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Examination Thesis, 2003, 77 Pages
Author: Marcus Weber
Subject: Theology - Biblical Theology
Details
Tags: Wort, Gottesknecht, Kontext, Botschaft, Deuterojesajas, Verkündigung, Neuen, Testaments
Year: 2003
Pages: 77
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 36 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-38603-6
File size: 351 KB
Untersuchung des Gottesknechtslied Jes 53 hinsichtlich seines Kontextes und seiner Wirkungsgeschichte. An die Exegese von Jes 53 schließt sich die Frage nach der Rezeption im Judentum zu hellenistisch-römischer Zeit an. Danach werden die Rezeption und die Deutung im Neuen Testament untersucht; aufbauend auf den Ergebnissen der Arbeit wird die Deutung von Jes 53 für das Selbstverständnis Jesu - Verbindung der Titel Menschensohn und Gottesknecht - und für die Anfänge der Christologie dargestellt.
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Excerpt (computer-generated)
Das Wort vom leidenden Gottesknecht
(Jes 52,13 – 53,12) im Kontext der Botschaft Deuterojesajas und in der Verkündigung des Neuen Testaments
Schriftliche Hausarbeit
vorgelegt im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für die Primarstufe in Evangelischer Theologie
von
Marcus Weber
Bielefeld, 8. Dezember 2003
"Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren."
Lukas 4,21
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ... 5
1. Zur Einführung: Ein umstrittener Text ... 8
1.1 Der Kontext: Deuterojesaja und die Ebed-JHWH-Lieder ... 9
1.1.1 Die Botschaft des Propheten Deuterojesaja ... 10
1.1.2 Die vier Gottesknechtslieder und die Gestalt des Ebed JHWH ... 13
1.2 Der Text: Exegese von Jes 52,13 – 53,12 ... 17
1.2.1 Der Aufbau des vierten Gottesknechtsliedes ... 17
1.2.2 Jes 52,13 – 53,12 von Vers zu Vers ... 20
1.2.3 "Mein Knecht, der Gerechte, macht die Vielen gerecht, und ihre Verschuldungen – er trägt sie." (Jes 53,11) Zur Interpretation des vierten Gottesknechtsliedes ... 26
1.3 Jes 53 als Teil der Botschaft Deuterojesajas ... 30
2. Die Wirkungsgeschichte von Jes 53 im Judentum zu hellenistisch-römischer Zeit ... 34
2.1 Der Befund: Jes 53 in den Schriftzeugnissen des Judentums zu hellenistisch-römischer Zeit ... 34
2.1.1 Im alttestamentlichen Kanon: Die Bücher Sach und Dan ... 35
2.1.2 Im außerbiblischen Schrifttum: Der äthHen und die SapSal ... 36
2.1.3 In der LXX ... 38
2.2 Beurteilung des Befunds ... 40
3. Zusammenfassung: Jes 53 im Alten Testament und zu vorneutestamentlicher Zeit ... 42
4. Die neutestamentliche Rezeption des Wortes vom leidenden Gottesknecht: Der Textbefund ... 45
4.1 Die Zitate aus dem vierten Ebed-JHWH-Lied ... 46
4.2 Anklänge an die alttestamentliche Prophetie ... 49
5. Jes 53 im Neuen Testament: Analyse ausgewählter Textstellen ... 55
5.1 Das Wort vom leidenden Gottesknecht im Munde Jesu ... 55
5.1.1 Gottesknecht und Menschensohn: Mk 10,45 ... 55
5.1.2 Das Kelchwort: Mk 14,23 ... 57
5.1.3 Zu den Übeltätern gezählt: Lk 22,37 ... 58
5.2 Jes 53 im Zeugnis der urchristlichen Gemeinde ... 59
5.2.1 Der äthiopische Hofbeamte: Apg 8,26-40 ... 60
5.2.2 Ein urchristlicher Hymnus: Phil 2,6-11 ... 61
5.2.3 Die Gemeindeüberlieferung von der Auferstehung: 1Kor 15,3b-5 ... 62
Exkurs: Jesus der Menschensohn ... 64
6. Die Deutung der Ergebnisse: Der Einfluss von Jes 52,13 – 53,12 auf Jesu Selbstverständnis und auf die Urgemeinde ... 70
6.1 Das Selbstverständnis des Jesus von Nazareth ... 70
6.2 Jes 53 und die Anfänge der Christologie ... 71
7. Verzeichnis der Quellen und der zitierten und verwendeten Literatur ... 74
Vorwort
"Ohne Deutero- und Tritojesaja und in deren Mitte Jes 52,13 – 53,12 sind Jesu Werk und seine Passion historisch nicht zu verstehen."1 Diese These PETER STUHLMACHERS soll der Ausgangspunkt für die vorliegende Arbeit sein. Es geht um die Bedeutung eines herausragenden Teiles alttestamentlicher Prophetie für das Neue Testament. Der Umfang der neutestamentlichen Rezeption von Jes 40 – 66 erlaubt im engen Rahmen dieser Examensarbeit keine Vollständigkeit. Schon die Loci citati vel allegati im Novum Testamentum Graece weisen für Deutero- und Tritojesaja rund 360 neutestamentliche Bezugstellen aus.2 Um die Thematik einzugrenzen, beschränken sich meine Überlegungen auf das von P. STUHLMACHER als Mitte von Jes 40 – 66 bezeichnete vierte Gottesknechtslied. Sein Auftreten im Neuen Testament und sein Einfluss auf den Inhalt des Neuen Testaments sollen untersucht werden.
