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Raymond Carver: Eine Studie zum 'minimalen' Wandel in der Grundstimmung seiner Kurzgeschichten ab "Cathedral"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 19 Pages
Author: Michael Reichmann
Subject: American Studies - Literature

Details

Event: Postmoderne/Neorealismus II (Hauptseminar)
Institution/College: University of Hamburg (IAA)
Tags: Raymond, Carver, Eine, Studie, Wandel, Grundstimmung, Kurzgeschichten, Cathedral, Postmoderne/Neorealismus
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V39477
ISBN (E-book): 978-3-638-38228-1
ISBN (Book): 978-3-638-76260-1
File size: 482 KB

Abstract

Anhand der Geschichtensammlung Cathedral (1983) lässt sich recht gut zeigen, welchen Wandel Carvers Geschichten insbesondere im Vergleich zu seinem vorigen Buch What We Talk About When We Talk About Love (1981)1 durchgemacht haben. Im späteren Band, Cathedral, sind sowohl Geschichten, die den vertrauten und düsteren Charakter der früheren Kurzgeschichten beibehalten, als auch solche, die sozusagen ein „neues“ positiveres Format aufweisen, das es gilt zu untersuchen. Mit Cathedral hat Carver meines Erachtens eine stilistische Bandbreite erreicht, die weit über den Minimalismus früherer Tage hinausgeht. Diese Arbeit ist zweigeteilt. Sie wird zunächst die Stimmung der Carver-Geschichten generell analysieren und auf die Lebenssituation der Charaktere zurückführen, wobei die Geschichte „Preservation“ näher beleuchtet werden soll, welche ich als exemplarisch für den düsteren Ton und die Passivität der Charaktere in Carvers Geschichten ansehe. Im zweiten Teil wird besagter Wandel Carvers anhand der beiden inhaltsverwandten Geschichten „The Bath“ und „A Small, Good Thing“, die aus unterschiedlichen Schaffensperioden Carvers stammen, näher beleuchtet. Den Anspruch einer „in depth“-Analyse der genannten Fragestellung kann diese Arbeit nicht erheben, da dies den Rahmen sprengen würde. An vielen Stellen kann deswegen bedauerlicherweise nur an der Oberfläche gekratzt werden. Jedoch ist dieses Thema so ergiebig, dass auch eine unvollständige Analyse, wie die gegenwärtige, bereits zu interessanten Ergebnissen führen wird und eventuell Anstoß für weitere Analysen in diese Richtung geben kann.


Excerpt (computer-generated)

Raymond Carver: Eine Studie zum „minimalen“ Wandel in der
Grundstimmung seiner Kurzgeschichten ab Cathedral

von: Michael Reichmann

 


Inhalt

I. EINLEITUNG 2

II. CARVERS UNIVERSUM DER „MODERNISIERUNGSVERLIERER“ 3

2.1. Bestandsaufnahme 3
2.2. Passivität und Lethargie 4

III. DER WANDEL 9

3.1. Biographische Bezüge 9
3.2. Konkret: Der Wandel anhand „The Bath” und „A Small, Good Thing“ 11

IV KONKLUSION UND AUSBLICK 17

V LITERATURLISTE 18

Bücher 18

Zeitungsartikel im Internet 18

Sonstige Internetquellen 18


 

I. Einleitung

Anhand der Geschichtensammlung Cathedral (1983) lässt sich recht gut zeigen, welchen Wandel Carvers Geschichten insbesondere im Vergleich zu seinem vorigen Buch What We Talk About When We Talk About Love (1981)1 durchgemacht haben. Im späteren Band, Cathedral, sind sowohl Geschichten, die den vertrauten und düsteren Charakter der früheren Kurzgeschichten beibehalten, als auch solche, die sozusagen ein „neues“ positiveres Format aufweisen, das es gilt zu untersuchen. Mit Cathedral hat Carver meines Erachtens eine stilistische Bandbreite erreicht, die weit über den Minimalismus früherer Tage hinausgeht.

Diese Arbeit ist zweigeteilt. Sie wird zunächst die Stimmung der Carver-Geschichten generell analysieren und auf die Lebenssituation der Charaktere zurückführen, wobei die Geschichte „Preservation“ näher beleuchtet werden soll, welche ich als exemplarisch für den düsteren Ton und die Passivität der Charaktere in Carvers Geschichten ansehe. Im zweiten Teil wird besagter Wandel Carvers anhand der beiden inhaltsverwandten Geschichten „The Bath“ und „A Small, Good Thing“, die aus unterschiedlichen Schaffensperioden Carvers stammen, näher beleuchtet. Den Anspruch einer „in depth“-Analyse der genannten Fragestellung kann diese Arbeit nicht erheben, da dies den Rahmen sprengen würde. An vielen Stellen kann deswegen bedauerlicherweise nur an der Oberfläche gekratzt werden. Jedoch ist dieses Thema so ergiebig, dass auch eine unvollständige Analyse, wie die gegenwärtige, bereits zu interessanten Ergebnissen führen wird und eventuell Anstoß für weitere Analysen in diese Richtung geben kann.

