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Diploma Thesis, 2000, 100 Pages
Author: Danko Knothe
Subject: Politics - International Politics - Topic: Globalisation, Political Economics
Details
Tags: Globalisierung, Wettbewerb
Year: 2000
Pages: 100
Grade: 1,1
Bibliography: ~ 172 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-10024-3
File size: 491 KB
Ökonomische Globalisierung und Politischer Wettbewerb: Über die Politik von Wettbewerbsstaaten in den Internationalen Wirtschaftsbeziehungen - untersucht am Beispiel der Triade USA, Japan und der Bundesrepublik Deutschland
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Excerpt (computer-generated)
Ökonomische Globalisierung und politischer Wettbewerb
Über die Politik von Wettbewerbsstaaten in den
Internationalen Wirtschaftsbeziehungen -
untersucht am Beispiel der Triade USA, Japan und Bundesrepublik Deutschland
Diplomarbeit
Zur Erlangung des Grades eines Diplompolitikwissenschaftlers
am Institut für Politikwissenschaft im Fachbereich Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
vorgelegt von Danko Knothe
Halle, den 10.09.2000
Gliederung
Verzeichnis der Abbildungen . . . . 4
Einleitung . . . . . . . 5
1. Die Globalisierungsdebatte- Positionen . . 12
1.1 Die Debatte . . . . . . 12
1.2 Positionen . . . . . . 13
1.2.1 Globalisierung als neues, folgenreiches Phänomen 14
1.2.2 Globalisierung - kein neues und kein folgenreiches Problem . . . . 16
2. Globalisierung - eine Begriffsdefinition . . 19
2.1 Dimensionen . . . . . . 19
2.1.1 Ökonomische Globalisierung . . . 19
2.1.1.1 Produktion und Direktinvestitionen . 21
2.1.1.2 Handel . . . . . 23
2.1.1.3 Finanzmärkte . . . . 26
2.1.2 Kulturelle Globalisierung . . . . 29
2.1.3 Ideologische Globalisierung . . . 31
2.2 Definition des Begriffs . . . . 32
3. Politische Folgen ökonomischer Globalisierung . . . . . . 35
3.1 Neue Komplexität . . . . . 35
3.2. Governance-Probleme im Nationalstaat . . 36
3.2.1 Einschränkungen makroökonomischer Steuerungsmacht . . . . . 38
3.2.2 Einschränkungen sozialpolitischer Distributionsmacht . . . . . 43
3.2.3 Regionalisierung . . . . . 45
3.3 Governance-Probleme im Internationalen System 47
4. Wettbewerbsstaaten . . . . . 49
4.1 Notwendigkeit des Wettbewerbsstaates . . 49
4.2 Gouvernementale Politik als Standortfaktor . 51
4.3 Wettbewerbstaat und Wettbewerbsfähigkeit . 52
4.3.1 Makroökonomische Wettbewerbsfähigkeit 53
4.3.1.1 Makroökonomische Wettbewerbsfähigkeit in der Triade . . . . . 53
4.3.2 Systemische Wettbewerbsfähigkeit . 58
4.3.2.1 Systemische Wettbewerbsfähigkeit in der Triade 60
4.4 Wettbewerbsstaat und die Logik kollektiven Handelns 64
4.4.1 Das Korporatismusmodell Japans . . . 66
4.4.2 Deutscher Sozialstaat . . . . 67
4.4.3 Amerikas laissez faire . . . . 69
5. Politischer Wettbewerb zwischen Wettbewerbstaaten 70
5.1 Politischer Wettbewerb . . . . 70
5.2 Wettbewerbspolitik in der Triade . . . 72
5.2.1 Japanischer Neomerkantilismus . . . 74
5.2.2 US-amerikanischer Nichtinterventionismus . 76
5.2.3 Deutschlands Unentschlossenheit, Europas Unvermögen . . . . 78
5.3 Unilateralismus, Multilateralismus und die Uruguay-Runde des GATT . . . 80
5.3.1 USA: Aggressiver Unilateralismus . . . 82
5.3.2 Japans vermeintlicher Königsweg: Kontingente . 83
5.3.3 EU: Protektionismus als Strukturproblem . 84
5.3.4 WTO: Ende des Unilateralismus? . . . 85
5.4 Zur Erklärungskraft neorealistischer und institutionalistischer Theorien der Internationalen Beziehungen . . . 85
Globalisierung und politischer Wettbewerb - Schluß 87
Literaturverzeichnis . . . . . 88
Verzeichnis der Abbildungen
Abbildung 1: Prozentuale jährliche Veränderung des Exports der Triadestaaten 1987-1997 25
Abbildung 2: Staatsquoten in den Triadestaaten 1980-2000 39
