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Jugendliche im Übergang von betreuter Unterbringung zur eigenen Wohnung - Eine Erkundungsstudie zu sozialen Netzwerken und sozialer Unterstützung

Diploma Thesis, 2003, 126 Pages
Author: Nicole Heibeck
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2003
Pages: 126
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 58  Entries
Language: German
Archive No.: V39073
ISBN (E-book): 978-3-638-37958-8

File size: 804 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Hamburg
Fachbereich Erziehungswissenschaft

Wissenschaftliche Hausarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades einer Diplompädagogin

Jugendliche im Übergang von betreuter Unterbringung zur eigenen Wohnung - Eine Erkundungsstudie zu sozialen Netzwerken und sozialer Unterstützung

vorgelegt von

Nicole Heibeck

Hamburg, 23.September 2003

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung ... 1

2. Definitionen ... 3
2.1 Soziale Netzwerke ... 4
2.2 Soziale Integration ... 9
2.3 Soziale Unterstützung ... 9
2.4 Positive vs. negative Auswirkungen sozialer Unterstützung ... 13

3. Jugend ... 15
3.1 Definition Jugend ... 16
3.2 Lebensphase Jugend aus psychologischer Sicht ... 16
3.2.1 Psychosoziales Modell nach Erikson ... 18
3.2.2 Lerntheoretisches Modell nach Havighurst ... 20
3.2.3 Zusammenfassung ... 22
3.3 Lebensphase Jugend aus soziologischer Sicht ... 23
3.4 Lebensphase Jugend im Wandel ... 25
3.4.1 Peer-group ... 30
3.4.2 Eventuelle Probleme innerhalb und mit einer Peer-group ... 34
3.4.3 Flexible Hilfen: Entwicklung, Definition und pädagogischer Ansatz ... 37
3.5 Zusammenfassung und Ausblick auf die weitere Arbeit ... 41

4. Untersuchungsplanung ... 42
4.1 Fragestellung und Zielsetzung ... 42
4.2 ProbandInnenauswahl ... 43
4.3 Erhebungsmethode – Forschungsansatz nach SONET – ... 44
4.3.1 Aufbau des Interviews ... 46
4.3.2 Interviewleitfaden ... 47
4.4 Auswertungsstrategien ... 51

5. Durchführung der Studie ... 51

6. Durchführung der Datenerhebung ... 52

7. Datenaufbereitung ... 53
7.1 Die Jugendlichen ... 53
• Lars, 20 Jahre ... 54
• Natascha, 16 Jahre ... 55
• Ralf, 20 Jahre ... 56
• Stefan, 16 Jahre ... 57
• Manuela, 20 Jahre ... 58
• Sören, 17 Jahre ... 59
• Nil, 19 Jahre ... 59
• Natalie, 16 Jahre ... 60
7.2 Die Netzwerke ... 61
• Individuelles Netzwerk von Lars ... 64
• Individuelles Netzwerk von Natascha ... 66
• Individuelles Netzwerk von Ralf ... 68
• Individuelles Netzwerk von Stefan ... 70
• Individuelles Netzwerk von Manuela ... 72
• Individuelles Netzwerk von Sören ... 73
• Individuelles Netzwerk von Nil ... 74
• Individuelles Netzwerk von Natalie ... 76
7.3 Netzwerke im Vergleich ... 78
7.3.1 Soziographische Merkmale ... 78
7.3.2 Netzwerkpersonen aus verschiedenen Lebensbereichen ... 81
7.3.2.1 Herkunftsfamilien ... 81
7.3.2.2 Nachbarn ... 84
7.3.2.3 Arbeitskollegen und MitschülerInnen ... 85
7.3.2.4 BetreuerInnen ... 85
7.3.2.5 Gute FreundInnen ... 85
7.3.2.6 Gute Bekannte ... 86
7.3.2.7 Ambivalente und belastende Beziehungen ... 87
7.3.2.8 Gelegentliche und oberflächliche Kontakte ... 88
7.3.3 Unterstützungsressourcen ... 88
7.3.3.1 Erhaltene Unterstützung ... 88
7.3.3.2 Potentielle Unterstützung ... 88
7.4 Bezug zu Ergebnissen anderer Untersuchungen ... 89

