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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 25 Pages
Author: Daniela Weingartz
Subject: Romance Languages - French Literature
Details
Tags: Sprachmischung, Molieres, Komödien
Year: 2005
Pages: 25
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-38508-4
File size: 430 KB
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Excerpt (computer-generated)
Ruhr-Universität Bochum
Romanisches Seminar
Literaturwissenschaftliches Hauptseminar: Molières Komödien
Sprachmischung in Molieres Komödien Le bourgeois
gentilhomme und Le malade imaginaire
von: Daniela Weingartz
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Analyse der Sprachmischung in Molières Kömodien Le bourgeois gentilhomme und Le malade imaginaire 5
2.1. Die Sprachmischung in der Komödie Le bourgeois gentilhomme 5
2.2. Die Sprachmischung in der Komödie Le malade imaginaire 14
3. Schlussbetrachtung 20
Bibliographie
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Sprachmischung in Molières Komödien Le bourgeois gentilhomme und Le malade imaginaire. Beide Stücke sind als Ballettkomödien konzipiert und in enger Zusammenarbeit zwischen Molière und den Komponisten mit Musik unterlegt worden. Eingangs soll ein kurzer Überblick über Ursprung und Bedeutung der Sprachmischung geliefert werden, während das zweite Kapitel sich auf die beiden genannten Komödien beziehen und eine Analyse der Molièreschen Fremdsprachenverwendung aufzeigen soll. Im Folgenden werden ausgewählte Textstellen, in denen fremde Sprachen eingesetzt wurden, zitiert und im Hinblick auf ihre Funktion und Bedeutung für den Gesamtzusammenhang der jeweiligen Komödie analysiert. Es findet eine separate Betrachtung beider Werke statt. Le bourgeois gentilhomme liegt mir sowohl in einer kommentierten, ungekürzten Schülerausgabe als auch in einer kommentierten Gesamtausgabe der Molièreschen Werke vor1. Aus derselben Gesamtausgabe zitiere ich auch die fremdsprachlichen Passagen des Le malade imaginaire2.
Beide Stücke stammen aus dem 17. Jahrhundert und lassen deutlich den Einfluss der damaligen aufkommenden höfischen Mode erkennen, fremde Sprachen wie das Lateinische, Italienische, Spanische, Portugiesische nebst Phantasiesprachen in die Werke einfließen zu lassen.3 Diese Phantasiesprachen hinterlassen oftmals den Eindruck osmanischer Herkunft und entpuppen sich nach näherer Betrachtung lediglich als ein „erfundenes Türkisch“. In der französischen Fachliteratur werden diese Sprachkonstrukte auch als „galimatias“ bezeichnet, was mit dem deutschen Begriff „Kauderwelsch“ übersetzt werden kann.4 Daneben wurde der Ausdruck des „Sabir“ geprägt, der von lat./it. ‚sapere’, span./port. ‚saber’ abgeleitet ist und bei dem es sich um die Mischsprache der romanischen, griechischen, arabischen und türkischen Seeleute und Händler im Mittelmeerraum handelt.5 Wie sich im Laufe der Arbeit zeigen wird, bedienen sich die Pseudo-Türken in Le bourgeois gentilhomme des „Sabir“. Die Verwendung des Lateinischen überwiegt in den meisten Werken des 17. Jahrhunderts, die sich der Sprachmischung bedienen. Diese Tatsache erstaunt jedoch nicht vor dem Hintergrund, dass gerade in dieser Epoche das humanistische Gelehrtenlatein in hohem Maße von speziellen Berufsgruppen gesprochen wurde. Die Verfasser literarischer Werke mokieren sich über Mediziner, Anwälte und Gelehrte und parodieren in ihren Komödien vor allem deren Fach- und Umgangssprache.
