maßgeblichen Ideologen des sunnitischen Fundamentalismus herangezogen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche gesellschaftliche Ordnung die Fundamentalisten anstreben und ob diese mit Demokratie und Menschenrechten vereinbar ist.

Zusammenfassung / Abstract

Diese Arbeit zeigt zunächst auf, dass der islamische Fundamentalismus ein relevanter politischer Faktor nicht nur in Staaten der muslimischen Welt, sondern auch in der internationalen Politik ist. Dazu wird die Entwicklung des islamenischen Fundamentalismus als politischer Bewegung knapp skizziert. Hauptanliegen der Arbeit ist es, die Grundzüge der Ideologie des islamischen Fundamentalismus herauszuarbeiten. Herangezogen werden dazu in erster Linie ausgewählte Werke einiger Vertreter der Gründergeneration des islamischen Fundamentalismus, so vor allem Abu l-A'la al-Maududi (1903-1979) und Sayyed Qutb (1906-1966). Diese Autoren werden bis heute von Islamisten weithin als Autoritäten anerkannt, und ihre Werke sind grundlegend für die Ideologie des (sunnitischen) islamischen Fundamentalismus. Schiitische fundamentalistische Ideologien bleiben in der Arbeit unbeachtet. Die Untersuchung der Ideologie steht unter der Fragestellung, welche Ziele die Islamisten anstreben, wie sie Gesellschaft und Staat organisieren und mit welchen Mitteln sie ihre Ziele erreichen wollen. Zudem soll das Verhältnis des islamischen Fundamentalismus zur Demokratie näher beleuchtet werden, wobei auch auf den Umgang mit zentralen Menschenrechten eingegangen wird. Diese Arbeit entstand im Sommersemester 2004 am Institut für Politikwissenschaft der Philipps-Universität Marburg im Rahmen des Seminars „Der islamische Fundamentalismus als Faktor der internationalen Politik“.

Textauszug (computergeneriert)

Philipps-Universität Marburg
FB 03 –Institut für Politikwissenschaft
SE: Der islamische Fundamentalismus als Faktor der internationalen Politik

Die Ideologie des islamischen Fundamentalismus und ihre
gesellschaftlichen und politischen Implikationen

von: Florian Wanke

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 2

1) Begriffsbestimmung 2
2) Fragestellung 3

II. Skizze der Entwickung des islamischen Fundamentalismus 4

1) Gründung der Muslimbruderschaft – Hasan al-Banna  4
2) Gründung der Jamaat-i-islami – Abu l-A′la al-Maududi  5
3) Der Kampf der Muslimbruderschaft in Ägypten – Sayyed Qutb  5
4) Der Zusammenhang mit dem arabisch-israelischen Konflikt 6
5) Fundamentalismus im Iran – die islamische Revolution unter Khomeini 7
6) Fundamentalismus in Afghanistan 7

III. Die Konzepte der Ideologie  9

1) Die Quellen  9
2) Weltbild und Geschichtsinterpretation  10

Ringen zwischen christlichem Westen und islamischem Osten  10
Die Jahilyyah der Gegenwart  12

3) Der totalitäre und univerale Anspruch 13
4) Die Schari’a als allumfassendes Gesetz Gottes  14
5) Das Konzept des islamischen Staates  15

Die Grundprinzipien 15
Ausgestaltung des Staates  16

6) Mittel zur Umsetzung – der Jihad 17

IV. Vereinbarkeit mit Demokratie und Menschenrechten  18

1) Das Verhältnis zur Demokratie 19
2) Das Verhältnis zu ausgewählten Menschenrechten 20

V. Fazit  21

VI. Literatur  22


 

I. Einleitung

1) Begriffsbestimmung

Mit den von islamistischen Terroristen verübten Anschlägen vom 11. September 2001 rückte die Problematik des islamischen Fundamentalismus schlagartig ins öffentliche Bewusstsein. Dabei darf angesichts der Fokussierung auf den Terrorismus jedoch nicht übersehen werden, dass der islamische Fundamentalismus eine viel breitere Bewegung ist und seine Vertreter vor allem innerhalb der islamischen Länder agieren, wobei sie ein umfangreiches, von Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit über Gerichtsverfahren und politischen Druck bis hin zu Gewalttaten und sogar Mord reichendes Instrumentarium verwenden.

Mit dem Terminus „islamischer Fundamentalismus“ wird hier die Strömung im Islam bezeichnet, die mittels theologischer Argumentationen eine Erneuerung der Religion Islam proklamiert, tatsächlich aber religiöse Konzepte zur Durchsetzung politischer Ziele instrumentalisiert und somit eine politisch-ideologische Bewegung darstellt1. Ziel dieser Strömung ist die Errichtung eines islamischen Systems, das alle Lebensbereiche nach von den Fundamentalisten als göttliches Gesetz angesehenen Regeln umgestalten soll. Damit ist klar, dass der islamische Fundamentalismus von der Religion Islam klar abgegrenzt werden muss2. Wie Tibi betont, greifen die Fundamentalisten auf die religiösen Symbole des Islams zurück, sind aber primär politisch interessierte Aktivisten.3