Abbildung 3: Vergleich der Steuereinnahmen aus privaten Haushalten und Unternehmen sowie Subventionen an Unternehmen in Deutschland 1991-1997 40
Abbildung 4: Zinslast und Investitionsausgaben im Bundeshaushalt 1981-2000 40
Abbildung 5: Jährliches Öffentliches Defizit und Staatsschuldenquote in % des BIP in den Triadestaaten 1980-2000 41
Abbildung 6: Reale Steuerquote und Quote der Sozialabgaben gemessen am BIP in den Triadestaaten 1970-1996 42
Abbildung 7: Arbeitslosenquoten in den Triadestaaten 1985-2000 44
Abbildung 8: Sozialbeiträge und Sozialleistungen in Deutschland 1991-1997 44
Abbildung 9: Jährliche Handelsbilanzsalden der Triadestaaten (in Mrd. US-$) 1987-2000 54
Abbildung 10: Reale Veränderung des BIP gegenüber dem Vorjahr in den Triadestaaten 1985-2000 55
Abbildung 11: Wertschöpfungsbeitrag pro Beschäftigtem zum BIP in den Triadestaaten 1999 (in US-$) 56
Abbildung 12: Anteile der Triadestaaten am Welthandel mit Produkten der Hochtechnologie 1989-1999 57
Abbildung 13: Aufwendungen für FuE in der Triade 1989-1998 absolut und in % des BIP 58
Abbildung 14: Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen und Saldo der DI-Bilanz in den Triadestaaten 1992-1997 62
Abbildung 15: Bestand an FDI in den Triadestaaten und deren Direktinvestitionsbestand im Ausland 1985-1997 63
Abbildung 16: Bestand ausländischer Direktinvestitionen in % des BIP in den Triadestaaten 1980-1996 63
Es ist ein gewaltiger Irrtum theoretischer Menschen, wenn sie glauben, ihr Platz sei an der Spitze und nicht im Nachtrab der großen Ereignisse. (...) Die wirkliche Geschichte fällt ihr Urteil nicht, indem sie den Theoretiker widerlegt, sondern indem sie ihn samt seiner Gedanken sich selbst überläßt. Oswald Spengler
Einleitung
,,Die Wirtschaft ist unser Schicksal": Am Beginn des 20. Jahrhunderts mochte dieses Diktum des Großindustriellen Walter Rathenau für viele seiner Zeitgenossen noch etwas übertrieben klingen. Zwar wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts - ermöglicht von massiven technologischen Umbrüchen (Eisenbahn, Telegraph) - durch inten-siven Handel, massive Investitionen in aufstrebende Volkswirtschaften und einer sich verstärkenden Interdependenz der führenden Wirtschaftsräume zum ersten Mal in der Neuzeit eine wirkliche Weltwirtschaft in Umrissen kenntlich. Die Globalisierung der Arbeits- und Kapitalmärkte war zumindest in Nordamerika und Europa sowie dessen Kolonien Realität, starke Migrationsbewegungen und wiederkehrende Finanzkrisen sichtbarer Ausdruck dafür, und nicht zufällig hat Joseph Schumpeter damals im Auf und Ab der Konjukturzyklen, in rasantem technischen Fortschritt, in der ,,kreativen Zerstörung" das eigentlich charakteristische Merkmal des Kapitalismus erkannt. Auf der anderen Seite aber haben damals nationalstaatliche Interessen, imperialistische Machtpolitik und Bündnislogik, die Konstanten der militärisch-politischen Welt also, durch Rüstungswettläufe, diplomatische Krisen und militärische Expeditionen die politischen Geschicke der Welt noch zu einem erheblichen Teil bestimmt. Die Politik, wie es Napoleon Bonaparte behauptet, und nicht die Wirtschaft entschied letztlich über das Schicksal der Menschen, das liberale Weltwirtschaftssystem zerbrach unter dem Eindruck des 1. Weltkriegs, der Russischen Revolution sowie der Weltwirtschaftskrise. Der Kalte Krieg schließlich hat die Welt nicht nur ideologisch, sondern auch physisch und ökonomisch gespalten. Am Beginn des 21. Jahrhundert scheint - spätestens nach der globalen Krise des internationalen Finanzsystems 1997/98, die jedem Beobachter die weltweite ökonomische Interdependenz offenbart haben sollte -, was für Rathenau und andere bereits damals eine unabwendbare Entwicklung darstellte, doch immer weniger zweifelhaft - aus mehreren Gründen.
