Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Daniel Pontzen
Fach: Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Tags: Reihen, Rolle, US-Fernsehens, Irak-Kriegen, Hauptseminar, Mediensystem
Jahr: 2004
Seiten: 27
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 38 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 592 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-38351-6
Die Arbeit liefert eine vergleichende Betrachtung zwischen der Berichterstattung des US-Fernsehens während des Golfkriegs 1991 und des Irakkriegs 2003. Einer Untersuchung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Berichterstattung des ersten Krieges folgt eine genaue Betrachtung des Konzeptes des Embedded Reporting, dessen Analyse das Kernstück dieser Arbeit darstellt. In die Betrachtung fließen auch die Ergebnisse erster hierzu veröffentlichter Studien ein.
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Kommunikationswissenschaft
Hauptseminar: Das amerikanische Mediensystem
Die Reihen festgeschlossen? Die Rolle des
US-Fernsehens in den Irak-Kriegen
von: Daniel Pontzen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Kriegsjournalismus oder mediale Kriegsbegleitung? 3
1.1 Begründung der Auswahl der betrachteten Medien 4
2. Berichterstattung während des Golfkrieges 1991 5
2.1 Das Prinzip des Pool-Reporting 5
2.2 Das ‚CNN-Monopol’: Die exponierte Stellung und besondere Bedeutung der Berichterstattung des Nachrichtensenders 6
2.3 Die Kamera als Waffe – das Fernsehen als kriegsbeeinflussende Komponente 7
2.4 Propagandaerfolg oder effizienter Journalismus? Eine Bewertung der Berichterstattung über den Irakkrieg 1991 und das Pool-Reporting 9
3. Berichterstattung des US-Fernsehens während des Irak-Krieges 2003 10
3.1 Veränderte Bedingungen seit dem 11.September 2001 11
3.2 Das Konzept des Embedded Reporting 11
3.3 Eine erste Evaluierung des Embedded Reporting 12
3.3.1 Studie der Columbia University: What Are Americans Getting? 12
3.3.1.1 Methode 13
3.3.1.2 Ergebnisse 14
3.3.1.3 Kritik 17
3.3.2 Studie der Cardiff University: The role of Embedded Reporting during the 2003 Iraq war 17
3.3.2.1 Methode 17
3.3.2.2 Ergebnisse 18
3.3.2.3 Kritik 19
3.3.3 Embedded Reporting in der wissenschaftlichen Diskussion 19
4. Fazit und Ausblick 22
5. Literaturverzeichnis 24
1. Einleitung: Kriegsjournalismus oder mediale Kriegsbegleitung?
„Die Wahrheit ist immer eines der ersten Opfer von Krieg.“1 Diese Erkenntnis, die mit Johann Galtung einer der führenden Kommunikationswissenschaftler unserer Tage formuliert hat, stützt sich auf Erfahrungen aus vielen Jahrhunderten. Große Kriegsherren haben seit jeher die Bedeutung des Wortes erkannt und für sich zu nutzen gesucht; spätestens mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wandelte sich jenes Phänomen von einer Begleiterscheinung des Krieges zu dessen Instrument: Propaganda war zu einer der gezieltest eingesetzten, bedeutendsten Waffen geworden. Speziell die Macht des Bildes hatte sich den Kriegstreibenden erschlossen. Den Erfolg der eigenen Armee ins rechte Licht zu rücken, war ein ebenso gewichtiges Ziel geworden wie der Erfolg selbst: „Schon im Zweiten Weltkrieg experimentiert man mit fernseh-gesteuerten Bomben: Die sogenannte Fernsehbombe entsteht auf den Reisbrettern der Ingenieure.“2 Die Art und Weise der Einflussnahme auf die Kriegsberichterstattung hat sich fortan rasant entwickelt. Sind auf kriegstechnologischem Gebiet Tarnkappenbomber und Spürpanzer hervorgebracht worden, so stehen diesen Errungenschaften auf propagandistischem Sektor Berichterstatter-Pools und Embedded Reporting gegenüber.
