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Sein und Nichts in der Wissenschaft der Logik Hegels

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 14 Pages
Author: Frank Lachmann
Subject: Philosophy - Philosophy of the 19th Century

Details

Event: Theorien des Nichtseins
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Philosophie)
Tags: Sein, Nichts, Wissenschaft, Logik, Hegels, Theorien, Nichtseins
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 14
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V39284
ISBN (E-book): 978-3-638-38096-6

File size: 282 KB
Notes :
Eine knappe Darstellung der Dialektik zwischen Sein und Nichts am Anfang der "großen" Logik Hegels und eine Erläuterung der spezifischen Art des Widerspruchs, der zwischen beiden Kategorien besteht (Semantik vs. Pragmatik).



Excerpt (computer-generated)

Sein und Nichts in der Wissenschaft der Logik Hegels

von: Frank Lachmann

 


Inhalt

Einleitung 3

1. Der Anfang der Logik und die Entwicklung des reinen Seins 4

a) Status und Aufgaben der Logik 4
b) Methode, Anfang der Logik und Entwicklung des reinen Seins 4

2. Sein und Nichts als unbestimmt Bestimmte 7

a) Sein 7
b) Nichts 8
c) Der „Umschlag“ von Sein zu Nichts 8
d) Werden und Dasein 9

3. Die Struktur des immanenten Widerspruchs: Semantik vs. Pragmatik 10

Schluss 12

Bibliographie 14


 

Einleitung

Die vorliegende Arbeit möchte den Status, den die Kategorie des Nichts in der „Wissenschaft der Logik“ 1 Hegels einnimmt, zu ermitteln versuchen. Dabei sollen, im Anschluss an die folgenden allgemeine Bemerkungen zu bestimmten Schwierigkeiten der Aufgabenstellung, drei Aspekte näher in Augenschein genommen werden: erstens wird in groben Zügen rekonstruiert, wie Hegel, unter Zugrundelegung der Ergebnisse der „Phänomenologie des Geistes“, dazu kommt, den Anfang der Logik überhaupt und, konkret, mit dem reinen Sein zu machen. Zweitens soll der Zusammenhang von Sein und Nichts, der im „Umschlag“ des einen in das andere gipfelt, analysiert werden. Abschließend soll die besondere Form des Widerspruchs, die dabei am Werke ist, verdeutlicht werden. Aufgrund der dialektischen Natur des Hegelschen Systems der Philosophie kann allerdings jetzt schon gesagt werden, dass eine genuine „Theorie des Nichts“ oder „Nichtseins“ innerhalb dieses Systems nicht wird bestehen können. Dies ist zum einen dem Umstand geschuldet, dass ein jeglicher, auch nicht-dialektischer Entwurf einer solchen Theorie es zwangsläufig erforderlich macht, eine ebensolche Theorie über das Sein zu entwerfen oder zumindest Profundes über das Sein aussagen zu können; unter dialektischer Hinsicht käme für einen solchen Theorieentwurf noch fatalerweise hinzu, dass das Nichts eine abhängige Kategorie ist, die nur innerhalb ihrer vielfältigen Verflechtungen mit anderen Kategorien angemessen darzustellen ist. Das heißt dann aber, dass das Ziel, eine originäre Theorie des Nichts zu formulieren, nicht zu realisieren ist.2

Damit ist bereits auf eine grundsätzliche Schwierigkeit hingewiesen, die sich ergibt, wenn versucht wird, Aspekte oder Momente des Hegelschen Systems zu isolieren und gewissermaßen in vitro zu untersuchen; denn aufgrund der besonderen (absoluten) Systemstruktur der Hegelschen Philosophie, in der nur das Ganze das Wahre bzw. das Wahre das Ganze sein kann, haben solche Versuche notwendig einen behelfsmäßigen und vorläufigen Charakter und sind eigentlich, will man Hegel wirklich gerecht werden, nicht gestattet – dies aber nicht bloß aufgrund einer eitlen Forderung des Denkers selbst, sondern bestimmter logischer und semantischer Strukturen innerhalb der jeweils in Frage stehenden Kategorie wegen, die auf dem Weg bis zur für die Logik abschließenden Kategorie der absoluten Idee stets über sich selbst hinausweist und das Denken zum Fortgang, zu ihrer Aufhebung nötigt.

