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Intertextualität in Hjalmar Söderbergs "Martin Bircks Ungdom"

Autor: Katrin Raschke
Fach: Skandinavistik

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 27
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 229 KB
Archivnummer: V39657
ISBN (E-Book): 978-3-638-38376-9
ISBN (Buch): 978-3-638-65508-8

Zusammenfassung / Abstract

In Hjalmar Söderbergs 1901 erschienenem Roman „Martin Bircks Ungdom“ heißt es an einer Stelle: „Men den första orsaken till deras vänskap var den, att de bägge hade läst Niels Lyhne och älskade den mer än andra böcker." Wie wir sehen können, wird in diesem Textauszug explizit auf den 1880 erschienen literarischen Text „Niels Lyhne“ des dänischen Schriftstellers Jens Peter Jacobsen (1847-1885) verwiesen. Dass es sich bei diesem intertextuellen Verweis um keinen belanglosen Einzelfall handelt, sondern dass dieser Verweis im Gegenteil eine vom Autor intendierte, textkonstituierende Eigenschaft des Entwicklungsromans „Martin Bircks Ungdom“ darstellt, die wiederum die Sinnkonstitution des Textes maßgeblich bestimmt, möchte ich innerhalb dieser Arbeit darlegen. In diesem Sinne beschränkt sich der hier im Mittelpunkt stehende intertextuelle Bezugshorizont ausschließlich auf das Werk „Niels Lyhne“, womit jedoch nicht suggeriert werden soll, dass es keine weiteren Prätexte, d. h. keine anderen literarischen Texte, gibt, auf die Hjalmar Söderbergs Roman verweist. Bevor ich mich jedoch dieser Aufgabe widme, werde ich im ersten Teil die für die Textanalyse notwendigen theoretischen Voraussetzungen einführen. Ich werde also zunächst den Begriff der Intertextualität erläutern und anschließend eine auf Peter Stocker basierende Intertextualitätstheorie skizzieren. Im zweiten Teil werde ich mich der Textanalyse von „Martin Bircks Ungdom“ zuwenden. Nach einer kurzen Zusammenfassung beider Texte werde ich zunächst die verschiedenen Intertextualitätsformen, die auf den Prätext „Niels Lyhne“ verweisen, auflisten und kategorisieren. Anschließend werde ich untersuchen, welche Funktionen diese innerhalb des Textes erfüllen und letztendlich versuchen, mithilfe dieser aufgedeckten Textverweise eine abschließende Sinnkonstitution herauszuarbeiten.

Textauszug (computergeneriert)

Westfälische Wilhelms -Universität Münster
Institut für Nordische Philologie
Seminar: Skandinavische Prosa der Jahrhundertwende
Semesteranzahl: 6

Intertextualität in Hjalmar Söderbergs
"Martin Bircks Ungdom"

von: Katrin Raschke

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Intertextualität 4

2.1 Wortgeschichte  4
2.2 Intertextualitätsbegriff  8

3. Intertextualitätstheorie 9

3.1 Formen der Intertextualität 10
3.2 Funktionen der Intertextualität 13
3.3 Modell der Intertextualität 15

4. Hjalmar Söderbergs „Martin Birck Ungdom”  16

4.1 Prätext: Jens Peter Jacobsens „Niels Lyhne“ 17
4.2 Formen der Intertextualität 18
4.3 Funktionen der Intertextualität 24

5. Zusammenfassung  26

6. Literaturverzeichnis  27


 

1. Einleitung

In Hjalmar Söderbergs 1901 erschienenem Roman „Martin Bircks Ungdom“ heißt es an einer Stelle: Men den första orsaken till deras vänskap var den, att de bägge hade läst Niels Lyhne och älskade den mer än andra böcker.1 Wie wir sehen können, wird in diesem Textauszug explizit auf den 1880 erschienen literarischen Text „Niels Lyhne“ des dänischen Schriftstellers Jens Peter Jacobsen (1847-1885) verwiesen. Dass es sich bei diesem intertextuellen Verweis um keinen belanglosen Einzelfall handelt, sondern dass dieser Verweis im Gegenteil eine vom Autor intendierte, textkonstituierende Eigenschaft des Entwicklungsromans „Martin Bircks Ungdom“ darstellt, die wiederum die Sinnkonstitution des Textes maßgeblich bestimmt, möchte ich innerhalb meiner Hausarbeit darlegen. In diesem Sinne beschränkt sich der hier im Mittelpunkt stehende intertextuelle Bezugshorizont ausschließlich auf das Werk „Niels Lyhne“, womit jedoch nicht suggeriert werden soll, dass es keine weiteren Prätexte, d. h. keine anderen literarischen Texte gibt, auf die Hjalmar Söderbergs Roman verweist.

Bevor ich mich jedoch dieser Aufgabe widme, werde ich im ersten Teil meiner Hausarbeit die für die Textanalyse notwendigen theoretischen Voraussetzungen einführen. Ich werde also zunächst den Begriff der Intertextualität erläutern und anschließend eine auf Peter Stocker2 basierende Intertextualitätstheorie skizzieren. Im zweiten Teil werde ich mich der Textanalyse von „Martin Bircks Ungdom“ zuwenden. Nach einer kurzen Zusammenfassung beider Texte werde ich zunächst die verschiedenen Intertextualitätsformen, die auf den Prätext „Niels Lyhne“ verweisen, auflisten und kategorisieren. Anschließend werde ich untersuchen, welche Funktionen diese innerhalb des Textes erfüllen und letztendlich versuchen, mithilfe dieser aufgedeckten Textverweise eine abschließende Sinnkonstitution herauszuarbeiten.

