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Der Vesuvausbruch des Jahres 79 n. Chr. Die literarische Verarbeitung durch den jüngeren Plinius (6,16)

Autor: M.A. Carl Christian Wahrmann
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 14
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 21  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 191 KB
Archivnummer: V39235
ISBN (E-Book): 978-3-638-38064-5

Textauszug (computergeneriert)

Universität Rostock
Institut für Altertumswissenschaften
Hauptseminar: Plinius der Jüngere. Zwischen politischer
Pflicht und literarischen Neigungen
5. Semester

Der Vesuvausbruch des Jahres 79 n. Chr. Die literarische
Verarbeitung durch den jüngeren Plinius (6,16)

von: Carl Christian Wahrmann

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  1

2. Brief 6,16: historische und literarische Einordnung 2

3. Textanalyse 4

4. Widersprüche im Text  8

5. Zum Tod des älteren Plinius 9

6. Schlussbetrachtung 10

7. Quellen und Literatur  11


 

1. Einleitung

Der Vesuvausbruch des Jahres 79 n. Chr., vergleichbar mit dem Ausbruch des Krakatau 1883 oder dem des Montpeleé 1902, gehört zu den größten bekannten Katastrophen. Eine Eruption bis dahin ungekannten Ausmaßes zerstörte teils durch Lavaströme, vor allem aber durch Ascheregen, die Umgebung. Das Ausmaß der Verwüstung wird deutlich, wenn man bedenkt, dass allein die Bevölkerung Pompejis auf 12.000 bis 15.000 Menschen geschätzt wird.1 Der Vesuv liegt als einziger auf dem europäischen Festland tätige Vulkan in der Kollisionszone von eurasischer und afrikanischer Kontinentalplatte. Zwar war bereits in der Antike bekannt, dass es sich um einen Vulkan handelt2, gleichwohl rechnete man nicht mit einem größeren Ausbruch. Bereits 62 n. Chr. hatte ein Beben in Kampanien schwere Schäden angerichtet. Wie sich archäologisch nachweisen lässt, waren die Reparaturen noch nicht vollständig abgeschlossen, als der Vesuv wenige Jahre später dem Leben in den Provinzstädten Herculaneum und Pompeji ein Ende machte.3 Die einzig erhaltene Quelle, in denen ein Augenzeuge vom Hergang der Katastrophe berichtet, sind die Plinius-Briefe 6,16 und 6,20. Daneben hatte auch der Vater des Statius (48-96 n.Chr.) einen Bericht in Gedichtform geplant, da auch er als Neapolitaner das Geschehen miterlebt hatte. Dieses Vorhaben konnte allerdings nicht mehr in die Tat umgesetzt werden, da Statius’ Vater vor der Niederschrift starb.4 Plinius beschäftigt sich in seiner Darstellung weniger mit dem Ausbruch an sich, als mit dem Verhalten seines Onkels in Bezug auf die Ereignisse. Die folgende Arbeit lehnt sich an diesen Schwerpunkt an und untersucht, wie der ältere Plinius von seinem Neffen dargestellt und bewertet wird.

2. Brief 6,16: historische und literarische Einordnung

Der Briefschreiber Plinius der Jüngere befand sich zum Zeitpunkt des Vesuvausbruchs in Misenum. Hier, am nordwestlichen Ende des Golfs von Neapel, befand sich seit der Zeit des Augustus der Hafen der im westlichen Mittelmeer operierenden römischen Flotte.5 Dass diese Militärmacht dem Kommando von Plinius’ gleichnamigem Onkel unterstand, zeigt die Wertschätzung, die diesem Mann entgegengebracht wurde. Ein Blick in die Ämterlaufbahn zeigt, worauf dieses Vertrauen beruhte: Dienste als praefectus alae in Germania superior, die Teilnahme an Kämpfen gegen die Chatti und Chauci, und weitere prokonsularische Ämter in den Provinzen führten nach 76 zum Spitzenamt als praefectus classis in Misenum.6 Während Plinius maior unter Claudius (41-54 n.Chr.) und Vespasian (69-79 n.Chr.) verschiedene politische Posten bekleidete, widmete er sich unter Nero (54-68 n.Chr.) ausschließlich seinen Studien. Worauf diese Unterbrechung der politischen Tätigkeit im einzelnen beruhte, lässt sich nicht nachweisen, erhaltene Äußerungen Plinius’ lassen aber auf ein gespanntes Verhältnis schließen.7 Doch nicht als Militär, sondern als Naturforscher und Enzyklopädist hat sich der ältere Plinius seinen Nachruhm verdient. Der zum Zeitpunkt seines Todes 56-Jährige8 hat mit seiner „Naturalis Historia“ das größte erhaltene Prosawerk der Antike geschaffen, dessen Themen breitgefächert von Botanik und Ackerbau, über Geographie bis hin zu Kunstgeschichte reichen. Plinius der Ältere stand im Ruf eines großen Gelehrten, so beschreibt ihn auch Sueton.9 Die vorbildliche Lebensführung seines Adoptivvaters beschreibt Plinius der Jüngere am Beispiel eines Tagesablaufes im Hause seines Onkels.10 Der ältere Plinius ist in dieser Darstellung eine Idealgestalt, neben den Aufgaben für die Kaiser verbringt er seine freie Zeit mit ausdauerndem Studium. Dieses Bild des unermüdlich nach Erkenntnis Strebenden wird in Brief 6,16 aufgegriffen und um moralische Aspekte erweitert. Plinius der Jüngere erscheint noch nicht als der umsichtige Statthalter späterer Jahre. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs war er, eigenen Angaben zufolge, 18 Jahre alt, stand also erst am Beginn seiner Karriere, die ihn über verschiedene Ämter bis hin zu einem kaiserlichen Statthalter in Pontus-Bithynia führen sollte.11

79 n.Chr. hält er sich noch im Haushalt seines Onkels auf, zu dem, nach dem Tod ihres Mannes, auch Plinius’ Mutter gehört. Ihr Name ist nicht überliefert, wahrscheinlich wird er, römischer Sitte entsprechend, Plinia gelautet haben. 12 In der Darstellung ihres Sohnes ist sie bereits eine alte Frau: „se et annis et corpore gravem“.13

[...]


1 Étienne 1991, 411.

2 Strabo 5,247.

3 Étienne 1991, 19.

4 Herrlich, in: Klio 4 (1904), 220.

5 Suet., Aug. 49.

6 Plin., ep. 3,5,3: „[...] cum praefectus alae militaret.“; Suet., Vita Plin. Sec.

7 Plin., nat. hist. VII,46: „Neronem quoque, paulo ante principem et toto principatu suo hostem generis humani [...]“

8 Plin, ep. 3,5,7: „[...]decessisse anno sexto et quinquagensimo[...]“

9 Suet., Vita Pl. Sec.

10 Plin., ep. 3,5; vgl. Bütler 1970, 32.

11 Plin., ep. 6,20,5: „[...]agebam enim duodevicensimum annum[...]“; CIL V 5262= ILS 2927 (Como).

12 Birley 2000, 1.

13 Plin., ep. 6,20,12.

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