1) Der Anfang der Logik und die Entwicklung des reinen Seins

a) Status und Aufgaben der Logik

Die „Wissenschaft der Logik“ ist das zentrale Werk in Hegels System und steht hinsichtlich ihrer Ziele, das Absolute3 zu erkennen und angemessen darzustellen, mithin die Philosophie endgültig zu begründen, ganz im Zeichen des deutschen Idealismus. Doch zur Erfüllung dieser Aufgabe kann Hegel hier keinerlei Einschränkungen wie z.B. eine (Kantische) Limitierung des Erkenntnisvermögens, ja nicht einmal eine Trennung zwischen Methode und Gegenstand der Wissenschaft zulassen, da dies dem Begriff des Absoluten nicht gemäß und der damit einhergehenden Suche nach einer reflexiven Letztbegründung mehr als abträglich wäre. Aufgrund dieses Anspruchs folgt, dass es für die „Logik“ notwendig ist, neben der Entwicklung einer Transzendentalphilosophie und originär logischer Kategorien, Begriffs- und Urteilsformen auch gleichzeitig ontologische Bestimmungen zu generieren. Die „Logik“ hat also mehrere Aufgaben, deren Bewältigung unter Zugrundelegung desselben einheitlichen Ursprungs bewältigt werden muss. (L.35ff.)

Dieses strenge Vorgehen ist dem Charakter der logischen Wissenschaft selbst geschuldet. Da sie als Wissenschaft des Beweisens den Anspruch erhebt, die innere Notwendigkeit gültiger Denk- und Schlussverfahren zu erweisen, muss sie auch und gerade ihre eigenen Grundlagen a priori legitimieren können. Dafür ist es aber erforderlich, dass diese Denkformen nicht bloß induktiv aufgegriffen und angewendet, sondern ihre innere Zwangsläufigkeit a priori selbst erwiesen wird.4 Der Anfang der Logik kann daher aus nichts als aus sich selbst heraus schöpfen, und zwar sowohl was ihren Gehalt als auch was ihre Verfahrensweise angeht.

b) Methode, Anfang der Logik und Entwicklung des reinen Seins

Hegel will und muss deshalb voraussetzungslos philosophieren und führt insofern das Projekt des deutschen Idealismus, die Philosophie wesentlich auf ein selbstreflexives Bewusstsein ohne Hinzuziehung irgendwelcher nicht aus diesem selbst gewonnenen Methoden und Inhalte zu stützen, als einziger der Idealisten wirklich konsequent durch. Das bedeutet, wie gesagt, dass die Logik den Anfang der Philosophie sowohl material als auch methodisch selbst zu begründen respektive zu generieren hat.5 Dies ist aber nur möglich, wenn Inhalt und Methode gleich ursprünglich sind, also aus derselben Quelle geschöpft werden und außerdem in ihrer weiteren Entwicklung notwendig synchron verlaufen, denn dies ist die einzige Gewähr ihrer Adäquanz, die über bloße Versicherungen hinausgeht.6

[...]


1 Im folgenden wird der erste Band der „Wissenschaft der Logik“, aus dem hier allein zitiert wird, mit „L.“ und der jeweiligen Seitenzahl zitiert. Zitierte Ausgabe: Hegel, G.W.F.: Wissenschaft der Logik, Band 1. Frankfurt a.M. 2000

2 Dasselbe gilt natürlich vice versa auch für eine Theorie des Seins.

3 „Das Absolute“ ist bei Hegel hier zunächst im Wortsinne, als „Nicht-Relatives“, zu verstehen und könnte daher auch „Wahrheit“ oder „Erkenntnis“ genannt werden, da jene zwar ihrem Gegenstand, nie aber ihrer Qualität nach relativ sein können. Daraus läßt sich bereits folgern, dass es sich bei dem in Frage stehenden Absoluten nicht um ein materiales Prinzip, eine Substanz o.ä., mithin um keinen Einzelgegenstand handeln kann.

4 Siehe dazu Hegels Kritik an der klassischen Ontologie, die zwischen Gehalt und Methode der Logik trennt – L.50f.

5 Selbst wenn die Kategorien und Schlussformen der formalen Logik selbst für Hegels Vorgehen geeignet und anwendbar wären, würde er sie in Frage stellen, da ihre Legitimität, d.h. notwendige Geltung nicht an ihnen selbst erwiesen wäre, sondern sie nur „aufgerafft“ wären.

6 Diese Forderung wird vielleicht einleuchtender, wenn sie in epistemologischer Hinsicht interpretiert wird: im strikten Sinne des Wortes erkannt ist nur dasjenige, von dem auch angebbar ist, wie es erkannt wurde. Zur endgültigen Erkenntnis im Hegelschen Sinne gehört auf jeder Stufe also nicht bloß eine „Dass-“ und „Was- Gewißheit“, sondern auch eine „Wie-Gewißheit“. Mit der Forderung danach ist übrigens auch eine weitere Scheidelinie zwischen wissenschaftlichem und natürlichem Bewusstsein bzw., innerhalb der Wissenschaften, zwischen Philosophie und Einzelwissenschaften markiert.


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