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Die Entdeckung und Förderung künstlerischer Begabung im Grundschulalter

Autor: Annett Schulze
Fach: Kunst - Kunstpädagogik

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Details

Kategorie: Examensarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 86
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 76  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 488 KB
Archivnummer: V39709
ISBN (E-Book): 978-3-638-38414-8
Anmerkungen :
In dieser Arbeit werden zunächst der Begriff Begabung, die zeichnerische Entwicklung und die Entwicklung der Raumdarstellung in Kinderzeichnungen erläutert. Im Anschluss an die theoretischen Grundlagen wird die Vorgehensweise für die Entdeckung einer künstlerischen Begabung mithilfe ausgewählter Kritieren beschrieben. Es folgt eine praktische Untersuchung, bei der Zeichnungen ausgewertet und Förderungsmöglichkeiten entwickelt wurden.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Rostock
Fachbereich Erziehungswissenschaft/Institut Grundschulpädagogik/
Philosophische Fakultät

Die Entdeckung und Förderung künstlerischer Begabung im Grundschulalter

Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen

vorgelegt von

Annett Schulze

Rostock, 17. Oktober 2002

 

INHALTSVERZEICHNIS

0. Einleitung ... 4

1. Theoretische Grundlagen ... 6
1.1. Begabung ... 6
1.1.1. Definition von Begabung ... 7
1.1.1.1. Intelligenz ... 11
1.1.1.2. Kreativität ... 15
1.1.1.3. Motivation ... 19
1.1.2. Formen der Hochbegabung ... 20
1.1.3. Identifikation der Hochbegabten ... 21
1.1.4. Förderungsmöglichkeiten für begabte Kinder ... 26
1.2. Zwischenzusammenfassung ... 31

2. Zum bildnerischen Verhalten des Kindes ... 31
2.1. Die Kinderzeichnung als Gegenstand der Forschung ... 31
2.2. Die Entwicklung der zeichnerischen Fähigkeiten beim Kind ... 34
2.3. Die Entwicklung der Raumdarstellung ... 42

3. Die künstlerische Begabung ... 47

4. Zur künstlerischen Teilbegabung – Die visuell–räumliche Intelligenz ... 53

5. Die eigene Untersuchung zur Entdeckung einer künstlerischen Teilbegabung im Grundschulalter ... 55
5.1. Zur Untersuchungsklasse ... 55
5.2. Kriterien für die künstlerische Teilbegabung ... 55
5.3. Methodische Vorüberlegungen zur Entdeckung einer künstlerischen Teilbegabung ... 57
5.4. Zur Durchführung der Untersuchung ... 59
5.5. Allgemeine Auswertung der Zeichnungen ... 60
5.6. Vorstellung der Kinder und Auswertung ihrer Zeichnungen bei Verdacht auf eine künstlerische Teilbegabung ... 60

6. Förderungsmöglichkeiten für die Entfaltung der künstlerischen Teilbegabung ... 65
6.1. Allgemeine Hinweise ... 65
6.2. Zum Kennzeichnen von Raumtiefe mit Linien ... 67
6.3. „Ich beobachte die Segelschiff-Regatta“ ... 69
6.4. Perspektivisches Zeichnen ... 70
6.4.1 „Unsere Stadt“ ... 70
6.4.2 „Kubismus für Kinder“ ... 71

7. Schlussbetrachtung ... 73

8. Literatur ... 74

9. Anhang ... 82

 

0. EINLEITUNG


„Keine Gesellschaft kann es sich leisten, ihre begabtesten Mitglieder zu ignorieren, und alle Gesellschaften müssen sich ernsthaft damit auseinandersetzen, wie sie besondere Talente am besten fördern und ausbilden können.“ (WINNER 1998, 9)