8. Schlussbetrachtung ... 92

9. Literaturverzeichnis ... 96

Anhang A – C

 

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, wie es für manche Jugendliche im Anschluss an eine betreute Unterbringungsform nach §34 KJHG1 weiter gehen soll und kann. In vielen Fällen bekommen sie (meist aus Kostengründen) mit 16 oder 17 Jahren eine eigene Wohnung zugewiesen und müssen aus dem gewohnten Umfeld ausziehen, Tendenz steigend. Die Finanzierung diesbezüglich sieht in Hamburg wie folgt aus: ein Wohngruppenplatz2 wird durchschnittlich monatlich vom Jugendamt mit 3000 Euro vergütet. Die Unterbringung in einer eigenen Wohnung mit einer ambulanten sozialpädagogischen Betreuung kostet weitaus weniger. Eine Pressemitteilung des statistischen Bundesamtes gibt dazu Auskunft: „Der Anteil der in einer eigenen Wohnung sozialpädagogisch unterstützen Jugendlichen und jungen Erwachsenen stieg von 2% auf 5% (1500)“3 (vgl. Statistisches Landesamt 2001). Und weiter unten:


„Diese Entwicklung zeigt, dass Jugendämter immer häufiger junge Menschen im Rahmen der notwendigen Jugendhilfeleistungen in Eigenverantwortung einbinden, indem sie entweder in Wohngruppen oder in einer eigenen Wohnung betreut werden, anstatt im Heim, der traditionell bevorzugten Unterbringungsform“ (ibid.).

Wie sieht das persönliche Umfeld dieser Jugendlichen aus? Wie viel Unterstützung bekommen sie? Gibt es genügend Rückhalt? Haben sie alle Kompetenzen erlernt, um das Alleinleben zu schaffen? Oder vereinsamen und verwahrlosen sie?

Vor dem Hintergrund dieser Fragen erfolgt eine empirische Untersuchung, um die sozialen Netzwerke der in Frage kommenden Jugendlichen zu erforschen.
Hierbei bildet der Definitionsteil unter Punkt 2 eine wichtige Grundlage, um im Vorwege eine Klärung der Begriffe des sozialen Netzwerkes, der sozialen Unterstützung und der sozialen Integration zu leisten. Zudem kommt noch die besondere Entwicklungsstufe der Jugend bzw. Adoleszenz mit all ihren zusätzlichen Problemen hinzu, auf die in dem zweiten Definitionsabschnitt unter Punkt 3 ebenfalls eingegangen wird. In dieser Phase wird die Peer-group4 für die Jugendlichen als bedeutungsvoll erachtet, wodurch eine kurze Einführung in dieses Gebiet notwendig wird (Kapitel 3).
Auf Grundlage des theoretischen Fundamentes wird in Kapitel 4 das Untersuchungsdesign entwickelt; abschließend erfolgt in Kapitel 5 die Darstellung der Studie und in Kapitel 6 die der Datenerhebung. Die Datenaufbereitung erfolgt in Kapitel 7, in dem die einzelnen Jugendlichen und ihre Netzwerke vorgestellt werden, um sie danach zu vergleichen. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung und die Erstellung einer Hypothese, die den Forschungskontext abrundet.

Persönlicher Bezug zum Feld

Das Schlagwort der sogenannten „Heimerziehung“ mit seinen in der Öffentlichkeit negativen Konnotationen ist durch meine regelmäßige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen alltäglich präsent. Seit Januar 2000 bin ich in einer Kinder- und Jugendwohngruppe der Pestalozzi-Stiftung-Hamburg beschäftigt, um eine bessere Verknüpfung der theoretischen Grundlagen des Studiums mit einer praxisnahen Tätigkeit zu erhalten.
Hierbei ist die besondere Problematik der Kinder und Jugendlichen interessant, die teils auf eigenen, teils auf Wunsch der Eltern außerhalb ihrer Herkunftsfamilie untergebracht werden. Dieses ist ein großer Einschnitt in die seelische, geistige und emotionale Entwicklung, da sich - je nach Situation - die zu Betreuenden auf eine andere Form des Zusammenlebens einstellen müssen und meist auch eine Klärung bzw. Verarbeitung familiärer Unstimmigkeiten ansteht.

