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Autor: Susanne Drews
Fach: Romanistik - Italienische u. Sard. Sprache, Literatur, Landeskunde
Details
Tags: Italo, Calvino, Lezioni, Americane
Jahr: 2005
Seiten: 18
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 6 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 420 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-38177-2
ISBN (Buch): 978-3-638-79043-7
Zusammenfassung / Abstract
Diese Hausarbeit soll sich mit dem literaturtheoretischem Werk „Lezioni Americane – Sei proposte per il prossimo millenio“ von Italo Calvino beschäftigen. Zuerst wird im allgemeinen auf das Werk eingegangen, es werden die verschiedenen Werte, die Calvino festlegt, genauer beschrieben, um diese dann am Werk Calvinos selbst anzuwenden. „Die Lezioni Americane sind einerseits eine Standortbeschreibung alter und moderner Literatur; sie dokumentieren und registrieren aber auch Calvinos Präferenzen, seine Beschäftigung mit der Literatur, die in all ihren Aspekten – Sprache, Struktur, Handlung, Aussage – Auswirkungen auf ihre Leser zeitigen kann. Der Schriftsteller hat hier rückblickend und vorausschauend seine Poetik erstellt, „[...] l`autobiografia di un lettore che legge e che a sua volta è letto [...]. Der Lektüregegenstand dieses Lesers par excellence ist die Welt. Obwohl er sie mit der ihm eigenen Skepsis vor allem als mangelhaftes Modell beschreibt, zweifelt er doch nie an der Notwendigkeit, mit ihr und in ihr zu leben. Daher rührt seine Beharrlichkeit und seine trotz allem positive Weltbetrachtung.“
Textauszug (computergeneriert)
Italo Calvino und seine Lezioni Americane
von: Susanne Drews
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Zur Entstehungsgeschichte der „Lezioni Americane“ Seite 1
3. Leggerezza – Leichtigkeit Seite 2
4. Rapidità – Schnelligkeit Seite 5
5. Esatezza – Genauigkeit Seite 7
6. Visibilità – Anschaulichkeit Seite 9
7. Molteplicità – Vielschichtigkeit Seite 11
8. Erfüllt Calvino diese Werte selbst in seiner Literatur? Seite 13
9. Bibliogaphie Seite 16
1. Einleitung:
Diese Hausarbeit soll sich mit dem literaturtheoretischem Werk „Lezioni Americane – Sei proposte per il prossimo millenio“ von Italo Calvino beschäftigen. Zuerst wird im allgemeinen auf das Werk eingegangen, es werden die verschiedenen Werte, die Calvino festlegt, genauer beschrieben, um diese dann am Werk Calvinos selbst anzuwenden. „Die Lezioni Americane sind einerseits eine Standortbeschreibung alter und moderner Literatur; sie dokumentieren und registrieren aber auch Calvinos Präferenzen, seine Beschäftigung mit der Literatur, die in all ihren Aspekten – Sprache, Struktur, Handlung, Aussage – Auswirkungen auf ihre Leser zeitigen kann. Der Schriftsteller hat hier rückblickend und vorausschauend seine Poetik erstellt, „[...] l`autobiografia di un lettore che legge e che a sua volta è letto [...]. Der Lektüregegenstand dieses Lesers par excellence ist die Welt. Obwohl er sie mit der ihm eigenen Skepsis vor allem als mangelhaftes Modell beschreibt, zweifelt er doch nie an der Notwendigkeit, mit ihr und in ihr zu leben. Daher rührt seine Beharrlichkeit und seine trotz allem positive Weltbetrachtung.“1
2. Zur Entstehungsgeschichte der „Lezioni Americane“:
1985 wurde Italo Calvino als erster italienischer Schriftsteller von der Harvard Universität eingeladen, die berühmten Norton Lectures zu halten. Diese Vorlesungen nannte er „Lezioni Americane – Sei proposte per il prossimo millenio“, seine Frau war es dann, die diese Aufzeichnungen in einem Buch veröffentlichte.
