Max Webers "Protestantische Ethik"

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Details
Autor: Nina Anikina
Fach: Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Veranstaltung: Geschichte der Soziologie
Institution/Hochschule: Universität Duisburg-Essen
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 7 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 214 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-38345-5
Textauszug (computergeneriert)
Max Webers "Protestantische Ethik"
von: Nina Anikina
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung S. 3
II. Konfession und soziale Schichtung S. 4
III. Zum „Geist“ des Kapitalismus bei Weber S. 6
IV. Die religiösen Grundlagen der innerweltlichen Askese S. 10
V. Fazit S. 18
VI. Literaturverzeichnis S. 19
I. Einleitung
Um sich ein Verständnis des eigentlichen Ertrages der Protestantischen Ethik zu erschließen, ist es notwendig sich zu vergegenwärtigen, welche Vorgeschichte die Protestantische Ethik hatte, welchen wissenschaftlichen Diskussionszusammenhängen sie entsprang und wie und warum sie von Weber thematisiert wurde. Das zu Ende gehende 19. und das anbrechende 20. Jahrhundert war die Zeit des sich fest etablierenden, neuzeitlichen Kapitalismus. (Küenzlen 1980: 13).
Vor allem aber waren es zeitgenossische Studien, die wie Weber auch, die Fragen nach der Herkunft, den Entstehungsfaktoren und Ursachen des neuzeitlichen Kapitalismus stellten. Dies galt zunächst für alle marxistischen Theorien und für die Arbeiten von K. Kautskys und E. Bernstein, die Weber beim Verfassen der protestantischen Ethik durchaus geläufig waren. In unmittelbarer Berührung stand Weber auch mit den Arbeiten von G. Simmels „Philosophie des Geldes“ (1900) und W. Sombarts „Der moderne Kapitalismus“ (1902). Alle diese Arbeiten setzten sich im Prinzip mit der gleichen Frage auseinander: Die Untersuchung der Entstehungsursachen des modernen Kapitalismus und dessen zunehmender Einfluss auf das menschliche Handeln und auf die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins.
In der protestantischen Ethik richtet Max Weber seine Forschungsinteressen schließlich auf religionssoziologische Fragestellungen, wobei dies auf seine vorwissenschaftliche Erfahrungswelt, auf seine Begegnungen mit der evangelisch-sozialen Bewegung zurückzuführen ist. In diesem Zusammenhang meint Hartmut Lehmann, dass Weber, wenn er die Berufskonzeption und das Berufsleben des asketischen Protestantismus beschrieb - im Grunde von seinen eigenen Sorgen, Anfechtungen und Hoffnungen in der Phase seiner Rekonvaleszenz berichtete: „Das Reich Gottes, in dessen Dienst die Calvinisten sich abmühten, war für Weber die Welt der Wissenschaft“ (Lehmann 1996: 116). Hartmann Tyrell vermutet, dass die religiös-asketische Richtung, in der Weber die Antwort auf seine historisch-genetische Frage suchte, eine wesentlich von Friedrich Nietzsche gewiesene war: „Das, was Weber ‚seine Psychologie’ nannte, hatte eine Reihe von Quellen, darunter nicht zuletzt theologische; aber gerade da, wo es bei ihm um die zentrale Thematik der ‚Rationalisierung’ von Handeln, Lebensführung und Affekthaushalt (aber auch um die mentalen Sperren dagegen) geht, taucht unverkennbar, wie sich zeigen wird, und bis in die Sprachwahl hinein Nietzsche am Horizont auf“ (Tyrell 1990: 132).
