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Termpaper, 2001, 15 Pages
Author: Steffi Rothmund
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Freiburg (Neuere Deutsche Literatur)
Tags: Hungermotiv, Nahrung, Ernährung, Franz, Kafka, Verwandlung
Year: 2001
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-38627-2
File size: 226 KB
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Excerpt (computer-generated)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.
Institut für Neuere Deutsche Literatur
Einführung in das Studium der Neueren Deutschen Literaturgeschichte
1. Semester
Das Hungermotiv - Nahrung und Ernährung bei Franz Kafka
von: Steffi Rothmund
Inhaltsverzeichnis
I Vorwort 2
II Das Hungermotiv – Nahrung und Ernährung bei Franz Kafka
1. Die Nahrungsmetapher in den Erzählungen „die Verwandlung“ und „ein Hungerkünstler“
1.1 Interpretation der Nahrungsmetapher und die Sehnsucht nach unbekannter Nahrung in der Verwandlung 3
1.2 Fortsetzung und Höhepunkt der Nahrungsmetapher im Hungerkünstler 7
1.3 Parallelen der beiden Beispielwerke in Bezug auf das Nahrungsthema und dessen Rahmenbedingungen 8
2. Das In- und Nebeneinander von Kafkas persönlicher und künstlerischer Problematik
2.1 Kafkas Verhältnis zu Nahrung, Gesundheit und Körper mit Bezug auf seine künstlerische Problematik 10
2.2 Niederschlag seiner problematischen Lebenseinstellung in seinem Werk 11
III Literaturverzeichnis
1. Quellen 13
2. Darstellungen 13
I Vorwort
Da Franz Kafkas Gesamtwerk durch seine parabolische Metaphorik einen überaus großen Deutungsspielraum zulässt, stellt die hermetische Welt seiner Werke eine ständige Herausforderung an seine Leser dar, verwehrt ihm letztlich aber jede eindeutige Interpretation.
Obwohl Kafka mit Sicherheit einer der Autoren der letzten Jahrzehnte ist, der am meisten überinterpretiert wurde, so lässt sich doch das Charakteristikum seines Gesamtwerkes kurz und knapp auf einen Punkt bringen: Kafka baut aus Bruchstücken der Wirklichkeitserfahrung eine Welt der Orientierungslosigkeit und er stellt nicht nur den Menschen in der Selbstentfremdung, sondern auch den Kampf dessen gegen anonyme Mächte und das Ausgeliefertsein an die eigene Existenz dar. In dieser Arbeit möchte ich dem Thema der Nahrung im Werk Kafkas, oder vielmehr dem Thema der nutritiven Abstinenz, auf den Grund gehen und Parallelen zu Kafkas eigenem Leben ziehen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Erzählungen „die Verwandlung“ und „ein Hungerkünstler“. Die Wahl der beiden Beispielwerke erfolgte nach sorgfältiger Überlegung aus folgenden Gründen:
In beiden Erzählungen werden von Franz Kafka Ausnahmeexistenzen dargestellt, die eine Sache gemeinsam haben, nämlich die Suche nach der für sie geeigneten Nahrung. Zunächst möchte ich eine Interpretation der Nahrungsmetapher der 1912 entstandenen Erzählung „die Verwandlung“ geben und die Nahrungsmetapher in Bezug zu der 12 Jahre späteren Erzählung „ein Hungerkünstler setzen, woraufhin Parallelen der beiden Werke bezüglich des Nahrungsmotivs und seinen Rahmenbedingungen aufgezeigt werden. Im letzten Teil der Arbeit möchte ich schließlich auf die Lebensproblematik Franz Kafkas eingehen und ihren Niederschlag in den beiden Beispielwerken aufzeigen. Ergo liegt das angestrebte Erkenntnisinteresse in der Frage, ob, aber vor allem in welcher Form sich Parallelen zwischen dem inneren Konflikt und den Werken Kafkas ziehen lassen, und welche Rolle die Nahrungsmetapher dabei spielt. Bevor ich nun aber ,in medias res‘ gehe, möchte ich noch vorausschicken, dass das Thema des Hungermotivs bei Franz Kafka sehr umfangreich ist. Da nun aber diese Hausarbeit nicht über die bemessene Länge von etwa 13 Seiten hinausgehen soll, habe ich mich dazu entschlossen, die einzelnen Themen exemplarisch an den beiden Erzählungen „die Verwandlung“ und „ein Hungerkünstler“ zu bearbeiten.