Schon 1959 reiste Calvino in die Vereinigten Staaten, um an einigen Universitäten Vorlesungen zu halten. Er wurde damals von der Ford Foundation ausgewählt, um in einem Zeitraum von sechs Monaten an verschiedenen Universitäten über die italienische Nachkriegsliteratur zu berichten. Auch schon zu diesem Zeitpunkt sagte er, dass es Dinge gibt „che insomma solo la poesia – e non per esempio la filosofia o la politica - puó insegnare.“2 1985 dann erklärte er fast mit den gleichen Worten „la sua fiducia nel futuro della letteratura consiste nel sapere che ci sono cose che solo la letteratura puó dare coi suoi mezzo specifici.“3 Seit seinen Artikeln auf der Kulturseite der „La Repubblica“ in den achtziger Jahren, beschäftigte sich Calvino mit den Klassikern der westlichen Literatur und legte fest, welche Werte sie für ihn wiedergeben, was er dann mit seinen Werken „Italiani vi esorto ai classici“ und „Perche leggere i classici“, beide Werke erschienen 1981, noch auf andere Klassiker ausdehnte. Die Klassiker spielten stets eine wichtige Rolle für Calvino, er sagte über sie: „i classici servono a capire chi siamo e dove siamo arrivati “4, und an anderer Stelle: „ Il tuo classico è quello che non può esserti indifferente e che ti serve per definire te stesso in rapporto e magari in contrasto con lui.“5 In den „Lezioni Americane“ fasste er diese Werte in den Punkten Leichtigkeit, Schnelligkeit, Genauigkeit, Anschaulichkeit und Vielschichtigkeit zusammen. Dies sind die Werte, die er für besonders wichtig betrachtete, um sie ins neue Jahrtausend zu übernehmen, denn seine Befürchtung war, dass die Menschheit einfach verschwindet, ohne eine Spur zu hinterlassen. Diese Spur legte er mit den „Lezioni Americane“, auf die nun genauer eingegangen wird.
3. Leggerezza – Leichtigkeit
Es handelt sich hierbei um die erste Vorlesung, die Calvino an der Harvard Universität hielt. Ihn interessierte bei diesem Thema der Gegensatz zwischen Leichtigkeit und Schwere, er selber vertrat die Rechte der Leichtigkeit, weil er dabei, wie er sagte, mehr zu sagen habe. „Meine Tätigkeit hat vorwiegend darin bestanden, Gewicht wegzunehmen; ich habe bald den menschlichen Gestalten, bald den Himmelskörpern, bald den Städten Gewicht zu nehmen versucht; vor allem aber habe ich versucht, dem Bau der Erzählung und der Sprache Gewicht zu nehmen.“6 Er schildert seine ersten Schreibversuche und wie er damals die Schwerfälligkeit entdeckte: „Bald wurde mir bewußt, daß zwischen den Fakten des Lebens, die mein Rohstoff hätten sein sollen, und der raschen und treffsicheren Beweglichkeit, die ich mir für mein Schreiben wünschte, eine Kluft lag, deren Überwindung mich immer mehr Kraft kostete.“7 Calvino nimmt einen Vergleich der Schwere mit der Medusa vor, die nur von Perseus, charakterisiert mit Flügelsandalen, besiegt werden kann. Nach der Enthauptung der Medusa steigt aus ihrem Blut Pegasus, das geflügelte Pferd und Liebling der Musen, auf. Dieses Bild zeigt uns also deutlich, wie über den Sieg der Schwere die Leichtigkeit aufsteigt. Perseus wird gesehen als Halbgott der Leichtigkeit.
Nun nennt Calvino ein Beispiel für die Leichtigkeit in der Literatur, nämlich Milan Kunderas „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. Laut Calvino ist diese Werk „in Wahrheit eine bittere Konstatierung der unausweichlichen Schwere des Lebens“8, nämlich den Zwängen in öffentliche n und privaten Lebensbereichen. Diesen Zwängen entgehen nur die Lebendigkeit und Beweglichkeit der Intelligenz, eben jene Mittel, mit denen der Roman geschrieben ist, die aber nicht unserem täglichen Leben angehören. Eine Lösung für das Problem der Schwere sieht Calvino in der Änderung des Ansatzes.
[...]
1 Lessle, Christine: Weltreflexion und Weltlektüre in Italo Calvinos erzählerischem Spätwerk, Bonn, 1992, S. 210.
2 Bottiglieri, Nicola: I luoghi di Calvino, Cassino, 2001, S. 183.
3 Bottiglieri, ( wei Anm. 2 ), S. 183.
4 Calvino, Italo: Perche leggere i classici, in Calvino Saggi vol. II, Milano, 1995, S. 1824.
5 Calvino, ( wie Anm. 4 ), S. 1821
6 Calvino, Italo: Lezioni A mericane - Sechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend, München, Wien, 1991, S. 15.
7 Calvino, (wie Anm. 5) S. 16.
8 Calvino, (wie Anm. 5) S. 22.
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