Als ich mich, angeregt durch eine Lehrveranstaltung im Lernbereich Kunst und Gestaltung, mit dem Leben verschiedener Künstler beschäftigte, war ich fasziniert von den zeichnerischen Fähigkeiten, über die sie schon als Kinder verfügten. Pablo Picasso, z.B., zählte zu den Wunderkindern. Bereits mit sieben Jahren fertigte er akademische Zeichnungen an, deren minuziöse Genauigkeit ihn selbst erschreckten (vgl. WALTHER 1999, 8). Auch über Claude Monet wird berichtet, dass sich sein Zeichentalent früh zeigte (vgl. ZEIDLER 1998, 7). Mein so entstandenes Interesse an der künstlerischen Begabung im Kindesalter wurde verstärkt, als mir Kinderzeichnungen eines Erwachsenen aus meinem persönlichen Umfeld in die Hände fielen. Ich fragte mich, ob da vielleicht auch eine künstlerische Begabung vorhanden war, die aber leider nicht entdeckt und somit nicht gefördert werden konnte, wie vielleicht bei vielen anderen Kindern auch. Um in meiner zukünftigen Tätigkeit als Grundschullehrerin sensibilisiert für die künstlerische Begabung zu sein, entschied ich mich für das Thema: „Die Entdeckung und Förderung künstlerischer Begabung im Grundschulalter“.

Der Begriff „künstlerische Begabung“ schließt verschiedene Formen von künstlerischen Begabungen ein, die ich im Verlauf meiner Arbeit nennen werde. Im Rahmen meiner Arbeit beziehe ich mich ausschließlich auf die bildnerisch, zeichnerische Begabung und verfolge mit dieser Arbeit die Absicht, die Kriterien für eine künstlerische Begabung bei Grundschulkindern mit Hilfe von Literaturrecherche zu ermitteln um zu überprüfen, ob es in einer Rostocker Grundschulklasse Kinder mit künstlerischer Begabung gibt und wie ich ihre besonderen Fähigkeiten fördern kann.

Gerade die Grundschulzeit ist eine entscheidende Zeit für den weiteren Bildungsweg eines Kindes. „Aufgabe der Grundschule ist die grundlegende Bildung für alle Schüler zu gewährleisten. Dies bedeutet, jedes Kind entsprechend in seinen individuellen Möglichkeiten beim Lernen so zu begleiten, daß es sich in seiner Lebenswelt zurechtfindet“ (RAHMENPLAN GRUNDSCHULE 1997, 5). Die Pädagogen tragen dabei eine besonders große Verantwortung. Durch sie sollen sich die Schüler angenommen „und in entsprechender Umgebung gut aufgehoben fühlen und somit Zutrauen empfinden. Ausgehend von dieser personellen und räumlichen Bindung sind die Schüler gemäß ihrem Vermögen herauszufordern (. . .) Das bedeutet, die Individualität der Schüler zu beachten und im Unterricht differenziert zu arbeiten“ (RAHMENPLAN GRUNDSCHULE 1997, 5). Den individuellen Bedürfnissen der Schüler soll der Grundschulunterricht entgegenkommen. „Deshalb ist es Aufgabe der Lehrkräfte, dem Schüler als Subjekt mit seinen Erfahrungen, Vorstellungen, Interessen, Gefühlen, Fragen und Anregungen ausreichenden Raum zu geben“ (RAHMENPLAN GRUNDSCHULE 1997, 6). Im differenziert gestalteten Unterricht ist darauf zu achten, dass alle Schüler nicht gleichzeitig zu einem einheitlichen Leistungsniveau geführt werden, sondern dass dem jeweiligen Entwicklungsstand des Schülers angemessene Leistungsförderung und Lernbegleitung gewährt wird. Diese Aussagen des RAHMENPLANS GRUNDSCHULE: KUNST UND GESTALTUNG (1997) besagen, dass jedes Kind ein Recht auf einen Unterricht hat, der seinen Ansprüchen gerecht wird. Das gilt sowohl für Schüler mit oder ohne Leistungsschwächen, als auch für begabte Schüler. Auch sie müssen im Kunstunterricht beachtet und entsprechend ihren Fähigkeiten unterrichtet werden, denn es gehört zu den Zielen und Aufgaben des Kunstunterrichts das begabte Kind zu beachten und „die in ihm angelegten künstlerischen Möglichkeiten zu entdecken und zu entwickeln“ (RAHMENPLAN GRUNDSCHULE 1997, 8). Um ihre besondere Fähigkeiten zu entfalten, lernen sie im Kunstunterricht neben dem Arbeiten mit Stiften, Pinseln, Farben, Formen und Materialien das Beobachten. Der Kunstunterricht soll anregen, sich etwas auszudenken, künstlerisch zu gestalten und sich bildnerisch auszudrücken. Dabei ist es für die Entfaltung der künstlerischen Fähigkeiten wichtig, dass die Schüler erfahren, dass sie und ihre Werke von anderen ernst genommen werden und auch glücklich machen können. Im Kunstunterricht lernen sie über das, was sie tun, zu reflektieren. Dies kann zu neuen Ideen und Leistungen führen. Durch den Kunstunterricht können die Schüler innerlich bewegt werden, so dass sie mit Hingabe bei der Sache sind. Diese Erlebnisintensität macht Kunst und Gestaltung für die Kinder persönlich bedeutsam. Sie darf nicht verloren gehen, damit die bereits im Anfangsunterricht herausgebildeten besonderen Neigungen und Interessen weiter entfaltet werden (vgl. RAHMENPLAN GRUNDSCHULE 1997, 8). In diesem Sinne möchte ich mit dieser Arbeit auf künstlerisch begabte Grundschulkinder aufmerksam machen und versuchen zu helfen, dass ihre gestalterischen Fähigkeiten unterstützt werden!