Seit dem Auftreten der italienischen Komödienautoren Palaprat und Regnard in der italienischen Theaterszene des ausgehenden 17. Jahrhunderts gewinnen die Verwendung der italienischen Sprache und ihrer dialektalen Ausprägungen an Ansehen. Den Gebrauch der spanischen Sprache findet man in den Komödien des 17. Jahrhunderts fast gar nicht vor – abgesehen von Molières Stück Le mariage forcé, in dem während der Eheschließung ein spanischer Gesang eingefügt wird.6
Die Gattung der multilingualen Literatur wird einerseits in sprachentrennend (intertextuelle Mehrsprachigkeit) und andererseits in mischsprachig (innertextuelle Mischsprachigkeit) unterschieden. Die Erscheinung, dass ein Autor mehrere fremde Sprachen auf seine verschiedenen Werke verteilt (intertextuelle Mehrsprachigkeit), ist bereits mit den Humanisten und der Beschäftigung mit antiker Literatur aufgetreten. Die Verwendung mehrerer Sprachen innerhalb eines Werkes, ergo die literarische Mischsprachigkeit oder innertextuelle Mischsprachigkeit, bildete sich hingegen schnell als ein typisches auf die komischen Gattungen beschränktes Phänomen aus, da es einer lächerlich und barbarisch geprägten Rhetorik und Poetik unterlag. Anders ausgedrückt, bedeutet dies, dass die Sprachmischung lediglich in dieser ‚minderwertigen’ Gattung der Komödie toleriert wurde und die intertextuelle Mehrsprachigkeit von Anbeginn eine tendenziell größere Akzeptanz in der Literatur erlebte.7
Zu einer speziellen Form der multilingualen Literatur entwickelte sich die makkaronische Dichtung, die ursprünglich lateinische Gedichte mit Einmischung griechischer, insbesondere volkssprachlicher Wörter und Wendungen mit lateinischen Flexionsendungen bezeichnete. Der spielerische Umgang mit der Sprache sollte einen parodistischen und komischen Effekt erzielen.8 Wie die Etymologie des Wortes bereits erkennen lässt, vereint die Makkaroneske oder makkaronische Dichtung „Elemente des Lateinischen und des Italienischen, wobei italienische bzw. dialektale Lexeme mit lateinischer Morphologie und Syntax das Grundmuster bilden.“9 Der Begriff der Makkaroneske selbst geht in der Tat auf die beliebte Nudelspeise der Italiener zurück. Die Sprachmischung wurde im Laufe der Zeit auf die Kreuzung des Lateinischen mit weiteren modernen europäischen Sprachen ausgeweitet. Die Komödie Le malade imaginaire zählt bis in die Gegenwart zu den bekanntesten Werken makkaronischer Dichtung außerhalb Italiens.
[...]
1 Molière, Jean-Baptiste: Le bourgeois gentilhomme. Comédie-ballet. Texte intégral présenté et annoté par Dietmar Fricke. Frankfurt a.M., Berlin, München, o.J. Regnier, M. Ad. (Hrsg.): Les grands écrivains de la France. (?)uvres de Molière. (Le bourgeois gentilhomme) Nouvelle édition revue sur les plus anciennes impressions et augmentée de variantes, de notices, de notes, d’un lexique des mots et locutions remarquables de portraits, de fac-similés, etc. par MM. Eugène Despois et Paul Mesnard. Tome huitième. Paris, 1923, S. 41-244.
2 Regnier, M. Ad. (Hrsg.): Les grands écrivains de la France. (?)uvres de Molière. (Le malade imaginaire) Nouvelle édition revue sur les plus anciennes impressions et augmentée de variantes, de notices, de notes, d’un lexique des mots et locutions remarquables de portraits, de fac-similés, etc. par MM. Eugène Despois et Paul Mesnard. Tome neuvième. Paris, ²1925, S. 279-510.
3 Die türkische Maskerade am Ende des Stücks wurde von König Louis XIV eigens gewünscht, da er gedachte, sich auf diesem Weg an der Überheblichkeit eines türkischen Gesandten, der sich durch den Glanz des Schlosses Versailles nicht hinreichend hatte blenden lassen, rächen zu können. Vgl. Peter, Ingrid; Schwarz, Gottfried: Le bourgeois gentilhomme. In: Jens, Walter (Hrsg.): Kindlers Neues Literaturlexikon. München, 1991, S. 835.
4 Hilgar, Marie-France: Fonctions des langues étrangères dans les comédies. In: Giraud; Yves (Hrsg.): Contacts culturels et échanges linguistiques au XVIIe siècle. Actes du 3e colloque du Centre International de Rencontres sur le XVIIe siècle. Université de Fribourg (Suisse) 1996. Paris – Seattle – Tübingen: Romanisches Seminar 1997, S. 79f.
5 Knauth, K. Alfons: Multilinguale Literatur. o.O., o.J., S. 3. (von Hrn. Prof. Knauth persönlich ausgehändigtes Manuskript)
6 Hilgar, Marie-France, 1997, S. 80.
7 Knauth, K. Alfons, o.J., S. 1f u. S. 5.
8 Makkaronische Dichtung. In: Wilpert, Gero von (Hrsg.): Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart, 71989, S. 553.
9 Knauth, K. Alfons, o.J., S. 3.
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