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Peter Greenaways Film der "Kontrakt des Zeichners" und seine Bezüge zu Moralität und Leidenschaft

Intermediate Examination Paper, 1996, 46 Pages
Author: Britta Kerger
Subject: German Studies - Miscellaneous

Details

Category: Intermediate Examination Paper
Year: 1996
Pages: 46
Grade: 2+
Bibliography: ~ 36  Entries
Language: German
Archive No.: V39322
ISBN (E-book): 978-3-638-38124-6
ISBN (Book): 978-3-638-70589-9
File size: 276 KB
Notes :
Interessant für alle die sich mit den Filmen von Peter Greenaway beschäftigen. Vollständige Zitierung über Fußnoten, daher kein extra ausgewiesenes Literaturverzeichnis


Abstract

Der Kontrakt des Zeichners - The Draughtsman`s Contract“ ( im folgendem abgekürzt mit DC oder „Kontrakt“ ) von Peter Greenaway. Laut Christiane Barchfeld1 versucht Greenaway in DC eine Verbindung von klassischem Erzählkino ( classical narrative style ) , Experimental- / Strukturalfilm ( structural/ formal cinema) und art-cinema .Das „ Erzählkino“ ist hauptsächlich durch eine durchgängig erkennbare, fortlaufende Handlung gekennzeichnet. Beim artcinema soll gerade diese durchgängige Erzähllinie aufgebrochen werden. Außerdem finden sich autoreflexive Elemente . Filme die sich selbst zum Thema haben, Film in der weitesten Bedeutung darstellen, über Film nachdenken, Film bewusst machen. Metafilme. Filme über das Medium Kunst und den schöpferischen Prozess in der Kunst im allgemeinen ( auch Literatur, Malerei...). Die Reflexionen sind dabei immer noch in eine Story eingebettet und mit einem Schuss Ironie gewürzt. Ironie, welche die Unvereinbarkeit von Elementen die sich gegenüberstehen skizziert. Z.B. mit Fiktionsironie, ein Teilaspekt der romantischen Ironie, die den Artefaktcharakter des Films unterstützt. Der Film reflektiert somit nicht nur die Darstellungsfunktion bildlicher Phänomene sondern auch die der Sprache. IErotik und Leidenschaft , bewirken sie etwas - und wenn , was ? Möchte Greenaway dem Publikum eine Moral vermitteln? Bevor ich eine Inhaltsangabe von DC versuche füge ich hinzu , dass ich mich hier mit dem Medium Film befasse obwohl unser Kursthema sich auf Literatur bezog. Genau hierin findet sich eine Spezialität Greenaways ( s.art-cinema) , der seine Drehbücher selbst schreibt und vor allem auch versucht literarische Aspekte in seine Filme einzubringen . In DC z.B. erkennbar an den kunstvollen Dialogen und der Verwendung hauptsächlich sprachlicher Formen wie Allegorie, Metapher ... . Die Allegorie impliziert mehrere Bedeutungsebenen2 , ein wichtiges Kriterium für Greenaways Werke, denn das „ Spiel“ mit unterschiedlichen Bedeutungsebenen taucht in jedem seiner Filme auf. Ein Grundanliegen Greenaways ist es , das Medium Film in Richtung eines Gesamtkunstwerkes ( Vereinigung von Bild , Sprache, Musik, Bewegung ) zu gestalten. Zitat Greenaway 3 : „ Ich glaube an die Entwicklung einer neuen Sprache. Was passiert wenn ich Filme mache? Ich erfinde ein Vokabular. Eine Grammatik . Eine Syntax . Kurz : Ich versuche eine ( künstliche ) Sprache zu schaffen


Excerpt (computer-generated)

Humboldt - Universität - Berlin
Institut für Germanistik ( Neuere deutsche Literatur )
Kurs : GKC ; Moralität und Leidenschaft . Die Debatte um die
Liebe und Erotik in der deutschen Literatur vom 18.
bis zum 20. Jahrhundert
2. Semester

Peter Greenaways Film der "Kontrakt des Zeichnes"
und seine Bezüge zu Moralität und Leidenschaft

von: Britta Kerger

 


Gliederung

1.) Einleitung

2.) „ Versuch“ einer Inhaltsangabe von dem Film „ Der Kontrakt des Zeichners“

3.) Allgemeine filmische Mittel , die P. Greenaway in seinen Filmen verwendet

Exkurse : - Die Epoche des Barock / „ Das goldene Zeitalter Hollands“
Elemente der Groteske und des Karnevals in der Literatur
Definition des Begriffe : Allegorie, Symbol, Metapher ( s. Anhang)

