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Autor: S. Wogs Ehrentraut
Fach: Skandinavistik
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Nordeuropa-Institut)
Tags: Edda, Havamal, Hausarbeit, Auseinandersetzung, Liedern, Hohen, Einführung, Literatur, Mittelalters
Jahr: 2003
Seiten: 14
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 399 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-37994-6
"Eine gut gegliederte, inhaltsreiche Arbeit, die ein wichtiges Forschungsproblem umfassend darstellt. Du zeigst einen souveränen Umgang mit der Forschungsliteratur, präsentierst sie übersichtlich und ziehst eigene Schlußfolgerungen, die gut begründet sind. (...) Die Arbeit ist gut und flüssig geschrieben, der Umgang mit dem philologischen Apparat (Anmerkungen, Literaturangaben, Zitate, etc.) ist fehlerfrei." (J. Weitbrecht, M.A.)
Textauszug (computergeneriert)
Edda - Havamal - Hausarbeit über die textkritische
Auseinandersetzung mit den Liedern des Hohen
von: S. Wogs Ehrentraut
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Überlieferung der Hávamál 3
3. MÜLLENHOFF (1883) – Gliederung und Streichung 4
4.1. HEUSLER (1917) – Umstellung statt Streichung 7
4.2. SCHNEIDER (1948) – das Odrerirlied 7
4.3. LINDQUIST (1956) – die Urhávamál 9
4.4. VON SEE (1972) – Regie im Großen 10
5. Schlußbemerkungen 11
6. Anhang 12
7. Literaturverzeichnis 13
1. Einleitung
Hinter dem Namen Hávamál (wörtl. des Hohen Lied) verbirgt sich eine Sammlung von belehrenden Sprüchen, Beispielen und Liedern, denen gemein ist, daß sie dem germanischen Gott für Zauber und Magie, Odin (isländisch auch: „Hávi” = der Hohe), in den Mund gelegt sind1.
In der vorliegenden Arbeit habe ich versucht, die Entwicklung der Forschung in Hinblick auf die textkritische Auseinandersetzung mit der Hávamál in ihren Grundzügen und mit ihren wichtigsten Vertretern vorzustellen. Dabei erhebt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vieles wird ungenannt bleiben; nicht die gesamte zu diesem Thema verfügbare Literatur findet Eingang in diese Arbeit. Unter den Werken, die ich außen vorlassen werde, sind die Forschungen DAVID A. H. EVANS und FINNUR JÓNSSONS. Die erstgenannte war nicht aufzutreiben und letztgenannte blieb aufgrund der Sprachbarriere außen vor.
Ich beginne meine Arbeit mit einer Schilderung der Umstände der Zusammenstellung und Überlieferung der Hávamál. Es folgt eine sich an MÜLLENHOFFS Einteilung des Strophenbestands in sechs Abschnitte orientierende grobe Inhaltsangabe. Daran schließt sich die textkritische Auseinandersetzung mit der Hávamál im 20. Jh. an. Den Schwerpunkt setze ich in der Darstellung der jeweiligen Verfahrensweise, mit der sich die Forscher dem Text genähert haben. Die in dieser Arbeit auftauchenden Strophennummern entsprechen denen der im Anhang abgedruckten Textgrundlage, welche der Reihenfolge der Überlieferung im Codex Regius folgt. Die Namen von Forschern werden in Kapitälchen, Werksnamen kursiv und Zitate aus dem Codex Regius in verkle inerter Schrift wiedergegeben. Im übrigen habe ich für Eigennamen, wo mir die deutsche Übertragung unpassend erschien, die neuisländische Schreibweise verwendet.
2. Überlieferung der Hávamál
Überliefert ist die Hávamál im wesentlichen als zweites Lied der älteren Edda im Codex Regius (GKS 2365 4°). Diese Aufzeichnung stammt etwa aus dem Jahre 1270. Daneben werden lediglich einzelne Strophen in anderen altisländischen Handschriften zitiert, z.B. in der Snorra Edda und in der Fostbræðra saga.) Wichtig ist der Umstand, daß es keine zweite Handschrift der Hávamál gibt, mit der die im Codex Regius aufgezeichnete Überlieferung verglichen werden könnte. Daher können sich die von MÜLLENHOFF und HEUSLER durchgeführten Auslassungen und Umstellungen, das von SCHNEIDER rekonstruierte Odrerirlied, sowie LINDQUISTS Synthetisierung einer Urhávamál nicht auf literarische Quellen berufen, sondern stellen lediglich Versuche dar, sich den formalen und inhaltlichen Brüchen der Überlieferung durch textimmanente Vorgehensweisen zu nähern. Hierauf fußt VON SEES Kritik an seinen Vorgängern (siehe 4.5.).
Wie alle Lieder des Codex Regius weist auch die Hávamál keinen Verfasser aus, sondern zählt zu den Anonyma. Sie ist mit ihren 164 Strophen das mit Abstand längste Gedicht der älteren Edda. In der Überlieferung des Codex Regius sind die Strophen bis auf eine einzige Zäsur vor §138, mit der ein Abschnitt beginnt, der weithin als Runatal bezeichnet wird, ohne Gliederung hintereinandergesetzt. Diese Struktur, die einem Konglomerat ähne lt, wurde bis zum Beginn der textkritischen Hávamálforschung im 20. Jh. akzeptiert.
3. MÜLLENHOFF (1883) – Gliederung und Streichung
Die erste systematische textkritische Untersuchung der Hávamál leistete KARL MÜLLENHOFF im Rahmen seines umfangreichen Werks Deutsche Altertumskunde. Er gliedert das Gedicht in sechs Abschnitte:
I. Gastregeln (§1 - §78) [auch: altes Sittengedicht],
II. Erzählung von dem Billingsmädchen (§96 - §102) [auch: erstes Odinbeispiel],
III. zweites Odinbeispiel (§103 - §110) [auch: Gunnlöð-Episode],
IV. Loddfáfnismál (§111 - §137) [auch: Reden an Loddfáfnir],
V. das dreiteilige Runatal (§138 - §141) / (§142 u. §143) / (§144) [auch Rúnaþattr Óðins] und
VI. Lioðatal (§146 - §164) [auch: Zauberlieder].2
MÜLLENHOFF hält vieles an der Hávamál für später hinzugefügt und verwendet die Streichung von Strophen als gewissermaßen inverses Verfahren, um den Text zu einer vermeintlich ursprünglicheren Form zurückzuführen. Dabei streicht er etwa ein Drittel der 164 Strophen ersatzlos weg. Außerdem stellt er zwei Strophen um. Der erste Teil der Hávamál, die Gastregeln (auch: das altes Sittengedicht), ist im ernsten Ton des Sprichworts gehalten. Im Gegensatz zu der Loddfáfnismál sind die Ratschläge hier irdisch, real und alltäglich: Man sei mißtrauisch gegenüber seinen Mitmenschen, insbesondere (als Mann) gegenüber den Frauen, halte Maß mit Speise und Trank, behalte seine Meinung zuweilen für sich, pflege seine Freundschaften und erarbeite sich eigenen – wenn auch nur bescheidenden – Besitz anstatt sich auf die Wohltätigkeit anderer verlassen zu müssen und betteln zu gehen. KUHN hebt darüber hinaus folgende Werte hervor:
[...]
1 Beck, Heinrich: „Hávamál”. In: Kindler 1988-92 anonyma, S.703 – 704.
2 vgl. Müllenhoff 1908, S. 250 - 276
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