II Das Hungermotiv – Nahrung und Ernährung bei Franz Kafka
1. Analyse der Erzählungen „die Verwandlung“ und „ein Hungerkünstler“
1.1 Die Nahrungsmetapher und die Sehnsucht nach unbekannter Nahrung in der Erzählung „die Verwandlung“
Nach der anfänglichen Hoffnung, seine alte Situation wiederherstellen zu können, muß der Protagonist der Erzählung, Gregor Samsa, schließlich einsehen, dass dies aufgrund seiner Verwandlung in einen Käfer nicht mehr möglich ist. So passen sich nun auch die Essgewohnheiten seiner neuen Gestalt nur langsam an. Unmittelbar nach seiner Verwandlung verspürt Gregor einen sehr großen Hunger1, was wohl daran liegen mag, dass er sich seiner Verwandlung noch nicht bewußt ist und sie vielmehr als eine momentane Unpässlichkeit sieht. Mit anderen Worten : er hält sich noch für einen Menschen, der ein ordentliches Frühstück zu brauchen scheint, um seinem Arbeitstag gestärkt angehen zu können.
Als Gregor wenige Minuten später feststellt „ dass er keine eigentlichen Zähne hatte “2 , wird ein eventuelles Problem bezüglich der Nahrungsaufnahme bereits angedeutet, da Zähne im Allgemeinen die eigentliche Voraussetzung für eine ausreichende Nahrungsaufnahme bilden. Im Gesamtverlauf der Geschichte nimmt Gregors Appetitlosigkeit mehr und mehr zu3, er möchte zwar essen, findet allerdings keine Speise, von der er glaubte, sie würde ihm schmecken. Im Kontrast zur Appetitlosigkeit Gregors stehen sowohl die Vitalität, als auch der gesunde Appetit der Zimmerherren.4 Deren übertriebenes Kauen beim Abendessen im dritten Teil der Erzählung wird derart hervorgehoben, dass Gregor wahrscheinlich zum ersten mal bewußt wird, dass die Zimmerherren, auch bildlich, seinen Platz innerhalb der Familie einnehmen, woraus deshalb ersichtlich scheint, dass die Verbindung zu Gregor seitens der Familie abgebrochen ist und nunmehr kein Zusammenhalt innerhalb der Familie besteht. Dies zeigt sich auch im weiteren Verlauf der Erzählung, als die Familie nach Meinungsäußerung Gretes beschließt, Gregor loszuwerden. Gregor kommt dem allerdings zuvor, indem er seinerseits die Verbindung durch seinen Tod löst.
Interessant für die Interpretation der Nahrungsmetapher ist auch Gregors Spiel mit dem Essen. „Nur wenn er zufällig an der vorbereiteten Speise vorüberkam, nahm er zum Spiel einen Bissen in den Mund, hielt ihn dort stundenlang und spie ihn dann meist wieder aus.“5 Das Spiel, wie er es selbst nennt, zeigt sehr deutlich wie unverantwortlich er mit Nahrung dass sie ihm schon nicht mehr allzu wichtig zu sein scheint. Schon kleinen Kindern lehrt man, nicht mit Essen zu spielen.
Prinzipiell kann man das gemeinsame Einnehmen von Mahlzeiten innerhalb einer Familie als Symbol für familiäre Intaktheit sehen. Das familiäre Zusammentreffen der Familie Samsa bei den Mahlzeiten ist allerdings von Beginn der Erzählung davon geprägt, dass Vater, Mutter und Schwester zwar sämtliche Mahlzeiten im Hause Samsa nahezu zeremoniell zu sich nehmen6 , Gregor aber eine Sonderstellung einnimmt, da er bedingt durch seinen Beruf meist selten zu Hause ist bzw. ißt, was bedeutet, dass er bereits von Beginn an ein familiärer Außenseiter ist.
[...]
1 V: vgl. Franz Kafka: die Verwandlung. Stuttgart 2001. S.7
2 V. S. 17
3 vgl. V. S.49
4 vgl. V. S.51
5 V. S.50
6 vgl. V. S. 18
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