4.) Unmittelbar auffallende Filmmotive die auf Erotik / Leidenschaft hindeuten

5.) Mythopoetische und allegorische Motive in dem Film „ Der Kontrakt des Zeichners “

5.1.) Persephone - Mythos
5.2.) Hermes - Mythos
5.3.)Mythische Bedeutung der Zahl zwölf. Die zwölf Arbeiten des Herakles ® Die drei Äpfel der Hesperiden (s.auch Anhang)

6) Untersuchung der Landschaftsbilder im Film „ Der Kontrakt des Zeichners“

6.1.) „ Der Kontrakt des Zeichners“ als Fruchtgarten. Annäherung an die Gartensymbolik im Film „ Der Kontrakt des Zeichners.“
6.2.) Die besondere Bedeutung der Früchte inklusiv der Aspekte von Eva Hohenberger „ Die Früchte der Frauen

7.) Untersuchung-

7.1.) der im Film sichtbaren Elemente

Wasser / Nebel
Feuer

7.2.) der Tiersymbolik, insbesondere von

Hund
Pferd

8.) „ Der Kontrakt des Zeichners ” als „ Spiel“ betrachtet

8.1.) „ Der Kontrakt des Zeichners“ als Damespiel
8.2.) Das „Spiel“ um gesellschaftliche und politische Macht- / Besitzverhältnisse, und die " Beziehungsfalle", oder das " Spiel der Geschlechter " .

9.)Welchen Stellenwert Elemente in P.Greenaways Film, und welcher erhalten die erwähnten erotischen Zusammenhang besteht zu dem Kursthema ² Moralität und Leidenschaft ? ²

10.) Ist es Greenaways Absicht dem Zuschauer eine bestimmte Moral zu vermitteln - wenn ja, welche ?

11.) Kommentar

12.) Anhang

12.1.) Literatur
12.2.) Biographische Angaben zu P. Greenaway / Filmographie
12.3.)Definition: Allegorie, Symbol, Metapher - „ Die Äpfel der Hesperiden“, Zitate, Notizen zu DC
12.4.) Drehbuch-Prolog (a.) und b.) )


 

1.) Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befaßt sich mit dem Film „ Der Kontrakt des Zeichners - The Draughtsman¢s Contract“ ( im folgendem abgekürzt mit DC oder „Kontrakt“ ) von Peter Greenaway. Peter Greenaway wurde am 05. 04. 1942 in Newport geboren und gilt als experimentierfreudigster Filmemacher des neuen britischen Kinos.( s. Biographisches im Anhang) Mit dem „ Kontrakt des Zeichners ” gelang ihm 1982 der erste größere kommerzielle Kinoerfolg. Laut Christiane Barchfeld1 versucht Greenaway in DC eine Verbindung von klassischem Erzählkino ( classical narrative style ) , Experimental- / Strukturalfilm ( structural/ formal cinema) und art-cinema .Das „ Erzählkino“ ist hauptsächlich durch eine durchgängig erkennbare, fortlaufende Handlung gekennzeichnet. Beim artcinema soll gerade diese durchgängige Erzähllinie aufgebrochen werden. Außerdem finden sich autoreflexive Elemente . Filme die sich selbst zum Thema haben, Film in der weitesten Bedeutung darstellen, über Film nachdenken, Film bewußtmachen. Metafilme. Filme über das Medium Kunst und den schöpferischen Prozeß in der Kunst im allgemeinen ( auch Literatur, Malerei...). Die Reflexionen sind dabei immer noch in eine Story eingebettet und mit einem Schuß Ironie gewürzt. Ironie, welche die Unvereinbarkeit von Elementen die sich gegenüberstehen skizziert. Z.B. mit Fiktionsironie, ein Teilaspekt der romantischen Ironie, die den Artefaktcharakter des Films unterstüzt. Der Film reflektiert somit nicht nur die Darstellungsfunktion bildlicher Phänomene sondern auch die der Sprache. Im Gegensatz zu seinen früheren Filmen konnte Greenaway in DC zum ersten Mal Schauspieler einsetzen, wobei er großen Wert darauf gelegt hat Theaterschauspieler zu engagieren . Nur sie schienen imstande seine hochartifiziellen Dialoge und oftmals lang anhaltenden Einstellungen zu spielen . Die ersten Filme Greenaways waren hauptsächlich Experimentalfilme (auch structural/formal cinema) , bei denen kein thematischer Bezug zu den dargestellten Reflektionen erkennbar sein mußte.Da das Thema unseres GKC „ Moralität und Leidenschaft . Die Debatte um die Liebe und Erotik in der deutschen Literatur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert“ lautete , möchte ich in dieser Arbeit folgende Themen schwerpunktmäßig bearbeiten : Wie stellt Peter Greenaway im „ Kontrakt“ Erotik und Leidenschaft dar? Welchen Stellenwert erhalten Erotik und Leidenschaft , bewirken sie etwas - und wenn , was ? Möchte Greenaway dem Publikum eine Moral vermitteln? Bevor ich eine Inhaltsangabe von DC versuche füge ich hinzu , daß ich mich hier mit dem Medium Film befasse obwohl unser Kursthema sich auf Literatur bezog. Genau hierin findet sich eine Spezialität Greenaways ( s.art-cinema) , der seine Drehbücher selbst schreibt und vor allem auch versucht literarische Aspekte in seine Filme einzubringen . In DC z.B. erkennbar an den kunstvollen Dialogen und der Verwendung hauptsächlich sprachlicher Formen wie Allegorie, Metapher ... . Die Allegorie impliziert mehrere Bedeutungsebenen2 , ein wichtiges Kriterium für Greenaways Werke, denn das „ Spiel“ mit unterschiedlichen Bedeutungsebenen taucht in jedem seiner Filme auf. Eine Untersuchung von Greenaways Filmen ist also auch für die Literatur von Bedeutung. Ein Grundanliegen Greenaways ist es , das Medium Film in Richtung eines Gesamtkunstwerkes ( Vereinigung von Bild , Sprache, Musik, Bewegung ) zu gestalten. Zitat Greenaway 3 : „ Ich glaube an die Entwicklung einer neuen Sprache. Was passiert wenn ich Filme mache? Ich erfinde ein Vokabular. Eine Grammatik . Eine Syntax . Kurz : Ich versuche eine ( künstliche ) Sprache zu schaffen . ”