Zum einen gibt es nach 1989 zum westlichen Modell marktwirtschaftlicher Demokratie keine durchsetzungsfähigen politischen und ideologischen Alternativen mehr. Sowohl zur liberalen Wirtschaftsordnung, als auch zur nach rechtsstaatlichen Grundsätzen konstituierten parlamentarischen Demokratie existieren keine praktikablen Gegenentwürfe. Zum anderen haben sich die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, die Wettbewerbsfähigkeit der Marktakteure oder des ,,Standortes" und der durch die Wirtschaftskraft ermöglichte gesellschaftliche Wohlstand mittlerweile zu entscheidenden Kriterien der Legitimation und Akzeptanz für moderne politische Systeme westlicher Prägung entwickelt. Somit kann es schließlich nicht verwundern, daß die durch den technologischen Fortschritt ermöglichten beschleunigten Prozesse der Weltwirtschaft in einer zweiten Phase der Globalisierung, deren Beobachter wir sind, sowohl von den ökonomischen Akteuren erhebliche Anpassungsleistungen verlangen als auch für die politischen Systeme in den entwickelten Wirtschaftsnationen nicht ohne Folgen bleiben können. Die vorliegende Arbeit hat es sich nunmehr zum Ziel gestellt, die Implikationen der ökonomischen Globalisierung auf die außenpolitische und außenwirtschaftliche Orientierung von Staaten zu untersuchen, die in besonderer Weise den Prozeß der Globalisierung mitgestalten und auch am stärksten durch diesen geprägt werden. Am Beispiel der Triade USA, Japan sowie Bundesrepublik Deutschland soll erörtert werden, ob und inwieweit ökonomische Globalisierung, die auch als Triadisierung bezeichnet worden ist, für die politischen Systeme dieser Staaten Streß erzeugt, durch welchen ihre Position im und ihr Verhältnis zum System der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen verändert wird und welche politischen Strategien sich daraus ergeben könnten.
Alles in allem wird Globalisierung von der Mehrzahl der Sozialwissen-schaftler als Epochenphänomen mit weitreichenden Folgen für die Nationalstaaten aufgefaßt. In der Debatte überwiegen Positionen, wonach diese durch die Globalisierung Handlungsmacht, Legitimität und Akzeptanz einbüßen und ihnen Steuerungs- und Verteilungsmöglichkeiten verloren zu gehen drohen. Multinationale Unternehmen und das System der internationalen Finanzmärkte spielten dagegen nach Meinung vieler Autoren eine immer größere Rolle sowohl in der internationalen Politik als auch bei Distributionsentscheidungen in den Nationalstaaten. Diese Ansichten bergen erhebliche Brisanz für einige theoretische Modelle der Internationalen Beziehungen. In den (neo)realistischen und institutionalistischen IB-Theorien werden bekanntlich gerade die Nationalstaaten als die dominierenden Akteure des durch sie konstituierten Internationalen Systems begriffen. Insofern könnte die Deutungskraft dieser IB-Theorien in der Globalisierungsdebatte immer mehr in Frage gestellt werden. Trotzdem soll in dieser Untersuchung neben Erklärungsmodellen der liberalen Internationalen Politischen Ökonomie (IPÖ) auch auf diese Theorien zurückgegriffen werden.
In dieser Arbeit werden nicht die sozialen und gesellschaftspolitischen Folgen des Globalisierungsprozesses in den Mittelpunkt gerückt, sondern die Frage, wie die ökonomische Globalisierung, die als unabhängige Variable definiert wird, sich auf die Stellung moderner politischer Systeme in den Internationalen Wirtschafts-beziehungen auswirkt oder diese verändert, und in welchem Umfang sich diese Prozesse vollziehen oder zukünftig vollziehen könnten. Dazu soll zunächst versucht werden, den Begriff Globalisierung in seinen unterschiedlichen Dimensionen zu operationalisieren. Im Rahmen dieser Erörterung wird deutlich werden, daß die für unser Thema entscheidende Dimension der Globalisierung in den ökonomischen und technologischen Prozessen liegt, im Handel mit Gütern und Dienstleistungen sowie im Transfer von Kapital und Informationen. Der Fokus wird also auf den Internationalen Wirtschaftsbeziehungen (IWB) und ihren maßgeblichen Akteuren liegen. Als Akteure der IWB kann man neben den ökonomischen, nämlich Multinationalen Unternehmen und Banken, Pensions- und Investmentfonds u.a., auch politische identifizieren: Neben internationalen Organisationen und Regimen, z.B. IWF, Weltbank oder WTO, sind dies natürlich immer noch die Nationalstaaten, und dort vor allem die wirtschaftlich erfolgreichen Staaten, im allgemeinen also die OECD-Welt, konkreter die G-7 und im wesentlichen die G-3, also die Triade USA, Japan und Deutschland.