2. Intertextualität

Wirft man einen Blick in die literaturtheoretischen Texte zu dem Thema „Intertextualität“ fällt zunächst auf, dass alles andere als Einigkeit über seine Bedeutung herrscht.3 So schreibt zum Beispiel Plett: Currently, intertextuality is a fashionable term, but almo st everybody who uses it understands it somewhat differently.4 Pletts Worte sind m. E. sehr aufschlussreich, da sie auf zwei zentrale Punkte hinweisen: zum einen auf die Popularität des Intertextualitätsbegriffs in der Literaturwissenschaft und zum anderen auf seine unterschiedliche Verwendungsweise. Wenden wir uns zunächst der Popularität des Intertextualitätsbegriffs zu.

2.1 Wortgeschichte5

Um zu verstehen, warum der Intertextualitätsbegr iff zu solch einem „fashionable term“ in der Literaturwissenschaft avancierte, ist es ratsam, einen Blick auf dessen Entstehung bzw. Wortprägung zu werfen. Das eigentliche Wort „intertextualité“ ist nämlich erst in den späten 60er Jahren von der Kulturwissenschaftlerin und Psychoanalytikerin Julia Kristeva geprägt worden.6 In Anlehnung an Michail Bachtins Dialgogizitätstheorie umschreibt Kristeva mit „Intertextualität“ das literarische Phänomen, dass sich Texte auf andere Texte beziehen.

Bevor ich jedoch etwas genauer auf Kristevas Intertextualitätsbegriff eingehe, möchte ich kurz darauf hinweisen, dass es sich bei dem literarischen Phänomen, das Kristeva als erste auf den Namen „Intertextualität“ taufte, um alles andere als ein neues Phänomen handelt. Pfister schreibt: „Schon seit der Antike haben sich Texte nicht nur in einer imitatio vitae unmittelbar auf Wirklichkeit, sondern in einer imitatio veterum auch aufeinander bezogen, und die Rhetorik und die aus ihr gespeiste Poetik brachten solche Bezüge von Texten auf Texte mit zunehmender Detailliertheit, wenn auch ohne Sinn für den Gesamtzusammenhang, auf den Begriff.“7 Man sollte sich also nicht dazu verleiten lassen, von der Neuheit der Bezeichnung auf die Neuheit des Phänomens zu schließen. Obwohl sich Kristeva explizit auf Bachtin bezieht, nimmt Kristeva „entsche idende[n] Umakzentuierungen“ 8 vor. So führt sie den Terminus „Intertextualität“ ein, obwohl in Bachtins Konzept der Dialogizität intratextuelle Phänomene, also Stimmen innerhalb eines Textes, im Vordergrund standen und postuliert, dass dieses Phänomen ein Wesensmerkmal aller literarischen Texte sei. In diesem Sinne schreibt sie:

Tout texte se construit comme mosaïque de citations, tout texte est absorption et transformation d’un autre texte. A la place de la notion d’intersubjectivité s’installe celle d’intertextualité, et le langue poétique se lit, au moins, comme double.9

[...]


1 Söderberg, Hjalmar (1943): S. 79. Hervorhebung von mir.

2 Stocker, Peter (1998).

3 „Der Begriff [der Intertextualität] erscheint vorerst nicht disziplinierbar, seine Polyalenz irreduzibel.“ (Lachmann, Renate: „Ebenen des Intertextualtitätsbegriffs“. S. 134. In: Stierle, K./Warning, R. (Hrsg.) (1984): Das Gespräch. Poetik und Hermeneutik. 11. München. S. 133- 138.). „Wenngleich Intertextualität sich in den letzten Jahren als fester Bestandteil der literaturtheoretische Diskussion und auch der interpretativen Praxis etabliert hat, so zeichnet sich der Begriff dennoch bis heute durch eine erstaunliche terminologische Vielfalt sowie durch konzeptuelle Offenheit aus.“ (Schahadat, Shamma: „Intertextualität: Lektüre – Text – Intertext“. S. 366. In: Pechlivanos, Miltos (Hrsg.) (1995): Einführung in die Literaturwissenschaft. Stuttgart und Weimar. 1995. S. 366-377.). „Dennoch kann heute kaum von einem gesicherten oder ‚disziplinierten’ Begriff ausgegangen werden.“ (Stocker, Peter (1998): S. 16.).

4 Plett, F. Heinrich (Hrsg.) (1991): S. 3.

5 Da ich innerhalb dieses Abschnittes nicht auf die Entwicklung des Phänomens bzw. des Begriffs der Intertextualität eingehe, sondern mich mit der Entstehung und Entwicklung des Ausdrucks bzw. des Worts „Intertextualität“ auseinandersetze, habe ich diesem Abschnitt den Titel „Wortgeschichte“ gegeben.

6 Siehe Kristeva, Julia : „Bakhtine, le mot, le dialogue et le roman.“ In : Critique (1967) H. 239. S. 438-465. Geringfügig revidiert in : Kristeva, Julia (1969) : Sémeiotiké : Recherches pour une sémanalyse. Paris. S. 143-173.

7 Broich, Ulrich/ Pfister, Manfred (Hrsg.) (1985): S. 1.

8 Broich, Ulrich/ Pfister, Manfred (Hrsg.) (1985): S. 6.

9 Kristeva, Julia (1969): Sémeiotiké: Recherches pour une sémanalyse. Paris. S.146.

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