2.) „ Versuch ” einer Inhaltsangabe von DC, weitgehend zitiert nach 4 ï 5

Im Jahr 1694 wird der bekannte Zeichner Neville bei einer Abendgesellschaft von Mrs. Herbert und ihrer Tochter Mrs. Talmann eindringlich gebeten vom Anwesen Mr. Herberts einige Zeichnungen anzufertigen . Nach anfänglicher Ablehnung sagt er zu. Der daraufhin geschlossene Vertrag sichert ihm nicht nur Bezahlung und ungestörtes Arbeiten zu , sondern enthält auch eine Klausel, nach der ihm Mrs. Herbert für sein ¢privates Vergnügen¢ zur Verfügung steht. Mr. Neville steht als Zeichner zur Verfügung für zwölf Tage zur Anfertigung von zwölf Zeichnungen des Herrenhauses, der Gärten, Parks und der übrigen Gebäude von Mr. Herberts Anwesen. Die Standorte für seine Zeichnungen wählt Mr. Neville nach seinem Ermessen, wenn auch unter Beratung von Mrs. Herbert. Mrs. Herbert wird bereit sein acht Pfund pro Zeichnung zu bezahlen und Mr. Neville und seinem Diener volle Beköstigung zukommen zu lassen. Des weiteren ist Mrs. Herbert einverstanden Mr. Neville allein zu treffen und seinen Wünschen zu entsprechen betreff seines Vergnügens mit ihr. Der Hausherr ist verreist als Neville mit seinem Diener auf Compton Anstey einzieht und mit seiner Arbeit beginnt . Für jede Zeichnung hat er einen genauen Plan ausgearbeitet, der ihm totale Kontrolle über das zu zeichnende Objekt einräumen soll. Niemand darf sein Blickfeld durchkreuzen, bis hin zu den Tieren . Doch zunehmend wird seine Kontrolle durch unmotiviert auftauchende Gegenstände in Frage gestellt . Da Neville nur das zeichnet was er sieht , geraten diese Gegenstände in seine Bilder. Mrs. Talmann legt sie als Indizien dafür aus , daß der Zeichner Zeuge eines Unglücksfalles geworden ist und schließt mit ihm einen zweiten Vertrag ab, wonach nun er ihr für das private Vergnügen zur Verfügung stehen muß. Als der Zeichner zwölf Zeichnungen angefertigt hat und sie Mr. Herbert vorlegen will , wird dieser tot aufgefunden . Neville reist ab. Seine Zeichnungen werden zunehmend vieldeutiger und von den Bewohnern in verschiedener Weise zu ihrem individuellen Vorteil ausgelegt . Eine Erbschaftsintrige spinnt sich um das Anwesen , in deren Verlauf die Bilder schließlich in den Besitz von Mr. Talmann gelangen . Im Herbst kehrt Neville noch einmal nach Compton Anstey zurück , um Mrs. Herbert wiederzusehen . Die Frauen klären ihn schließlich darüber auf , daß er nur das Werkzeug ihrer Anstrengungen war , durch einen Erben ihren Stand zu sichern . Neville will eine dreizehnte Zeichnung anfertigen. Dabei wird er jedoch von den Intriganten umgebracht , seine Zeichnungen werden verbrannt . Am Ende steigt „ die Statue“ von ihrem Pferd und beißt in die eigentlich für Neville bestimmte , köstlich aussehende Ananas, die sie dann sofort angeekelt wieder ausspuckt. Anmerkung : Da die „Person“ der Statue in der Kino - Fassung von DC nicht eindeutig identifizierbar ist, erwähne ich nur ihr Auftreten in der Schlußszene .