Innerhalb der Pestalozzi-Stiftung gründete sich im Oktober 2000 ein Arbeitskreis, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, neue Wohn- und Betreuungsformen für die in der Stiftung betreuten Kinder und Jugendlichen zu entwickeln. Dieses Konzept sollte nicht von den Betreuern erstellt werden, sondern auf der Grundlage von Befragungen der Kinder und Jugendlichen entwickelt werden, d.h. unter Einbeziehung der unmittelbar Betroffenen.
Hauptsächlich wurde das Forum von den PädagogInnen5 des flexiblen Teams6 ins Leben gerufen, die mit der Problematik vertraut sind, dass Jugendliche mit 16 Jahren eine eigene Wohnung gestellt bekommen und sich innerhalb kürzester Zeit verselbständigen müssen. Gerade bei ihnen ist die Frage nach einer anderen Wohn- oder Betreuungsform relevant, da viele von ihnen mit der Situation im eigenen Wohnraum überfordert sind.

Aus Interesse beteiligte ich mich an diesem Projekt; jedoch war das Ergebnis der durchgeführten Befragungen innerhalb der stiftungsinternen Einrichtungen nicht so ergiebig wie erhofft, da es einen sehr niedrigen Rücklauf der konzipierten Fragebögen gab. Teilweise war die Klientel zu jung, teilweise haben die betreuenden PädagogInnen eine Kooperation abgelehnt, da sie die Kinder und Jugendlichen als psychisch zu instabil erachteten. Doch entstand hieraus eine Weiterentwicklung der Idee einer Untersuchung in diesem Bereich und eine abgewandelte Fragestellung. Insbesondere ist die Frage nach einem sozialen Rückhalt bei diesen Jugendlichen und des Aufbaues von ebendiesem Gefüge interessant. Diesem soll u.a. in dieser Abhandlung nachgegangen werden.

2. Definitionen

Im Folgenden geht es um die Differenzierung der Begriffe soziale Netzwerke, soziale Unterstützung und soziale Integration, die das theoretische Fundament der vorliegenden Arbeit bilden.

2.1 Soziale Netzwerke

Der Begriff der sozialen Netzwerke wird oft synonym mit dem der sozialen Unterstützung verwendet, wobei die Bezeichnung sozialer Netzwerke im Vergleich jedoch abstrakter ist und eine umfassendere Beschreibung darstellt. Im Unterschied zur sozialen Unterstützung wird hier das System sozialer Beziehungen zwischen Individuen oder sozialen Einheiten wie z.B. Gruppen, Organisationen oder Nationen beschrieben.

[...]


1 Zur Vollständigkeit lautet der §34 KJHG wie folgt: „Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht (Heimerziehung) oder in einer sonstigen betreuten Wohnform soll Kinder und Jugendliche durch eine Verbindung von Alltagserleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung fördern. Sie soll entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie 1. eine Rückkehr in die Familie zu erreichen versuchen oder 2. die Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten oder 3. eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten und auf ein selbständiges Leben vorbereiten. Jugendliche sollen in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung sowie der allgemeinen Lebensführung beraten und unterstützt werden.“

2 Da diese Begriffsbezeichnung sehr variieren kann, beziehe ich mich auf folgende Wohnform (falls nicht anders vermerkt): Unterbringung nach §34 KJHG, d.h. Betreuung rund um die Uhr

3 Die Zahlen beziehen sich auf einen Anstieg im Zeitraum der Jahre 1993 bis 2000.

4 Es herrschen diverse Schreibweisen vor. In dieser Abhandlung wird durchgängig die oben aufgeführte genutzt (vgl. Prior, Harm 1994: 697)

5 Für eine einfache Lesbarkeit wird bei der Bezeichnung von Personengruppen im Plural das Binnen-I verwendet.

6 Das flexible Team besteht aus mehreren PädagogInnen, die vom Jugendhilfezentrum aus agieren. Jede PädagogIn kümmert sich um verschiedene Jugendliche.


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