Wie aber ist es tatsächlich um die Handlungsfähigkeit nationaler politischer Systeme im Prozeß der Globalisierung bestellt? Die hier vertretene These lautet, daß ökonomische Globalisierung in erster Linie zu einer Veränderung der Kosten führt, die bei der Umsetzung bestimmter politischer Programme entstehen. Damit dürften auf der einen Seite wohlfahrtsstaatlich-distributiv orientierte Politikoptionen unter besonders starken Druck geraten, denn die mit ihnen verbundenen Kosten setzen diejenigen gesellschaftlichen Interessengruppen, die für ihre Umsetzung eintreten, einem erheblich stärkeren Legitimationsdruck aus, zumal bei intensiviertem ökonomischen Standortwettbewerb mit abnehmender Leistungsfähigkeit dieser Politikprogramme gerechnet werden muß. Auf der anderen Seite dürfte das idealtypische Modell des Wettbewerbsstaates (competition state) einflußreicher werden, demzufolge es Wettbewerbsstaaten sind, die strukturell und institutionell den Herausforderungen der Globalisierung am besten zu begegnen vermögen. Als Anbieter eines günstigen Investitionsumfelds definierten sie ihren Erfolg durch den Umfang und die Qualität von Ansiedlungsentscheidungen ökonomischer Akteure. Diese Staaten entwickelten sich damit immer mehr zu Anbietern eines ,,Standortes", zu Dienstleistern, die ihre Standortfaktoren mit dem Ziel, ein attraktives Investitions- und Produktionsklima zu erzeugen, zu beeinflussen versuchen würden, während sozialpolitisch begründete Distributionsleistungen zurückgingen. Dieses Modell weist durchaus methodische Schwächen auf, die in unserer Untersuchung nicht verschwiegen, sondern offen diskutiert werden sollen. Hier sind speziell die Überbetonung wirtschaftsrationaler Argumente und die Gleichgültigkeit gegenüber Prozessen, die innergesellschaftlich zur Herstellung von Legitimation für politische Entscheidungen notwendig erscheinen, und den daran beteiligten Akteuren zu nennen. Die auf die Verteilung kollektiver Güter Einfluß nehmenden Entscheidungskoalitionen - M. Olson hat ihre Wirksamkeit nachgewiesen - bleiben in ihm unberücksichtigt. Die Stärke des Wettbewerbsstaatmodells indes liegt unseres Erachtens darin, daß es auf der einen Seite ein sehr brauchbares Instrument zur Skizzierung der Optionen nationalstaatlicher Politik im Prozeß der Globalisierung darstellt und auf der anderen Seite ein grundlegendes Verständnis für die Welt und die tiefgreifende Veränderung, der sie durch diesen Prozeß ausgesetzt ist, zu liefern vermag; ein Verständnis für die Welt, wie sie möglicherweise noch nicht ist, jedoch bald sein könnte. Politische Systeme werden sich der von der ökonomischen Globalisierung erzwungenen Handlungslogik immer weniger entziehen können, es sei denn auf Kosten ihres Wohlstands. Insofern ist es auch nicht sonderlich wichtig, ob sich politische Systeme als Wettbewerbstaaten ausdrücklich definieren (werden) - was in vielen Gesellschaftsmodellen schwerfallen dürfte - oder nicht, solange sie ihre Politik grosso modo an der in diesem Modell definierten Agenda ausrichten.
