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Schulversagen - Entwicklung, Ursachen, Effizienz und Präventions-/Interventionsmöglichkeiten

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 24 Pages
Author: Björn Fehrenbacher
Subject: Pedagogy - Pedagogic Psychology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 24
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V39149
ISBN (E-book): 978-3-638-38013-3
ISBN (Book): 978-3-638-71964-3
File size: 357 KB
Notes :
Das Problem der Ziffernbeurteilung wird systematisch betrachtet, ferner werden sämtliche Formen von Zurückstellungen kritisch hinterfragt und empirisch beleuchtet.


Abstract

Die Leistungsfeststellung und die Bewertung von schulischen Leistungsprozessen sind häufig besonders schwierig, insbesondere dann, wenn damit negative Folgen wie "Sitzenbleiben" einhergehen. Ist der Informationsgehalt von Noten tatsächlich so groß, dass derartige Maßnahmen berechtigt sind? Welche Bezugsnormen begünstigen das "Sitzenbleiben"? Interessant erscheint es, danach zu fragen, ob es eine potentielle Risikogruppe für "Sitzenbleiber" gibt. Ist das Wiederholen einer Klasse überhaupt ein geeignetes Instrument, das der Verbesserung schulischer Leistungspozesse dient? Das Buch hilft, genau diese Fragen zu klären und stellt ferner einige probate Präventions-/Interventionsmöglichkeiten dar.


Excerpt (computer-generated)

Schulversagen - Entwicklung, Ursachen, Effizienz und
Präventions-/Interventionsmöglichkeiten

von: Björn Fehrenbacher

 


Inhaltsverzeichnis

Einführende Worte 03

1. Leistungsschwierigkeiten und Schulversagen 04

1.1 Leistungsprobleme und Bezugsnormorientierung 04
1.2 Die Schulnotenskala und das Problem der Normalverteilung 04

2. Die fragliche Effizienz des ´Sitzenbleibens´ 08

3. Entstehungsbedingungen von Lernschwierigkeiten bzw. ´Sitzenbleiben´ und Folgewirkungen 11

3.1 Externe Ursachen 11
3.2 Personeninterne Bedingungen und Verarbeitungsvorgänge 12

4. Möglichkeiten zur Prävention und Intervention von Schulversagen 15

4.1 Berücksichtigung der individuellen oder personenbezogenen Bezugsnorm 15

4.1.1 Bedeutung 15
4.1.2 Vorteile der individuellen / personenbezogenen Bezugsnorm 15

4.2 Schülerselbstbewertung 16

4.2.1 Was ist Schülerselbstbewertung? 16
4.2.2 Vorteile der Schülerselbstbewertung 16
4.2.3 Einsatz der Schülerselbstbewertung 17

4.3 Portfolios 19

4.3.1 Merkmale von Portfolios 20
4.3.2 Abgrenzung und Vorzüge der Portfoliomethode 20
4.3.3 Methodisch-didaktische Hinweise 21
4.3.4 Bewertung von Portfolios 23

4.4 Bemerkungen 23

Literaturliste 24


 

Einführende Worte

Dass Lerndefizite im alltäglichen Schulbetrieb häufiger registriert werden, Schülerinnen und Schüler in der Folge dieser Lerndefizite das Klassenziel häufig nicht erreichen, ist im Bewusstsein von Lehrerinnen und Lehrern vielfach schon zur Normalität geworden. Es wird im Verlaufe dieser Arbeit geklärt werden müssen, wann Schulleistungen wirklich so ´schlecht´ sind, dass eine Klassenwiederholung unumgänglich erscheint. Wann sind Schulleistungen denn ´schlecht´, wann ´gut´ (Kap.1)? In Kapitel 2 soll anhand ausgewählter Untersuchungsergebnisse der Frage nachgegangen werden, ob Klassenwiederholungen geeignete pädagogische Maßnahmen zur Leistungsverbesserung sind. Im weiteren Verlauf sollen einige Faktoren thematisiert werden, die zu einem verminderten Leistungsniveau führen können, dabei soll auch der Frage nachgegangen werden, welche Folgewirkungen häufig mit Klassenwiederholungen einhergehen (Kap.3). Das letzte Kapitel (Kap.4) zeigt anhand neuer didaktischer Konzepte einige Maßnahmen zur Prävention und Intervention von Schulversagen.