Schon von klein an lieben Kinder das Kritzeln. Sie erfreuen sich an dem Hinterlassen von sichtbaren Spuren. Dieser Drang ist dem Menschen angeboren und darf nicht verloren gehen. Er ist Voraussetzung für das Fach Kunst und Gestaltung (vgl. RAHMENPLAN GRUNDSCHULE 1997, 7).

Die besonderen Fähigkeiten der Schüler müssen erkannt werden, da das „spontane Ausdrucksvermögen verkümmert (. . . ), wenn die Bildsprache nicht gepflegt und gefördert wird“ (KUMHER 1968, 9).

Aus diesem Grund habe ich versucht, zeichnerisch begabte Kinder zu entdecken und Förderungsmöglichkeiten für sie zu entwickeln. Meine Untersuchung bezieht sich auf die bildnerischen Fähigkeiten künstlerisch begabter Kinder unter besonderer Berücksichtigung der räumlichen Darstellungsfähigkeit, so dass ich die künstlerische Begabung auf den Teilbereich „Raumdarstellung“ bezogen habe. Bevor ich aber meine Untersuchung und die Förderungsmöglichkeiten vorstelle, werde ich als theoretische Grundlage den Themenkomplex „Begabung“ beleuchten, seine Komponenten herausarbeiten und unterscheiden, welche Begabungsarten es gibt. Des weiteren sollen die Identifikationsmöglichkeiten begabter Kinder vorgestellt und auf allgemeine Förderungsmöglichkeiten begabte Kinder eingegangen werden. Anschließend werde ich die allgemeine Entwicklung der Kinderzeichnung und der räumlichen Darstellung beschreiben, um später die entwicklungsbedingten Unterschiede, durch die sich begabte von den normal-entwickelten Kindern unterscheiden, darstellen zu können.

1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN

Als Einstieg werde ich an dieser Stelle den facettenreichen Themenkomplex „Begabung“ als einen wichtigen Bestandteil meiner Arbeit erläutern. Dabei soll ein allgemeiner Überblick gegeben werden, was unter dem Begriff „Begabung“ zu verstehen ist und aus welchen Komponenten er besteht. Anschließend sollen die verschiedenen Begabungsformen, die Methoden zur Identifikation begabter Kinder und deren Förderungsmöglichkeiten vorgestellt werden.

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