II. Carvers Universum der „Modernisierungsverlierer“

2.1. Bestandsaufnahme

Bevor eine Analyse der Veränderung in Carvers Ton vorgenommen werden kann, soll zunächst der generelle Ton in Carvers Kurzgeschichten umrissen werden. Häufig haben Carvers Geschichten einen eher düsteren Grundtenor und handeln vom Leben der einfachen Menschen der Arbeiterklasse (also der unteren Mittelschicht), die im Amerikanischen auch blue-collar (blauer Kragen2) genannt wird.3 Das Leben der Menschen bei Carver ist verbunden mit Mühsal, Frustration und Verlust der Hoffnung auf ein Ende oder zumindest auf eine Veränderung der momentanen Situation. Philip Carson schreibt dazu in seinem Essay „Carver’s Vision“: “In private desperation, Raymond Carver’s characters struggle through their lives, knowing, with occasional clarity, that the good life they had once hoped would be achieved through hard work will not come about.” (Carson 2000) Dabei zieht meines Erachtens vor allem jenes zeitweilige von Carson angesprochene Sich-Bewusstwerden der Charaktere („with occasional clarity“ [ibid]), dass die momentane Situation permanent ist, den besagten Verlust der Hoffnung nach sich. Die scheinbar unüberwindlichen Lebensumstände führen bei Carvers Protagonisten, so scheint es, zu einer Aufgabe des Selbst und des eigenen Willens. Sie ergeben sich passiv ihrem Schicksal und schwimmen träge mit dem Strom der Gesellschaft immer versucht, sich auf verschiedenste Weisen, sei es durch Alkohol oder Fernsehen etc., abzulenken und zu zerstreuen.

Carvers handelnde Personen sind oft Paare, die sich in ihren Beziehungen an einem Punkt befinden, wo sich die einstige Liebe oder Zuneigung zu einem routinierten Nebeneinanderleben entwickelt hat. Zumeist scheint es sogar fraglich, ob jemals Liebe und Zuneigung vorhanden war (z.B. in „Preservation“ oder „The Bridle“). Die Situation der Beziehungen wird oft überschattet von der oben skizzierten hoffnungslosen Lebenssituation. Carvers Paare – und tatsächlich die meisten seiner Charaktere – haben erhebliche Kommunikationsprobleme. Wie mir scheint, versagen sie häufig dabei, ob fehlender Selbstreflexion, ihre Situation richtig einzuschätzen und mit ihren Mitmenschen darüber zu kommunizieren. Vielfach erkennen sie Kommunikation überhaupt nicht als möglichen, geschweige denn notwendigen Weg aus ihrem Dilemma. Meines Erachtens scheint es jedoch für den Leser umso greifbarer, dass eine Kommunikation über die Probleme zu der Erkenntnis führen würde, dass zumindest eine Gemeinsamkeit zwischen den Figuren existiert. Diese ist nämlich jene ausweglose Situation, wobei deren Kommunikation sowie die Erkenntnis darüber, dass die Situation geteilt wird, höchstwahrscheinlich und paradoxerweise, wenn nicht zur Veränderung, dann zumindest zum Trost der Einzelnen beitragen könnte. Stattdessen ergeben sich Carvers Charaktere oft wie paralysiert, stumm und isoliert ihrem Schicksal (z.B. „Preservation“).

[...]


1 Beide Kurzgeschichtensammlungen sind in dem Buch: The Stories of Raymond Carver (Carver 1985) veröffentlicht.

2 Der Blaue Kragen kommt offensichtlich vom blauen Overall, den Arbeiter in den Fabriken oder an ähnlichen Arbeitsplätzen tragen. Das Gegenteil davon ist white collar (weißer Kragen), der sich auf das weiße Hemd und Schlips bezieht, was eine typische Bürokleidung darstellt. Der Bezug auf die Krägen lässt also gewissermaßen als pars pro toto den Rückschluss auf eine Klasse zu. In Carvers Fall ist dies die Unter- und untere Mittelschicht.

3 Dies ist auch für die meisten der Geschichten in Cathedral noch wahr.


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