Die Anwendung des Fundamentalismusbegriffes ist dabei durchaus umstritten. Mit Verweis auf den christlichen Ursprung des Begriffes (Anfang des 20. Jahrhunderts nannten sich streng bibelgläubige Christen in den USA so, die Bibelkritik und moderne Naturwissenschaft strikt ablehnten und gegen die Säkularisierung eintraten4) wird auf die Gefahr einer unpassenden Übertragung westlich-christlicher Konzepte auf die arabisch-muslimische Welt hingewiesen.5 Zudem wird kritisiert, dass der Begriff mit einer negativen Bewertung verbunden sei und eine Vorstellung von Rückschritt impliziere.6 Andere häufig verwendete Begriffe zur Kennzeichnung dieser Strömung sind „politischer Islam“, „Islamismus“ und, vor allem von ihren Vertretern selbst, „islamisches Erwachen“. Letzteres ist insofern unpassend, als es eine Renaissance islamischen Glaubens suggeriert und die politischen Implikationen ausblendet. Der Vorteil des Fundamentalismus-Begriffs besteht darin, dass er umfassender ist und zur Beschreibung des heute in allen großen Religionen anzutreffenden Phänomens der Politisierung von Religionen dient. Marty und Appleby arbeiten als Hauptmerkmale des religiösen Fundamentalismus die Berufung auf absolute Autoritäten, den Willen zur Herrschaft, die radikale Ablehnung der Säkularität und der „Vorrangstellung der menschlichen Vernunft gegenüber allen anderen Formen des Wissens, einschließlich der religiösen Offenbarung“7, sowie das Gefühl der Bedrohtheit der richtigen, von Gott gebotenen Lebensweise heraus.8 Ziel der Fundamentalisten sei nicht die Rückkehr zur Vergangenheit, sondern die Gestaltung der heutigen Welt, indem „Gesetz und Gebräuche einer Gesellschaft unmittelbar auf die Grundlage heiliger Schriften und Traditionen“ 9 gestellt werden.

2) Fragestellung

Diese Arbeit soll zunächst die Relevanz des islamischen Fundamentalismus als politischen Faktor nicht nur in Staaten der muslimischen Welt, sondern auch in der internationalen Politik aufzeigen, wozu seine Entwicklung näher betrachtet werden muss. Hauptanliegen der Arbeit ist es, die Grundzüge der Ideologie des islamischen Fundamentalismus herauszuarbeiten. Dazu werde ich mich in erster Linie auf Werke einiger Vertreter der Gründergeneration der Islamisten beschränken, die bis heute von Islamisten weithin als Autoritäten anerkannt werden und deren Werke grundlegend für die Ideologie sind. Aus Platzgründen beschränkt ich mich dabei auf den sunnitischen Fundamentalismus, während entsprechende schiitische Konzepte unbeachtet bleiben. Die Untersuchung der Ideologie steht unter der Fragestellung, welche Ziele die Islamisten anstreben, wie sie Gesellschaft und Staat organisieren und mit welchen Mitteln sie ihre Ziele erreichen wollen. Zudem soll das Verhältnis des islamischen Fundamentalismus zur Demokratie näher beleuchtet werden, wobei auch auf den Umgang mit zentralen Menschenrechten eingegangen werden wird.

II. Skizze der Entwicklung des islamischen Fundamentalismus

Vor der Untersuchung der Ideologie des islamischen Fundamentalismus soll zuerst das Phänomen Islamismus in seiner zeitlichen Entwicklung betrachtet werden. Angesichts des beschränkten Umfangs der Arbeit kann dies nur in Form einer groben Skizze geschehen, die schlaglichtartig wichtige Phasen und Entwicklungsfaktoren herausgreift und kurz auf einige ideologisch bedeutsame Vertreter des islamischen Fundamentalismus eingeht.

1) Gründung der Muslimbruderschaft – Hasan al-Banna

Im Jahre 1928 gründete der Grundschullehrer Hasan al-Banna (1906-1949) in Ägypten die „Gemeinschaft der Muslimbrüder“ und damit die erste islamisch-fundamentalistische Gruppierung. Diese Organisation zielte gleichermaßen auf religiöse Erneuerung und soziale Reformen und griff damit bereits verbreitete Reformideen auf. Al-Banna gelang es, diese Ideen zu einer Ideologie zu bündeln, deren zentraler Punkt das Streben nach Errichtung eines islamischen Systems („nizam al-islami“) war, das die Normen der ursprünglichen islamischen Ordnung wieder herstellen sollte.10 Die Muslimbruderschaft verband dabei die Schaffung sozialer Institutionen mit religiöser Frömmigkeit und politischer Agitation11. Zu ihren Forderungen gehörten etwa die Einführung des islamischen Rechts, strenge moralische Restriktionen des gesellschaftlichen Lebens, aber auch die Verbesserung des Gesundheitswesens und Wirtschaftsreformen. 12

[...]


1 Synonym dazu verwende ich den Begriff “Islamismus” in Anschluss an die Definition in Meier 1994, S. 169-171.

2 Auf die Diskussion, ob der Islam seinem Wesen nach fundamentalistisch sei, kann hier nicht näher eingegangen werden. Argumente dafür finden sich etwa bei Marty/Appleby 1996, S. 150f. Trotz des universellen Geltungsanspruchs des Islam (siehe Tibi 2001a, S. 323f.) ist es allein schon angesichts der Vielfalt innerhalb des Islams unumgänglich, eine klare Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus vorzunehmen. Vgl. dazu Tibi 2001a, S. 323; Marty/Appleby 1996, S. 152f. sowie Metzger 2002, S. 7.

3 Vgl. Tibi 2001, S. 166.

4 Vgl. Lücke 1993, S. 194f.

5 Vgl. die Autorenhinweise bei Derselben, S. 198f. 6 Vgl. Dieselbe, S. 199.

7 Marty/Appleby 1996, S. 24.

8 Vgl. Dieselben, S. 24-46.

9 Dieselben, S. 24.

10 Vgl. Meier 1994, S. 175f.

11 Vgl. Marty/Appleby 1996, S. 162-164.

12 Vgl. die Forderungen im Abschnitt „Einige Schritte der praktischen Reform“ in Al-Bannas Traktat „Aufbruch zum Licht“ von 1936; abgedruckt in Meier 1994, S. 180-185.

Kommentare

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