1. Leistungsschwierigkeiten und Schulversagen

1.1 Leistungsprobleme und Bezugsnormorientierung

Schülerinnen und Schüle r erbringen in verschiedenen Unterrichtsfächern – dies mag an den eigenen Interessen oder dem Lehrer liegen - häufig unterschiedliche Leistungen. Insbesondere in den klassischen Selektionsfächern der Schule (Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen) treten bei einem überwiegenden Schülerteil im Verlaufe seiner Schulzeit Lernschwierigkeiten oder Lerndefizite auf. Besonders problematisch ist dabei der Sachverhalt, dass sich diese zu Beginn in nur geringerem Maße bemerkbar machen, sich im Zuge weiterer Schuljahre dann aber sukzessive vergrößern. Die einstigen mittelmäßigen Leistungen entwickeln sich dann zu schlechten oder gar sehr schlechten Leistungen. Die wesentliche Frage ist hierbei allerdings, wann Schulleistungen als „schlecht“ bezeichnet werden können. Die Leistungsermittlung setzt damit eine Bezugsnorm voraus, der Schüler wird damit mit einer Norm verglichen. In der Schule herrscht vorwiegend die soziale Bezugsnormorientierung vor, dass heißt, das die Schulleistungen des entsprechenden Schülers mit den Leistungen der Mitschüler verglichen werden. Ein als leistungsschwach eingeschätzter Schüler könnte daher in einer anderen Klasse durchaus zu den leistungsstärkeren Schülern zählen, sofern die Leistungen der Mitschüler in dieser anderen Klasse wesentlich schlechter wären. Wir stoßen somit zum eigenen Kern der Problematik, der Notengebung, vor.

1.2 Die Schulnotenskala und das Problem der Normalverteilung

Wie allgemein bekannt, ist die Notengebung unmittelbar mit der Verteilung von Lebenschancen verknüpft. Es gilt nun danach zu fragen, ob unsere Notenskala diesen Ansprüchen überhaupt genügen kann, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass Leistungen kaum starr, sondern – im Rahmen eines Leistungsprozesses – zu- oder abnehmend sind. Das sechsstufige Bewertungssystem muss nicht nur aufgrund dieses Sachverhaltes, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass eine konkrete Skalenmitte weitgehend fehlt, ernsthaft in Frage gestellt werden. So müssen entsprechend der sechsstufigen Skala, Schüler die eine durchschnittliche Leistung erbringen, entweder der Note ´befriedigend´ oder aber der Note ´ausreichend´ zugeordnet werden. Wo einerseits milde, andererseits strenge Zensierungen vorgenommen werden, gewinnt dieser Unterschied an Bedeutsamkeit. Sofern man berücksichtigt, dass Extremnoten (´sehr gut´, ´ungenügend´) nur selten erteilt werden, fällt die Grobmaschigkeit unser Notenskala noch weiter auf. Die Notenskala drängt sich – und dies ist im Besonderen in der Aufsatzbewertung oder bei der Erteilung von mündlichen Noten auffallend – in diesem Fall auf vier Notenstufen zusammen. Vor allem wenn mit der Notengebung wirkliche Berechtigungen (z.B. Versetzung) verbunden sind, muss die kritische Frage aufgeworfen werden, ob die Leistungen eines Schülers noch mit der Note ´ausreichend´ oder mit der Note ´mangelhaft´ (à Nichtversetzung, sofern kein erfolgender Ausgleich möglich) bewertet werden kann. Doch ist unsere Notenskala für die Beantwortung dieser Frage überhaupt geeignet? Bereits Jakob Sost konnte darauf hinweisen, dass es sich bei der Notenerteilung lediglich um einen „bloßen Vergleich von Schülerleistungen miteinander handelt, bei dem sich lediglich ein Mehr oder Weniger an Leistungen der einzelnen Schüler angeben läßt.“1

Bezogen auf die in der Schule vorherrschende Notenskala muss darüber hinaus festgehalten werden, dass diese keine Intervall, sondern eine Rang- bzw. Ordinal-Skala darstellt, bei welcher lediglich „Größer-Kleiner-Relationen sinnvoll ausgedrückt werden können.“2 Wäre die Schulnotenskala eine Intervallskala, so müssten die Abstände zwischen den einzelnen Noten jeweils gleich groß sein; dies ist bei der Zensurenskala jedoch keineswegs der Fall! Mit den Zensuren werden – im Rahmen der Rang- bzw. Ordinalskala – lediglich Rangplätze vergeben, wodurch auch alle statistischen Verfahren (beispielsweise die Ermittlung von arithmetischen Mittelwerten) ad absurdum geführt werden. Da Schulnoten somit lediglich äußerst unpräzise Schätzwerte darstellen, muss danach gefragt werden, ob Noten überhaupt dazu geeignet sind, das Bestehen oder Versagen von Leistungen auszudrücken. Problematisch an der Zensurengebung erscheint auch die Normalverteilung, welche nun näher beschrieben werden soll:

Von einer Normalverteilung kann bisweilen vereinfacht dann gesprochen werden, wenn die gemessen Werte (hier Schulnoten) sich um einen Mittelwert massieren und zu den Extremwerten hin (´sehr gut´, ´ungenügend´) kontinuierlich und deutlich abnehmen. Theoretisch müsste dann der überwiegende Teil der Schüler ´durchschnittliche´ Leistungen aufweisen (sich je nach Strenge bzw. Milde des Lehrers zwischen den Noten ´befriedigend´ bzw. ´ausreichend´ einfinden), ein kleinerer Teil geringfügig bessere bzw. schlechtere und nur ein äußerst geringer Teil besonders gute (´sehr gut´) bzw. besonders schlechte (´ungenügend´) Noten aufweisen.

[...]


1 Ziegenspeck, Jörg, 1999: Handbuch Zensur und Zeugnis in der Schule. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 118f.

2 Ziegenspeck, Jörg, 1999: Handbuch Zensur und Zeugnis in der Schule. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 120.


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