3.) Allgemeine filmische Mittel die P. Greenaway häufig in seinen Filmen verwendet , belegt mit Beispielen aus DC.

Greenaway greift gerne zu einer statischen Kameraführung , die besonders in DC die Landschaftsaufnahmen unterstützt. Die Einstellungen erhalten Tableaucharakter. Unterbrochen wird diese Art der Einstellung nur durch lange Schwenks oder Kamerafahrten z.B. während der Tafelrunden. Die Statik der Kamera unterstreicht zudem die Parallele von Filmemacher und Zeichner und lenkt die Aufmerksamkeit der Zuschauer verstärkt auf die Dialoge der Schauspieler. Die Einstellungen werden dann durch harte Schnitte im Montageverfahren miteinander verknüpft. Damit erzielt Greenaway eine schnelle, komprimierte Bildfolge, die den Rezeptionsprozeß des Zuschauers erschwert und gegen die klassischen Regeln des Erzählkinos verstößt6 . Ein weiteres Charakteristikum Greenaways ist das „ Spiel“. Zum einen das Spiel mit den Möglichkeiten der Montage von Bildern , zum anderen das „ Spiel“ an sich . Das „ Spiel“ impliziert auch wieder verschiedene Bedeutungsebenen , deren Vorhandensein Greenaway betonen möchte. Es finden sich Spiele mit Namen. In DC z.B. Draughtsman® Zeichner, Autor, Spielfigur aus dem englischen Damespiel-„draughts“ ; mole® Maulwurf, Muttermal; es gibt sogar die Möglichkeit die Namen " anders" zu lesen ; Seymour = see-more, né vil = Neville mourra villain, Noyes= noises. Spiele mit Zahlen, Spiele mit Personen usw.. Die „Mehrdeutigkeit der Dinge“ wird auch durch den Perspektivenwechsel : Untersicht® Aufsicht unterstützt. Eine Spezialität Greenaways ist die Verwendung von „ Fakes“ , was eine Mischung in der Darstellung von Realität und Fiktion bedeutet. Eine Mischung mit der Greenaway so häufig spielt, daß sich „Biographisches“ über Greenaway hauptsächlich in meinem Anhang findet, denn auch auf seine biographischen Angaben kann man sich nicht immer verlassen... .Das Besondere an Greenaways „Fakes“ ist meiner Meinung nach, daß der Zuschauer um die „Fakes“ zu lokalisieren, sich meistens hervorragend in der inszenierten Filmwelt auskennen muß. In DC wäre es empfehlenswert sich mit der Epoche des Barock auszukennen, wobei dies keine Bedingung ist um Greenaways Filme zu genießen, aber es ergibt sich für den Zuschauer die Möglichkeit der Hinterfragung.In DC z.B.

[...]


1 Barchfeld Christiane, Filming by Numbers: Peter Greenaway, Medienbibliothek Serie B, Studien-Band 13, Günter- Narr-Verlag, Tübingen 1983, S. 16-40

2 Ueding Gert, Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Tübingen-Niemeyer 1992, S.330ff ; s. Anhang

3 Rothe Marcus, Warum die Welt wiederspiegeln?, Interview mit P. Greenaway in: Märkische Allgemeine Zeitung vom 11.01.1994

4 Hohenberger Eva, Die Früchte der Frauen,in: Frauen und Film 40, S.45

5 Lüdeke Jean, Die Schönheit des Schrecklichen - Greenaway-Biographie, Bastei-Lübbe-Verlag, Bergisch-Gladbach 1996, S. 56 / 57

6 Barchfeld Christiane, S.72


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