Ein zentrales Merkmal des allgemeinen Bewusstseins in Webers Epoche war ein ungebrochenes Vertrauen in die moderne Wirtschaftsverfassung, den Staat und die tragende Kraft der Rationalität. So befasst sich auch Weber mit der wichtigen Frage nach der Genese und den Stützen der modernen, das menschliche Handeln und Denken umfassenden Rationalität. Der Ruhm Gottes, dem die erwählten Christen in rastloser Berufsarbeit dienten, das war der wissenschaftliche Fortschritt, den Weber befördern wollte. Gottes Gebote, die die Calvinisten zu achten hatten, wenn sie nicht ihr Seelenheil verlieren wollten, sind für Weber die Grundregeln einer wissenschaftlich begründeten Methodologie. In seiner Arbeit werden die beruflichen Aufgaben der Calvinisten in Form der wissenschaftlichen Herausforderungen dargestellt. Es findet eine schlüssige Erklärung des Zusammenhangs zwischen protestantischer Ethik und dem Geist des Kapitalismus statt.
II. Konfession und soziale Schichtung
Ausgangspunkt der ersten religionssoziologischen Untersuchung Webers war die Arbeit seines Schülers Martin Offenbacher über Konfession und soziale Schichtung („Eine Studie über die wirtschaftliche Lage der Katholiken und Protestanten in Baden“), die zu einem interessanten Ergebnis führte: Protestanten verfügen über mehr Kapitalbesitz, sind besser gebildet und finden sich in qualifizierteren Berufen wieder als Katholiken. Aufgrund dieser Sozialstatistiken stellt Max Weber fest, dass in konfessionell gemischten Ländern auffallend häufig Kapitalbesitz und Unternehmertum einen „ganz vorwiegend protestantischen Charakter“ (Weber 1969: 29; Hervorhebung im Original) zeigen. In seinen Überlegungen nach den Gründen solcher überragenden Beteiligung der Protestanten an der Leitung und den oberen Stufen der Arbeit in den großen gewerblichen und Handelsunternehmungen greift Max Weber zum Teil auf historische Gründe zurück und betrachtet dabei die konfessionelle Zugehörigkeit nicht als Ursache ökonomischer Erscheinungen, sondern eher als Folge derselben: „Die Beteiligung an jenen ökonomischen Funktionen setzt teils Kapitalbesitz, teils kostspielige Erziehung, teils und meist, beides voraus, und ist heute an den Besitz ererbten Reichtums oder doch einer gewissen Wohlhabenheit gebunden“ (Weber 1969: 30).
Um umgekehrt die geringere Anteilnahme der Katholiken „am kapitalistischen Erwerb“ oder „an der gelernten Arbeiterschaft der modernen Großindustrie“ zu erklären, geht Weber auf das Kausalverhältnis der „anerzogenen geistigen Eigenart“ ein, „die durch die religiöse Atmosphäre der Heimat und des Elternhauses bedingte Richtung der Erziehung, die Berufswahl und die weiteren beruflichen Schicksale bestimmt hat“ (Weber 1969: 32; Hervorhebungen im Original). Es scheint also in beiden Konfessionen ein unterschiedliches Wirtschaftsverhalten zu geben, wobei Protestanten aktiver und weniger traditionalistisch erscheinen als ihre katholischen Mitchristen. Die Kirche an sich kann dafür nicht die Ursache sein, meint Weber, da die Reformation die kirchliche Herrschaft nicht beseitigt, sondern nur durch eine andere ersetzt hat, wobei die neue, protestantische Kirche das Leben der einzelnen Gläubigen in noch viel stärkerem Maße der Reglementierung unterworfen hat als dies im katholischen Bereich für das Alltagshandeln je der Fall war. Der eigentliche Grund für dieses unterschiedliche Verhalten im Alltagsleben muss demnach in der inneren Eigenart der Konfessionen liegen und es stellt sich für Weber die Frage, welche Elemente dafür wohl in Frage kommen könnten. „Weltfremdheit“ alleine ist seiner Ansicht nach jedenfalls nicht mehr als ein pauschales Schlagwort, das noch dazu für beide Konfessionen zutrifft, wenn unter „Weltfremdheit“ das „starke Vorwalten religiöser Interessen in der Lebensführung“ verstanden wird (Weber 1969: 35).
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