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Der Sinn des Lebens - Analyse der komischen Darstellungsformen bei Monty Python

Scholary Paper (Seminar), 2005, 23 Pages
Author: Julius Pöhnert
Subject: Theater Studies

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V39549
ISBN (E-book): 978-3-638-38286-1
ISBN (Book): 978-3-638-65495-1
File size: 439 KB
Notes :
Die Arbeit analysiert anhand der klassischen Komiktheorien (Bachtin, Bergson, Freud) und anhand aktueller Rezeptionen die komische Wirkung der Sketche der britischen Komikertruppe Monty Python. Als exemplarisches Beispiel wird hier besonders der Film "The Meaning of Life" herangezogen. Es werden die Funktionsweisen des schwarzen und des britischen Humors sowie des Grotesken als auch theatrale Darstellungsformen, Übertreibungen und Tabubrüche analysiert und auf Theatertraditionen zurückgeführt.


Abstract

1969 schließen sich sechs Komiker zusammen, um für die BBC eine außergewöhnliche Comedyshow zu produzieren: Monty Python’s Flying Circus. Mit schwarzem britischen Humor und absurden, ungewöhnlichen Sketchen trifft die Komikertruppe in England, sowie bald international, auf geteilte Meinungen. Sehr schnell jedoch bildet sich besonders unter den jüngeren Zuschauern eine Fangemeinde, die Monty Python’s Flying Circus hohe Einschaltquoten garantiert und eine Fortsetzung der Sendung über vier Staffeln ermöglicht. Es stellt sich die Frage, was die nonkonformen Darstellungen von Monty Python ausmacht. Sowohl die nicht zwangsläufig auf eine Pointe hinauslaufende Dramaturgie, als auch Tabubrüche und theatrale Übertreibungen des schwarzen Humors bilden eine Besonderheit in Monty Pythons Sketchen. In vorliegender Arbeit wird analysiert, nach welchem Prinzip diese funktionieren.


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Theaterwissenschaft/ Mediendramaturgie
Proseminar: „Kernbereich Mediendramaturgie: Dramaturgie der Komik“
3. Semester

Der Sinn des Lebens – Analyse der komischen
Darstellungsformen bei Monty Python

von: Julius Pöhnert

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  2

2. Die Dramaturgie eines Monty Python-Sketches  3

3. Humor und Gesellschaftskritik in The Meaning of Life 5

4. Funktionsweisen des Humors bei Monty Python 8

4.1 Schwarzer Humor und Groteskes 8
4.2 Theatrale Darstellungsformen und Übertreibungen 11
4.3 Tabubrüche  13

5. Schlusswort  15

Literaturverzeichnis 16

Videoverzeichnis  17

Anhang 18


 

1. Einleitung

1969 schließen sich sechs Komiker zusammen1, um für die BBC eine außergewöhnliche Comedyshow zu produzieren: Monty Python’s Flying Circus. Mit schwarzem britischen Humor und absurden, ungewöhnlichen Sketchen trifft die Komikertruppe in England, sowie bald international, auf geteilte Meinungen. Sehr schnell jedoch bildet sich besonders unter den jüngeren Zuschauern eine Fangemeinde, die Monty Python’s Flying Circus hohe Einschaltquoten garantiert und eine Fortsetzung der Sendung über vier Staffeln ermöglicht 2. Es stellt sich die Frage, was die nonkonformen Darstellungen von Monty Python ausmacht. Sowohl die nicht zwangsläufig auf eine Pointe hinauslaufende Dramaturgie, als auch Tabubrüche und theatrale Übertreibungen des schwarzen Humors bilden eine Besonderheit in Monty Pythons Sketchen. In vorliegender Arbeit wird analysiert, nach welchem Prinzip diese funktionieren.

Als Analysebeispiel hierfür wird besonders Monty Pythons letzter Film, The Meaning of Life, herangezogen. The Meaning of Life erzählt in episodisch miteinander verbundenen Sketchen über die Absurdität der menschlichen Existenz. In dem Film sind viele Ideen Monty Pythons zusammen gefasst und mit dem für die Truppe größten Budget verfilmt, deshalb kann er als exemplarisches Beispiel dienen. Als Grundlage zu Informationen über Monty Python dienen die Bücher von Andreas Pittler3 und Guido Mann4, die umfassende Darstellungen von Monty Pythons Schaffen bieten. Wichtige Informationen über die narrativen Muster britischer Filmkomödien wurden zudem Hartmut Pospiechs Buch5 entnommen. Bedeutende Grundlagen zur Theorie der Komik stammen auch aus Henri Bergsons bereits 1900 veröffentlichtem Werk „Das Lachen“6, da es eine zeitlose Basis der Komiktheorie bildet. Anhand dieser und weiterer Quellen ist es möglich, die Besonderheiten und Wirkungsweisen komischer Darstellungsformen in Monty Pythons Werk zu ergründen, die zunächst mit den klassischen Theorien der Komik unvereinbar scheinen.

