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Internetkommunikation, Kommunikation zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 29 Pages
Author: M.A. Emily Nestler
Subject: Speech Science / Linguistics

Details

Event: Mündlichkeit und Schriftlichkeit
Institution/College: RWTH Aachen University
Tags: Internetkommunikation, Kommunikation, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Mündlichkeit, Schriftlichkeit
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 29
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V39311
ISBN (E-book): 978-3-638-38116-1

File size: 750 KB
Notes :
Aufbauend auf dem Nähe-Distanz-Modell von Koch/Österreicher.



Excerpt (computer-generated)

Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaften
der RWTH Aachen, Lehrstuhl für Deutsche Philologie
Hauptseminar „Mündlichkeit und Schriftlichkeit“

Internetkommunikation, Kommunikation zwischen
Mündlichkeit und Schriftlichkeit

von: Emily Nestler

 


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort 4

2. Mündlichkeit und Schriftlichkeit 6

2.1 Kommunikationsmodell nach Günther  6
2.2 Nähe-Distanz-Modell nach Koch/Österreicher  8

3. Kommunikation zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit 15

3.1 Email 15
3.2 Newsgroups  18
3.3 Chat  21

4. Schlussbetrachtungen 26

5. Literaturverzeichnis  29


 

1. Vorwort

Das World Wide Web wurde 1990 in Genf gegründet und seitdem steigt die Anzahl der Internet-Benutzer drastisch. Im vergangenen Jahren haben Messungen ergeben, dass 53,4% der Deutschen einen eigenen Internetanschluss besitzen. Am meisten vertreten sind dabei die Altersgruppen 14-19 und 20-29. 1 Mit dem neuen Medium kommen auch neue Felder der Forschung, neue Perspektiven und neue Fragestellungen auf. Diese Arbeit soll eine weitere Analyse auf diesem, noch wenig erfassten, Gebiet darstellen und sich mit den neu entstandenen Kommunikationsformen befassen. Im Mittelpunkt wird dabei stets die Frage der Mündlichkeit und Schriftlichkeit sein und in welche Richtung die Mischformen tendieren.

Es gibt viele Möglichkeiten, Schriftlichkeit und Mündlichkeit zu definieren. Ich habe das Modell von Koch/Österreicher als Analysewerkzeug gewählt, da es sich hervorragend dazu eignet, konzeptionelle und mediale Mischformen zu identifizieren. Im ersten Teil werde ich also das sog. Nähe-Distanz-Modell erläutern und es einleiten mit einem etwas einfacheren Konzept von Günther. Die kurze Betrachtung von Günthers Modell wird die grobe Struktur von Kommunikation schnell klar machen, wird aber auch veranschaulichen, warum es notwendig ist, zu einem komplexeren Modell überzugehen. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit der praktischen Anwendung des Nähe- Distanz-Modells auf die Kommunikationsformen Email, Newsgroup und Chat. Die Kriterien für Schriftlichkeit und Mündlichkeit wurden zuvor bewusst so konkret wie möglich gewählt, um nicht nach subjektiven Empfindungen („Der Text ist schon sehr komplex“), sondern nach Fakten zu urteilen. Ich werde mich also sehr intensiv mit der Syntax, Pragmatik und Lexik befassen. Email, Newsgroup und Chat gilt es in das Kontinuum von Koch/Osterreicher einzuordnen und miteinander in Relation zu stellen. An diesem Punkt werde ich konträre Meinungen in der aktuellen Sprachwissenschaft aufzeigen und Stellung dazu beziehen.

Zur Analyse verwende ich größtenteils Beispiele aus meinem eigenen Fundus, wohlwissend, dass diese Untersuchung weder empirisch ist noch einen Anspruch auf Vollständigkeit besitzt. Die Auszüge dienen lediglich der Demonstration und stichprobenartigen Überprüfung. Im Rahmen der Schlussbetrachtungen sollen die Ergebnisse des praktischen Teils noch einmal zusammengefasst und bewertet werden. Weiterhin werden zwei weitere Fragestellungen angerissen werden: Ist das Nähe-Distanz-Modell im Jahre 2004 zur Analyse moderner Kommunikation ausreichend, erweiterungsbedürftig oder muss es vollständig ersetzt werden? Und weiterhin: Sind die neuen Kommunikationsformen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit wirklich so neu oder ist das „[...] new age of secondary orality [...]“2 schon viel älter als Ong vermutet? Beide Fragen sind aneinander gekoppelt und wären genug Stoff für eine weitere Arbeit, sollen hier aber nur am Rande angerissen werden.