Der Inhalt des Neuen Testaments ist aber ein doppelter: In seinen Schriften begegnen uns einerseits die Autoren der Briefe und Evangelien, die ersten Theologen des Christentums. Auf der anderen Seite lässt sich hinter dem, was sie erzählen, auch der irdische Jesus finden. Die Christologie des Neuen Testaments basiert auf den Erzählungen und dem Glauben der Urgemeinde. Diese wiederum haben ihren Ursprung im Leben und Wirken jenes Jesus von Nazareth. Dementsprechend müssen wir für unsere Untersuchung eine zweifache Fragestellung ableiten: Zunächst ist danach zu fragen, welchen Einfluss Jes 53 auf die Entstehung der ältesten Christologie gehabt hat. Wie haben die Schreiber des Neuen Testaments Jesu Leben, Leiden und Sterben verstanden und welche Rolle spielt das vierte Gottesknechtslied in ihrer Interpretation? Von hier aus ist dann aber weiter zu fragen nach der Quelle dieser Christologie: Inwieweit geht dieses Verständnis von Jesu Leben und Sterben auf den irdischen Jesus selbst zurück? Welcher Art ist der Einfluss von Jes 53 auf Jesu Selbstverständnis? Sind uns – immer nur auf dem Weg des Rückschlusses – Erkenntnisse darüber möglich, wie Jesus das vierte Gottesknechtslied verstanden hat und welche Bedeutung seine Interpretation dieses Textes für die so folgenreichen Entscheidungen am Ende seines irdischen Wirkens hatte?
Der Weg zur Beantwortung all dieser Fragen muss zunächst über den alttestamentlichen Zusammenhang von Jes 53 führen. Vor der Exegese jedes nachösterlich bedingten Textes gilt es, Jes 52,13 – 53,12 im Horizont der Botschaft Deuterojesajas zu verstehen. Dies hat nicht zuletzt vor dem Hintergrund des jüdisch-christlichen Dialoges seine besondere Berechtigung; Juden und Christen haben diesen Text immer unterschiedlich verstanden. Die Gegensätze in der Auslegung haben bis heute Bestand und müssen zumindest mit bedacht werden, wenn herausgearbeitet werden soll, wie die Juden Jesus und Paulus an jenen großen Text herangegangen sind. Zu berücksichtigen ist hier besonders, wie das Judentum zu hellenistisch-römischer Zeit Jes 53 aufgreift.
An die alttestamentliche Würdigung von Jes 53 schließt sich die Erforschung der neutestamentlichen Rezeption an. Die Frage nach dem Auftreten des Textes im Neuen Testament muss neben den ausgewiesenen Zitaten auch die zahlreichen, nicht immer eindeutigen Anspielungen auf Inhalte des vierten Gottesknechtsliedes berücksichtigen.
Wenn auf diesem Wege das alt- und das neutestamentliche Textmaterial gesichtet worden sind, dann kann sich schließlich im letzten Abschnitt der Arbeit der Blick auf die beiden entscheidenden Fragen richten: Was erfahren wir anhand von Jes 53 im Neuen Testament über Jesu Selbstverständnis und welche Erkenntnisse gewinnen wir über die Christologie der Urgemeinde? Dies berührt dann auch die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Alten und dem Neuen Testament.
An dieser Stelle soll noch eine Bemerkung zur Verwendung bestimmter Begrifflichkeiten gemacht werden. An all jenen Stellen, an denen auf den hebräischen Gottesnamen verwiesen wird, steht das schweigende Tetragramm JHWH. Hiervon müssen nur die Zitate anderer Autoren ausgenommen bleiben – leider! Zur Begründung sei nur kurz an den berechtigt scharfen Protest jüdischer Theologen wie FRANZ ROSENZWEIG gegen diese Abwertung des Gottesnamens erinnert.3 Auch der christlichen Theologie sollte diese Handhabung eigentlich mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden sein, nicht nur aus Respekt vor dem älteren Bruder, sondern auch aus eigenem Antrieb heraus: Die gerade in unseren Ohren leere Bezeichnung "Jahwe" wird auch im Christentum der Inhaltsfülle des Gottesnamens nicht gerecht.
Die Bezeichnung "Spätjudentum" wird offenbar zunehmend als schwierig empfunden, da sie impliziert, dass das Judentum um die Zeitenwende an sein geistig-geistliches Ende gekommen sei.4 Daher soll in dieser Arbeit die Wendung "Judentum zur hellenistisch-römischen Zeit" verwendet werden; gemeint ist damit der Zeitraum vom zweiten Jh. v. Chr. bis zum zweiten Jh. n. Chr.
Häufiger verwendete hebräische Wörter stehen in einer eingedeutschten Fassung, zum Beispiel "Ebed" für צֶבֶד (= Knecht).
Die Schreibweise der biblischen Eigennamen und Abkürzungen folgt den Loccumer Richtlinien.
Die Zitate aus der Bibel folgen, wenn nicht anders angegeben, der Übersetzung nach M. Luther.
1. Zur Einführung: Ein umstrittener Text
Dem unbekannten Propheten der in der exegetischen Literatur – etwas behelfsmäßig – als Deuterojesaja bezeichnet wird, verdanken wir einige der größten und berührendsten Texte des Alten Testaments.
[...]
1 P. Stuhlmacher, Einführung, in: Wolff 1984, Jesaja 53, S. 9.
2 NT Graece, S. 460-462.
3 Ausführlich dargestellt bei Kittel 1993, Name I, S.37f.
4 So zum Beispiel http://www.uni-leipzig.de/~nt/asp/blaetter/judaism.htm, http://www.buber.de/cj/chrjud7.htm, http://www.sonntagsblatt.de/artikel/1998/4/4-s10.htm.
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