2. Die Dramaturgie eines Monty Python-Sketches

Um die Funktionsweise eines Python-Sketches zu verstehen, ist die Analyse seines dramaturgischen Aufbaus von elementarer Wichtigkeit, denn bereits hier zeigen sich auffällige Besonderheiten. Guido Mann arbeitet das wichtigste Element der Komik Monty Pythons heraus: In einer unkonventionellen Show rebellierten sechs junge Männer gegen die vorhersehbaren Formate anderer Comedy-Shows. Sie machten die Unvorhersehbarkeit zur Tugend, so daß der „Flying Circus“ bis zuletzt mit jeder Episode, mit jedem Sketch neu erfunden wurde.7

Zwar wird hier die Kreativität der Truppe überbewertet, denn unter den einzelnen Sketchen gibt es eine Vielzahl von Wiederholungen und Neuauflagen, dennoch ist der Aspekt der Unvorhersehbarkeit in Monty Pythons Sketchen von großer Bedeutung. Oftmals sind die Ideen der Sketche zu absurd, um vorhergesehen zu werden. Der Einsatz des „lustigsten Witzes der Welt“, der seine Zuhörer und Leser zum Totlachen bringt, als Waffe im Zweiten Weltkrieg ist in Monty Pythons Wunderbare Welt der Schwerkraft ebenso unerwartet wie die Einfügung eines absurden Filmausschnittes in der Mitte von The Meaning of Life: Für einige Minuten wird der Film von einer Moderatorin unterbrochen und der Zuschauer aufgefordert, in einer an absurdes Theater erinnernden Szene einen Fisch zu suchen. Dieser Bruch dramaturgischer Konventionen spaltet das Publikum des Films. Einerseits mögen die Zuschauer über diesen unpassenden und grotesken Einschub belustigt sein, andererseits können diese durch die experimentelle Darstellung auch vollkommen überfordert reagieren.

Zu den Anfängen von Monty Python’s Flying Circus konnte das Publikum die unerwarteten Darstellungen oft nicht deuten: Wie die meisten Shows lief auch Monty Pythons Flying Circus vor Studiopublikum. Doch das war rettungslos überfordert, oder wie sich John Cleese erinnert, blickte stets zur falschen Zeit auf die falsche Stelle. Was heute unzweifelhaft als komisch empfunden wird, wurde anno 69 mitunter vor unangenehmer Stille zur Aufführung gebracht.8 Dass das Publikum zu den wiederholten Sketchen heute über mehr Stellen lacht, zeigt Monty Pythons Vorreiterrolle in der Komik. Viele der von Python erstmals inszenierten Elemente sind heute etabliert und einer breiten Publikumsschicht verständlich. Doch noch ein weiteres dramaturgisches Element der Pythonschen Komik muss an dieser Stelle genannt werden: Der oftmalige Verzicht auf eine Pointe. Das prominenteste Beispiel hierfür ist ein Sketch, der sowohl in Monty Python’s Flying Circus als auch in Monty Pythons Wunderbare Welt der Schwerkraft Verwendung findet: Ein Mann kommt in die Tierhandlung mit einem toten Papagei, den er zurückgeben möchte. Vor einer Stunde hat er das Tier bereits tot erstanden. Der Verkäufer versucht nun zu erklären, dass der Papagei lebendig sei und lediglich schlafe, selbst als der Kunde mit dem toten Vogel auf den Tisch des Verkäufers schlägt. Der Sketch handelt von einer abwegigen Diskussion zwischen Verkäufer und Kunde. Eine Pointe fehlt, letztendlich erhält der Käufer sein Geld zurück. Der Witz in diesem Sketch besteht aus den abstrusen Ausreden des Verkäufers und der Vielzahl von Versuchen, mit denen der Kunde den Tod des Vogels beweist. Der Sketch ist somit durchgehend lustig, baut aber keine Pointe am Ende auf. Oftmals wird diese Vorgehensweise von Monty Python in selbstreflexiver Form thematisiert:

[...]


1 John Cleese, Terry Gilliam, Terry Jones, Graham Chapman, Michael Palin und Eric Idle drehen 1969 die erste Folge für Monty Python’s Flying Circus. „Monty Python“ ist dabei ein eher zufällig entstandener Phantasiename (siehe Mann, 1969: Monty Python formiert sich, 1. Seite).

2 Siehe Giesen 1993, 181f.

3 Siehe Pittler 1997.

4 Siehe Mann (Datum n.a.).

5 Siehe Pospiech 1996.

6 Siehe Bergson 1988.

7 Mann (Datum n.a.), Vorwort (keine Seitenzahlen).

8 Pittler 1997, 47.


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