Jene Schlagworte sind in der jüngeren Kriegshistorie der Vereinigten Staaten von Amerika zu verorten. Beide lieferten Anlass zu heftigen Auseinandersetzungen über die Rolle der Medien zu Kriegszeiten. Speziell die Berichterstattung US-amerikanischer Fernsehstationen ist in diesem Zusammenhang in den Fokus der kommunikationswissenschaftlichen Betrachtung gerückt. „Welche Rolle können Medien in Kriegseinsätzen überhaupt spielen? [...] Sind sie zur Einseitigkeit verdammt, Kriegsspielzeug, das die Begleitbilder für ein inszeniertes Spektakel von globaler Herrschaft liefert?“3 Oder, vereinfacht und Blick auf den jüngsten Krieg im Irak formuliert: „Wie kritisch kann selbst ein erfahrener Reporter sein, wenn er morgens mit den US-Soldaten frühstückt und mittags mit ihnen um sein Leben fürchten muss?“4
Jenen Fragen widmet sich diese Arbeit. Sie soll eine vergleichende Betrachtung zwischen der Berichterstattung während des Golfkriegs 1991 und des Irakkriegs 2003 liefern. Hierzu soll zunächst eine Untersuchung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Berichterstattung des ersten Krieges Aufschluss darüber geben, inwiefern sich Medien haben beeinflussen lassen – respektive welche Auswirkungen die ‚War Coverage’, insbesondere jene des US-Fernsehens, gezeitigt hat; und ferner, inwieweit sie in rückwirkender Weise Einfluss auf das Kriegsgeschehen genommen hat. Im Anschluss rückt die Berichterstattung über den jüngsten Irak-Krieg in den Mittelpunkt, im Speziellen das neue Konzept des Embedded Reporting, dessen Analyse das Kernstück dieser Arbeit darstellt. Haben sich die düsteren Prophezeiungen hinsichtlich dieser neuen, von Regierungsseite aufoktroyierten Form der Kriegsberichterstattung bewahrheitet? Eine Vorstellung der hierzu vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse soll Aufschluss darüber geben – einer inhaltsanalytische Studie der Columbia University , die sich speziell mit jenen Fragen auseinander gesetzt hat und sich an der Berichterstattung der bedeutendsten US-amerikanischen Fernsehstationen orientiert, erhält eine entsprechende Akzentuierung – genau wie eine in Umfang und Tiefe darüber hinausreichende Untersuchung der Cardiff University. Zusammenfassend wird eine vergleichende Evaluierung der Berichterstatter-Pools bzw. des Embedded Reporting vorgenommen, ehe eine Darstellung potenzieller neuartiger Formen der Kriegsberichterstattung in einem Ausblick mögliche Alternativen aufzeigen soll.
1.1 Begründung der Auswahl der betrachteten Medien
Das journalistische Angebot ist breit gefächert, je nach Gebiet und Ziel der Berichterstattung offenbaren einzelne Medien Stärken oder Schwächen gegenüber anderen und nehmen Vorreiterrollen ein. Im Falle der hier betrachten Kriege gilt dies zweifellos für das Medium Fernsehen, da dessen unmittelbare und scheinbar eindeutige Rezipientenansprache Vorteile gegenüber Konkurrenzmedien zeitigt. Rota geht sogar soweit, zu sagen, „... dass TV-Kanäle im politischen Spannungsfall Teil einer kulturell-politischen Auseinandersetzung sind. Sie stehen aus ökonomischen und politischen Gründen als Sprachrohr für die jeweilige Volksmeinung bzw. die Regierung zur Verfügung.“5 In den hier betrachten Konflikten – Golfkrieg 1991 und Irakkrieg 2003 – ist die überragende Bedeutung der US-amerikanischen Fernsehstationen in der Berichterstattung evident; nicht nur in Bezug auf das amerikanische Publikum: „So berichten [deutsche; Anm. d. Verf.] TV-Korrespondenten vor Ort oft nur das, was Agenturjournalisten oder Sender wie CNN [...] recherchiert und berichtet haben“6 Beispiele gibt es zuhauf. „So kooperieren RTL und n-tv mit CNN, NBC und CBS und die ARD mit ABC, CBC und der BBC. [...] Das ZDF wiederum hat beispielsweise Zugriff auf das Material von [...] NBC.“7 Zwar nahm die Bedeutung arabischer Sender stark zu.
„Im Vorfeld des Irakkrieges und vor allem nach seinem Beginn wurde ein Konkurrenzkampf zwischen CNN und Al-Dschasira um Marktanteile, Kontakte in der Region, die Positionierung von Kamerateams und ihren jeweiligen Einfluss auf die TV-Zuschauer ausgemacht.“8 In der vorliegenden Arbeit ist dennoch eine Konzentration auf die US-amerikanischen Sender geboten – zum einen, weil nur sie das im Mittelpunkt der Untersuchung stehende Prinzip des Embedded Reporting praktiziert haben, zum anderen, weil nur dann eine vergleichende Betrachtung der Berichterstattung von 1991 und 2003 sinnstiftend möglich erscheint.
2. Berichterstattung während des Golfkrieges 1991
„,Es geht los! Blitze zucken über den nächtlichen Himmel der irakischen Hauptstadt!“9 Dies war der erste Satz der Berichterstattung über den Golfkrieg, live ausgestrahlt in CNN in den USA. Der weltweit empfangbare Nachrichtenkanal nahm in der Berichterstattung über jenen Konflikt eine Sonderstellung ein (siehe 2.2). Darüber hinaus war die Berichterstattung in erster Linie durch das neue Konzept des Pool-Reporting charakterisiert.