Politische Administrationen müssen sich unserer Meinung nach stärker als zuvor an erfolgreicher Wirtschaftspolitik, deren Fokus nicht mehr nur ein nationaler sein kann, messen lassen und deshalb bemüht sein, die wettbewerbsstaatliche Handlungslogik zu übernehmen oder sich dieser zumindest anzunähern. Als Anbieter von Geschäftsbedingungen (business conditions), über deren Attraktivität letztlich die ökonomischen Akteure Globaler Märkte entscheiden, verringert sich auf der einen Seite ihr makroökonischer Einfluß, auf der anderen Seite treten sie mit den Administrationen anderer Staaten in einen politischen Standortwettbewerb, in dem sie sich als rationale Egoisten verstehen werden. In dieser Konkurrenz geht es um die Erreichung von - wie wir es nennen wollen - systemischer Wettbewerbsfähigkeit, d.h. um die Schaffung struktureller und institutioneller Voraussetzungen, die es erlauben, im Wettstreit um attraktive Investitionen, hochqualifizierte Arbeitsplätze und die damit verbundenen Steuereinnahmen, erfolgreich agieren zu können. Im politischen Wettbewerb könnten die Staaten geneigt sein, Maßnahmen der Strategischen Handels- und Investitionspolitik (STIP) zu verfolgen, um ökonomische Steuerungsmacht zurückzugewinnen oder zu demonstrieren
In der vorliegenden Arbeit soll nun die Frage zu beantworten versucht werden, auf welche Strategie politische Administrationen, die durch die Verfolgung einer wettbewerbsstaatlichen Handlungslogik immer stärker in einen politischen Wettbewerb geraten, in der internationalen Arena setzen: Kooperation oder Verweigerung, weitere Öffnung ihrer Märkte oder Protektionismus. Dieser Problematik ist noch nicht nachgegangen, d.h. das Modell des Wettbewerbsstaates ist bisher für die Analyse außen- und außenwirtschafts- bzw. handelspolitischer Entscheidungen nicht angewendet worden, was wohl in einem Paradigma liberaler IPÖ begründet liegt: Danach sollten Nationen - auf der Grundlage eines institutionell gestützten und eingehegten, zudem ideologisch weitgehend konkurrenzlosen Liberalismus -, im wohlverstandenem Eigeninteresse, zu internationaler Zusammen-arbeit und zum Freihandel keine Alternative sehen und sich auch weiterhin am Ausbau internationaler Kooperation sowie am Abbau von Handelshemmnissen interessiert zeigen, wovon sie schließlich alle profitierten. In die gleiche Richtung argumentieren Theoretiker des Institutionalismus, von denen die in supranationalen Organisationen sich manifestierende internationale Kooperation der Nationalstaaten als entscheidendes und sich selbst stabilisierendes Element internationaler Beziehungen erachtet wird.
Dieser Position könnte man aber nun mit (neo)realistischen Argumenten entgegengehalten, daß die ökonomische Globalisierung den Wettbewerb zwischen politischen Systemen verschärft, indem die von erfolgreichen Wettbewerbsstaaten präsentierten Politikangebote von den Marktakteuren mit Investitionen entsprechend belohnt werden, während andere weniger erfolgreich agieren. Kurz: dieser politische Wettbewerb generiert mächtige, die Regeln diktierende Gewinner - und Verlierer, die sich nicht in ihr Schicksal zu fügen gedenken könnten. Gerade deshalb könnte es nicht unwahrscheinlich sein, daß jene politischen Systeme, deren Angebote vom Markt nicht oder zu wenig honoriert werden, sich dem Wettbewerb und dessen als negativ perzipierten Implikationen zu verweigern versuchen werden, zumal wenn ein stabilisierender Hegemon im politischen Raum fehlt. Regionalisierung, protektionistische Abschottung und andere Verweigerungsmaßnahmen könnten Strategien sein, auf die sich dann Nachzügler und potentielle Verlierer des Globalisierungsprozesses festlegen, auch wenn dabei - gemäß liberaler Theorie - nur suboptimale Ergebnisse zu erwarten stehen.
Es geht darum, zwei Einflußfaktoren zu identifizieren, die nach unserer Überzeugung bei politischen Administrationen eine Verweigerung von Kooperation in den Internationalen Wirtschaftsbeziehungen wahrscheinlich werden lassen könnten: 1. Druck, der von gesellschaftlichen Interessengruppen, die ihre Distributionsmacht durch ökonomische Globalisierungsprozesse eingeschränkt sehen könnten, ausgeübt wird; und 2. - paradoxerweise - der sich intensivierende kompetitive Deregulierungswettbewerb zwischen politischen Administrationen, in dem es um Wohlstand und Ansiedlungsentscheidungen geht, selbst, wenn dadurch die ökonomische und politische Machtposition vormals leistungsfähiger und/oder machtpolitisch gewichtiger Staaten beeinträchtigt werden sollte.
Daß dabei nicht die beinahe sicheren Globalisierungsnachzügler in der Peripherie, außerhalb der OECD-Welt (darunter überwiegend politische Systeme, die auch bisher nicht sonderlich durch Stabilität oder wirtschaftliche Prosperität aufgefallen sind) im Mittelpunkt unserer Untersuchung stehen werden, versteht sich fast von selbst. Viel ergiebiger ist die Analyse der entwickelten und dem Idealtypus des Wettbewerbstaates am nächsten kommenden Staaten in der Triade, die drei größten Volkswirtschaften der Welt USA, Japan und Deutschland, weil sich dort einerseits gesellschaftliche Interessengruppen identifizieren lassen, die durch den Globalisierungsprozeß ökonomischen und politischen Einfluß zu verlieren und wenig zu gewinnen haben, diese Staaten andererseits aber auch über genügend Macht- und Einflußmöglichkeiten verfügen, um den ökonomischen Globalisierungsprozeß beeinträchtigen zu können.
Die vorliegende Arbeit ist in weiten Teilen eine theoretische. Sie nähert sich dem Untersuchungsgegenstand qualitativ, indem sie versucht, das Phänomen ökonomischer Globalisierung und die Folgen, die sich dadurch für die Handlungslogik politischer Administrationen ergeben, einzuschätzen. In einer nicht umfassend zu leistenden empirischen Annäherung sollen die innerhalb der Triadestaaten getroffenen Entscheidungen, die deren politische Systeme dem Idealtypus des Wettbewerbsstaates angenähert haben, analysiert werden. Weiterhin geht es darum, innergesellschaftliche Einflußgruppen zu identifizieren, die sich für Strategien der Globalisierungsverweigerung eingesetzt haben oder bei denen solche Politiken in Zukunft auf Resonanz stoßen könnten. Abschließend wird anhand der in der Uruguay-Runde des GATT vertretenen Positionen der Triadestaaten auf die außenwirtschafts- und handelspolitischen Folgen des politischen Wettbewerbs zwischen den politischen Administrationen der Triade eingegangen, wobei die Erklärungskraft neorealistischer und institutionalistischer Theoriemodelle untersucht werden soll
Die Einleitung beschließend umreißen die folgenden Arbeitshypothesen unser Erkenntnisinteresse:
- Wirtschaftsrationales Kalkül und politische Vertretungslogik könnten, aber müssen nicht kollidieren. Die in modernen demokratischen Systemen anzutreffende Logik der Verteilung und Allokation kollektiver Güter beruht auf Aushandlungsprozessen und Konsensen, die unter Teilnahme gut organisierter Einflußgruppen hergestellt und politisch vertreten werden. Unter dem Einfluß ökonomischer Globalisierung ändert sich die Logik bei der Verteilung kollektiver Güter und damit könnte die Legitimität der bisherigen Verteilungskoalitionen abnehmen.
- Von Gesellschaftsmodellen werden erhebliche Anpassungsleistungen verlangt. In Gesellschaftsmodellen, in denen wohlfahrtsstaatliche Umverteilungs- und/oder dirigistische makroökonomische Steuerungspolitiken einflußreich gewesen sind, dürfte der Einfluß von Interessengruppen, die ihre Position durch einen als negativ perzipierten und durch die ökonomische Globalisierung verstärkten Wettbewerb der politischen Systeme gefährdet sehen, am größten sein. Dadurch könnte dort die Tendenz zu politischen Programmen, mit denen man sich den Folgen des Globalisierungsprozesses zu entziehen versucht, am stärksten ausgeprägt sein.
- Politische Entscheidungen bedürfen der Legitimation durch gesellschaftliche Mehrheiten. Wenn wahrscheinlich ist, daß sich status-quo-orientierte rent-seeking-Modelle innerhalb dieser politischen Systeme zu relevanten Politikoptionen entwickeln, die von den Elektoraten eingefordert und von den politischen Eliten implementiert werden, stehen weitreichende Folgen für das System der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen zu befürchten. Dann könnten die Verweigerung weiterer ökonomischer Integrationsschritte, die Blockade in Internationalen Regimen und Organisationen und/oder sogar die offene Rückkehr zum Protektionismus Strategien sein, auf die politische Akteure sich verpflichtet sehen. Theoriemodelle, die diese Möglichkeiten allein schon durch multilaterale Selbstbindung der politischen Akteure oder wegen eines gesellschaftsimmanenten Liberalismus ausgeschlossen sehen, verkennen Grundzusammenhänge politischer Willensbildung.
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