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Heinrich von Kleists Thema der Romantischen Liebe und seine Engel und Hexe Opposition in 'Das Käthchen von Heilbronn'

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 19 Pages
Author: Christina Kühnle
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Aktuelle Inszenierungen des Mannheimer Nationaltheaters
Institution/College: University of Mannheim
Tags: Heinrich, Kleists, Thema, Romantischen, Liebe, Engel, Hexe, Opposition, Käthchen, Heilbronn, Aktuelle, Inszenierungen, Mannheimer, Nationaltheaters
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V39391
ISBN (E-book): 978-3-638-38172-7

File size: 228 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Mannheim
Hauptseminar: Aktuelle Inszenierungen
des Mannheimer Nationaltheaters
13. Semester

Heinrich von Kleists Thema der Romantischen Liebe
und seine Engel und Hexe Opposition in
′Das Käthchen von Heilbronn′

von: Christina Kühnle

 


Inhalt

Einleitung 2

1. Die Frauenfiguren in Das Käthchen von Heilbronn 3

1.1. Die Figur des Käthchens von Heilbronn 3
1.2. Die Figur der Kunigunde von Thurneck 6

2. Der Engel und die Hexe 8

2.1. Die Hexe Kunigunde 8
2.2. Der Engel Käthchen 11

3. Die ideale romantische Liebe 12

Schluss 16

Literaturverzeichnis 18


 

Einleitung

Heinrich von Kleist, feierte mit seinem Das Käthchen von Heilbronn seinen ersten großen Dramenerfolg. So war es lange Zeit das einzige von Kleists Dramen, das vom zeitgenössischen Publikum angenommen wurde.1, zeichneten sich die Kleistschen Werke doch stets durch Provokationen aus. Auch hier will Kleist genau genommen provozieren und orientiert sich weder stringent an klassizistischen noch an der romantischen Poetik. So stellt er mit seinem Werk jegliche romantischen Konzepte auf den Prüfstand, beispielsweise das der Geschlechterbeziehungen oder das Frauenbild.2 Eine weitere Provokation besteht darin, dass er in Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe, durch den Untertitel Ein großes historisches Ritterschauspiel als eine Art Heldenepos ankündigt, jegliche Form der Ritterlichkeit seitens der männlichen Figuren jedoch vermissen lässt. Vorwiegend arbeitet er hier mit Mitteln, die uns aus dem Märchen bekannt sind. Ein Mann und eine Frau haben in der Silvesternacht einen Traum, in dem ihnen der zukünftige Ehepartner durch einen Cherub vorgeführt wird. Im Anschluss daran beginnt die verzweifelte Suche nach genau jenem. Als sie sich beinahe gefunden haben, tritt eine Nebenbuhlerin, vergleichbar auch mit den bösen Stiefschwestern in Aschenputtel auf, und das Traumpaar scheint getrennt. Zu guter letzt heiratet der Prinz dann doch die Richtige und „wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“.

Ganz so indifferent darf die „Liebes“geschichte in Das Käthchen von Heilbronn jedoch nicht betrachtet werden. Heinrich von Kleist spielt in seinem zwischen Ende August 1807 und Ende April 1809,3 während seiner Dresdner Zeit, entstandenen Werk mit dem Thema der Liebe und parodiert die romantischen Elemente wohl eher als dass er sie idealisiert.

Sein „Märchenprinz“, Graf Wetter von Strahl findet sich in einer typischen Männerphantasie wieder, nämlich als Mann zwischen zwei Frauen. Diese beiden weiblichen Figuren werden von Kleist als absolute Gegenspielerinnen konzipiert und sind daher auch intensiver zu beleuchten. Das Käthchen als halbkindliche Frauengestalt, welche dem Rezipienten himmlisch naiv erscheint und ihre Rivalin, die höllisch berechnende Kunigunde von Thurneck. Die folgende Seminararbeit möchte dieses Ideal der durch göttliche Vorbestimmtheit determinierten Liebe näher analysieren. Hierfür scheint es von Nöten sich die drei Charaktere dieser „Ménage a trois“ und ihre werkimmanente Rolle zu betrachten, wobei die beiden konträren Frauengestalten diesbezüglich am interessantesten sind.

1. Die Frauenfiguren in Das Käthchen von Heilbronn

1.1. Die Figur des Käthchens von Heilbronn

Die Käthchenfigur wird von Kleist als Prototyp des zur damaligen Zeit vorherrschenden Frauentypus erschaffen. So vereint sie scheinbar nicht nur Schönheit und Grazie, sondern wirkt vielmehr auch integer, natürlich und anmutig. Erst im Laufe der Rezeptionsgeschichte, genau genommen erst im vorigen Jahrtausend, entwickelt sich bei den Rezipienten Wut gegenüber der naiv und hörig gestalteten Frauenfigur.

Zunächst wollen wir betrachten wie uns der Charakter des Käthchens präsentiert wird. Obwohl das Käthchen erst im 1.Akt, 2.Auftritt, persönlich in Erscheinung tritt, wird die Protagonistin uns schon zu Beginn des Dramas angekündigt und beschrieben. Kleist bedient sich hier dem Mittel der Fremdbeschreibung und lässt seine männlichen Figuren Theobald Friedeborn, ihren Vater, und Graf Wetter von Strahl vor dem Femgericht sprechen. Das fünfzehn Jahre alte Mädchen wird von dem Vater als „Kind recht nach der Lust Gottes“4 beschrieben, beispielsweise durch Äußerungen wie: „Ein Wesen von zarterer, frommerer und lieberer Art müsst ihr euch nicht denken, und kämt ihr, auf Flügeln der Einbildung, zu den lieben, kleinen Engeln, die, mit hellen Augen, aus den Wolken, unter Gottes Händen und Füßen hervorgucken.“5 und assoziiert somit beim Rezipienten unmittelbar die Gleichsetzung mit einem Engel. Ferner schildert er sie als von allen Bürgern der Stadt Heilbronn geachtetes und vergöttertes Mädchen:

„so lief es flüsternd von allen Fenstern herab: das ist das Käthchen von Heilbronn; das Käthchen von Heilbronn, ihr Herren, als ob der Himmel von Schwaben sie erzeugt, und von seinem Kuß geschwängert, die Stadt, die unter ihm liegt, sie geboren hätte.“6 So scheint das anmutige Kind wohl im Gespräch der Bürger und somit eine Art Aushängeschild für die Stadt Heilbronn gewesen zu sein. Sicherlich könnte man diese Äußerung gemeinhin als eine Übertreibung des durch Vaterstolz getrübten Blickes verstehen. Es bleibt jedoch fraglich, warum er gerade in diese einleitende Beschreibung seines einzigen Kindes solch eine Distanz aufkommen lässt. Es bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass es in der Romantik nicht unüblich war, Frauen lediglich mit dem Vornamen zu benennen.7

[...]


1 Schmidt: Heinrich von Kleist. S.137

2 vgl. Lubkoll: Gewagte Experimente und kühne Konstellationen. S.11f

3 vgl. Grathoff: Kleist: Geschichte, Politik, Sprache. S.139

4 Das Käthchen von Heilbronn. Im folgenden abgekürzt mit K.v.H. S.7

5 K.v.H. S.7

6 Ebd. S.7

7 Romantik-Handbuch S.528
 


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