2. Mündlichkeit und Schriftlichkeit

2.1 Kommunikationsmodell nach Günther

Hartmut Günther greift ein sehr einfaches Schema auf, um mündliche und schriftliche Kommunikation zu beschreiben: Abbildung 1: Mündlicher Kommunikationsprozess nach Günther 1988: 6 Abbildung 2: Schriftlicher Kommunikationsprozess nach Günther 1988: 11 Im Falle der mündlichen Kommunikation äußert Sprecher A ein akustisches Signal, auf welches Hörer B reagiert wobei der Sprecher gleichzeitig auch Hörer seiner eigenen Äußerung ist. In einer Dialogsituation tauschen A und B abwechselnd ihre Rollen: A wird zum Hörer während B zum Sprecher wird, dann ist A wieder Hörer und B Sprecher usw.. Das beschriebene Modell der mündlichen Kommunikation ist irreführend, da es den Anschein erweckt, Sprecher und Sprachsignal seien klar zu trennen. Diese Auslegung ließe außer Acht, dass „[...] das Sprachsignal nicht als unabhängig vom Sprecher gedacht werden [kann]: Die raumzeitliche Koinzidenz von Sprecher, Hörer und Signal ist eine notwendige Bedingung für das Zustandekommen mündlicher Kommunikation.“3

Günther sagt daher selbst, dass das stark vereinfachte Modell, bestehend aus strikt voneinander getrennten Rechtecken, besser auf die schriftliche Kommunikation anzuwenden ist als auf die mündliche. In Abbildung 2 ersetzt er das Sprachsignal durch den Text, wobei der Text definiert ist als eine „[...] sprachliche Äußerung, die aus der unmittelbaren Sprechsituation ausgelöst ist.“4 Eine solche Kontext-, Sprecher- sowie Hörer-Unabhängigkeit ist im Mündlichen nur etwa bei der Überbringung einer Botschaft durch einen Boten gegeben, wohingegen eine derart ausgeprägte Situationsentbundenheit im Schriftlichen vorherrschend ist. Günther spricht von einer „[...] Verselbständigung des Textes gegenüber dem Schreiber wie dem Leser [...]“5, d.h. der Text existiert vollkommen eigenständig. Der Schreiber spielt im Leseprozess keine Rolle mehr, sondern der Leser befasst sich vielmehr fast ausschließlich mit dem Text.

Trotzdem das Modell den schriftlichen Kommunikationsprozess passend zu beschreiben scheint, haben beide Schemata einen großen Nachteil, der darin besteht, dass sie Mischformen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit nicht zulassen. Ein mündlich vorgetragenes Schriftstück, wie z.B. eine Predigt, oder ein niedergeschriebenes Gespräch finden in dem Modell keinen Platz, denn sie sind weder rein schriftlich noch rein mündlich. Des weiteren wird keine Rücksicht auf verschiedene Abstufungen von mündlich und schriftlich genommen – Günthers System erinnert eher an ein digitales als an ein analoges Schema. Eine Lösung für dieses Problem bieten Koch und Oesterreicher an.

2.2 Nähe-Distanz-Modell nach Koch/Österreicher Medium und Konzept

[Alle Abbildungen in der Downloaddatei vorhanden]

[...]


1 Vgl. http://www.google.de/search?q=cache:A0K7A0csIwwJ:www.digitale - chancen.de/transfer/downloads/MD626.pdf+anzahl+der+internetnutzer+2003&hl=de&ie=UTF-8

2 Ong 1986: 135

3 Günther 1988: 11

4 Günther 1988: 11

5 Günther 1988: 12


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