2.1 Das Prinzip des Pool-Reporting
Das sog. ‚Pentagon Pool System’ wurde vom Department of Defense National Media Pool entwickelt, um die Kriegsberichterstattung zu organisieren10. „[Das] Pool-System [sah vor], dass ausgewählte Journalisten von der Armee an bestimmte Punkte des Kampfgebiets gebracht wurden und dort unter Aufsicht filmen und recherchieren durften, um danach ihr Material mit den zurückgebliebenen Kollegen zu teilen“11
Die Kontrolle oblag dem Joint Information Bureau. Mit zunehmender Zahl der im Irak eintreffenden Journalisten wurden neue Pools gegründet, ihre Zusammensetzung wurde später den Journalisten selbst überlassen, doch alle Berichterstatter “had to rely on what the pools produced and with what the military fed them“12. Von Seiten des Militärs wurde sichergestellt, „dass alle Inhalte, die militärische Vor - bereitungen und Operationen betrafen, von den Pressestellen der kriegführenden Parteien zensiert waren“13. “The Pentagon […] photographed, fingerprinted, and gave detailed marching orders to the reporters; it required all stories to be submitted for ‘security reviews’; no one could report details of operations, numbers of troops, or specific locations; no journalists could report from frontline units, […] except in those small press pools.”14
Eine besondere Rolle kam bei jener Medienkontrolle durch das Pool-Reporting dem Präsidenten zu. “Throughout the crisis, the White House directed the military’s dealings with the press and used the information monopoly that resulted from the press curbs to bolster its public relations efforts and prevent press coverage from damaging either national or presidential interests.”15
2.2 Das ‚CNN-Monopol’: Die exponierte Stellung und besondere Bedeutung der Berichterstattung des Nachrichtensenders
[...]
1 Galtung, Johan; Fischer, Dietrich: Kriegsberichterstattung kann Konflikte verlängern. In: Medien Journal: Medien in Krieg und Entwicklung. Innsbruck: 2/2003, S. 7.
2 Steinmaurer, Thomas: The Medium is the Missile. Medien-Collage/Kriegs-Bild: Eine Dokumentation. In: Österreichische Gesellschaft für Kommunikationsfragen (Hg.): Medien im Krieg. Die zugespitzte Normalität. Salzburg: 1991, S. 31.
3 Luger, Kurt: Medien in Krieg und Entwicklung. In: Medien Journal, 2/2003, Innsbruck, S. 3.
4 Roether, Diemut: Füttern und einbinden. In: journalist, 52.Jg., Remagen-Rolandseck: 3/2003, S.15.
5 Rota, Franco: Dramaturgie, ‚Embeddedness’ und der Verlust politischer Orientierung. Aspekte der Darstellung des Irakkrieges 2003 im Fernsehen. In: Capurro, Rafael (Hg.): Krieg und Medien - Verantwortung zwischen apokalyptischen Bildern und paradiesischen Quoten? Stuttgart: 2004, S.161.
6 Prothmann, Hardy: Nachrichten-Hoheit. In: Medium Magazin, 18.Jg., Freilassing: 5/2003, S. 46.
7 Prothmann, Hardy: Kriegsbilder. In: Medium Magazin, 18.Jg., Freilassing: 4/2003, S. 32.
8 Rota, a.a.O., S.159.
9 Washietl, Engelbert: Zurechtweisung und Zensuren: Journalistische Leistung und berufliche Zwänge. In: Österreichische Gesellschaft für Kommunikationsfragen (Hg.): Medien im Krieg. Die zugespitzte Normalität. Salzburg: 1991, S.49.
10 Vgl. Young, Peter; Jesser, Peter: The Media and the Military. From Crimea to Desert Strike. London: 1997, S.175.
11 Bussemer, Thymian: Medien als Kriegswaffe. Eine Analyse der amerikanischen Militärpropaganda im Irak-Krieg. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Aus Politik und Zeitgeschichte. B 49-50, Bonn: 2003.
12 ebd.
13 Schmolke, Michael: …dass die ganze Welt zuhört. Kriegsberichterstattung zwischen Prohibition und Exhibition. In: Österreichische Gesellschaft für Kommunikationsfragen (Hg.): Medien im Krieg. Die zugespitzte Normalität. Salzburg: 1991, S.39.
14 Cumings, Bruce: War and Television. New York: 1992, S. 110.
15 Thrall, Trevor A.: War in the Media Age. Cresskill: 2000, S.173.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: